Montag, 7. Januar 2013

Standpunkt 506 - Nachrichten-Ticker, 06.01.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...   

Tagesthemen: Eurokrise ist vorbei – Ifo-Prognose für 2013 – Strategiewechsel in der Eurokrise –Europa – Irland – Frankreich – USA-Staatsschulden – Fed 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher


Barroso teilt mit: Die Euro-Krise ist offiziell beendet
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Chef der EU-Kommission Barroso sagt, die Risiken für die Eurozone seien verschwunden - die Krise wird nun in Brüssel offiziell für beendet erklärt. Die Märkte hätten verstanden, dass die europäischen Führer den Euro um jeden Preis bewahren werden. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Nach Monti (hier: Monti feiert: "Haben Italien und die Eurozone gerettet") und Schäuble (hier: "Schäuble erklärt die Euro-Krise für beendet"), jetzt auch noch Barroso. Bei solchen Krisen-Managern darf man sich nicht wundern, wenn Europas politische und wirtschaftliche Rolle in der Welt schwindet. Was Barroso veranstaltet ist ein Angriff auf die Intelligenz und führt bei uns geradewegs in die Schnappatmung. Wegen solcher Äußerungen: "Es besteht kein Anlaß, an den Mitteilungen aus Brüssel zu zweifeln. Die Kommission hat wirkungsvolle Konzepte entwickelt, um die restlichen noch verbliebenen marginalen Probleme in der Euro-Zone zu lösen." Wirkungsvolle Konzepte für marginale Probleme? Wir fragen uns: Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank? Über solche Lügen haben wir bereits ausführlich geschrieben: "Europas Lügen haben kurze Beine!" (hier). Schon damals haben wir über solche Äußerungen berichtet. Wer diesen Beitrag noch nicht kennt, dem sei er dringend empfohlen. 


Ifo sagt moderates Wachstum voraus
(handelsblatt.com) Die Prognose des Präsidenten des Ifo-Instituts für 2013 fällt positiv aus: Er rechnet mit einem Wachstum der Wirtschaft und einem Rückgang der Inflationsrate. Die Arbeitslosenquote werde sich stabilisieren. Mehr... 

Kommentar: Endlich ist es soweit, der große Seher aus München gibt mit seiner Prophezeiung für 2013 Entwarnung. Die Kanzlerin wird es ihm danken. So wird es bis zum Wahlsonntag weitergehen. Wetten? Sehr erstaunlich: Sinn erwartet einen Rückgang der Inflation, dem Inbegriff der German Angst (hier).


Wirtschaftsweiser fordert dickes Lohnplus
(manager-magazin.de) "5 Prozent Plus über alle Branchen hinweg" - Vor den anstehenden Tarifverhandlungen plädiert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für kräftige Gehaltssteigerungen. Davon soll nicht zuletzt die Euro-Zone profitieren. Mehr... 

Kommentar: Eine gute Idee, nur reicht sie alleine nicht aus, um in Deutschland etwas nützliches gegen die Krise zu unternehmen. Diese deutliche Lohnerhöhung würde nur auf die Sparbücher wandern und die Sparquote erhöhen, statt mit ihr die Binnennachfrage anzukurbeln. Das bleibt hierzulande Sache des Staates, es gibt sonst niemanden, der sich dafür zuständig hält. Immerhin würde es den Staatssäckel mit Steuern füllen, mit denen er dann die Wirtschaft ankurbeln könnte. Beispielsweise durch den Abbau des Investitionsrückstands der öffentlichen Hand von geschätzten 100 Mrd. Euro


"Es reicht nicht, Arbeitslose nur durchzufüttern"
(fr-online.de) Der Wirtschaftsforscher Karl Aiginger über Wege aus der Schuldenmisere. Ein flammendes Plädoyer für einen Strategiewechsel in Südeuropa – und in Deutschland. Er  plädiert für einen radikalen Strategiewechsel im Kampf gegen die Eurokrise. Nötig sei eine andere Sparpolitik. Gleichzeitig müssten die Krisenländer und die EU mehr tun, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das Wort des Chefs des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung hat Gewicht: Im Auftrag der EU-Kommission hat er zusammen mit anderen europäischen Forschern erkundet, wie Südeuropa gerettet werden könnte. Was überrascht: Obwohl Deutschland derzeit als Wachstumsmotor Europas gelobt wird, empfiehlt Aiginger auch der Bundesrepublik eine neue Wirtschaftsstrategie. Mehr... 

Kommentar: Längst kann niemand mehr behaupten, es gäbe keine vernünftigen Vorschläge zur wirkungsvollen Bekämpfung der Krise in Europa. Genauso wirkungsvoll werden sie aber auch von den Politikern ignoriert. Die hören lieber auf ihre Einflüsterer aus den neoliberalen Gedankenschmieden und den höchsten Banketagen. Die Verfasser guter Ideen reden sich den Mund fusselig oder schreiben sich die Finger wund und bleiben doch damit erfolglos.


Europas Sozialmodell und die europäische Integration
(project-syndicate.org) Bei hochrangigen Treffen der Elite der Europäischen Union hört man oft die folgende Art von Aussage: “Europa muss sich integrieren und die wirtschaftliche Führung zentralisieren, um in einem Zeitalter der Globalisierung sein Sozialmodell verteidigen zu können.” Besonders der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, und sein Gegenpart im Europarat, Herman van Rompuy, argumentieren gern so.
Aber die Behauptung, das “europäische” Sozialmodell könne nur durch stärkere Integration innerhalb der EU vor dem Ansturm der Schwellenmärkte geschützt werden, ist nicht wahr. Ja, die Globalisierung stellt für alle EU-Mitgliedstaaten eine Herausforderung dar, aber wie dabei mehr Integration helfen soll, ist unklar. Eine stärkere europäische Zentralisierung wirtschaftlicher Entscheidungen ist kein Allheilmittel.
Tatsächlich ist noch nicht einmal klar, welches europäische Sozialmodell geschützt werden soll. Die Größe der öffentlichen Sektoren der einzelnen EU-Mitglieder, die Flexibilität ihrer Arbeitsmärkte und fast alle denkbaren sozio-ökonomischen Indikatoren variieren beträchtlich. Die gemeinsamen Elemente, die allgemein als “europäisches” Sozialmodell dargestellt werden, bestehen in einem Streben nach Gleichheit und einem starken Wohlfahrtsstaat. Mehr...


Kommentar: Der Autor, Daniel Gros, fällt uns immer wieder durch nachdenkenswerte Beiträge zu Europa und der Krise auf. So wie dieser. Gros erscheint uns unabhängig und nicht borniert, selten genug in diesem Geschäft. Treffend sein Fazit: "Diese Heuchelei der nationalen politischen Elite wird von den Wählern als solche erkannt, und ihr Vertrauen in nationale und europäische Institutionen leidet darunter. Die Behauptung, zur Rettung seines Sozialmodells benötige Europa mehr Integration, hat ihre Glaubwürdigkeit schon lange verloren. Für diese Frage ist Integration bedeutungslos, und in den Bereichen, wo ihre Stärkung Europa wirklich nützen würde, scheint dies das Letzte zu sein, was die nationalen Politiker wollen." Trotzdem wird die Kanzlerin, wegen fehlender mehrheitsfähiger Alternativen, auch nach der Bundestagswahl im September weiterregieren. Leider.  


Europas nächster großer Fehler
(project-syndicate.org)  Beim Aufbau der europäischen Währungsunion haben die Politiker nicht alle möglichen Folgen durchdacht, was zu großen Konstruktionsfehlern führte. Schlimmer noch, sie scheinen aus dieser Erfahrung nichts gelernt zu haben, da sie im Begriff sind, denselben Ansatz auf das politische Gegenstück der Währungsunion anzuwenden.
Die Logik der Finanzkrise treibt die Europäer in Richtung stärkerer Integration, was neue Mechanismen politischen Ausdrucks erfordert. Lang vor der Krise wurde die Europäische Union weitgehend so gesehen, als leide sie unter einem “demokratischen Defizit”. Jetzt, wo viele Europäer der EU die Schuld an den schmerzhaften Sparprogrammen geben, haben sich diese Beschwerden noch verstärkt – und Europas führende Politiker glauben, sie müssten dieses Problem nun angehen.
Leider steht Europa vor einem neuen Defizit: einem Mangel an politischer Führung. Zu den charismatischen Figuren der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts – Churchill, Adenauer und de Gaulle – gibt es heute keine Entsprechung. Die Bürger bringen die EU vor allem mit bürokratischer Langeweile und technokratischer Rationalität in Verbindung. Mehr...


Kommentar: Endlich kommen kritische Töne aus den Ecken. In diesem Beitrag ist es der Wirtschaftshistoriker Harold James, der vor den Folgen einer mit heißer Nadel gestrickten Integration Europas warnt. James findet klare Worte, was nicht immer der Fall ist. Seinem Fazit folgen wir nicht: "Charismatische Politiker agieren durch Polarisierung, Galvanisierung und Mobilisierung von Unterstützern. Routinepolitik dagegen bedeutet, sich zurückzuhalten und Kompromisse eingehen zu können. Das heutige Europa braucht keine inspirierenden Führer, die populistischen Schaum schlagen. Stattdessen benötigt es lokal respektierte Führungspersönlichkeiten, die es verstehen, in einer komplexen und multidimensionalen politischen Welt ihren Dienst zu leisten." Es muß wenigstens einen mitreißenden Politiker in Europa geben, der die lokalen Größen führt. Dafür muß er keinen populistischen Schaum schlagen oder großspurige Reden schwingen. Solche Politiker sind weit und breit leider nicht in Sicht. 


Irland will Euro-Rettungsschirm verlassen
(wiwo.de) Irland bereitet seinen Ausstieg aus dem EU-Rettungsschirms vor und hält an seinem niedrigen Körperschaftssteuersatz von 12,5 Prozent fest. Mehr... 

Kommentar: Frohe Kunde vom keltischen Kätzchen, das früher einmal ein Tiger gewesen sein soll. Nachdem schon wieder die Krise in Europa für beendet erklärt worden ist, brauchen diese Heilsbringer auch vorzeigbare Erfolge, ersatzweise vollmundige Absichtserklärungen. Irland hat 85 Milliarden Euro an Hilfen erhalten, bei einer Wirtschaftsleistung von knapp über 200 Milliarden Euro ein erkleckliches Sümmchen. Die Staatsschulden haben sich seit dem Beginn der Finanzkrise 2008 von 60 auf 180% verdreifacht, wie die nicht mehr ganz so taufrische Grafik vom 2. Quartal 2012 zeigt: 




Statt drohendem Schuldenschnitt schwadronieren Regierung und EU davon, daß  Irland ab Ende 2013 wieder in vollem Umfang an die Kapitalmärkte zurückkehren und ohne internationale Finanzhilfen auskommen wird. Lächerlich. Falls das passiert, wurde hinter den Kulissen kräftig getrickst. 


Fiskus knöpft sich die Franzosen in der Schweiz vor
(format.at) In der Schweiz lebende Franzosen sollen künftig auch in ihrem Heimatland Steuern zahlen. Die bisher geltende vorteilhafte Regelung, wonach die Betroffenen als steuerpflichtig nur in der Schweiz galten, sei zum 1. Jänner 2013 abgeschafft worden, berichtete die Schweizer Tageszeitung "Le Temps" am Samstag. Dies gehe aus einer Veröffentlichung der französischen Steuerbehörden kurz nach Weihnachten hervor. Bisher konnten demnach in der Schweiz lebende Franzosen, die in Frankreich arbeiten oder anderweitige Einnahmen haben, die Besteuerung durch ihr Heimatland umgehen.  Mehr...

Kommentar: Die französische Regierung bleibt am Ball, trotz der empfindlichen Niederlage vor dem Verfassungsgericht mit der Reichensteuer. 


Ungarn: Politisch unberechenbar, verschuldet und rezessionsgeplagt
(format.at) Die Wirtschaft in Ungarn ist 2012 in die Rezession getrudelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte, die Hälfte der Wirtschaftsbranchen stagnierte, die Binnennachfrage sank drastisch. Der rechtskonservativen Regierung werden Aktionismus und Unberechenbarkeit vorgeworfen, was Investoren und Kreditgeber abschreckt. Investitionen befinden sich auf einem dramatisch niedrigen Niveau, erinnert Eva Palocz, Generaldirektorin des Budapester Forschungsinstitutes Kopint-Tarki in einen APA-Gespräch. Zugleich seien staatliche Investitionen überwiegend gestoppt worden. Mehr...

Kommentar: Noch so ein europäischer Sündenfall. Längst abhängig von Krediten der EU und des IWF. Ohne dafür mit den PIIGS-Staaten vergleichbare Gegenleistungen erbringen zu müßen. Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit sind an der Tagesordnung, die Regierung plündert die Menschen aus und Europa schaut hilf- und tatenlos zu. Möglicherweise, weil das Land wirtschaftlich noch eines der stärkeren in Osteuropa ist. Nur krank, noch nicht schwerkrank. Europa verkommt zu einer Gemeinschaft Fußkranker. 


The US Debt Crisis - How High Will It Go?
(zerohedge.com) The implications of the US debt crisis are not well understood in most circles, and it is not widely spoken about in the media and during important political debates. The irony is that the US debt is so significant that it plays a monumental role in finance and modern political strategy. The debt poses great risks moving forward, and yet it is referred to in only the vaguest of terms. Here is why the US debt must grow every year and why it is mathematically impossible for it to continue forever. Read more...

Kommentar: Ein absolutes Horrorszenario. Die folgende Grafik aus dem Beitrag veranschaulicht die Größenordnung der Staatsschulden von 16,394 Billionen: 





Fed-Banker wird konkret
(n-tv.de) In den USA hat ein Top-Notenbanker ein mögliches Ausstiegszenario aus den massiven Konjunkturhilfen skizziert. Sollte die Wirtschaft an Schwung gewinnen, könnte die  Federal Reserve in diesem Jahr über ein Aussetzen der Anleihen-Käufe nachdenken, sagte der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, gegenüber CNBC. Als mögliches Ziel, bis zu dem das Programm fortgesetzt werden könnte, nannte Bullard eine Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent. Mehr... 

Kommentar: Der Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm geistert seit einigen Tagen durch die deutschsprachigen Medien. Realistisch ist es nicht. Die Steuereinnahmen reichen hinten und vorne nicht aus, um die Ausgaben auch nur einigermaßen zu decken. Ernsthafte Bestrebungen, die Schulden zu drücken, gibt es zwischen den beiden politischen Lagern nicht, wie sich demnächst bei den anstehenden Verhandlungen zeigen wird. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.