Samstag, 12. Januar 2013

Standpunkt 511 - Nachrichten-Ticker, 11.01.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: S&P zur Euro-Krise – Barroso – Latvia (Lettland) – Eurozone – Spanien – EU versus Großbritannien – Basel II – Immobilienblase


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher


S&P sieht Wendepunkt in der Euro-Krise
(handelsblatt.com) Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) beurteilt die Euro-Zone optimistischer. „2013 könnte einen Wendepunkt in der europäischen Schuldenkrise darstellen“, sagte Moritz Kraemer, der bei S&P die Analyse europäischer Länder leitet. Mehr...

Kommentar: Endlich, die erste Ratingagentur hat die Zeichen der Zeit erkannt und glaubt an eine Besserung der Krise in Europa. Irland wird als Vorbild gepriesen: "Die Flexibilität der Gesellschaft und der Märkte sei in Irland wahrscheinlich ausgeprägter als in anderen krisengeschüttelten Ländern der Euro-Zone." Wären da nicht die Banken. Wegen denen bleibt es bei dem negativen Ausblick. Hintergrund dieser Beschönigungen eines abgewirtschafteten Landes: Irland führt sechs Monate lang die EU. Gesponsert von namhaften Konzernen (hier). Vom Zustand Irlands auf den der übrigen Krisenländer zu schließen, das gelingt nur den europäischen Krisenpolitikern - und offensichtlich den Ratingagenturen. 


Barroso: EU ist nicht schuld
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) "Ich weiß, viele Teile unserer Gesellschaften führen die derzeitigen Schwierigkeiten auf die Europäische Union zurück, aber das ist nicht fair“, sagte Barroso am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irischen Premier Kenny angesichts der beginnenden EU-Ratspräsidentschaft Irlands. Die Vorwürfe gegenüber der EU seien nicht gerechtfertigt, "weil nicht die Europäische Union die Probleme geschaffen hat“, fuhr Barroso fort. Der „Mythos“, die Union würde die strenge Politik vorschreiben, „ist nicht wahr“. Mehr...

Kommentar: Barroso läßt es richtig krachen: Erst erklärt er die Krise für beendet, jetzt wäscht er auch noch die Hände der EU in Unschuld. Ganz offensichtlich hält der Mann die Bürger in Europa für Idioten. Wie schlimm ist es um Europa tatsächlich bestellt, wenn der Präsident der Europäischen Kommission öffentlich so einen Schwachsinn absondert? Was wird den Bürgern noch alles zugemutet, bis dieses Drama "Euro-Krise" seinen letzten Akt erreicht? Zu viel, da sind wir uns sicher.


Latvia’s Economic Disaster as a Neoliberal Success Story: A Model for Europe and the US?
(michael-hudson.com) A generation ago the Chicago Boys and their financial supporters applauded General Pinochet’s anti-labor Chile as a success story, thanks mainly to its transformation of their Social Security into Employee Stock Ownership Plans (ESOPs) that almost universally were looted by the employer grupos by the end of the 1970s. In the last decade, the Bush Administration, seeking a Trojan Horse to privatize Social Security in the United States, applauded Chile’s disastrous privatization of pension accounts (turning many over to US financial institutions) even as that nation’s voters rejected the Pinochetistas largely out of anger at the vast pension rip-off by high finance.
Today’s most highly celebrated anti-labor success story is Latvia. Latvia is portrayed as the country where labor did not fight back, but simply emigrated politely and quietly. No general
strikes, nor destruction of private property or violence, Latvia is presented as a country where labor had the good sense to not make a fuss when faced with austerity. Latvians gave up protest and simply began voting with their backsides (emigration) as the economy shrank, wage levels were scaled down, and where tax burdens remained decidedly on the backs of labor, even though recent token efforts have been made to increase taxes on real estate. The World Bank applauds Latvia and its Baltic neighbors by placing them high on its list of “business friendly” economies, even though at times scolding their social regimes as even too harsh for the Victorian tastes of the international financial institutions.
Can this really be a model for the United States or Europe’s remaining social democracies? Or is it simply a cruel experiment that cannot readily be emulated in larger countries un-traumatized by Soviet era memories of occupation? One can only dream… Read more... 


Kommentar: Unsere ständigen LeserInnen wissen es bereits, hin und wieder quälen wir sie mit englischsprachigen Beiträgen, weil vergleichbare von den deutschsprachigen Qualitätsmedien leider nicht zur Verfügung gestellt werden. Der US-Amerikaner Michael Hudson gehört für uns zu dem kleinen Kreis erstklassiger Ökonomen, die ein Wirtschaftssystem abseits des ausgetretenen Pfades des Neoliberalismus propagieren. Das verdient Respekt und Beachtung. Leider werden seine Beiträge hierzulande kaum beachtet. Eine Ausnahme machte 2011 die F.A.Z. mit einer kleinen Artikelserie, die wir hier, hier und hier auf unseren Blog übernommen haben. LeserInnen, die diese Aufsätze von Hudson noch nicht kennen, können wir sie wärmstens empfehlen. 

Längst wird Lettland von interessierten Kreisen als Vorbild für die europäischen Krisenstaaten angeboten (Handelsblatt, 28.08.2012, "Von Lettland lernen, heißt siegen lernen", hier), oder bringt sich gleich selbst als Heilsbringer ins Spiel (Spiegel, 20.10.2012, "Ohne Opfer geht es nicht", hier). Bei Michael Hudson liest sich das ganz anders. Er hat die lettischen Verhältnisse akribisch analysiert und wenig Nachahmenswertes gefunden. Es ist nur wieder eine der üblichen Erfolgsgeschichten, der eine wesentliche Sache fehlt: der Erfolg. Sich durch diesen Beitrag zu beißen, lohnt sich. 

Lesenswertes zu den Chicago Boys aus unserem Archiv: "Das Märchen von den Chicago Boys", Spiegel, 05.09.2003, hier.  


Eine Agenda 2013 für die Eurozone
(project-syndicate.org) Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben zum Jahresende 2012 eine grundsätzliche Einigung über eine zentrale Aufsicht für die Banken der Eurozone erzielt. Allerdings haben die schwierigen Verhandlungen im Vorfeld dieser Vereinbarung den jüngsten Bericht des Präsidenten des Europäischen Rates Herman Van Rompuy in den Hintergrund rücken lassen, der in seinem Strategiepapier auf dem Weg zu einer echten Wirtschafts- und Währungsunion eine Einigung fordert, die weit über eine Bankenunion hinausgeht. Obwohl „keine Tür geschlossen wurde“, so der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, haben es die Staats- und Regierungschefs der EU − zumindest vorläufig − klar abgelehnt, eine ernsthafte Diskussion über eine vertiefte Integration zu führen.
Van Rompuys Bericht wirft eine grundlegende Frage auf: Welche Faktoren hindern die Eurozone daran so zu funktionieren, wie es sich alle wünschen würden? Um diese Frage zu beantworten, muss vor allem die Dynamik während der ersten zehn Jahre des Euro von 1999-2009, als sich die Eurozone scheinbar gut entwickelt hat, mit der der letzten drei Jahre verglichen werden, die von der Krise geprägt waren. Mehr...


Kommentar: Der Autor, Edmond Alphandery, versucht in seinem Beitrag, die Vorzüge einer tieferen Integration der EU herauszustellen. Wir sind gegen diese Integration - wenigstens so lange, wie die Ursache der Krise in Europa nicht wirklich behoben ist. Trotzdem, in seiner Analyse kommt er überwiegend zu richtigen Ergebnissen. Beispiel: "Währungsunionen brauchen ein Mechanismus für dauerhafte Transfers an ärmere Regionen. Der EU-Haushalt sollte derartige Transfers in der Eurozone mit Mitteln aus den Strukturfonds ermöglichen. Im Fall von asymmetrischen Schocks sollten außerdem Steuertransfers als automatischer Stabilisator dienen." Sein Fazit ist der einfachen Theorie geschuldet "alles wird gut": "Eine deutlich stärker politisch integrierte, oder föderalisierte, Eurozone ist zweifellos Voraussetzung für solche Reformen. Im Jahr 2013 wird die größte Herausforderung für Europas Staats- und Regierungschefs darin bestehen, sich dieser Realität zu stellen." Das wäre zu wenig.  


Spanish Tax Hike Sends Industrial Output Back To 1993 Levels
(zerohedge.com) In Europe there is hope, as demonstrated by every hope and optimism index over the past two months going vertical. In Europe there is faith, as demonstrated by yesterday's Draghi conference, in which the likelihood of further rate cuts was officially taken off the table (as expected: any further cuts would send rates negative, wreaking even more havoc with money markets). And in Europe, there is reality, as demonstrated by the following chart showing the index of Spanish Industrial Output, which disappointed broadly in November, down 2.3% sequentially and 7.2% Y/Y, sending it to levels not seen since 1993. Read more...

Kommentar: Das Ergebnis europäischer Sparpolitik und einer von unzähligen Beweisen, die Barroso's "EU ist nicht schuld" widerlegen. Dieser Chart zeigt, was los ist: 


Quelle: zerohedge.com


EU muss sich ändern, damit Briten bleiben 
(derstandard.at) Der britische Finanzminister George Osborne fordert ein Entgegenkommen der EU, bekennt sich aber grundsätzlich zu Europa. Mehr...

Kommentar: Es ist irgendwie ausgesprochen lächerlich, was die Briten veranstalten. Seit Wochen riskieren ihre Politiker eine große Lippe, schwadronieren vom EU-Austritt, kündigen ein entsprechendes Referendum an, wettern gegen die EU und stellen immer neue Forderungen. Was macht die EU? Sie kriecht den Briten, vertreten durch den Präsidenten des Europäischen Rates, Herman van Rompuy, in den Hintern. Bettelt darum, daß Großbritannien in der EU bleibt. Warum nur? Das Land hat für die EU keinen Wert, seit seinem Beitritt 1973 ist es ein ständiger Störenfried. So hat es beispielsweise in den Verhandlungen um die Einführung der Gemeinschaftswährung im Auftrag der USA die ursprünglich angestrebte politische Integration mit seinem Veto verhindert. Die Briten ziehen rund um den EU-Austritt eine riesige Show ab. Ein Austritt ist schon aus wirtschaftlichen Erwägungen für sie überhaupt nicht möglich, das Land würde endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Außerdem gilt es noch die Interessen der USA innerhalb der EU zu wahren. Großbritannien wird die wirtschaftliche und politische Unterstützung des großen Bruders nicht aufs Spiel setzen. Deshalb darf sich die EU nicht von Großbritannien auf der Nase herum tanzen lassen. 


Quelle: presseurop.eu

Kniefall vor der Bankenlobby
(wiwo.de) Die Politik kapituliert vor den Banken, die Vorschriften zur Krisenvorsorge für Banken nach Basel III werden aufgeweicht. Die Risiken im globalen Finanzsystem nehmen so weiter zu. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Es ist extrem selten, daß wir mit der Wirtschaftswoche einer Meinung sind, aber bei diesem Artikel ist es so. Basel III erfüllt sowieso nicht die gestellte Aufgabe, die Banken krisenfester zu machen: "Basel III: Soft, spät und unzureichend", so formulierte es schon 2010 Ralf Streck bei heise/telepolis.de und schreibt zusammenfassend: "Die unzureichende Finanzmarktregulierung hinkt den Erfordernissen hinterher. Vor allem Deutschland stemmte sich gegen die Forderungen einer deutlich höheren Kapitaldecke und setzte auch lange Übergangsfristen durch. Das gesamte Kapital der Hedgefonds bleibt genauso ohnehin außen vor, wie die Billionen, für welche die großen US-Immobilienfinanzierer einstehen, ausgeklammert wurden." Mehr hier. Der Autor beschäftigt sich auch mit den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die sich generell in einer Sonderstellung sehen und nicht verschärft reguliert werden wollen. Bemerkenswert ist heute noch sein damaliges Fazit: "Hoffnungen darauf, dass Banken mit Basel III sich zukünftig nicht mehr in die rettenden Arme der Steuerzahler werfen müssen, sollte man sich also angesichts dieses Regelwerks nicht machen. Auch die Problematik, dass ein Institut "too big to fail" ist, wird nicht gelöst. Es wird eher sogar verschärft. Das hat nicht nur mit der Problematik der Sparkassen und Volksbanken zu tun, sondern allgemein wird erwartet, dass die Konzentration durch Zusammenschlüsse weiter zunimmt." In diesem Zusammenhang ist der folgende Beitrag von Bedeutung: "The Government Lied When It Said It Only Bailed Out Healthy Banks … 12 of the 13 Big Banks Were Going Bust" heißt es bei washingtonsblog.com. Read more...


Der Weg zur Immobilienblase
(fuw.ch) "Nur hier und da etwas Schaum." Das waren die Worte, die Alan Greenspan im Mai 2005 benutzte, um den amerikanischen Immobilienmarkt zu beschreiben. Der Vorsitzende der Notenbank sah keine ausgewachsene Preisblase, nur hier und da etwas Schaum. Zwölf Monate später ging der grösste Immobilienpreisexzess in der Geschichte der Vereinigten Staaten zu Ende. Zwei weitere Jahre später stand das globale Bankensystem und die Weltwirtschaft am Abgrund. Mehr...

Kommentar: Die Schweizer fürchten sich vor einer Immobilienblase und auch in anderen europäischen Ländern ist das ein Problem. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Entwicklung der US-Immobilienblase, die zur Finanzkrise geführt hat, und vergleicht die heutige Situation in der Schweiz damit. Der Autor findet die Entwicklung bedenklich und glaubt nicht recht an das Argument der fehlenden Übertreibung. Diese Einschätzung ist ebenfalls auf die Immobilienmärkte anderer Staaten übertragbar.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.