Donnerstag, 17. Januar 2013

Standpunkt 516 - Nachrichten-Ticker, 16.01.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Weltbank vs. Eurokrise – Sankt Prekarius – Immobilienmarkt Deutschland – Korruption in Deutschland – Spanien-Rating – Konrad Hummler


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Weltbank gibt Entwarnung für die Eurozone
(derstandard.at) Die Gefahr einer schweren Finanzkrise in der Eurozone ist laut Weltbank weitgehend gebannt, das Wachstum aber bleibt schwach. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Jetzt hat auch noch die Weltbank im Kaffeesatz gelesen. Herausgekommen ist eine Story, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Selbst das prognostizierte Wirtschaftswachstum halten wir vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Rezession in Europa für sehr unwahrscheinlich. Die Ratingagentur Fitch kommt der Weltbank zur Hilfe und erklärt, die "Eurozone hat das Gröbste hinter sich". Fitch ist jedoch zurückhaltender: "Die Rufe nach einem Kollaps der Währungsunion scheinen verhallt: Auch ein Experte der Ratingagentur Fitch hält den schlimmsten Teil der Eurokrise für überstanden. Bis zum Ende der Krise sieht er aber noch viel Zeit" schreibt dazu das Handelsblatt. Mehr hier. Die Weltbank hat sich auch zur Entwicklung der Weltwirtschaft geäußert. Positiv versteht sich. Wachstumsmotoren seien Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien. Voraussetzung sei allerdings, daß diese Länder Wege finden müssen, sich von den Zyklen der Weltkonjunktur zu lösen. Vorgeschlagen werden dazu Investitionen in die Infrastruktur und eine Stärkung der öffentlichen Haushalte. China geht immerhin bei der Infrastruktur mit "gutem" Beispiel voran: Der neue 5-Jahres-Plan sieht vor, neue Flughäfen zu bauen, die keiner braucht. Wenigstens hat die Weltbank auf breiter Front die Prognosen für die Entwicklung der Weltwirtschaft gesenkt. Sie geht von einer globalen Abkühlung aus. Besonders für Japan und Europa. Die japanische Prognose wird sogar halbiert. Verwunderlich, vor dem Hintergrund der von der neuen japanischen Regierung beschlossenen milliardenschweren Konjunkturhilfen. (Quelle: "Weltbank senkt Wachstumsprognose", hier)

Tatsächlich sind die Wirtschaftsdaten für Europa  grottenschlecht, deshalb werden sie einfach beständig ignoriert. "EU27: PKW-Neuzulassungen mit -16,3% zum Vorjahresmonat" titelt querschuesse.de. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag: 




Mehr hier. Die Industrieproduktion geht in den Keller



Die Arbeitslosenquoten gehen immer noch steil nach oben: 


Quelle: zerohedge.com

Die schweizerische Finanz und Wirtschaft hält mit guten Gründen dagegen und findet "Keine Entwarnung in der Eurozone": "Mit Blick auf den Euro-Franken-Kurs – und nicht nur da – könnte man glauben, die Krise sei vorbei. Doch für Entwarnung gibt es keinen Grund." Mehr hier


Soziales: Sankt Prekarius, Europas neuer Heiliger
(presseurop.eu) Europas Sparpolitik und das Diktat der Märkte haben ein neues Volk Getreuer
geschaffen. Man nennt sie „die Prekären“. Ebenso bedroht wie sie ist ein Kronjuwel der europäischen Zivilisation, der Wohlfahrtsstaat, schreibt der belgische Schriftsteller Geert van Istandael. Auszüge.
Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein hervorragender Artikel, der Zustände beschreibt, die von Europa Besitz ergriffen haben. Der Autor formuliert schmerzhaft deutlich. Eine kleine Auswahl: 

"Die Finanz- und Wirtschaftskrise, welche Europa nun seit vier Jahren plagt, wird benutzt, um die Fundamente der europäischen Zivilisation zu zerstören. Den Sozialstaat. Die Demokratie.Des Weiteren agieren in zu vielen Mitgliedsstaaten die Politiker wie Missionare mit blindem Eifer, um die zerstörerische Botschaft unters Volk zu bringen. Die herrschenden Eliten haben das stillschweigende Einverständnis mit den Bürgern einseitig beendet, welches da lautete: Die herrschende Klasse mag so viel Reichtum scheffeln, wie sie will, solange sie dem Durchschnittsbürger genug für ein Fischbrötchen und ein Butterbrot verdienen lässt, mit vorzugweise einer angemessenen sozialen Absicherung. Diese Vereinbarung wurde gebrochen. Das Ende der Krise ist nun endgültig in Sicht, sagen Draghi, Barroso, Van Rompuy. Doch die Finanzmärkte (der Autor meint die Spekulanten, funktionierende Finanzmärkte gibt es schon lange nicht mehr; Anm. des Verf.) halten Europa im eisernen Würgegriff. Europa kann noch so leidenschaftlich kämpfen, es hat keine Chance. Ja, es kann vielleicht ein paar Stunden aufatmen, doch die Ruhe dauert nur einen Tag, eine Woche, wenn’s hochkommt. Die soziale Absicherung welche Belgien, Schweden, Frankreich, den Niederlanden und bis vor kurzem noch Deutschland in den Jahren nach 1945 geschaffen haben, müssen wir vorbehaltlos als ein Kronjuwel der europäischen Zivilisation bezeichnen. Wenn Herr Draghi also im Wall Street Journal erklärt, dass das europäische Sozialmodell, der traditionelle Sozialvertrag auf dem Kontinent nicht mehr existiert, dann erweist sich der Big Boss der EZB als ein Feind der europäischen Zivilisation. Draghi ist der Hohe Priester der Kirche des Heiligen Prekarius." So weit der Autor Geert van Istandael. 

Alles was er schreibt stimmt. Wo bleiben also die deutschen Gewerkschaften, vor allen Dingen deren Bosse, um das europäische Sozialmodell zu verteidigen? Wenigstens die Reste, die davon noch übrig sind. Die sonst bis zum Ende der Krise, egal wie sie ausgeht, auch noch plattgemacht werden. Wir stellen fest, daß in Deutschland die Gewerkschaftsbewegung alter Prägung noch nicht einmal mehr in Spurenelementen vorhanden ist. Den Jungen mögen sie vorsintflutlich erscheinen, Namen wie Georg Leber (IG Bau-Steine-Erden), danach auch noch Bundesverkehrs- und -verteidigungsminister, Heinz Kluncker (ÖTV, später aufgegangen in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di), Heinz-Oskar Vetter (DGB), oder Eugen Loderer (IG Metall), allesamt Urgesteine, die noch in der Lage waren, die Interessen ihrer Mitglieder lautstark und streitbar zu vertreten, nicht ohne hier und da auch den Parteien, allen voran der SPD, kräftig in den Hintern zu treten. Alles vorbei, alles Geschichte. Heute gibt es nur die Angepassten, die ernsthaft glauben, auf einer Schleimspur läßt sich erfolgreiche Gewerkschaftspolitik betreiben. Ein Beispiel ist der DGB-Chef Michael Sommer, einer der willfährigen Unterstützer der Kanzlerin: "DGB-Chef lobt die Bundeskanzlerin - Merkel auf Kuschelkurs mit Gewerkschaften" schreibt rp-online vor zwei Tagen. Wir zitieren aus dem Beitrag: "Ausgesprochen konstruktiv und positiv" sei das Vorgehen der Arbeitnehmervertreter bei der Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise gewesen, lobt Angela Merkel. Dabei habe sich gezeigt, "dass deutsche Gewerkschafter nicht nur an deutsche Interessen denken, sondern sich genauso, wie wir das politisch sehen, in Europa zu Hause fühlen und Europa als unsere gemeinsame Zukunft ansehen".  Der Chef des DGB, Michael Sommer, ist seit Jahren sogar so etwas wie ein persönlicher Fan der Kanzlerin, wobei er stets hinzufügt, dass ihm deshalb der kritische Blick auf Angela Merkel nicht verloren gehe. Soweit aus dem Artikel. Es reicht, sonst wird uns noch schlecht. Mehr hier. Wir wollen noch erwähnen, Sommer ist Mitglied der SPD. Die Führer der Einzelgewerkschaften zeichnen sich auch nicht gerade als streitbare Arbeitnehmerinteressenvertreter aus. Widerspruchslos haben sie zugeschaut, wie die Agenda 2010 oder die völlige Deregulierung des deutschen Finanzmarktes von der rot-grünen Regierung durchgedrückt wurde. Sollte es daran liegen, daß sie heute die Klappe halten und weiter zu allen politischen Schurkenstücken in Deutschland und Europa "Ja und Amen" sagen?


Warum der deutsche Häusermarkt kerngesund ist
(focus.de) An vielen Orten in Deutschland ziehen die Preise für Wohnungen und Häuser kräftig an. Manche Experten fürchten bereits eine Überhitzung des Marktes. Warum eine Blase noch weit entfernt ist. Mehr...

Kommentar: Natürlich, der deutsche Pop-Ökonom  Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, beruhigt: „Es droht vorläufig keine Blase, denn die Immobilienpreise sind in Deutschland immer noch recht niedrig. Ein Immobilienboom dauert im Schnitt 17 Jahre. Am Ende des Jahrzehnts können wir uns einmal fragen, ob sich eine Blase bildet.“ Wieder eine der Sinn'chen Theorien. Nur zur Erinnerung, in den USA hat es von 2002 bis 2007 gedauert, bis die Immobilienblase geplatzt ist. Zigtausende von Häusern verloren anschließend durch Zwangsversteigerung bis zu 90% ihres Wertes. In unzähligen Regionen ist diese Entwicklung immer noch nicht zu Ende. Nach US-Schätzungen warten noch rund 2,5 Millionen Häuser auf ihre Versteigerung. Hängt nur keiner an die große Glocke. Wir haben in jüngster Zeit immer wieder über die Entwicklung der Immobilienmärkte in der Schweiz, Frankreich, Dänemark, Schweden oder den Niederlanden berichtet. In allen Ländern, ausgenommen nur der Schweiz, ist es bereits zu Schieflagen bei den Banken gekommen, davon besonders stark betroffen ist Dänemark. Staat, Notenbank und EZB sind bereits mit mehreren Milliarden Euro eingesprungen. Obwohl das Land nicht zur Eurozone gehört. Eine Immobilienkrise entwickelt sich gerade in Frankreich und Holland. In Frankreich wurde die drittgrößte Hypothekenbank in einer Nacht- und Nebelaktion auf die Schnelle verstaatlicht. Die Situation in den PIIGS-Staaten ist hinlänglich bekannt. Nirgends dauerte der Boom "im Schnitt 17 Jahre". Wir prophezeien: Der deutsche Immobilienmarkt wird zur Mausefalle. 


Politiker in Aufsichtsräten: Gefährliche Ämter-Überhäufung
(faz.net) Flughäfen, Messen, Landesbanken: Oft wird Politikern vorgeworfen, dass sie Unternehmen nicht richtig beaufsichtigen. Vielleicht haben sie zu wenig Zeit. Unsere Recherche zeigt: Sie sitzen in vielen Aufsichtsräten. Vor allem die Landesminister. Mehr...

Kommentar: Wer unseren Blog schon länger verfolgt, kennt unsere Meinung: Das politische System in Deutschland ist korrupt. Politikerbesetzte Aufsichtsräte sind einer der Auswüchse. Die Wenigsten wissen, was sie da tun. Die Landesbanken sind dafür das beste Beispiel. Alles Zockerbuden, unter den Augen der Aufsichtsräte. Es erinnert uns in weiten Teilen an eine Bananenrepublik. Für uns ist es deshalb völlig nachvollziehbar, warum Deutschland bisher zur Bekämpfung der Korruption noch nicht der UN-Konvention gegen die Korruption (UNCAC) beigetreten ist. Nach dieser Konvention muss künftig nach der Rechtsauffassung von Transparency International auch das verwerfliche Beeinflussen eines Abgeordneten bei der sonstigen Wahrnehmung seines Mandats erfasst werden. Die bisherige Regelung zur Bestechung von Abgeordneten (§ 108e StGB) genügt nach allgemeiner Auffassung nicht den Anforderungen der UNCAC. Bislang konnte sich der Bundestag in schöner Einmütigkeit nicht auf eine entsprechende Gesetzesänderung verständigen. 


Spaniens Rating wackelt bedenklich
(wiwo.de) Egal ob mit oder ohne Euro-Rettungsschirm: Das BBB-Rating von Spanien stehe auf der Kippe, warnt die Ratingagentur Fitch. Das Damoklesschwert der schwachen Konjunktur schwebe über dem Land. Mehr...

Kommentar: Eine abgekartete Sache. S&P lobt Luxemburg, die Niederlande und Finnland, Länder, in denen sich bereits massive Probleme abzeichnen. Spanien aber, obwohl die Probleme dort in einer konzertierten Aktion klein geredet werden und Rettungspakete bereitstehen, wird von Fitch verramscht. Wir erinnern daran: Dollar und Euro führen Krieg


Der Fall Hummler
(tagesanzeiger.ch) Er war ein Intellektueller unter Bankern, ein Zweifler unter Optimisten, ein Abenteurerreiseführer für Anleger und der Robin Hood für Vermögende. Ein Abgesang. Mehr... 

Kommentar: Es ist ein sehr unterhaltsamer Artikel über das Denken und Handeln von Konrad Hummler, persönlich haftender Gesellschafter der ältesten Privatbank der Schweiz, Bank Wegelin. Die Bank ist mittlerweile Geschichte, gestorben durch die Hand der US-Finanzbehörden bei dem fehlgeschlagenen Versuch, in einem einsamen Kampf das Schweizer Bankgeheimnis zu retten. Hummler hat die Kompromisslosigkeit der Amerikaner vollkommen unterschätzt. Jetzt wird in der Schweiz befürchtet, er und seine Mit-Gesellschafter stellen sich den US-Behörden als Kronzeugen zur Verfügung. Jedenfalls hat diese Auseinandersetzung die Schweizer das Bankgeheimnis gekostet. Das wird gerade abgewickelt. Und das Geschäftsmodell "Beihilfe zur Steuerhinterziehung" stirbt ebenfalls einen langsamen Tod. Allen unverbesserlichen Steuerhinterziehern empfehlen wir dringend aufzuhören, bevor es zu spät ist. Sonst gehören sie irgendwann einem der "Jäger des verborgenen Schatzes", wie es das manager magazin blumig, aber treffend, formuliert hat: "Die SPD verschärft den Ton, und deutsche Steuerfahnder greifen durch. Wie Deutschlands härteste Ermittler vorgehen, welche Werkzeuge sie haben - und warum sich die Selbstanzeigen der Steuersünder lawinenartig vermehren." Mehr hier. Wie erfolgreich die arbeiten, zeigt die folgende Grafik: 

 



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.