Sonntag, 27. Januar 2013

Standpunkt 526 - Nachrichten-Ticker, 26.01.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Bankenaufsicht vs. Finanzkrise – Schuldenkrise – EZB – Wirtschaftswachstum – Japan – Großbritannien  –  Italien – Aktienmärkte 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Bankenaufsicht nach der Finanzkrise
(faz.net) Wie weit hat die Politik ihr Versprechen eingelöst, Banken schärfer zu überwachen und Steuerzahler vor Verlusten zu schützen? Welche Regeln gelten, was wird diskutiert? Mehr... 

Kommentar: Leider gibt dieser Beitrag keine klaren Antworten. Liegt daran, daß es eigentlich in den vergangenen fünf Jahren nichts geworden ist aus den vollmundigen Versprechungen, abgegeben unter dem Eindruck der Lehman-Pleite. Die Banken sind weder krisenfester geworden, noch kommen sie ohne die Steuerzahler aus. Die Aufseher haben Maßnahmen ergriffen? Nein, nein und nochmals nein. Augenwischerei, mehr nicht. Die geforderte internationale Einheitlichkeit ist kaum vorstellbar, sie dient deshalb nur dazu, das Fehlen geeigneter Maßnahmen zu rechtfertigen


Schuldenkrise: "Das kann nicht gutgehen" 
(zeit.de) Schluss mit dem Wirtschaften auf Pump, fordert der Berater Daniel Stelter. Alle müssen Opfer bringen. Mehr...

Kommentar: Daniel Stelter arbeitet bei The Boston Consulting Group (BCG) und ist Mitautor von "Back to Mesopotamia? The Looming Threat of Debt Restrukturing", einer Studie mit Vorschlägen zur Lösung der Schuldenkrise. Wer sich dafür interessiert, eine deutsche Zusammenfassung gibt es hier, das Original hier. Der Mann formuliert in diesem Interview bittere Wahrheiten. Wahrheiten, mit denen keine Wahlen zu gewinnen sind und die deshalb so lange wie möglich vor der Öffentlichkeit versteckt werden müssen. Für Stelter beschränkt sich die Schuldenkrise nicht nur auf die Staatsschulden, sondern die Schulden der Unternehmen und Bürger gehören dazu. Die Quote dieser Gesamtschulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ausgewählter Länder zeigt anschaulich die folgende Grafik: 


Quelle: zerohedge.com

Staaten wie Japan, Großbritannien oder Luxemburg kommen sogar auf Werte, noch jenseits denen von Irland. Stelters Vorschläge zur Lösung sind schmerzhaft: "Jeder wird Opfer bringen müssen, beispielsweise durch höhere Steuern für Wohlhabende oder weniger Sozialleistungen. Arbeitnehmer müssen länger arbeiten und mehr für das Alter zurücklegen. Aber das Wichtigste ist, dass wir den Schuldenüberhang schnell beseitigen. Dazu werden die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Nicht nur bei Staatsanleihen, auch bei den Anleihen von maroden Banken." Möglich, daß diese Maßnahmen wirken. Was uns aber stört ist der Umstand, daß die Ursache der Schuldenkrise, die Vergemeinschaftung "unbezahlter" Bankschulden, vorher nicht wieder rückgängig gemacht wird. Deren Einfluss auf den Anstieg der Staatsschulden war enorm, wie die nächste Grafik noch einmal zeigt: 


Quelle: dgb.de


"Die EZB hat alle überrascht"
(spiegel.de) Mit frühen Warnungen vor der Finanzkrise wurde Nouriel Roubini berühmt. Doch vor einem Jahr machte "Doktor Unheil" einen Fehler: Er prophezeite den schnellen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Im Interview erklärt er, warum er sich irrte - und wie Pessimismus die Welt verbessern kann. Mehr... 

Kommentar: Schön, wenn uns Leute wie Roubini die Welt erklären, die sonst niemand mehr verstehen würde. Trotzdem ist es nicht erstaunlich, wenn er dann doch auch hier und da daneben liegt. Das erinnert uns an eine Börsenweisheit, leider ist der Urheber nicht bekannt: „Ein Analyst ist ein Experte, der morgen wissen wird, wieso die Dinge, die er gestern prognostiziert hat, heute nicht eintreffen.“ Was von Roubini unterschätzt wurde, hat der britische Bankmanager David Marsh so beschrieben: "Entweder nageln Gläubigerländer die Union mit Transfers zusammen, oder es gibt eine Zersplitterung zwischen Gläubigern und Schuldnern." Bisher hat sich die EU für Transfers entschieden, die aber gut versteckt. 


Wir schreiben unsere Zukunft selbst
(project-syndicate.org) Was hält die Zukunft für die Weltwirtschaft bereit? Wird der Lebensstandard weltweit steigen, wenn die heutigen armen Länder Schritte in der technologischen Entwicklung überspringen und so zu den reicheren Ländern aufschließen? Oder wird uns der Wohlstand durch die Finger rinnen, weil Gier und Korruption uns verleiten, lebenswichtige Ressourcen zu erschöpfen und die natürliche Umwelt, von der der Mensch abhängig ist, zu zerstören? Die größte Herausforderung, die sich der Menschheit stellt, ist es, statt einer Welt, die in Scherben liegt, eine Welt des Wohlstands zu gewährleisten. Mehr... 

Kommentar: Der AutorJeffrey D. Sachs, ist ein renommierter US-Ökonom und fällt uns immer wieder durch sehr weitsichtige Beiträge auf, selbst wenn wir nicht alle seine Meinungen teilen. So auch heute. Unseren LeserInnen legen wir diesen Beitrag ausdrücklich ans Herz, es lohnt sich. Sachs bietet damit reichlich Nachdenk-Stoff. Er ist Optimist und glaubt daran, daß die Zukunft so schlecht nicht sein muß, wie sie heute aussieht. Erfreulich, daß Sachs gleichzeitig Lösungsideen mitliefert, was bei vielen seiner Kollegen nicht die Regel ist.  


Japans Yen sinkt 11. Woche in Folge; Konsumentenpreise fallen trotzdem weiter
(wirtschaftsfacts.de) Wenn der Geist erst einmal aus der Flasche entwichen ist, wird ihn niemand mehr hinein bekommen… Der Yen ist weiterhin stark überverkauft, doch das hindert die japanische Währung nicht daran, die 11. Woche in Folge gegenüber dem US-Dollar zu sinken. Der Yen fällt bei Licht besehen wie ein Stein, was einerseits an den offenen Drohungen der Regierung liegt, die Bank of Japan notfalls ihrer Unabhängigkeit zu berauben. Andererseits hatte die Zentralbank ihr Bondankaufprogramm auf Drängen der Politik zuletzt abermals expandiert – und trotzdem sanken die Verbraucherpreise im Dezember erneut. Die Flut an Liquidität scheint auch nach 20 Jahren nichts gegen die anhaltende Deflation im Land ausrichten zu können. Mehr...

Kommentar: Vielleicht ist es noch zu früh, um über den Erfolg der japanischen Maßnahmen gegen die heimische Deflation zu urteilen. Andererseits sind die Folgen für die gesamte restliche Welt gravierend. Die werden sich noch verstärken, wenn sich Japans Zustand nicht bessert. Scheinbar sind die Nebenwirkungen dieser Medizin stärker als angenommen. Das ist fatal.


Der englische Patient
(handelsblatt.com) Die britische Wirtschaft schrumpft weiter - die Gefahr einer Rezession ist groß, das AAA-Rating ist in akuter Gefahr, die politischen Risiken sind unkalkulierbar. Keine guten Zeiten für internationale Investoren. Mehr...

Kommentar: Behält Daniel Stelter recht (siehe oben), dann ist Großbritannien längst dem Tode geweiht. Vor diesem Hintergrund hat Cameron gute Gründe, sich in die Brust zu werfen und gegenüber der EU eine dicke Lippe zu riskieren. Der große Bruder in Washington macht es regelmäßig vor, wie sich geschickt von den eigenen Problemen ablenken läßt, nach Innen und nach Außen. Der Autor des Beitrags kommt zu einem eindeutigen Fazit: "Alles in allem sind das reichlich unerfreuliche Aussichten für die Briten: Die Wirtschaft kommt nach der Finanzkrise nicht mehr auf die Beine, das AAA-Rating ist in akuter Gefahr, das Königreich droht seinen Status als sicherer Hafen zu verlieren, und die EU-Diskussion wird noch für reichlich Aufregung sorgen. Angesichts dieser Gemengelage dürfte es Cameron nicht leicht fallen, die internationalen Investoren zu überreden ihr Geld auch künftig auf der Insel anzulegen."


Thanks, Dave
(fuw.ch) “Wettbewerb ist die Tradition Europas, Harmonisierung dagegen begünstigt das Mittelmaß.” Der britische Premierminister David Cameron spricht zur EU - und vielen Schweizern aus der Seele. Mehr...

Kommentar: Wettbewerb - ein Begriff aus der neoliberalen Wirtschaftslehre. Heute nur noch eine leere Worthülse, unsere Nachbarn in der Schweiz sollten das wissen. Es gibt ihn schlicht nicht mehr. Die Schweizer Banken haben sich jahrzehntelang Wettbewerbsvorteile durch ein Bankgeheimnis verschafft, ohne Rücksicht darauf, daß damit gegen geltendes Recht in so gut wie jedem anderen westlichen Staat verstoßen wurde. Die internationale Rüstungsindustrie (auch die schweizerische und britische) verschafft sich weltweit Aufträge durch gigantische Bestechungsgelder, die Bekleidungsindustrie nutzt skrupellos Kinderarbeit und Hungerlöhne in der Dritten Welt, die Ölförderländer kartellieren munter vor sich hin, usw., usw. Großbritannien ist Nutznießer der kriminellen Machenschaften am Finanzplatz London. Was hat das alles mit Wettbewerb zu tun? Natürlich kann man über die Harmonisierung trefflich streiten. Nur nicht da, wo sie versucht, verbindliche Regeln für den Wettbewerb zu schaffen, im besten Sinne des Wortes. Großbritannien steuert dazu wenig bei. 


Italien hebelt sich in die Pleite
(wiwo.de) Unter der Aufsicht des heutigen EZB-Präsidenten Mario Draghi sind italienische Banken hochriskante Derivategeschäfte eingegangen. Den Aktionären der ältesten Bank der Welt droht der Totalverlust. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wer waren die Helfer? "Natürlich" Goldman Sachs und Deutsche Bank, Top-Dealer im weltweiten Derivatehandel. Ähnlich wurde Griechenland, mit ausdrücklichem Einverständnis der EU-Kommission, eurotauglich gemacht. Teil des weltweiten "Derivate-Desaster" (hier). Die Turiner Zeitung LA STAMPA beschreibt es als  "Aufstieg und Fall einer Stadt und ihrer Bank": "Der 1472 gegründeten Bank Monte dei Paschi di Siena hat die toskanische Stadt einiges zu verdanken. Nicht zuletzt, dass sie in Sachen Lebensqualität und Strukturen zur Nummer Eins wurde. Doch jetzt tobt ein Skandal um die MPS und könnte das Ende eines Systems und einer Ära bedeuten." Mehr hier. Lesenswert. Abends meldet der österreichische Standard: "Zentralbank greift Monte dei Paschi unter die Arme". Beschlossen wurden 3,9 Milliarden Euro Staatshilfe. Mehr hier. Gerettet ist die Bank damit noch lange nicht. 


Is this time really different?
(fuw.ch) Die Aktienbörsen erreichen neue Höchststände, und die Stimmung schwappt über. Wenn die Realität nicht mehr mit den Erwartungen Schritt hält, folgt eine Korrektur. Das lehrt der Economic Surprise Index. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag für die "Aktionäre" unter unseren LeserInnen. Und die, die es noch werden wollen. LeserInnen, die sich von uns beraten lassen, wissen, daß wir Aktien zur Krisensicherung komplett ablehnen. Wir erwarten, in Anlehnung an die Entwicklung der Aktienmärkte während der Great Depression, irgendwann massive Kurseinbrüche. Wann das sein wird, ist nicht vorhersehbar. Ansonsten halten wir es mit John M. Keynes: "Wenn meine Informationen sich ändern, ändere ich meine Meinung."


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.