Freitag, 1. Februar 2013

Standpunkt 531 - Nachrichten-Ticker, 31.01.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Eurokrise? – Griechenland – Spanien – Portugal – Jens Weidmann – Rosstäuscher Deutsche Bank – Derivate - Trennbanken-Modell


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
 Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Euro-Krise: Ende des Abgesangs
(sueddeutsche.de) Das Vertrauen in den Euro kehrt zurück. Nicht nur, weil Krisenstaaten wie Spanien oder Portugal sparen und reformieren. Europas Währung steht gegenüber dem Dollar höher als vor Jahresfrist. Südeuropa schlittert nicht mehr auf eine Pleite zu, sondern bekommt bezahlbare Kredite von Investoren. Vor allem ist die Wende aber ein Verdienst von Zentralbank-Chef Draghi. Mehr...

Kommentar: Nicht die Abgesänge sind peinlich, sondern solche Journalisten, die mit ihrer Meinungsmache die Wirklichkeit ignorieren und der Berliner Regierung damit die Steigbügel halten. Die Fakten:  
Griechenland und Portugal haben sich bereits kaputtgespart, Spanien und Italien folgen. Von bezahlbaren Zinsen sind die Länder weit entfernt, Portugal und Griechenland benötigen weiter frisches Geld von IWF/EU. In Spanien kollabieren gerade die Banken, in Italien fängt diese Entwicklung gerade an. Die Investoren haben kein Vertrauen sondern wittern neue Profite. Nicht zu vergessen Irland, der zum keltischen Kätzchen mutierte Tiger. Das Land wird schöngeschrieben und schöngerechnet. Wirtschaftliche Erholung sieht aber anders aus. Wir ersparen uns an dieser Stelle den Nachweis von Einzelheiten, regelmäßig berichten wir im Rahmen unseres Nachrichten-Tickers davon.
Als nächsten Schritt empfiehlt der Schreiber das Programm der deutschen Regierung: "Die Währungsunion muss sich nun endlich ein gemeinsames Wirtschaftsmodell geben, mit Sparhaushalten und wettbewerbsfähigen Firmen. Und sie muss dieses Modell per Mehrheit durchsetzen, zur Not gegen eine national gewählte, aber fiskalisch verantwortungslose Regierung." Und mit diesen Maßnahmen die Bankenkrise endgültig in eine unendliche Geschichte zementieren. Außerdem verweigert sich Hagelüken dem offenen Geheimnis, daß die Austeritätspolitik deutschen Zuschnitts gescheitert ist. Selbst der sture IWF hat sich dieser Tatsache nicht länger verschlossen. Viele Einzelheiten gibt es hier: "Der Irrtum der Euroretter und das Schweigen im Blätterwalde".


"Die Europäer bekommen ihr Geld zurück"
(diepresse.com) Griechenlands Bevölkerung und Politik hätten verstanden, dass es um "die letzte Chance" gehe, sagt der Chef der griechischen Zentralbank. Mehr...

Kommentar: Der Chef der griechischen Notenbank ganz offensichtlich aber nicht. Es ist kompletter Nonsens, den er mit dieser Aussage verbreitet. Er sollte sich die Verhältnisse in seinem Land aus der Nähe betrachten und es darf ihm dann nicht mehr schwerfallen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Griechenland befindet sich längst auf dem Niveau eines Dritte-Welt-Landes, völlig verarmt und verelendet. Und Madame Lagarde, die Jeanne d'Arc des IWF, verlangt weiter strengere Sparauflagen. Gegen die Erkenntnisse des hauseigenen Chef-Ökonoms Olivier Blanchard, den die Financial Times Deutschland einmal als "Der Revolutionär im IWF" betitelte (hier). "IWF schwenkt um: Sparen kann Krise verschlimmern" meldete der österreichische Standard (hier).


Spaniens Verzweifelte
(zeit.de) Seit dem Ausbruch der Krise wurden in Spanien mehr als 400.000 Wohnungen zwangsgeräumt. Nun rüttelt eine Reihe von Selbstmorden das Land auf. Mehr... 

Kommentar: Eine erfreuliche Analyse, die als Ursache vor allem zwei Dinge herausstellt: Schuld sind Politik und Finanzindustrie aus Europas Norden. Die spanischen Banken hätten ohne das Geld der ausländischen Kollegen in Frankreich und Deutschland keine Blase generieren können. Besonders stark drängte das überzählige Kapital aus Deutschland, angehäuft durch die regelmäßigen hohen Handelsbilanzüberschüsse, seit der Einführung des Euro in den spanischen Immobilienmarkt. In den folgenden Jahren flossen die Gewinne reichlich, nicht zuletzt wegen der spanischen Spezialität flexibler Kredite, die 98% der Hypothekenfinanzierungen ausgemacht haben. Logisch, daß diese Darlehen schnell in Schieflage geraten, weil sie nach Jobverlust nicht mehr bedient werden können. Die Folge: Mittlerweile nehmen die Zwangsräumungen überhand und die spanische Regierung schaut dem Treiben tatenlos zu. Von Europa ist - natürlich - keine Hilfe zu erwarten, dort wartet man nur darauf, daß Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft, um dem Land die üblichen Spardiktate abzupressen. Bis dahin gibt es nur so viel Bankenhilfe, wie nötig ist, fällige Zahlungen in den Norden zu sichern. Versteht Hagelüken von der SZ das darunter wenn er schreibt, "Spanien oder Portugal sparen und reformieren"? Die Selbstmorde sind ein klares Zeichen dafür, wie groß die Not im Land ist und wie menschenverachtend die Politiker in Madrid, Berlin und den anderen Hauptstädten Europas damit umgehen. Von den Technokraten in Brüssel ist Moral und Anstand sowieso nicht zu erwarten. Wir nennen das jedenfalls "unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge". Vielleicht ein Straftatbestand? 


Portugal wirbt für ein "Leben in Portugal"
(heise/telepolis.de) Senioren aus der EU aber auch Russen und Afrikaner werden umworben, denen zudem eine Aufenthaltsgenehmigung winkt. Mehr...

Kommentar: Eine der vielen portugiesischen Reformen zur Reduktion der Staatsschulden. Prinzip Hoffnung total. Die Regierung selbst hält die Situation des Landes für gravierend, Wirtschaftswachstum findet nicht statt, Rentenansprüche gehen verloren, Ersparnisse natürlich auch, die Armut ist sprunghaft angestiegen, dazu die Arbeitslosigkeit. Es ist kaum nachzuvollziehen, warum Portugal schon wieder auf einem guten Weg ist. Bis auf weiteres geht es bergab. Problematisch ist nämlich auch die enge wirtschaftliche Verknüpfung mit dem Nachbarn Spanien. Spaniens Absturz wird seine Spuren auch in Portugal hinterlassen. Die folgende Grafik zeigt die Jugendarbeitslosigkeit ausgewählter europäischer Staaten im November 2012:



Quelle: zerohedge.com


"Rettungspakete schwächen starke Euro-Staaten beträchtlich"
(format.at) Nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wird der aktuelle Rahmen für die Rettung von ins Trudeln geratenen Staaten schlussendlich auch die stärksten Mitglieder der Eurozone schwächen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Weidmann bürstet die Probleme gegen den Strich - wieder einmal. Tatsächlich ist es so, daß sich die starken Staaten mit den Rettungspaketen die Probleme so lange wie möglich vom Hals halten. Deren Banken sind es nämlich, um die es letztlich geht. Die kommen ganz schnell in die Bredouille, wenn die Rettungspakete ausbleiben. Wir sind felsenfest davon überzeugt, was wir bis heute sehen ist nur die äußerste Spitze eines gigantischen Eisbergs. Schmilzt der, dann stehen nicht mehr nur einige Millionen säumige Hypothekenschuldner in den USA und Europa unter Wasser, sondern die ganze Welt. Weidmann kennt die Zusammenhänge und klammert sich deshalb krampfhaft an die Staatsschuldenkrise, rückt diese als Schuldige in den Vordergrund, zieht immer wieder eine Show ab, um vom Rest, der nackten Wahrheit, abzulenken.  Wir sollten zu keiner Zeit vergessen: Die Bundesbank dient der Finanzindustrie, nicht Staat oder Bürgern, obwohl sie sich seit ihrer Gründung gerne diesen Anschein gibt und die Deutschen unumstößlich daran glauben. Ein typischer Mythos eben. Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister hat in den 1990er Jahren diese Rolle der Bundesbank untersucht: “Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?” Keine leicht verständliche Kost. Wir haben aus diesem Grund die wichtigsten Passagen seiner Ergebnisse in einem eigenen Beitrag zusammengefaßt (hier). Direkt zum vollständigen Untersuchungsergebnis von Stephan Schulmeister geht es hier. Trockener Stoff, aber mit einer hohen Informationsdichte. 


Milliarden-Verlust bei der Deutschen Bank: Es wird kritisch für die Steuerzahler
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Deutsche Bank hat im vierten Quartal 2012 einen gigantischen Verlust gemacht: 2,2 Milliarden Euro sind selbst für DB-Skeptiker eine böse Überraschung. In dieser Höhe hat den Verlust keiner erwartet. Viele Analysten waren sogar von einem Gewinn ausgegangen. Nun scheint jedoch die weltweit gefürchtete Derivaten-Bombe hochzugehen. Mehr...

Kommentar: Ein aufschlußreicher Beitrag, hier und da noch ein bisschen wachsweich (= vorsichtig) formuliert, in der Sache aber eisenhart. Unvorstellbar, was da auf die Welt zukommt. Kein Erdteil bleibt davon verschont. Die Big Player im Derivatehandel haben dieses Gift über die Finanzindustrie weltweit verteilt. Unsere Grafik zeigt das Problem für die Deutsche Bank. Fliegt der Bank das Derivategeschäft irgendwann um die Ohren, ist es ein Fall für die Tonne, nicht für die Steuerzahler.




Derivate: Erste Explosionen im Umfeld der 638-Billionen Dollar Bombe
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der unkontrollierte Derivaten-Markt ist nicht nur ein Risiko für die Banken. Der Zahlmeister wird am Ende der Steuerzahler sein, weil es sich bei den Spekulationen um Geschäfte der systemrelevanten Institute handelt, die per Naturgesetz vom Steuerzahler zu retten sind. Mehr...

Kommentar: Da rettet niemand mehr etwas, so viel ist sicher. Der Schaden wird immens sein: Wir erwarten innerhalb weniger Stunden den vollständigen Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems. Ersparnisse und große Teile der Vermögen werden pulverisiert. Nicht ohne Grund nennen wir unseren Beitrag zu diesem Thema "Desaster Derivatehandel" (hier). Bitte beachten: Die 638 Billionen Dollar stammen von der BIZ, die Dunkelziffer ist wesentlich höher. US-amerikanische Quellen glauben an 1.200 bis 1.400 Billionen US-Dollar Volumen. Die BIZ kennt beispielsweise nicht die Zahlen der Schattenbanken. Eine umfangreiche Analyse in Englisch gibt es hier: "Fight the Derivatives Cancer with a Wall Street Sales Tax, Plus Bans on Hedge Funds, Credit Default Swaps, and Synthetic CDOs". Die Grafik aus dem Beitrag zeigt die Entwicklung im Verhältnis zur weltweiten Wirtschaftsleistung (Stand 30.06.2012): 



Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ist für die Gefährlichkeit des Derivatehandels ohne Bedeutung.


Die Mär von der Trennung
(manager-magazin.de) Schockierender Milliardenverlust, umfangreiche Durchsuchungen und massiver Stellenabbau: Die Deutsche Bank steckt in Schwierigkeiten. Aber zumindest das Problem der Trennung von Handels- und Einlagengeschäft scheint beseitigt. Der Gewinner heißt Anshu Jain. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Gestern wurde die Meldung verbreitet, die Bundesregierung habe einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Empfehlungen der Liikanen-Kommission vorbereitet (hier und hier unser Kommentar dazu). Wir haben uns schon gestern nicht getraut, die Ernsthaftigkeit der Bundesregierung zu bewerten. Sollten wir recht bekommen? Tage vorher titelt das manager magazin noch "Trennbanken-System gewinnt immer mehr Freunde". In der Einleitung heißt es: "Politiker wollen das Finanzsystem stabilisieren, indem sie riskante Geschäfte abspalten. Der Vorschlag einer EU-Expertengruppe findet immer mehr Fürsprecher. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zählt dazu." Weidmann erklärt: "Mein Punkt ist, dass bei einer wohlüberlegten Herauslösung bestimmter riskanter Geschäfte der volkswirtschaftliche Nutzen überwiegt." Aber schon in diesem Beitrag wird klar, Anshu Jain ist dagegen:  "Die Trennung des Geschäfts mit Privatkunden vom Investmentbanking wäre ein enormer Schaden für die deutsche Volkswirtschaft und Gesellschaft." Mehr hier. Das leuchtet ein: Wohin mit den hochgradig gefährlichen Zocker-Billionen aus dem Derivatehandel? Im Fall einer Trennung muß er die Hose runterlassen. Dann wird es Dunkel im Frankfurter Bankenviertel. Schnell kommt Unterstützung von der F.A.Z. Die findet "Die Risiken bleiben" und erklärt den staunenden LeserInnen: " Banken sollen künftig riskante Handelspraktiken vom üblichen Geschäft abspalten. Das Finanzministerium hat dazu ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet. Er ist kein großer Wurf." Aber der Autor des Beitrags ist schlecht informiert:  "(...) Derivate von rund einer Billion Euro in der Bilanz zeigen das Ausmaß ihres Handelsgeschäfts." Mehr hier. So geht es natürlich auch, die Risiken in bewährter Manier kleinschreiben. Die Wahrheit wird einfach gut versteckt. Mag sein, daß der Gesetzentwurf "kein großer Wurf" ist. Es wird aber Zeit, die Versprechen der G8- und G20-Krisen-Gipfel nach der Lehman-Pleite 2008 endlich einzulösen. Da freuen wir uns über die kleinsten Anfänge. Jan Pieter Krahnen, Mitglied der EU-Expertengruppe um den finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen, meint in einem Interview: "Investmentbanking wird unattraktiv" (hier).


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.