Samstag, 9. Februar 2013

Standpunkt 539 - Nachrichten-Ticker, 08.02.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Crashgefahr – Davos -  Deutschlands Exporterfolg – Alexis Tsipras – Japan – Immobilienmarkt Spanien – US-Häusermarkt – "Too Big to Jail"


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
 Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben.  Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Für das Frühjahr bereiten wir deshalb ein weiteres Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-)Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen Ausgabe gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Mit Volldampf in den nächsten Crash
(wiwo.de) Immer wieder drehen die Finanzmärkte durch. Schon seit vielen Jahrzehnten. Es wird Zeit, dass wir aus der Geschichte lernen: Ein bisschen Regulierung reicht nicht. Denn Finanzmärkte streben nicht ins Gleichgewicht, sondern zerstören sich immer wieder selbst. Wenn die Politik das nicht bald erkennt, steuern wir geradewegs auf den nächsten Crash zu. Mehr...

Kommentar: Eine Analyse, der wir nichts hinzuzufügen haben. Da paßt alles. Erstaunlich nur, dass dieser Beitrag in der marktgläubigen Wirtschaftswoche erschienen ist. Nur der Appell an die Politik ist völlig nutzlos, die muss längst als Mittäter identifiziert werden. Und glaubt weiter, dass ein Haufen Milliarden Euro Hilfen die Banken retten und das ganze System doch noch stabil halten. Wie be(un)ruhigend.


Selbstzufriedenheit in einer führungslosen Welt
(project-syndicate.org) Die Jahrestagung des Weltwirtschaftforums in Davos hat etwas von ihrer vorkrislichen Großtuerei verloren. Vor der Krise von 2008 konnten sich Finanz- und Wirtschaftsführer über die Vorzüge der Globalisierung, Technologie und Finanzliberalisierung ergehen, die angeblich eine neue Ära ungebremsten Wachstums einläutete. Alle würden an den Vorteilen teilhaben, wenn sie nur „das Richtige“ täten. Diese Tage sind vorbei. Aber Davos bleibt ein guter Ort, um ein Gefühl für den globalen Zeitgeist zu bekommen. Mehr...

Kommentar: Joseph E. Stiglitz blickt zurück auf Davos. Was er dort in diesem Jahr "entdeckt", fasst er in einem vielsagenden Fazit zusammen: "Angesichts der durch die infantilen politischen Trotzanfälle der Republikaner verursachten politischen Paralyse in den USA und der Fokussierung Europas auf das Überleben des schlecht durchdachten Europrojekts, war der Mangel an globaler Führung ein wichtiger Beschwerdepunkt in Davos. In den letzen 25 Jahren haben wir uns von einer von zwei Supermächten dominierten Welt hin zu einer von einer dominierten Welt und jetzt zu einer führungslosen multipolaren Welt hinbewegt. Wir mögen von den G7, oder G8, oder G20 reden, doch die passendere Beschreibung lautet G0. Wir müssen erst noch lernen, wie wir in dieser neuen Welt leben und Erfolg haben können." Klar und deutlich formuliert, oder? Der Rest des Beitrags lohnt sich auf jeden Fall auch.  


Der unheimlich große Exporterfolg
(fr-online.de) Deutschland führt so viele Waren aus wie noch nie. Der hohe Überschuss schafft aber auch Probleme. Die Asymmetrie zwischen Deutschland und anderen nordeuropäischen Staaten, die Exportüberschüsse erzielen und dem gebeutelten Süden gilt als einer der Auslöser der Eurokrise. Mehr...

Kommentar: Es war schwierig in den deutschen Medien einen Beitrag aufzutreiben, der kritisch mit dem erneuten Exporterfolg umgeht. Dieser tut es. Deutschland bleibt offensichtlich unbelehrbar: Statt die Binnennachfrage anzukurbeln, durch 5% Lohnerhöhung und öffentliche Aufträge aus den 100 Milliarden Euro Investitionsrückstau beispielsweise, gibt es den Erfolg nur auf Kosten der Nachbarn. 


Alexis Tsipras: Unsere Lösung für Europa - ein Vorschlag
(monde-diplomatique.de) Es ist der 27. Februar 1953. Die Bundesrepublik Deutschland ächzt unter ihrer Schuldenlast und droht die übrigen europäischen Länder in einen Krisenstrudel hineinzuziehen. Die Gläubigerstaaten, darunter Griechenland, sind höchst besorgt über ihre eigene Zukunft. Erst in dieser Situation begreifen sie, was außer den Neoliberalen längst allen klar war: Die Politik der "internen Abwertung" - gemeint ist eine Senkung der Lohnkosten - sorgt nicht dafür, dass die Schulden abbezahlt werden können. Ganz im Gegenteil.
Auf einem Sondergipfel in London beschließen 21 Staaten, ihre Forderungen in Bezug auf den Schuldendienst an die tatsächliche Leistungsfähigkeit ihres Partnerlands anzupassen. Sie streichen 60 Prozent der deutschen Schulden, gewähren dem Land ein fünfjähriges Zahlungsmoratorium (von 1953 bis 1958) und verlängern die Rückzahlungsfrist um 30 Jahre.
Überdies führen sie eine Art Nachhaltigkeitsklausel ein: Demnach muss Deutschland nicht mehr als ein Zwanzigstel seiner Exporteinnahmen für den Schuldendienst aufwenden. Diese Entscheidung Europas war also das genaue Gegenteil des Versailler Vertrags von 1919 und legte damit die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nichts anderes fordert heute die Koalition der radikalen Linken (Syriza). Wir sollten darangehen, all die kleinen Versailler Verträge, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble den europäischen Schuldnerstaaten aufgezwungen haben, wieder rückgängig zu machen. Lassen wir uns also von jenem großen Tag inspirieren, an dem das Nachkriegseuropa so viel Weitsicht wie selten unter Beweis gestellt hat. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Es waren schwierige Verhandlungen damals in London, bis sich der Erfolg einstellte und ein Abkommen geschlossen wurde, dem alle Gläubigerstaaten zustimmen konnten. Das übergeht Tsipras großzügig. Was er in seinem Beitrag vorstellt verdient Beachtung und hätte nach unserer Einschätzung tatsächlich das Zeug dazu, die Krise in Europa zu bekämpfen. Zumindest gemessen an den Ideen, an denen sich bisher versucht wird und die, soviel ist bereits sicher, alles nur schlimmer gemacht haben. Jens Berger schreibt in seiner aktuellen Kolumne für die taz darüber, "Warum Merkel Europa totspart" und schreibt u. a.: "Die Eurokrise kommt Angela Merkel und denen, die Sir Alan Budd als „Kapitalisten“ bezeichnet, nicht nur gelegen, sie ist vielmehr der entscheidende Hebel, mit dem man den Sozialstaat erfolgreich entkernen kann. Eine Politik, die zu einer Auflösung der Krise und zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt führt, läuft diesem Ziel schlichtweg zuwider." Mehr hier. Da kann es der Eisernen Kanzlerin nur recht sein, dass sich die deutschen Stammtische am Euro als Krisenursache festgebissen haben und davon nicht ablassen werden. So kann sie in aller Ruhe ihre marktkonforme Demokratie gegen Soziale Marktwirtschaft und Sozialstaat europaweit durchsetzen. Zu Gunsten der Finanzindustrie. 


Yen-Verfall bringt Japan in Schwung
(manager-magazin.de) Die neue japanische Regierung stellt die bisherige Geldordnung auf den Kopf. Um den Niedergang der Exportnation zu stoppen, will sie die Rückkehr der Inflation sowie einen günstigeren Yen-Kurs erzwingen. Bisher kann sie Erfolg verbuchen - einige Pleitekandidaten erwachen zu neuem Leben. Mehr...

Kommentar: Warum soll heute funktionieren, was die LPD während ihrer zahllosen Regierungszeiten in der schon über zwanzig Jahre dauernden Krise in Japan nicht geschafft hat? Nur weil Paul Krugman die Aktion bejubelt? Das ist zu wenig. Und auch der Autor des Beitrages bleibt die Erklärung schuldig. Pleitekandidaten zum Leben zu erwecken ist eindeutig zu wenig, selbst wenn sie Sony, Panasonic oder Sharp heißen. Mittlerweile haben die japanischen Unternehmen immer wieder ein Qualitätsproblem, wie das Beispiel Toyota regelmäßig zeigt (hier und hier). Außerdem fehlt die Nachfrage aus dem Westen für das, was Japan produziert. Dagegen hilft auch kein billiger Yen. Der einzige interessante Markt liegt direkt vor der japanischen Haustür, China. Aber mit China liegt Japan quasi im Krieg. Deshalb ist der Aktionismus der japanischen Regierung nur für eine Sache bestens geeignet: Von zahllosen anderen Schwierigkeiten abzulenken.   


Verlockende Immobilien in Spanien
(tagesanzeiger.ch) Haus- und Wohnungspreise auf der iberischen Halbinsel sind teilweise auf unter einen Drittel gefallen. Trotzdem warnt der UBS-Immobilienexperte potenzielle Käufer. Mehr...

Kommentar: Ein Beitrag für LeserInnen, die sich mit dem Gedanken tragen, in Spanien zu investieren. Wir können nur davor warnen. Spanien steht erst am Anfang vom Ende. Da ist immer noch sehr viel Luft nach unten. 


The Ugly Truth About America's Housing "Recovery" -- It's Wall St. Buying Homes to Rent Back to Their Former Owners
(alternet.org) Every day, it seems a new report comes out praising the ongoing housing recovery. In Georgia, home prices are up 5 percent over last year, a year in which we also had one of the highest foreclosure rates in the country. Seems a little odd, doesn’t it? Don't foreclosures usually drive down the market?
That’s because the housing “recovery,” as they’re calling it, is fueled almost entirely by Wall Street private equity firms, hedge funds and the Fed's unwavering support. After creating a massive bubble in home prices that eventually burst and caused our economy to go into a tailspin, these guys have decided to come back for more, and figured out a way to profit off their destruction -- by turning foreclosed homes into rentals and securitizing the rental income.
Many are claiming this is the “private-sector solution” for the recovery we need to get the economy going again. The argument goes that investors snapping up these homes and fixing them up does more for the community than letting the houses just sit there, blighting the neighborhoods and lowering values.
That argument might have made sense for the pilot program Fannie Mae launched last year. In that bulk auction deal, investors had to agree not to sell properties facing foreclosure for a designated period of time. Many of the homes were occupied with tenants, and vacant homes had been on the market and not sold for at least six months. Of course, that deal proved too restrictive for most Wall Street types, leading the sale in Atlanta to eventually fall through.
The Blackstone group, the biggest player in the new REO to rental market, has spent $2.5 billion in the last year purchasing 16,000 homes, a number that amounts to over $100 million per week. Property records show that many of the homes Blackstone has acquired in Fulton County over the last few months were purchased on the courthouse steps at the monthly foreclosure auction, or through short sales—when a lender agrees to accept less than the amount owed on a loan. The vast majority of these homes are not empty, but occupied by homeowners who fell behind during the great recession.
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Kommentar: Längst wird in den deutschen Leitmedien davon fabuliert, dass mittlerweile auch der US-Immobilienmarkt dreht und sich Nachfrage und Preise nach oben entwickeln. Wie immer bei solchen Meldungen aus den USA sind sie mit äußerster Vorsicht zu genießen. Für unsere LeserInnen, die sich besser über die Entwicklung in den USA informieren wollen, bietet dieser Beitrag eine fundierte Zusammenfassung. Können wir nur empfehlen. 


Who Decided U.S. Megabanks Are Too Big to Jail? 
(bloomberg.com)  Tom Hanks has a knack for playing the roles that define American generations. In “Saving Private Ryan,” he embodied the courage of the men who landed on the Normandy beaches under heavy fire.
In “Apollo 13,” he conveyed calm and ingenuity under intense pressure: “Houston, we have a problem.” And Forrest Gump revealed much about America before, during and after the Vietnam War.
If Hanks turns his attention to our most recent decade, which character should he choose? My suggestion is Assistant Attorney General Lanny Breuer, the head of the criminal division at the Justice Department and the man responsible for determining whether anyone should be prosecuted for the financial crisis of 2008.
In an on-camera interview, which aired recently, Breuer stated plainly that some financial institutions are too large and too complex to be held accountable before the law. Bipartisan pressure is now being applied on the Justice Department to reveal exactly how this determination was made.
Breuer, however, has announced he will leave government March 1. Good luck unraveling the cover-up that must already be in place. Breuer made the comments for a documentary aired by the PBS program “Frontline.” The investigative report, titled “The Untouchables,” asked why no senior Wall Street executive has been prosecuted for apparently well-documented illegal acts, such as authorizing document forging, misleading investors and obstructing justice. Breuer was shockingly candid. Read more...

Kommentar: Was der US-Ökonom Simon Johnson in diesem Beitrag schildert, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Es zeigt den ganzen Wahnsinn im Umgang mit den Verursachern der Finanzkrise und wie gering die Hoffnung bleiben muss, dass sich an der Schonung dieser Kriminellen etwas ändert. Angeklagt werden die Unternehmen, nie die persönlich Verantwortlichen. Dann geht es in der Öffentlichkeit ein bisschen hin und her. Am Ende kommt es zu einem Vergleich - gegen eine, im Verhältnis zum angerichteten Schaden, viel zu geringe Geldstrafe versteht sich. Die persönlich Verantwortlichen behalten ihren Job, ihre Boni, und machen mit ihren kriminellen Machenschaften unverhohlen weiter wie bisher.  


Quelle: secretsofthefed


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.