Freitag, 22. Februar 2013

Standpunkt 552 - Nachrichten-Ticker, 21.02.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Jean Ziegler vs. Hunger – EU-Wasserprivatisierung – Bankenrepublik Deutschland – Konjunkturprognosen  – EU-Beitritt vs. Türkei – Währungskrieg – Euro-Krise – Italien – Portugal – US-TBTF-Banken – China - Freihandel


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
 Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben.  Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Für das Frühjahr bereiten wir deshalb ein weiteres Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-)Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen letzten Ausgabe gefallen: "Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird" (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher.


Ziegler: Hunger ist organisiertes Verbrechen
(derstandard.at) Jean Ziegler kämpft unermüdlich gegen den Hunger und Zocker, die mit Wetten auf Nahrungsmittel Milliarden einstreichen Weltweit stirbt alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger. Das lässt Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, nicht zur Ruhe kommen. Im Interview mit derStandard.at spricht er über den "Bankenbanditismus", Agrarspekulanten, die kannibalische Weltordnung und die Ursachen des globalen Hungers. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir sind strikt gegen die von Deutsche Bank und Allianz wieder aufgenommenen Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Logisch, dass wir unter diesen Umständen unsere LeserInnen ebenfalls für dieses Thema sensibilisieren wollen und ausdrücklich auf diesen Beitrag von Jean Ziegler hinweisen. Dieser Mann verdient unsere Aufmerksamkeit und jede Unterstützung. Es gibt viel zu wenige davon. In diesem Zusammenhang ein ergänzender Hinweis auf einen Leserbeitrag in der ZEIT: "Den Banken zeigen, was wir wollen". Dort heißt es einleitend: "Alle schimpfen auf die Finanzwirtschaft, aber jeder Bankkunde stützt sie. Dabei ist ethisches Investment möglich." Mehr hier. Aufschlussreicher Beitrag. Diesen Kommentar schließen wir ab mit einem Zitat aus Jean Zieglers neuestem Buch: "Ein erwachsener Mensch kann in der Regel drei Minuten leben, ohne zu atmen, drei Tage, ohne zu trinken, drei Wochen, ohne zu essen. Mehr nicht. Dann beginnt der körperliche Verfall. Bei unterernährten Kindern kündigt sich der Todeskampf sehr viel früher an. Zunächst verbraucht der Körper seine Reserven an Zucker, dann an Fett. Die Kinder werden lethargisch. Sie verlieren rapide an Gewicht. Das Immunsystem bricht zusammen. Durchfälle beschleunigen die Auszehrung. Mundparasiten und Infektionen der Atemwege verursachen schreckliche Schmerzen. Dann beginnt der Raubbau der Muskeln. (...) Ihre Arme baumeln kraftlos am Körper. Ihre Gesichter gleichen Greisen. Dann folgt der Tod." (Aus: Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt) Was steht oben: "...weltweit stirbt alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger". Wahrscheinlich auf die so beschriebene Weise. Dürfen wir diesem Treiben noch länger teilnahmslos zusehen?


Die Wasserlüge
(zeit.de) Brüssel will unsere Stadtwerke privatisieren? So skrupellos ist die EU-Kommission dann doch nicht. Die Geschichte einer Kampagne. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir haben uns mehrfach in den vergangenen Wochen an der Diskussion um die Privatisierung des Wassers in Europa beteiligt und unsere LeserInnen darum gebeten, sich an der Protestaktion gegen die Pläne der EU-Kommission zu beteiligen. Es gibt Neuigkeiten, auf die wir natürlich hinweisen wollen. Dieser Beitrag der ZEIT verniedlicht die EU-Pläne und wirft den Gegnern übertriebene Panikmache vor. Das ist plumpe journalistische Lobbyarbeit. Dem Autor sei empfohlen, sich die Doku "Water Makes Money" anzusehen. ARTE schreibt dazu: "Private Konzerne versorgen rund 80 Prozent der französischen Bevölkerung mit Trinkwasser. Doch im ganzen Land schwindet das Vertrauen in ihre Seriosität, denn die Wahrheit über das Gebaren der Konzerne drängt an die Oberfläche: Wasserzähler werden dem Kunden faktisch doppelt berechnet, der Austausch von Bleileitungen erfolgt nur teilweise, dringende Reparaturen werden dem Verbraucher als Neuanschaffung in Rechnung gestellt. Inzwischen liegen die Wasserpreise bei privaten Betreibern in Frankreich um 20 bis 60 Prozent höher als bei öffentlichen Versorgern. Skandalös sind auch die üblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen: Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, um Wasser zu liefern oder Abwasser zu entsorgen. Diese 200 oder 300 Millionen Euro oder mehr gelten als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Doch die Zahlung der Konzerne entpuppt sich dann als Kredit, der von den Wasserkunden über 20 oder 30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher Höhe zurückgezahlt werden muss.
Beispiele in Frankreich und Braunschweig machen ein System sichtbar, das den Wasserkonzernen erlaubt, ihren globalen Expansionskurs zu finanzieren - ein System, das inzwischen viele Franzosen motiviert, die Rückkehr zur kommunalen Wasserversorgung anzustreben.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass in Frankreich die Ressource Wasser mittlerweile in einem bedenklichen Zustand ist. Dabei liegt die Lösung nah und ist absolut kostengünstig: die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, auf denen nur Biolandwirtschaft erlaubt ist. Nur die Multis verdienen daran nichts. Zusätzlich würde ein sinkender Wasserverbrauch die Rendite der Konzerne schmälern. Aber in Frankreich wächst zusehends das Bewusstsein, die Melkkuh der Konzerne für ihre globalen Expansionspläne zu sein, und es baut sich eine Rekommunalisierungswelle auf. Und auch in anderen europäischen Ländern sowie in Lateinamerika, Afrika und den USA kommt es immer häufiger zur Rückkehr der Wasserversorgung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger"
(Quelle: hier). Vor diesem Hintergrund muss jeder Versuch der Privatisierung, egal in welcher Form er daherkommt, unterbunden werden. Die geplante Richtlinie wäre der Einstieg in ein Milliardengeschäft für Konzerne wie Veolia. 
Die ZEIT meldet sich noch einmal zu Wort und fragt  "Wem gehört Europas Wasser?" Bei in der Dokumentation geschilderten Erfahrungen, besonders in Frankreich, ist die Frage für jeden persönlich leicht zu beantworten. Deshalb halten wir uns mit einer Bewertung zurück. Der Autor dieses Beitrages behauptet, es gehe "um deutsche Interessen". Mehr hier. Das halten wir  für Quatsch, aber geeignet die Proteste aus Deutschland herabzuwürdigen. 
Eine erste Entwarnung scheint es zu geben, die WELT meldet : "Wasser soll in der EU öffentliches Gut bleiben" und fasst zusammen: "Seit Wochen wird EU-Binnenkommissar Michel Barnier attackiert. Der Vorwurf: Er wolle die Trinkwasserversorgung europaweit zwangsprivatisieren. Jetzt wehrt sich Barnier – und kommt Kritikern entgegen." Mehr hier. Aber Vorsicht, der Inhalt des Beitrags gibt nichts her, was wirklich auf eine Entwarnung hindeutet. Also kein Grund, mit dem Protest nachzulassen, finden wir. Deshalb hier noch einmal der Link zur "Protestbewegung". 


Bankenrepublik Deutschland
(fr-online.de) Ein interner Bericht der Regierung offenbart intensive Verbindungen zur Finanzindustrie. Investmentbanken beschäftigen ganze Stäbe in Berlin damit, gute Kontakte zu Entscheidungsträgern zu pflegen. Mehr...

Kommentar: Eine wunderbare Verballhornung des Begriffs "Bananenrepublik", der Autorin sei Dank. "Als Bananenrepublik werden Staaten bezeichnet, in denen Korruption bzw. staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden", steht dazu bei Wikipedia. Passt doch, oder? Wer sich unter allen Umständen dagegen wehren will, der sollte sich mit der Antwort der Bundesregierung auf die "Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Barbara Höll u. a. und der Fraktion DIE LINKE - „Beziehungen von Geschäftsbanken und Investmentbanken zur Bundesregierung“; BT-Drucksache 17/11456 vom 9. November 2012" beschäftigen. Die gibt es hier. Danach dürften keine Zweifel mehr übrigbleiben. Das stinkt zum Himmel. 


Markit widerlegt deutsche Jubel-Prognosen: Es geht abwärts
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Unbeeindruckt von den negativen harten Fakten zur wirtschaftlichen Entwicklung, blicken die deutschen ZEW-Experten sehr optimistisch in die Zukunft. Doch nun offenbart der Einkaufsmanager-Index, dass auch die Manager der Eurozone kaum noch Hoffnung verspüren. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag soll unsere Kritik an den jüngsten Konjunkturdaten für Deutschland stützen. Für uns sind Ifo-Institut und GfK "Stimmungsverfälscher". Markit ist ein international anerkannter Dienstleister für Finanz- und Marktdaten. 


Türkei drängt Deutschland zum Einlenken
(spiegel.de) "Auf Knien" werde ein Kanzler einst nach Ankara robben, um die Türkei zur EU-Mitgliedschaft zu bewegen, sagt der Brüsseler Kommissar Günther Oettinger. Die Türken freut's, Berlin ist verstimmt. Zwei Tage vor Angela Merkels Besuch drängt Ankara Deutschland zu Zugeständnissen auf dem Weg nach Europa. Mehr...

Kommentar: Wir haben gestern zu Oettinger schon klar Stellung bezogen. Heute unterstreichen wir unsere Meinung noch einmal deutlich: Es gibt keinen Grund, einzulenken. Genauso wie damals, wo wir gegen de EU-Beitritt Großbritanniens waren, sind wir heute der Meinung, dass es keinen Grund gibt, die Türkei in die EU aufzunehmen. Entgegen aller medialer Schönschreibungen sind wir nämlich der Auffassung, dass die Türkei wirtschaftlich lahmt. Dazu genügt ein Blick auf die Leistungsbilanz (hier). Es ist absehbar, dass es mit dem vermeintlichen Wirtschaftsaufschwung der Türkei irgendwann zu Ende geht. Für uns ein Indiz dafür: Bereits heute sind 2 Millionen Türken völlig überschuldet. Die EU hat genug Probleme, für die ihr keine Lösungen einfallen. Die müssen nicht durch den Beitritt der Türkei noch angereichert werden. Die französischen und deutschen Banken würden natürlich die Aufnahme der Türkei in die EU sehr begrüssen. Das würde sie ihrer Sorgen um die Finanzierung des türkischen Leistungsbilanzdefits schlagartig entheben.


Von der Zeitbombe im Tresor japanischer Banken
(fuw.ch) Japan hat es nach langem wieder in die Schlagzeilen geschafft. Die Wahl von Shinzo Abe zum Premierminister mit seinem Belebungsprogramm hat es möglich gemacht. Der Yen hat schon mal an Wert verloren, ein Anfang der Rückkehr zu einer gewissen Normalität. Noch weit entfernt ist ein möglicher Zinsanstieg, sollte die Wirtschaft in Fahrt kommen. Aber genau dieser Zinsanstieg in Zusammenhang mit der Neubeurteilung der japanischen Staatsschuldenpapiere JGB ist für das Bankensystem eine riesige Zeitbombe. Mehr...

Kommentar: Ja, ja, es gibt offiziell keinen Währungskrieg. Offensichtlich hat Japan aber nicht nur ein Problem mit seiner Währung. Die Grafik aus dem Beitrag macht ein weiteres Risiko augenfällig: 


  

Währungskrieg verschärft: Briten drucken wie verrückt, das Pfund schmiert ab
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Das britische Pfund ist im Vergleich zum Euro so schwach wie seit 2011 nicht mehr. Diesen Niedergang der britischen Währung hat Zentralbank-Chef Mervyn King jetzt noch beschleunigt. Denn er macht sich persönlich für eine Beschleunigung des Gelddruckens in Großbritannien stark. Mehr...

Kommentar: Für diese Schlagzeile können wir nichts. Es sind Neuigkeiten aus einem armen Land. Dessen Regierung eine nutzlose Finanz- und Wirtschaftspolitik verfolgt: Die heimische Finanzindustrie bekommt unbegrenzte Liquidität in den Hintern geschoben, während die Menschen mit erfolglosen Sparprogrammen gequält werden. Der Markt wird es schon richten, behaupten unisono Politik, Notenbank und Finanzindustrie. Eine glatte Lüge. 


Das Dilemma des Sparers
(project-syndicate.org)  Die meisten internationalen Finanzkrisen der letzten 200 Jahre waren die Folge von Spannungen, die durch die Umleitung von Kapital aus Ländern mit hohen Ersparnissen in solche mit geringen Ersparnissen entstanden sind. Die aktuelle europäische Krise ist ein Beispiel dafür. Fast ein Jahrzehnt lang floss Kapital aus Ländern mit hohen Ersparnissen wie Deutschland in Länder mit geringen Ersparnissen wie Spanien. Der daraus resultierende Schuldenberg hat seine eigenen Einschränkungen geschaffen, und jetzt ist Europas Wirtschaft gezwungen, einen Ausgleich vorzunehmen. Mehr...

Kommentar: Ein lehrreicher Beitrag von Michael Pettis über die Zusammenhänge von Überschüssen auf der einen und Schulden auf der anderen Seite am Beispiel von Deutschland und Spanien. Ein kleines bisschen zu akademisch, aber für den Laien immer noch verständlich. Was uns in diesem Beitrag fehlt ist der Hinweis, dass die spanische Immobilienblase und die unwirtschaftlichen Infrastrukturmaßnahmen nicht von den einheimischen Banken, sondern von denen mit überschüssiger Liquidität, als aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, verursacht wurde. Die spanischen Banken waren nur "Platzhalter" in diesem System. Deshalb dienen auch in Spanien die Rettungspläne nicht Staat und Menschen, oder den spanischen Banken, sondern nur denen aus D, F und GB. Siehe Griechenland: "Fata Morgana Griechenland-Rettung", hier


Euro-Retter Deutschland haftet doppelt 
(handelsblatt.com) Die EU will taumelnden Nicht-Euro-Staaten nur unter strengeren Auflagen helfen. In Deutschland hält man die Pläne grundsätzlich für sinnvoll. Doch die Risiken für die Bundesrepublik reduziert das nicht, im Gegenteil. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Schon seit 2008 erhalten Nicht-Euro-Länder Milliardenhilfen aus Brüssel und vom IWF. Zu extrem günstigen Konditionen, die regelmäßig nur halb so hoch sind wie bei denen für die krisengeschüttelten Euro-Länder. Für die Deutschland schon mithaftet, es redet nur bisher niemand drüber. Alles fokussiert sich nur auf die PIIGS-Staaten. Eine sehr gute Analyse zum Thema gibt es unter dem Titel "Warum stützt die EU Lettland, Rumänien und Ungarn?" bei heise/telepolis.de. Der Beitrag stammt aus 2010, hat aber an Aktualität nichts eingebüßt: "Es ist erstaunlich, dass die Nichteuroländer mit billigen Krediten versorgt wurden, während Griechenland mit hohen Zinsen in den Bankrott getrieben wird. Ohne die Milliarden, die auch aus der EU nach Lettland, Ungarn und Rumänien fließen, wären die drei EU-Mitgliedsländer längst pleite. Durch billige Notkredite wurde nicht nur die Finanzierung dieser Staaten gesichert, die günstigeren Konditionen sorgen auch dafür, dass die leeren Staatskassen nicht durch hohe Zinslasten zusätzlich belastet werden. Doch genau das soll Griechenland verwehrt bleiben, womit das Land in den Abgrund getrieben wird. Die Zinsen für deren Staatsanleihen schießen weiter in die Höhe, der Euro ist unter Druck und Anleger ziehen ihr Geld aus Griechenland ab, womit der Notfall definitiv auf die Tagesordnung gesetzt ist. Fitch senkt die Kreditwürdigkeit des Landes erneut ab."  Mehr hier. In den genannten Ländern geht es vordringlich einmal nicht um die Hilfe für deutsche Banken, sondern für schwedische bei Lettland und österreichische bei Rumänien und Ungarn. Die können das alleine nicht wuppen. Zu den Hilfen für Lettland, heute das angebliche Vorbild für die krisengeschüttelten Euro-Staaten, gibt es auch einen bemerkenswerten Beitrag der WELT, ebenfalls aus 2010:  "EU hilft Lettland – aber Griechenland nicht". In der Einleitung heißt es: "Es scheint paradox: Nach Recherchen von WELT ONLINE greift die Europäische Union dem Nicht-Euro-Land Lettland mit billigen Krediten unter die Arme. Der Euro-Partner Griechenland muss hingegen Wucherzinsen zahlen. Kritiker geben Deutschland die Schuld daran – weil es von der Situation angeblich profitiert."  Mehr hier. Noch Fragen? Der aktuelle Handelsblatt-Artikel erscheint vor diesen Hintergründen jedenfalls äußerst fragwürdig. 


"Mit Berlusconi droht Italien der Abgrund" 
(format.at) Wahlen in Italien: Mittelinks-Kandidat Giampaolo Galli, ein angesehener Wirtschaftsexperte, warnt die Wähler vor Silvio Berlusconi. Dessen Wahlversprechen würden "unverträglich" sein mit Italiens europäischen Verpflichtungen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Den gemäßigten Politikern Italiens sitzt offenbar die Angst im Nacken, dass es Berlusconi mit seinen populistischen Versprechungen noch einmal schaffen könnte, Italien zu regieren. Den Italiener sollte klar sein, Berlusconi kann kaum eine seiner Versprechungen in die Tat umsetzen, ohne dass sich der Zustand des Landes weiter verschlechtert. Natürlich war Montis Sparpolitik keine Lösung für Italien. Die zurückzunehmen, das ist Berlusconis Wahlprogramm, reicht aber nicht. Mehr hat er jedoch nicht zu bieten. Der Rest ist das übliche Politikergeschwafel. Wir hoffen fest darauf, dass sich die Mehrheit der Italiener davon nicht blenden lässt. Unter Berlusconi wäre Italien wieder mehr eine Bananenrepublik. Von Galli kommt wenigstens ein bisschen mehr. Der sucht eine Lösung mit europäischem Hintergrund. Eine Mammutaufgabe, aber mit einem entsprechenden Wählerauftrag im Rücken nicht gänzlich zum Scheitern verurteilt. Wenig hilfreich sind die Versuche aus Deutschland, in die italienische Wahl durch Empfehlungen einzugreifen. Dieses Oberlehrer-Gehabe kommt in Italien, selbst bei den gemäßigten Wählern, überhaupt nicht gut an. Die SZ überschreibt einen Kommentar treffend mit "Italiens wichtigste Wahl" und fasst zusammen: "Wohl noch nie war eine italienische Parlamentswahl so wichtig für ganz Europa und so entscheidend für Italien. Ob die Euro-Krise bewältigt wird, hängt wesentlich davon ab, wie Rom agiert: Zuverlässig wie mit Monti oder unberechenbar wie einst unter Berlusconi." Mehr hier. Aus gehörigem Abstand betrachtet ist es leider eher die Wahl zwischen Pest und Cholera. Hinter Mario Monti steht knüppelhart Goldman Sachs und die wollen an jeder politischen Entscheidung in Europa Geld verdienen. Informationen dazu gibt es in unserem gestrigen Nachrichten-Ticker (hier). 


Portugal rutscht noch tiefer als erwartet in die Rezession
(heise/telepolis.de) Die Regierung prognostiziert, dass die Wirtschaft 2013 doppelt so stark schrumpft als bisher erwartet. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Für uns und unsere LeserInnen keine Überraschung, schon seit Wochen kommentieren wir entsprechend die Schönfärbereien der deutschen Leitmedien, wie vor einem Tag in der Wirtschaftswoche: "Portugal stemmt sich gegen die Krise" (hier). Während u. a. cash.ch schon längst meldet, "Fitch: Portugal wird zweites Rettungspaket benötigen" (hier, ausführlicher hier).  Wir sind uns sicher, Portugals Leiden ist noch lange nicht zu Ende. Selbst der Strohhalm Export bringt keine Besserung: "Gesteigerte Ausfuhren kompensieren die schwache Inlandsnachfrage nicht, Brasilien warnt Spanien und Portugal, den Sparkurs fortzusetzen", schreibt dazu im vergangenen Dezember heise/telepolis.de (hier).  


America's TBTF Bank Subsidy From Taxpayers: $83 Billion Per Year
(zerohedge.com) Day after day, whenever anyone challenges the TBTF banks' scale, they are slammed down with a mutually assured destruction message that limitations would impair profitability and weaken the country's position in global finance. So what if you were to discover, based on Bloomberg's calculations, that the largest banks aren't really profitable at all? What if the billions of dollars they allegedly earn for their shareholders were almost entirely a gift from U.S. taxpayers? The stunning truth is that the top-five banks account for $64 billion of an implicit subsidy based on the ludicrous (but entirely real) logic that: The banks that are potentially the most dangerous can borrow at lower rates, because creditors perceive them as too big to fail. Perhaps this realization will increase shareholder demands - or even political furore? The market discipline might not please executives, but it would certainly be an improvement over paying banks to put us in danger. Read more...

Kommentar: Was in diesem Beitrag steht passt so überhaupt nicht zu den Berichten in den deutschsprachigen Leitmedien. Die loben Amerikas Banken schon seit Monaten in den höchsten Tönen und berichten regelmäßig wohlwollend über deren Quartalszahlen. Oder darüber, dass sie die Hilfsgelder längst zurückgezahlt und dem Staat außerdem dicke Gewinne beschert haben. Für die US-Steuerzahler sehen die Dinge weniger rosig aus. Die erleben die Realität, die leider auf dem Weg nach Europa im großen Teich absäuft. Die Überschrift über die folgende Grafik aus dem Beitrag kennzeichnet das Problem: "Too Big To Make Money?".



Das ist aber kein Grund für die Europäer, besonders für die Deutschen, zu Schadenfreude. Die europäischen Banken haben die richtig dicken Probleme noch vor sich. Die Steuerzahler auch. 


Landnahme in China - Tod des brennenden Mannes
(spiegel.de) Durch die Urbanisierung verlieren Millionen Chinesen ihr Land - und wehren sich immer erbitterter: Ein Mann übergießt sich mit Benzin, um den Abrisstrupp zu stoppen. Ein Polizist erschießt ihn. Nun will der Staat ein ganzes Viertel mundtot machen. Eine Alltagsgeschichte aus Panjin, China. Mehr...

Kommentar: Ein trauriger Bericht aus dem Land, in dem die deutsche Wirtschaft ihre Zukunft sieht. Unter einem menschenverachtenden Regime. Aber wer mittlerweile ohne jede moralische Bedenken Rüstungsgüter in die Krisenherde der Welt liefert, der hat auch keine Probleme mit dieser Politik. Kritik daran wäre ja schliesslich Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas und die wird sofort mit Wirtschaftssanktionen bestraft, was wiederum deutsche Konzerne Gewinne kostet - und deren Aktionäre Dividenden. Das geht gar nicht. 


Volvo streicht 1.000 Jobs
(tageblatt.lu) Der schwedische Autobauer Volvo will wieder in die schwarzen Zahlen. Dazu streicht das Unternehmen etwa 1.000 Stellen und will die Kosten um 180 Millionen Euro senken. Mehr...

Kommentar: Volvo gehört dem chinesischen Autobauer Geely. Der hat immer wieder kundgetan, welche hochfliegenden Pläne er mit Volvo habe. In China und international. Sehr schön zu verfolgen in dem Dokumentarfilm "Die Chinesen kommen!", am 18.09.2012 ausgestrahlt bei ARTE (hier). In der Ankündigung dazu heißt es: "Seit der vor dem Aus stehende schwedische Autobauer durch das chinesische Unternehmen Geely gerettet wurde, erlebt Volvo einen neuen Aufschwung."  In Interviews innerhalb der Dokumentation äußerten sich Vertreter von Volvo in Schweden und China sehr positiv über die begonnene Entwicklung. Offensichtlich funktioniert das schwedisch-chinesische Projekt doch nicht so erfolgreich wie angenommen. Trotz des riesigen Marktes in China, der viel Platz hätte für die Autos aus Schweden. Jetzt sind es doch die schwedischen Arbeitnehmer, die dafür büßen müssen. Uns beschleicht der Verdacht, dass es Geely primär doch um den Technologietransfer geht. Deren Autotechnik ist veraltet und die Qualität bescheiden. 


Das kommende atlantische Zeitalter
(project-syndicate.org)  Die Vereinigten Staaten sind im Aufwind, Europa stabilisiert sich, und beide nähern sich einander an. Dies war Anfang des Monats die Hauptbotschaft der jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz, einem hochkarätigen Zusammentreffen von Verteidigungsministern, Außenministern, hochrangigen Militärs, Parlamentariern, Journalisten und nationalen Sicherheitsexperten aller Art. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag von Anne-Marie Slaughter verdient vor dem Hintergrund der beiden vorangegangenen Beiträge zu China ein wenig Beachtung. Wir stehen einem US-amerikanisch-europäischen Freihandelsabkommen skeptisch gegenüber, nicht zuletzt, weil wir der Meinung sind, es gibt bereits weitreichende Vereinbarungen zwischen den USA und Europa. Noch skepitscher macht uns aber eine noch tiefergehende Zusammenarbeit mit dem heutigen China. Da sehen wir große Gefahren, dass Europa den Kürzeren ziehen wird. Europa schielt nur auf den prall gefüllten chinesischen Geldsäckel, von dem es sich Hilfe bei der Lösung der europäischen Krise verspricht. Dafür, so befürchten wir, werden unnötige Opfer gebracht.  Die folgende Karikatur macht deutlich, wie wir die chinesischen Interessen sehen:


Quelle: artwanted.com


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.