Samstag, 23. Februar 2013

Standpunkt 553 - Nachrichten-Ticker, 22.02.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Nahrungsmittelknappheit voraus – Rüstungsindustrie boomt – Wirtschaftswachstum mies – US-Konzerne shoppen  – Europa schwächelt – Gauck-Rede – Krisenursache verkannt – Bulgarien das neue Griechenland – Risiko Großbanken – Libor-Skandal – Finanzmärkte hemmungslos – Finanzregulierung ohne Ziel


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
 Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben.  Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Für das Frühjahr bereiten wir deshalb ein weiteres Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-)Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen letzten Ausgabe gefallen: "Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird" (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Die Bedrohung der menschlichen Zivilisation durch Nahrungsmittelknappheit 
(project-syndicate.org) Die Menschheit steht vor einem größer werdenden Komplex ernsthafter, eng miteinander verknüpfter Umweltprobleme, darunter viel diskutierte Herausforderungen wie der Klimawandel und die ebenso ernsthafte oder noch ernsthaftere Bedrohung von Organismen, die unser Leben ermöglichen, indem sie entscheidende Aufgaben in unserem Ökosystem übernehmen, zum Beispiel die Bestäubung von Kulturpflanzen und die Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft. Wir stehen außerdem vor zahlreichen anderen Herausforderungen: der weltweiten Verbreitung von giftigen synthetischen Chemikalien, großen
Epidemien und einer dramatischen Verringerung der Qualität und der Zugänglichkeit von Bodenschätzen, Wasser und Böden.
Kriege um Ressourcen kennen wir bereits; sollte ein „kleiner“ Atomkrieg um Ressourcen entbrennen, beispielsweise zwischen Indien und Pakistan, wissen wir jetzt, dass allein dieser Krieg wahrscheinlich das Ende der Zivilisation bedeuten würde.
Doch vermuten wir, dass die größte Bedrohung für die globale Nachhaltigkeit in den nächsten Jahrzehnten eine sein wird, über die sich alle einig sind: die zunehmende Schwierigkeit, große Hungersnöte zu verhindern. Der Bericht des Weltwirtschaftsforums 2013 drückt dies folgendermaßen aus: „Die globale Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit stellt eine große globale Besorgnis dar, da die Welt sich darauf vorbereitet, in einem Zeitalter erhöhter Volatilität und Ungewissheit eine wachsende Bevölkerung mit schrumpfenden Ressourcen zu ernähren.“ Der Bericht merkt an, dass über „870 Millionen Menschen derzeit hungern und weitere von Klimaereignissen und Preiserhöhungen bedroht sind.“ Daher waren Maßnahmen, „um die Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung zu verbessern, nie dringender als jetzt.“
Tatsächlich unterschätzen unserer Ansicht nach nahezu alle derartigen Warnungen das Nahrungsmittelproblem. Zum Beispiel könnte Mikronährstoffmangel zusätzlich bis zu zwei Milliarden Menschen betreffen. Zudem werden viele andere Gefahrenquellen unterschätzt: die potenziellen Auswirkungen der Klimastörungen auf die Landwirtschaft und Fischerei; die Behinderung der Nahrungsmittelproduktion durch die Abkehr vom Verbrauch fossiler Brennstoffe; die Beschleunigung des Klimawandels durch die Landwirtschaft selbst, die ein großer Produzent von Treibhausgasen ist; die Folgen eines überhöhten Abpumpens des Grundwassers und der fortschreitenden Verschlechterung der Böden.
Tatsächlich ist die Landwirtschaft auch ein Hauptgrund für den Verlust der Artenvielfalt – und somit für den Verlust von „Diensten“, die das Ökosystem für den Ackerbau und andere menschliche Unternehmungen geleistet hat – außerdem ist sie eine der Hauptquellen der globalen Verseuchung mit giftigen Substanzen.
Am wichtigsten ist vielleicht, dass fast alle Analysen davon ausgehen, dass die Weltbevölkerung bis 2050 um 2,5 Milliarden Menschen wachsen wird, anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, diese Zahl zu verringern. Der Optimismus vieler Analysten hinsichtlich unserer Fähigkeit, diese zusätzlichen Milliarden zu ernähren, ist recht verstörend, zumal bereits heute jedes Jahr mehrere Millionen Menschen an Unterernährung sterben und viele weitere so unterernährt sind, dass ihr Leben dadurch beeinträchtigt wird. Wenn es so einfach sein wird, eine um 35 % größere Bevölkerung zu ernähren, warum sind dann nicht heute alle wohlgenährt?  Mehr...

Kommentar: Auf diesen Beitrag weisen wir besonders hin, weil wir ihn im Zusammenhang mit den von uns in letzter Zeit ausgiebig kritisierten Nahrungsmittelspekulationen von Allianz und Deutsche Bank unseren LeserInnen an die Hand geben möchten. Was die beiden Autoren beschreiben, ist nach unserer Auffassung dazu geeignet, die Kritik gegen die Spekulationen mit Nahrungsmitteln noch zu unterstreichen. 


Die letzte Boom-Branche: Waffen-Exporte retten deutsche Wirtschaft
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Beim Export-Weltmeister Deutschland läuft es nicht mehr wie geschmiert: Nur eine Steigerung bei den Rüstungs-Exporten konnte im Jahr 2012 verhindern, dass die Wirtschaft abschmiert. Auch für dieses Jahr bleiben die deutschen Waffenschmieden die Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft. Mehr...

Kommentar: Aha, so ist das also: "Die deutschen Rüstungsexporte in die Golfstaaten haben sich 2012 massiv ausgeweitet. Die Ausfuhrgenehmigungen in die Golfstaaten erreichten im vergangenen Jahr mehr als das Doppelte des Wertes von 2011."  Scheinbar lässt die Bundesregierung keine Möglichkeit aus, um das Wirtschaftswachstum knapp über Null zu halten. Es bestätigt aber auch unsere längst geäußerte Vermutung, dass es mit dem, neuerdings so gerne angeführten, Stabilisierungsfaktor Binnenachfrage nicht so weit her ist. Deshalb wird die Bundesregierung bei den Rüstungsexporten noch jede Hemmung verlieren. Für uns als überzeugte Pazifisten eine absolute Horrorvorstellung. 


Globaler Slow-down beschleunigt sich
(heise/telepolis.de) Die für 2013 erhoffte Rückkehr zu stärkerem globalem Wachstum findet nicht statt, wie die Quartalsberichte von Wal Mart, Caterpillar und weiteren als Konjunkturindikatoren geltenden Unternehmen zeigen. Mehr...

Kommentar: Wir sehen unsere Einschätzung über die wirtschaftliche Situation in den wichtigsten Regionen der Welt bestätigt. Ohne staatliche Maßnahmen und Kontrollen der maßlosen Liquiditätsschwemmen in den Industrienationen wird sich daran nichts ändern. Beispielhaft die Zahlen von Caterpillar aus einem der im Artikel zitierten externen Beiträge: 







Bemerkenswert, dass gerade in der angeblichen letzten Boom-Region  Asien/Pazifik der höchste Rückgang zu verzeichnen ist, dicht gefolgt von Nord-Amerika. 


Amerikas Konzerne im Kaufrausch
(zeit.de) US-Unternehmen haben in der Krise große Geldreserven gehortet. Jetzt wittern sie den Aufschwung – und kaufen plötzlich wieder ein. Mehr...

Kommentar: Eine unserer US-Quellen schätzt 2 Billionen, 2.000 Milliarden, US-Dollar Liqudität, die in den Konzernen vorgehalten wird. Wir halten das für zuverlässig. Damit ließen sich zu Hause viele gute Jobs schaffen, wie es Präsdient Obama anlässlich seiner zweiten Amtszeit wieder einmal versprochen hat. Statt dessen wird lieber erst einmal zugekauft. Deshalb legen wir uns fest: Der Präsident wird sein Versprechen wieder nicht einhalten. Er traut sich nicht ran, an einen New Deal 2.0. Zur Darstellung des Liquiditätsüberschusses noch einmal diese Grafik:


Quelle: faz.net


2013 wird das bisher schlimmste Jahr für den Euroraum
(tagesanzeiger.ch) Eine neue Prognose liefert eine düstere Aussicht auf den EU-Wirtschaftsraum: Die Staatsdefizite in Spanien und Frankreich sind höher als erwartet. Die Arbeitslosigkeit steigt auf ein Rekordhoch. Europa droht ein weiteres wirtschaftliches Krisenjahr. Die Wirtschaftsleistung der Eurozone wird in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und somit in der Rezession verharren, wie die EU-Kommission in Brüssel im Rahmen ihrer neuen Wirtschaftsprognose mitteilt. Mehr... 

Kommentar: Klar, logisch. Die Folge der Austeritätspolitik als gescheiterter Krisenlösungsversuch.


Massenarbeitslosigkeit hat Europa fest im Griff
(stern.de) In Griechenland und Spanien sind fast ein Drittel der Menschen ohne Arbeit. Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht aus der Konjunkturprognose der EU-Kommission. Deutschland geht es besser. Mehr...

Kommentar: Die "passenden" Arbeitslosenquoten zur Rezession in Europa. Mit der Defizitquote haut es auch noch nicht hin. Trotz aller begünstigenden Prognosen. Die Wirklichkeit will denen einfach nicht  folgen. Wenigstens ein kleiner Trost: In den USA sieht es nicht anders aus (hier).


Gaucks Europa-Rede: Ehrlich, emotional, überfällig
(spiegel.de) Die Erwartungen waren groß, er hat sie erfüllt. In seiner Europa-Rede erteilt Bundespräsident Gauck den Zauderern und Populisten in Berlin und anderen EU-Hauptstädten eine Lektion: So kämpft man für die Einheit des Kontinents. Mehr...

Kommentar: Gaucks Rede passt auch umgekehrt: Unsere Erwartungen waren nicht hoch - und wurden erfüllt. Die Kanzel-Rede eines Pfarrers - voller Pathos, Ergriffenheit und Glaube. Praktisch nichts Brauchbares. Er hat die Chance vertan, der Bundeskanzlerin für ihre Krisenpolitik die Leviten zu lesen und ihr den Weg zu weisen. Das Handesblatt hat in seinem Artikel "Europa hui – EU pfui" die "zehn Kernthesen aus Gaucks Europarede" aufgelistet. Mehr hier. Nichts davon ist neu, alles hat irgendwann schon einmal ein Politiker zum besten gegeben. 


Schuld an der Krise ist die Supernanny Staat
(handelsblatt.com) Europas Linke attackiert weiterhin den Bankenkapitalismus. In Wahrheit aber sind es die Staaten selbst, die seit Jahrzehnten mit ihren Geldern nicht auskommen. Ihr Etatismus führte in die Krise. Mehr...

Kommentar: Es ist wirklich unglaublich, was für ein Stuss immer noch der Öffentlichkeit als Krisengrund vorgebetet wird. Oder liegt es daran, dass mit diesem Beitrag krampfhaft gegen die Linke repliziert werden musste? Fakt ist, dass seit Jahren der Staat seine Einnahmen schwächt, weil er die Steuersätze, besonders die auf Gewinne der Kapitalgesellschaften, reduziert. Noch einmal eine Grafik dazu:



Auf der anderen Seite zeigt eine Übersicht der Investitionsrückstände deutscher Kommunen, dass elementare Aufgaben von der öffentlichen Hand nicht mehr wahrgenommen werden können, weil dafür die Einnahmen fehlen. Aktuell sind es sogar schon rund 100 Milliarden Euro, die an Investitionen der Kommunen rückständig sind.


Quelle: wirtschaftundgesellschaft.de

Es ist wieder nur das Handelsblatt-typische neoliberale Gefasel, das in diesem Beitrag  verbreitet wird. Wieder einmal müssen wir Heinrich von Kleist bemühen: "Journalistik ist die Kunst, das Volk glauben zu machen, was die Regierung für gut findet."


Das nächste Griechenland 
(ntv.de) Bulgarien wird wegen der dramatischen sozialen Lage breiter Teile der Bevölkerung von schweren Unruhen erschüttert. Die jüngsten drastischen Strompreiserhöhungen sind nur der Auslöser der Proteste. Es ist zu erwarten, dass Bulgarien nach Griechenland zum zweiten Dauer-Unruheherd in Südeuropa wird. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Bulgarien ist einer der Gründe dafür, dass die EU einen Rettungsschirm für Nicht-Euro-Länder einrichten will (hier). Wir haben es gestern ausführlich kommentiert: "Euro-Retter Deutschland haftet doppelt", hier. Die bulgarische Regierung hat sich erst einmal verabschiedet (hier). 


Wie Europas Großbanken ihre Risiken schönrechnen
(wallstreetjournal.de) In der Branche ist es kein Geheimnis: Seit Jahren lassen europäische Großbanken ihre wichtigsten Kennzahlen zur Finanzlage mit Hilfe ausgebuffter Rechenmethoden glänzen. Und die neuen, strengen Kapitalvorschriften des Regelwerks Basel III haben diese Praxis noch verschärft, sagen Analysten. Weil sie vor Anlegern und Aufsehern besonders solide dastehen wollen, würden große europäische Finanzinstitute immer häufiger zu überwiegend kosmetischen Bilanzierungsmanövern greifen. Dagegen wollen die Bankenkontrolleure in einigen Ländern nun vorgehen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine treffende Analyse. Bestens geeignet für alle LeserInnen, die einfach nicht wahrhaben wollen, mit welchen schmutzigen Tricks diese Banken, allesamt systemrelevant, ihre Bilanzen frisieren. Seit 2008 haben G7- und G20-Staaten schon versprochen, diese Zustände zu ändern. Passiert ist daraufhin nichts. In den USA sind Dodd-Frank Act und Volcker-Rule wieder in der Schublade verschwunden, die schärferen Basel III-Regelungen wurden erst einmal ausgesetzt. Der SPIEGEL meldet zur gleichen Zeit "Europas Banken erholen sich langsamer als gedacht" und schreibt einleitend: "Die Euro-Krise ist derzeit eingedämmt - doch auf dem Finanzmarkt herrscht noch immer der Ausnahmezustand: Weit langsamer als gedacht zahlen Europas Banken Milliardehilfen an die EZB zurück. Die Bundesbank warnt davor, die Probleme der Geldhäuser zu unterschätzen." Mehr hier. 


Banken können auf milde Strafen im Libor-Skandal hoffen
(handelsblatt.com) Die EU will die Untersuchungen zum Skandal um den manipulierten Referenzzinssatz Libor möglichst schnell abschließen. Glück für die Banken: Sie kommen möglicherweise mit Vergleichen oder sogar völliger Straffreiheit davon. Mehr...

Kommentar: Die Europäer bleiben sich treu. Was wir offensichtlich erleben, hat der US-Ökonom Simon Johnson schon vor einiger Zeit mit "Bail not Jail" beschrieben, zu dem wir damals einen eigenen Beitrag veröffentlicht haben (hier). Vorbild sind die Amerikaner und Briten, die mit billigen Vergleichen ihren Großbanken entgegen kommen und auf eine Verurteilung der verantwortlichen Personen verzichten. "Banken drohen plötzlich Milliardenstrafen" meldet "manager-magazin.de" und behauptet: "Jetzt droht es richtig teuer für Banken zu werden, die den Basiszinssatz Libor manipuliert haben sollen: Die EU weitet die Ermittlungen nach Medienberichten gegen die Geldhäuser auf ein weiteres Finanzprodukt aus. Damit droht manchen Banken eine Strafe von 30 Prozent ihrer Jahreseinnahmen." Mehr hier. Klingt nach gewaltig viel, wird es aber nicht. Garantiert. 


Nachhaltige Finanzmärkte: Transaktionssteuer und hohe Eigenkapitalpuffer unverzichtbar
(diw.de) Was sind nachhaltige Finanzmärkte? Lässt sich das für den Umweltbereich geltende Leitbild der Nachhaltigkeit auf den Finanzmarkt übertragen? Entsprechen die in der Diskussion
stehenden Regulierungsvorschläge dem Konzept der Nachhaltigkeit? In einer aktuellen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kommt Forschungsdirektorin Dorothea Schäfer zu dem Ergebnis, dass die Finanztransaktionssteuer und hohe Eigenkapitalpuffer die wichtigsten Bausteine für ein nachhaltiges Finanzsystem sind.
„Nachhaltigkeit umfasst jedoch mehr als Stabilität“, sagt Dorothea Schäfer. „Ein nachhaltiges Finanzsystem kann kurzfristig instabil sein, kehrt aber von selbst wieder in einen stabilen Zustand zurück, ohne dass der Steuerzahler einspringen muss.“
Umgekehrt ist ein stabiles Finanzsystem nicht unbedingt nachhaltig. So setzt eine implizite Staatsgarantie Anreize zu hochriskanten Geschäften, die das System leicht zum Zusammenbruch führen können, wie das Beispiel der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zeigt. „Andauernde staatliche Garantien stehen im Widerspruch zur Nachhaltigkeit, weil sie ein extrem risikoreiches Verhalten fördern und so das System sehr anfällig für Zusammenbrüche machen“, so Schäfer. Mehr...


Kommentar: Eine wunderbare Arbeit von Dorothea Schäfer. Leider aber praktisch (noch) nicht anwendbar. Keines dieser Instrumente stoppt das weltweit betriebene Finanz-Casino der der "too big to fail"-Banken. Was Schäfer vorschlägt kann erst am Ende einer Kette von Maßnahmen kommen, die sich eine grundlegende Umstrukturierung der Finanzmärkte zur Aufgabe stellen, bei der kein Stein auf dem anderen bleibt, um es in aller Deutlichkeit zu formulieren. Dazu gehört auch die Maßnahme "Jail not Bail". D. h. keine halbseidenen, billigen Vergleiche mehr mit den Banken, sondern das volle strafrechtliche Programm für die verantwortlichen Personen. Bisher konnten die Finanzindustrie und ihre Lobbyisten, unterstützt von korrumpierten Politikern, noch jeden Angriff auf ihre kriminellen Machenschaften und die impliziten Staatsgarantien abwehren. Während sie auf der anderen Seite ihre dringendsten Probleme in den USA und Europa vergemeinschaften und, wie von Dorothea Schäfer richtig adressiert, unermessliche, neue Risiken eingehen, bzw. nicht abbauen (vgl. "Desaster Derivatehandel", hier). Das eine oder andere Skandälchen ist natürlich auch noch dabei. Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass die großen sogenannten "Volksparteien" in Deutschland, sich auf so unerträgliche Weise mit  der Finanzindustrie verbunden haben, dass sie sich schon lange nicht mehr "Volksparteien" nennen dürften. Die Regierungsparteien und Teile der Opposition, die einzige Ausnahme ist die Linkspartei, quälen die Demokratie bis zum Äußersten, um der notleidenden Finanzindustrie unter die Arme greifen zu können. Nicht zu ihren Lasten versteht sich, sondern nur zu Lasten der Bürger. Die sind regelrecht blind für diese Wahrnehmung. Gelegenheit, wieder einmal an Johannes Rau zu erinnern: "Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken." 


Globale Unterschiede bei der Finanzregulierung
(project-syndicate.org) In den frühen Phasen der Finanzkrise war es Mode, zu argumentieren, dass das Regulierungssystem der USA einer grundlegenden strukturellen Überarbeitung bedürfe. Meinungsunterschiede zwischen der Securities and Exchange Commission  (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hatten dort eine wirksame Beaufsichtigung der Investmentbanken und des Derivatehandels behindert (nur die USA sind überhaupt der Ansicht, dass es sinnvoll ist, Wertpapier- und Derivatehandel jeweils einer eigenen Aufsichtsbehörde zu unterstellen).
Tatsächlich hatte die Vielzahl unterschiedlicher Regulierungsstellen den Banken Möglichkeiten eröffnet, auf der Suche nach einem kapitalfreundlicheren Ansatz Systemunterschiede auszunutzen. Genauso hatte das Fehlen einer Bundesaufsicht für das Versicherungswesen dazu geführt, dass AIG durch das Office of Thrift Supervision  (OTS) und das Versicherungsamt des Staates New York reguliert wurde, was sich als absolut unzureichende Lösung erwies.
Diese Argumente haben kaum zu etwas geführt. Zwar hat das Dodd-Frank-Gesetz das OTS tatsächlich von seinem Jammer erlöst, doch verhinderten eifersüchtige Kontrollausschüsse im US-Kongress eine Fusion von SEC und CFTC, und es ist nichts passiert, um die Bankenaufsicht zu rationalisieren. Das US-System sieht daher weiter jenem bemerkenswert ähnlich, das bei der Zunahme der fatalen Spannungen Anfang des letzten Jahrzehnts bewusst in die andere Richtung schaute. Mehr...


Kommentar: Eine aufschlussreiche Analyse von Howard Davies, dem früheren Vorsitzenden der britischen Finanzmarktaufsicht (FSA), über die unterschiedlichen Ansätze bei den bisherigen Versuchen der Finanzmarktregulierung in ausgewählten Regionen, bzw. Ländern. Nutznießer dieses zerklüfteten Systems ist ganz klar die Finanzindustrie. Erst "Einigkeit macht stark". An diese alte Volksweisheit sollten sich die G7- und G20-Staaten endlich erinnern, statt sich weiter gegenseitig zu blockieren. Bemerkenswert das Fazit von Davies: "Es ist derzeit schwierig, ein kohärentes Muster zu erkennen. Mit Sicherheit  hat sich der Trend hin zu einer einzigen, außerhalb der Zentralbank angesiedelten Regulierungsbehörde, die für alles zuständig ist, bis zum Schneckentempo verlangsamt (obwohl Indonesien derzeit seine Regulierungsstellen konsolidiert). Es gibt keinen Konsens über die Rolle der Zentralbank: In rund einem Drittel der Länder ist sie der dominante Akteur; in einem weiteren Drittel ist sie nur für die Banken zuständig, und im letzten Drittel ist sie lediglich eine Systemaufsicht.
Wir könnten dies als ein kontrolliertes Experiment betrachten, um ein bevorzugtes Modell zu ermitteln. Schließlich unterscheiden sich die Finanzsysteme vor allem in den OECD-Ländern nicht allzu sehr voneinander. Doch es gibt keine Anzeichen, dass derzeit eine wohlüberlegte Auswertung vorbereitet wird, die den Ländern zumindest helfen könnte, begründetere Entscheidungen zu treffen – selbst wenn dabei nicht herauskäme, dass ein Modell eindeutig überlegen ist. Die G20 sind unter ihrer aktuellen russischen Präsidentschaft derzeit auf der Suche nach einer Rolle. Dies wäre sie eine nützliche praktische Aufgabe, die sie übernehmen könnten."

 


Tückische Trennkost
(capital.de) Die Aufspaltung der Banken ist zur Mutter aller Finanzreformvorschläge geworden. Dabei sind die Chancen gering, dass dadurch künftig große Krisen verhindert werden. Mehr...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag von Thomas Fricke, Ex-Financial Times Deutschland. Der sollte allen die Augen öffnen, die glauben, bei dem Trennbankensystem handelt es sich um das allein glücklich machende Instrument zur Lösung der Bankenkrise. Fricke bringt die Dinge auf den Punkt, da sitzt jeder Satz. Chapeau. Klar ist: Was bisher an Plänen vorgestellt wurde, geht einfach nicht weit genug, den Betroffenen aber schon zu weit, wie die Reaktionen auf den Vorschlag der Liikanen-Gruppe zeigen. Es ist ein weiter und beschwerlicher Weg bis zur Reformierung des Fianzsystems. Wir befürchten, erst ein endgültiger Kollaps, entstanden aus der Finanzkrise 2007/2008, wird für den nötigen politischen Willen sorgen, um das zu tun, was wirklich notwendig ist. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.