Donnerstag, 7. März 2013

Standpunkt 565 - Nachrichten-Ticker, 06.03.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Billg-Geld – Armut in Deutschland – Beschäftigungswunder und Produktivitätswunder – Europa-Krise und Politik – Europa  – Schuldenkrise vs. Deutschland – Pulverfass Portugal – Währungskrieg – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
 Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben.  Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Für das Frühjahr bereiten wir deshalb ein weiteres Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-)Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen letzten Ausgabe gefallen: "Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird" (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Riskanter Ritt auf der Welle billigen Geldes
(stern.de) Zwangssparen in Washington, Schuldenkrise in Europa - na und? An den Börsen herrscht Jubelstimmung. Der Lockruf des billigen Geldes der Notenbanken treibt Anleger in Aktien - ein riskantes Geschäft. Mehr...

Kommentar: Das Ergebnis der Geldschwemme in der Welt, wie der Autor richtig feststellt. Geld, mit dem eigentlich Jobs geschaffen oder die Wirtschaft auf vielfältige Art und Weise angetrieben werden soll, fliesst in die Aktienmärkte und sorgt so für eine gigantische Blase. Das ist höchst spekulativ. Platzt diese Blase kommt es zu einem regelrechten Blutbad, davon sind wir überzeugt. Dann schmelzen die Kursgewinne wie Schnee in der Sonne. Mit brutalen Auswirkungen für die Indizes und die Depots. Schon seit Monaten kritisieren wir deshalb ausdrücklich Aktieninvestments zur Absicherung gegen die weitere Entwicklung von Finanz- und Europa-Krise. Wer davon nicht die Finger lassen kann, der sollte unbedingt das Blutbad abwarten und erst danach investieren. Wer investiert ist und gute Kursgewinne erzielt hat, der muss schleunigst über einen Ausstieg nachdenken, um diese Gewinne auch tatsächlich zu realisieren. Wir bleiben aber bis auf weiteres bei unserer grundsätzlichen Haltung: Aktien werden von uns generell nicht zur Krisenabsicherung empfohlen. Im übrigen halten wir es mit John M. Keynes: "Wenn meine Informationen sich ändern, ändere ich meine Meinung.“  


"Armut ist politisch gewollt"
(format.at) Armut wird in Deutschland nach Darstellung der Nationalen Armutskonferenz (nak) von der Politik verordnet. Es seien die Gesetze, die Niedriglöhne ermöglichten und die einen Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 374 Euro festlegten, "der arm macht und nicht aus der Armut heraushilft", sagte die stellvertretende nak-Sprecherin Michaela Hofmann am Dienstag in Berlin. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist ein Zusammenschluss der deutschen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit deutschlandweit tätigen (dennoch im Vergleich dazu kleinen) Fachverbänden und Selbsthilfeorganisationen, sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie wurde im Herbst 1991 gegründet und ist die deutsche Sektion des European Anti Poverty Network (EAPN, Europäisches Armutsnetzwerk). Quelle Wikipedia, 06.03.2013, hier. Wir halten die nak als einzige Institution für legitimiert, den 4. Armuts- und Reichstumsbericht (hier) der Bundesregierung zu kritisieren. Die nak hat heute die folgende Erklärung abgegeben: "Armutszeugnis für die Bundesregierung: Nationale Armutskonferenz (nak) fordert ein Ende der Schönfärberei und die Einsetzung einer unabhängigen Expertenkommission" (hier). Die Einzelheiten: "Die Nationale Armutskonferenz (NAK) fordert die Bundesregierung zu einem schonungslosen und unzensierten Armuts- und Reichtumsbericht auf. Die Regierung dürfe die Bevölkerung nicht länger für dumm verkaufen, sondern müsse endlich die Missstände hierzulande auch beim Namen nennen. Wenn die Regierung nach dem monatelangen Streit nur einen beschönigten Armuts- und Reichtumsbericht veröffentliche, müsse umgehend eine unabhängige Expertenkommission zur schonungslosen Bestandsaufnahme eingesetzt werden.
„Die Bundesregierung verschleiert bewusst die Wahrheit: Reiche werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Und die Politik schaut dieser Entwicklung tatenlos zu und versucht, diese noch unter den Teppich zu kehren“, sagt Joachim Speicher, neuer Sprecher der NAK.
Der Armuts- und Reichtumsbericht sei ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, so Speicher weiter, die sichtlich Angst vor der unbequemen Wahrheit habe. Denn sonst würden die Rufe und Forderungen nach einer Vermögensumverteilung, wie z.B. nach einer Reform der Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer oder der Rente, unüberhörbar werden und die Bundesregierung in Zugzwang bringen.
Die Nationale Armutskonferenz hat bereits im Oktober ihren Schattenbericht als Gegenstück zum 4. Armuts- und Reichtumsbericht vorgelegt. Der Schattenbericht benennt die Missstände ohne Umschweife und lässt vor allem diejenigen zu Wort kommen, die von Armut betroffen sind – statt nur von ihnen zu handeln. „Die im Schatten sieht man nicht“ ist als Sonderausgabe der Berliner Straßenzeitung „Straßenfeger“ erschienen." Den Schattenbericht gibt es hier

Ein kurzer Blick auch noch in die Leitmedien. Zwei Beispiele: Der FOCUS meldet "Kluft zwischen Arm und Reich wächst - So redet die Regierung den Armuts- und Reichtumsbericht schön" und schreibt: "Philipp Rösler hat sich mit glättenden Formulierungen im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung durchgesetzt. Ursula von der Leyen preist die positive Entwicklung. Sozialverbände sehen das anders. FOCUS Online führt die Hauptkritikpunkte auf." Mehr hier. Die SZ kommentiert kritisch: "Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt" und schreibt einleitend: "Ungleichkeit und Niedriglöhne sind ein Teil der Wirklichkeit in Deutschland. Doch der FDP, angeführt von Parteichef Rösler, ging so viel Offenheit offensichtlich zu weit. Zwar dürfen sich Erfolge auf dem Arbeitsmarkt durchaus in einem Regierungsbericht widerspiegeln. Das darf aber nicht dazu führen, Wähler für dumm zu verkaufen." Mehr hier.


Deutsches Beschäftigungswunder, amerikanisches Produktivitätswunder
(zeit.de/herdentrieb) Ich finde es ziemlich erstaunlich, dass die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland trotz der teilweise drastischen Rückgänge der Produktion während der vergangenen fünf Jahre und zuletzt im 4. Quartal 2012 stetig gestiegen ist und nach wie vor steigt. Soweit ich mich erinnern kann, gab es das noch nie. Das Land erlebt ein Beschäftigungswunder. Gleichzeitig stagniert die Produktivität (der Output je Arbeitsstunde) in diesem Zeitraum, also seit dem Beginn der Finanzkrise und der Großen Rezession. Auch das ist neu: In früheren Rezessionen nahm die Produktivität fast immer weiter zu – bei schlechter Auftragslage waren die Beschäftigten der Anpassungsparameter. No more.
In den USA ist es genau umgekehrt. Die Produktivität expandierte von damals bis heute mit jährlichen Raten von 1,1 Prozent, die Anzahl der Beschäftigten ist aber im Durchschnitt jährlich um 0,5 Prozent zurückgegangen und lag im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent unter dem Stand vor der Rezession. Das Gespenst einer “jobless recovery” geht um. Hierzulande gab es dagegen von 2007 bis 2012 einen Zuwachs von nicht weniger als 4,4 Prozent.
Schröder, Hartz, Rürup, Riester sowie Tarifpartner, die seit einiger Zeit mehr auf Kooperation als auf Konfrontation setzen, haben uns einen Arbeitsmarkt beschert, der seit 2007 pro Jahr 0,9 Prozent mehr Jobs generiert: Es ist offenbar unter den neuen Rahmenbedingungen leicht, Arbeit zu finden, aber bei der Effizienz treten wir auf der Stelle. Aus dem kranken Mann Europas, dem es nicht gelungen war, in den fünfzehn Jahren bis 2006 einen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz zu schaffen, ist eine Jobmaschine geworden. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Eine Schönschreibung der besonderen Art. In einer der angesehendsten Zeitungen Deutschlands. Weder gibt es ein Beschäftigungswunder in Deutschland, noch das beschriebene Produktionswunder in den USA. Leider stützen die offiziellen Zahlen die Angaben des Autors. Es ist äußerst schwierig, das Gegenteil zu belegen. "Geschönte Arbeitsmarktdaten" heißt es aktuell bei tautenhahn.blog.de. Der Verfasser schreibt zur Erklärung: "Laut amtlicher Statistik waren im Februar 3,156 Millionen Menschen arbeitslos. Die Bundesagentur für Arbeit und die Regierung bezeichnen die Zunahme der Erwerbslosenzahl um 18.000 im Vergleich zum Januar als gering und den Arbeitsmarkt insgesamt als robust. Doch nach wie vor werden nicht alle Menschen, die tatsächlich ohne Job sind, auch als arbeitslos gezählt. Hier trickst die Behörde im Auftrag der Bundesregierung. Seit Beginn der 90er Jahre hat die Politik immer wieder Bereinigungsinstrumente eingeführt und bestimmte Gruppen so aus der Statistik verbannt." Mehr hier. Nach der Beschreibung verschiedener Anpassungen der Daten, ist das Fazit eindeutig: "Damit ist klar, dass Arbeitslosigkeit nicht reduziert worden ist. Stattdessen hat neben der Statistiktrickserei eine Verschiebung innerhalb der Beschäftigungsarten stattgefunden. Es gibt heute weniger Vollzeitstellen als vor 20 Jahren, dafür mehr prekäre Beschäftigung im Teilzeit- und Minijobbereich. Das ist eine Entwicklung, die kaum als robust im Sinne von nachhaltig bezeichnet werden kann." Ergänzend dazu eine Grafik von Michael Schlecht


 

Das angebliche Produktionswunder in den USA ist in unseren Augen ein Fake. Leider müssen wir einen Nachweis für diese Behauptung erst einmal schuldig bleiben. Gerne würden wir dafür eine US-Quelle aufbieten. Hilfsweise beziehen wir uns auf eine relativ neue Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) aus dem November 2012: "Produktivität und Lohnstückkosten der Industrie im internationalen Vergleich". Der Autor schreibt u. a. in der Einleitung: "Gleichwohl ist das Produktivitätsniveau der deutschen Industrie nach wie vor  hoch – die ausländische Konkurrenz  liegt  im  Durchschnitt  um  17  Prozent  dahinter."  Mehr hier. Teil der Studie ist ein Vergleich von "Produktivitätsniveau und Arbeitskosten im Jahr 2011". Die folgende Grafik ist ein Ausschnitt aus dieser Übersicht:


Ein Wunder sieht anders aus. Besonders, wenn man die Werte von Deutschland mit den Durchschnittswerten vergleicht. Oder mit den Werten der meisten anderen EU-Staaten, oder Australien und Japan.


Eurokrise: Die politischen Langzeitfolgen
(fuw.ch) Die politische Dimension der Eurokrise gerät erst jetzt ganz ins Zentrum der Debatte. Zuvor war alles von der Marktpanik dominiert, das heisst von der Sorge eines rasch anstehenden Staatsbankrotts einzelner Mitgliedsstaaten der Zone und eines dadurch möglichen ungeordneten Euro-Austritts. Mehr...

Kommentar: Einige Grundsätzlichkeiten über die politischen Gefahren der Krise. Aufgeschrieben von unseren Schweizer Nachbarn. Das Fazit des Beitrages: "Die scharfe Austerität ist vor allem eine Reaktion auf die Panik an den Märkten, die schlussendlich die EZB bloss mit der Absichtserklärung, notfalls zu helfen, beruhigen konnte. Ein Vorgehen, dass sie schon weit früher hätte wählen können und das von vielen Ökonomen auch gefordert worden ist. Die Europolitiker haben schlicht aufs falsche Pferd gesetzt und haben überaus harte Sparmassnahmen im falschen Moment gefordert. Jetzt treten die politischen Folgen immer deutlicher zutage.
Die politischen Risiken, die die Europolitiker mit dieser Fehldiagnose eingegangen sind – die sie bis heute nicht revidiert haben -  werden jetzt immer deutlicher. Die wirtschaftliche Krise mag ihren akuten Notzustand (vorerst) hinter sich gelassen haben, sie und und vor allem die polititische Krise sind in einen chronischen Zustand übergegangen, der nicht nur die Legitimität der EU und des Euro untergräbt, sondern – wie es der Historiker Mark Mazower im Zitat zu Beginn des Beitrags(***) schon sagte – letztlich auch die Demokratie in betroffenen Ländern selbst gefährdet"
(***"The turmoil produced by the Italian elections has directed attention back to where it should have been all along – to the politics of the eurozone crisis. We have had six months of complacency, rising stock markets and wishful thinking.")



Wir, das verlorene europäische Volk
(presseurop.eu) Mehr Europa könnte unserem Kontinent aus der Krise heraushelfen, doch wir müssten dann immer noch die Europäer erschaffen. Wir müssen Bildung, kulturellen Austausch und politische Initiativen fördern, um den Sinn für ein gemeinsames Schicksal zurückzuerlangen, der uns im letzten Jahrhundert abhanden gekommen ist, meint der französische Journalist Olivier Guez. Mehr...

Kommentar: Kein schlechter Beitrag. Selbst vor dem Hintergrund, dass der Autor sich die Lösung der Krise zu einfach macht. Die Bankenkrise lässt sich nicht durch ein mehr Europa lösen. Aber die Europäer könnten mehr Ehrlichkeit von ihren Politikern erwarten. Eine unabdingbare Voraussetzung dafür, sich der notwendigen Unterstützung der Allgemeinheit dafür zu versichern, alle Verbindungen zur Finanzindustrie zu kappen, um sie anschliessend tiefgreifend zu regulieren, das Finanzcasino zu zerstören und das Finanzsystem von Grund auf zu erneuern. Eine Mammutaufgabe. Erst danach lassen sich "die Europäer erschaffen", die der Autor so sehr vermisst. 


Die Schuldenkrise erreicht Deutschlands Grenze
(focus.de) Die Krise in der Euro-Zone frisst sich nach Norden durch. Längst haben nicht mehr nur die Südstaaten ein Problem. Auch Deutschlands Nachbarländer drohen in den Strudel zu geraten. Die Schuldenkrise geht in die nächste Runde: Am Anfang hatten vor allem die Mittelmeerländer ein Problem mit hohen Schulden und einem schwachen Wirtschaftswachstum. Börsianer sprachen von den PIGS-Staaten: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Doch trotz Milliardenhilfen und Reformen ist es den Euro-Staaten nicht gelungen, die Krise einzudämmen. Immer mehr Länder geraten in den Strudel. Ein Hilfspaket für Zypern steht kurz bevor. Aber auch große Volkswirtschaften im Norden des Euroraums trifft es. Schon macht eine neue Abkürzung an den Finanzmärkten die Runde: FISH. Sie steht für Frankreich, Italien, Spanien und Holland. Nach PIGS nun FISH – die Schuldenkrise tischt neu auf. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Endlich nehmen die deutschen Leitmedien zur Kenntnis, wovor wir schon seit 2011 in diversen Beiträgen warnen: Die Krise frisst sich in den Kern Europas. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in Deutschland ankommt. Noch lässt sich die Entwicklung durch einen breit angelegten Konsens zwischen Regierung, Medien und Verbänden, wegreden und -schreiben. Noch werden diejenigen, die sich der Wahrheit verschrieben haben angegriffen, lächerlich gemacht, denunziert und als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Arthur Schopenhauer hat es einmal so formuliert: "Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.” Natürlich hat auch in dieser Analyse des FOCUS, Deutschland in den vergangenen Jahren alles richtig gemacht, die alten und neuen Krisenstaaten alles falsch. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Die Fakten dazu haben wir ebenfalls bereits in einer Reihe von Beiträgen zusammengetragen. LeserInnen, die sich damit eingehend beschäftigen wollen, nutzen bitte die Links ganz am Ende dieses Tickers. Die führen zum Ziel. Wegen der wenig fundierten Kritik an Frankreich, die vor allen Dingen für alle Beteiligten wenig hilfreich ist, haben wir in unserem Archiv einen aufschlussreichen Beitrag recherchiert, der bereits 2005 bei nachdenkseiten.de erschienen ist. Nur zur Erinnerung: Zu dieser Zeit war in Deutschland mit Hilfe der Agenda 2010 die Zerstörung des Sozialstaats in vollem Gange und der deutsche Finanzmarkt wurde gerade völlig dereguliert. Der Autor des Beitrages, Joachim Jahnke, hat damals die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland untersucht. Sein Ergebnis hat er so zusammengefasst: "Sozialeres Frankreich". In der Einführung schreibt Jahnke: "Frankreich und Deutschland sind die größten Wirtschaftszentren der EU und – wenn er funktioniert – der Motor der Integration. Sie sind in beide Richtungen jeweils die Haupthandelspartner. Historische und kulturelle Verbindungen bestehen wie kaum zwischen anderen Ländern. Sie haben heute ähnliche Probleme mit dem Wirtschaftswachstum, dem Arbeitsmarkt, den öffentlichen Haushalten und den Rentensystemen in alternden Bevölkerungen, wenn auch etwas weniger in Frankreich. Daneben gibt es viele Unterschiede. Frankreich ist – erheblich früher als Deutschland – durch seine fördernde Politik des Zentralstaats, den sehr aktiven Kapitalmarkt und sein ausgedehntes Kolonialreich sowie später die Force de Frappe zu einem globalen Spieler geworden. Viele der großen internationalen Projekte, wie der Panama- oder der Suez-Kanal wurden schon im 19. Jahrhundert primär von französischen Anlegern über die Pariser Börse finanziert. In den letzten Jahrzehnten ist Frankreich zunehmend und mehr als Deutschland zum Hauptgegner des angelsächsischen Systems einer neoliberalen Globalisierung der Weltwirtschaft geworden. Das EU-Verfassungsreferendum hat dies erneut und zur Überraschung vieler Beobachter in Deutschland nachhaltig bestätigt. Angesichts der enormen Bedeutung der deutsch-französischen Achse für die Entwicklung nicht nur der Europäischen Union, sondern des internationalen Wirtschaftssystems überhaupt sollen hier einzelne Elemente der Wirtschafts- und Sozialverfassung beider Länder im Vergleich analysiert werden."  Er unterteilt seinen Vergleich in die Bereiche "Allgemeine Wirtschaftsleistung", "Staatsquote", "Öffentliche Struktur und Bildung", "Arbeitsmarkt", "Löhne und Gehälter, soziale Gerechtigkeit", "Altersversorgung" und "Aussenwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit". Dabei kommt Jahnke zu erstaunlichen Ergebnissen. Mehr hier. Sein Fazit: "Auch wenn Frankreich ebenfalls mit Arbeitslosigkeit und Wachstumsproblemen ringt, kann Deutschland eine Menge von jenseits des Rheines lernen. Insbesondere die Einkommen haben sich dort wesentlich günstiger entwickelt, mit weniger Ungleichheit und daher auch besserer Binnenkonjunktur. Im Unterschied zu Deutschland wurde nachhaltig zu Hause investiert. Die staatlichen Transferleistungen sind bei einer höheren Staats- und Steuerquote stärker entwickelt. Das Bildungssytem im Vorschulalter (und damit die Unterstützung der Mütter) ist besser ausgebaut, die Studentenquote viel höher. Die wesentlich höhere Kinderzahl pro Frau verrät mehr Risikobereitschaft, Familienfreude oder Unterstützung für Frauen als in Deutschland."  An Hand der folgenden selbsterklärenden Darstellungen werden die Unterschiede deutlich:
















Portugal: Das soziale Erdbeben gewinnt an Stärke
(presseurop.eu) Am 2. März gingen mehr als eine Million Menschen aller Altersgruppen in Portugal auf die Straße. Alle forderten das Ende der Sparpolitik. Die wachsende Unzufriedenheit könnte das politische System, auf dem das Land seit dem Sturz der Diktatur beruht, bis in seine Grundfeste erschüttern. Mehr...

Kommentar: Es sind offensichtlich nicht nur die Griechen, Spanier oder Italiener, die mit der europäischen Sparpolitik, als Maßnahme gegen die Krise, unzufrieden sind. Da stellt sich die Frage, wie die betroffenen Regierungen mit dieser Entwicklung umgehen werden. Wie lange wird es noch dauern, bis die Sache eskaliert und die ersten Schüsse gegen Demonstranten fallen? Eigentlich geht es doch nur noch um das wo und wann. Eine weitere Frage wird sein, ob sich Polizei und Militär dafür instrumentalisieren lassen, auf die eigene Bevölkerung zu schiessen? Kommt es dann zu den von der EU beschlossenen gegenseitigen Hilfseinsätzen von Polizei und Streitkräften? Konkret: Kämpfen deutsche Soldaten in Madrid, Lissabon oder Athen gegen Demonstranten? Womöglich schwer bewaffnet? Zur Verteidung des inneren Friedens der EU? Halt, wenigstens diese Frage kann bereits heute klar und eindeutig beantwortet werden: Verteidigt werden einzig und allein die Interessen der Finanzindustrie, die für diese Entwicklung - niemand will sich daran erinnern - ursächlich verantwortlich ist. Außerdem natürlich die Interessen der Reichen, das System des Kapitalismus' und, last but not least, die neue Errungenschaft der "marktkonformen Demokratie", die mit der jahrzehntelangen Form der Demokratie hierzulande nur noch den Namen gemeinsam hat, was sie so schön harmlos erscheinen lässt. Spätestens dann wird offensichtlich, was Urban Priol schon seit Jahren von Angela Merkel, mal "Mutti" oder "Kanzlerin der Herzen" behauptet: "Als 'Kaltmamsell des Kapitals' serviert sie ihren Souverän, das Volk, auf der Schlachtplatte" (Quelle: Nordbay. Kurier, 08.10.2011). Wer den genauen Wortlaut der Merkel'schen Erklärung zur "marktkonformen Demokratie" noch nicht kennt, für den haben wir noch einmal das Original: "Wir leben ja in einer Demokratie und das ist eine parlamentarische Demokratie und deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments und insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist" (Quelle: hier). Sorry, wir müssen aufhören, bei diesen Gedanken wird uns ganz übel.


Die Zeichen stehen auf Währungskrieg
(heise/telepolis.de) Nach Ansicht von Experten ist der globale Währungskrieg eigentlich längst voll im Gang. China macht sich bereit zum Währungskrieg. Das Land der Mitte droht kaum noch unverhüllt, denn inzwischen wird immer offensichtlicher, dass angesichts der sich erneut zuspitzenden Krise allseits auf die Abwertung der Währungen gesetzt wird, um sich Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Nicht nur China bezichtigt Japan, durch die massive Ausweitung der Geldmenge den Währungskrieg längst begonnen zu haben. Und in Europa macht sich vor allem Frankreich mit Ländern im Süden für einen schwächeren Euro stark. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Damit wird klar, der G20-Gipfel in Moskau war ein Muster ohne Wert. Außer Spesen nichts gewesen. Das übliche Procedere, wie man es spätestens seit dem tiefen Fall von Lehman Brothers und der anschliessenden massiven Finanzkrise schon kennt. Bei diesem Krieg ist Europa jedenfalls dabei. Der Autor des Beitrages schreibt dazu: "Doch anders als Merkel vorgibt, sind die Weichen auch in Europa längst gestellt. Schließlich hatte Draghi längst angekündigt, die EZB werde alles Erforderliche tun, um den Euro zu retten. Damit ist auch die EZB bereit, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen und unbegrenzt die Notenpresse zu betätigen (Notenbank will unbegrenzt Staatsanleihen kaufen. Es wird auch im Rahmen der geplanten Rückkehr von Irland und Portugal wieder davon gesprochen, das umstrittene Aufkaufprogramm von Staatsanleihen wieder zu starten. Unbedingt soll so getan werden, als sei die Euro-Krise auf dem Weg der Bewältigung, in Brüssel war sie sogar schon für beendet erklärt worden. Dabei drängt sie derzeit wieder mit der Macht zurück auf die Tagesordnung, da die Probleme zunehmen. Deshalb wird in der Eurogruppe diskutiert, die Rückzahlung der Rettungsmilliarden nicht nur weit in die Zukunft zu verschieben, sondern die Rückkehr von Portugal und Irland durch eine neue Kreditlinie des dauerhaften Rettungsschirms zu stützen. Ein entsprechender Reuters-Bericht wurde inzwischen bestätigt. Dann kann, so wurde es ja inzwischen definiert, auch die EZB flankierend über ihr Anleihenkaufprogramm (OMT) eingreifen, um die Zinsen für die Länder künstlich tief zu halten, indem die Anleihen von Krisenländern in die Zentralbank und den Rettungsfonds verschoben werden, also auf die Steuerzahler. Man kann über den Umweg so tun, als seien die Länder erfolgreich an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Zudem steigt man ebenfalls stärker verdeckt in den Währungskrieg ein, weil über das Anwerfen der Notenpresse der Euro geschwächt wird, wie es Frankreich fordert. Das Vorgehen verstößt eigentlich gegen die EZB-Aufgabe, für Geldwertstabilität zu sorgen, weil damit Inflationsgefahren deutlich zunehmen. Doch das scheint niemanden mehr ernsthaft zu interessieren." Das ist deutlich, da erübrigt sich jede Kommentierung.
Scheinbar wird aber auch im fernen Japan nicht alles so heiß' gegessen, wie es gekocht wird. Bloomberg meldet gerade "Kuroda to Hit ‘Wall of Reality’ at BOJ, Ex-Board Member Says". In dem Beitrag heißt es u. a.: "Haruhiko Kuroda will have limited options for aggressive easing if he’s confirmed as central bank governor as more Japanese government bond purchases heighten the risk of a market bubble, a former BOJ policy board member said. “Kuroda will hit the wall of reality,” Atsushi Mizuno, vice chairman at Credit Suisse AG in Tokyo and a member of the BOJ board from 2004 to 2009, said in an interview today. “Increased bond buying would cause over-dependence on the BOJ and that’s not healthy for the market. I see the risk of a JGB bubble.” (...) “My concern is that Kuroda is over-emphasizing a bit too much his will to end deflation without explaining his plan for an exit strategy,” Mizuno said. “From the start he will try to do something new, but I expect he will eventually return to an extension of the current policy framework.” Mizuno said that a 2 percent inflation target cannot be achieved by monetary policy alone." Read more. 


What the ‘Unofficial’ Numbers Say About China’s Economy
(wsj.com) On the eve of China’s annual legislative conclave, growth in the world’s second-largest economy has rebounded – but doubts about the reliability of the data remain. China Real Time has an intern attempting to tunnel into the secret vault below the National Bureau of Statistics where we believe the true numbers are held. But armed only with a disposable chopstick, it may take him a while. In the meantime, we have amassed an array of alternative data points to try and understand what’s going on with China’s economy. Check out the charts – it’s easier than chipping through concrete with a thin piece of wood. Read more...

Kommentar: Wir trauen schon lange den offiziellen chinesischen Zahlen nicht mehr über den Weg. Die deutschen Leitmedien übernehmen sie nach wie vor unverdrossen in ihre Meldungen. Der Beitrag ist angereichert mit sehenswerten Charts, von denen wir vorab schon einige zur Einstimmung zeigen: 



 

 



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.