Freitag, 22. März 2013

Standpunkt 581 - Nachrichten-Ticker, 21.03.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthema: Zypernhilfe versus Enteignung versus Rechtsstaatlichkeit versus Demokratie versus Einlagensicherung - Bank Run - Wolfgang Schäuble - Jörg Asmussen - Euro



Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung zyprischer Sparer zeigt, das Thea verdient nach wie vor größtes Interesse. Für das Frühjahr bereiten wir ein neues Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung! Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen letzten Ausgabe gefallen: "Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird" (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Einleitung
Tag 5 der finalen Zypern-Krise ist vorüber. Der Ton zwischen den "Partnern" ist deutlich rauher geworden. Die "EZB droht mit Kappen von Notkrediten" meldet bereits Österreichs DIE PRESSE: "Ohne Hilfsprogramm könne nicht länger von einer Zahlungsfähigkeit ausgegangen werden, sagt EZB-Direktor Asmussen."  Rein vorsorglich erklärt die Zeitung in ihrem Beitrag  "vier mögliche Wege aus der Krise." Einer davon: Die Staatspleite. Genau das ist es, so weit könnten EU/EZB/IWF gehen. Als Testfall. Ähnlich vermutet auch DIE PPRESSE: "Zypern steht lediglich für knapp 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone. Manche Experten hoffen deswegen, dass eine Pleite verkraftbar wäre. So argumentieren auch viele Abgeordnete im deutschen Bundestag. Allerdings haben die maßgeblichen Akteure, allen voran der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, immer argumentiert, bei der Überwindung der Schuldenkrise gehe es vor allem um Vertrauen. Wenn nun aber mit dem Fall Zypern das Vertrauen in der Welt erschüttert wird, dass die Eurozone mit all ihren Mitgliedern stabil und verlässlich zusammensteht, könnte das an den Finanzmärkten Glaubwürdigkeit kosten. Und das würde wohl wieder höhere Zinsen, weniger Wachstum und mehr Arbeitslosigkeit bedeuten." Mehr hier

Wir sind davon überzeugt, einigen Top-Leuten in der Politik und der EZB juckt es in den Fingern. Wie gerne möchten sie mit diesem Feuer spielen. Wer wird sie stoppen? Das HANDELSBLATT assistiert aufgeschreckt: "Versuchskaninchen der Euro-Retter" titelt das Blatt. "Obwohl Zypern wirtschaftlich winzig ist, ruft die Hängepartie um ein Rettungspaket erhebliche Erschütterungen hervor. Das liegt vor allem an handwerklichen Fehlern. Die Euro-Retter haben eine Menge Vertrauen verspielt", heißt es einleitend zu dem Beitrag. Der Autor fürchtet ebenfalls das Spiel mit dem Feuer. Aus der trügerischen Annahme heraus, dass ein Sicherheitsnetz gespannt sei. Große Teile des Beitrags sind viel Blablabla. Interessant erst wieder das Fazit: "Bei der Zypern-Rettung ist einiges schief gelaufen. Noch ist das Kind aber nicht in den Brunnen gefallen. Wenn eine Lösung dennoch gelingt, birgt der Fall Lehren für die Zukunft. Allerdings ist der Verhandlungsspielraum beim Eigenanteil der Zyprer sehr klein. Wenn die Euro-Länder zu stark nachgeben, könnte es in Zukunft noch viel schwerer werden, die Auflagen von Rettungspaketen durchzusetzen." Mehr hier. Für ein neoliberales Kampfblatt schwingt einige Angst davor mit, die Euro-Zone werde unkontrollierbar. Es gibt Anzeichen, dass diese Angst durchaus berechtigt ist. Beispielsweise heißt es bei deutsche-wirtschafts-nachrichten.de: "Schäuble zweifelt, ob Banken in Zypern jemals wieder öffnen können". Und weiter: "Finanzminister Schäuble hält es für möglich, dass die zypriotischen Banken für immer geschlossen bleiben. Die zwei größten seien insolvent und können ohne EZB-Geld nicht überleben. Die EZB werde aber nur Geld geben, wenn es eine Zwangs-Abgabe gibt." Mehr hier. Erst kürzlich haben wir Wolfgang Schäuble als Merkels Kettenhund beschrieben. Offensichtlich lagen wir damit nicht sehr daneben, wie die folgenden Beträge zeigen: "Schäuble versteht die EZB als Waffe gegen die Mitglieder des eigenen Währungsraums, um die Politik auf Linie zu zwingen" interpretiert André Tautenhahn auf seinem Blog den Auftritt von "Schäuble in den Tagesthemen". Tautenhahn nimmt kein Blatt vor den Mund und beschreibt klar und gut verständlich, wie er die Dinge sieht: "Per Knopfdruck aus Brüssel können in der Eurozone inzwischen Konten eingefroren und Bankguthaben nach Belieben und vorzugsweise am Wochenende um willkürliche Sonderabgaben gekürzt werden. (...) Lüge, Enteignung, Rechtsbruch und Diktat sind vielleicht nicht ganz okay, aber eben zwingend notwendig, um den Schein von Demokratie zu wahren. Was hingegen gar nicht geht, ist die Demokratie selber, so mein Eindruck." Er zitiert Schäuble mit einem bemerkenswerten Satz: "Die beiden großen zyprischen Banken sind eigentlich insolvent, sie werden im Augenblick noch von der EZB mit der sog. Nothilfe liquide gehalten, aber immer unter der Voraussetzung, dass es ein dauerhaftes Hilfsprogramm für Zypern gibt." Das lässt richtigerweise nur einen Schluss zu und Tautenhahn formuliert ihn: "Das heißt Draghi darf Geld drucken, aber nur wenn Schäuble es erlaubt. Mit anderen Worten, die EZB soll aus Sicht des Deutschen gar nicht unabhängig sein und schon gar nicht als lender of last resort fungieren, um auf den Finanzmärkten für Ruhe zu sorgen." Mehr hier. Hoffentlich versteht jeder unserer LeserInnen die Tragweite dieser Entwicklung. Es geht keinesfalls um irgendeine Verschwörungstheorie. Zu der Aussage von Tautenhahn passt auffällig die folgende brisante Meldung: "Jörg Asmussen: Der Mann, nach dessen Pfeife Europa tanzen soll" titelt deutsche-wirtschafts-nachrichten.de und bringt dazu einen ausführlichen Beitrag. Die Zusammenfassung: "Das EZB-Direktoriums-Mitglied Jörg Asmussen will keine Zwangs-Abgaben in anderen Euro-Staaten außer Zypern einführen. Wer ist der Mann, der plötzlich bestimmen kann, wer von den Völkern Europas rasiert wird und wer nicht? Die Spur führt tief ins Herz der Banken-Lobby, der Pleite-Bank IKB und zur SPD. Er weiß, was Netzwerken heißt. Und er will ganz nach oben." Mehr hier. Dieser Beitrag verdient die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer LeserInnen. Er lässt den Schluss zu: Asmussen wird im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen, um ganz nach oben zu kommen. Wir denken dabei an Menschen, denen in den Krisenstaaten ärztliche Hilfe oder teure Arzneimittel verweigert wird und deshalb sterben müssen, oder an Menschen, die mit der Schmach des wirtschaftlichen Abstiegs nicht umgehen können und Selbstmord begehen. Längst hat es diese Fälle in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gegeben. Couragierte Journalisten haben davon berichtet. Jörg Asmussen hat in Deutschland bereits viel Schaden angerichtet. Beispielhaft die Rettung der HRE zu Lasten der Steuerzahler. Das ist nichts gegen das, was er in Europa anstellen kann. "Notenbanker setzen Zypern ein letztes Ultimatum" meldet die WELT und notiert: "Zyperns Banken hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank. Die verlängert nun ihre Notkredite – allerdings nur bis Montag. Gibt es dann kein Rettungspaket, steht die Insel vor der Pleite." Mehr hier. Die zyprische Notenbank darf sich Euros selbst drucken, falls die EZB nicht dagegen stimmt. Das Programm nennt sich offiziell Emergency Liquidity Assistance (ELA) und die Zustimmung gilt nur bis Montag. Behauptet zumindest die EZB. Die Notenbank Zyperns kann eigenverantwortlich bestimmen, ob sie Euros drucken will. Die EZB kann diese Entscheidung nur mit einer Zweidrittel Mehrheit überstimmen. Ob sich die zyprische Notenbank daran halten muss, ist uns nicht bekannt. Ob sie sich daran halten wird, ist fraglich. Schliesslich gehört es mittlerweile zum guten Ton in Europa, geltendes Recht zu ignorieren, bzw. zu umgehen. Wie es funktioniert, hat die griechische Notenbank bereits vorgemacht: "Notkredite als Refinanzierungs-Schlupfloch für Banken: Jetzt drucken sich die Griechen ihre Euro selbst" meldete der FOCUS am 25.07.2012. Mehr hier. Noch einmal zurück zu Wolfgang Schäuble. Der gilt mittlerweile als "Der gefährlichste Mann Europas". So betitelt deutsche-wirtschafts-nachrichten.de einen Beitrag. Weiter heißt es dort: "Die Banken Zwangs-Abgabe in Zypern war kein Betriebsunfall. Sie ist der erste Baustein in dem Plan, wie Europa künftig regiert werden soll. Autoritär, ideologisch und undemokratisch. Das Vorbild für den finanz-technischen Teil zur Lösung der Schuldenkrise ist die deutsche Wiedervereinigung. Der Architekt des Plans: Wolfgang Schäuble. Das verheißt nichts Gutes." Mehr hier. Der Autor hat einen Artikel der angesehenen New York Times (NYT) über Schäuble ausgegraben, der am 18.11.2011 veröffentlicht wurde. Dort geht es um Schäuble's brisante Ideen für Europa. Ein Beispiel: "Wir können eine politische Union nur erreichen, wenn wir eine Krise haben." Den Original-Artikel der NYT "Seeing in Crisis the Last Best Chance to Unite Europe" gibt es hier. Der Druck auf Zypern wird weiter verstärkt: "EU droht Zypern mit dem Rauswurf aus dem Euro" meldet deutsche-wirtschafts-nachrichten.de: "Bis Dienstag muss Zypern neue Forderungen der EU erfüllen. Dazu zählt unter anderem die Einführung von Kontrollen über Kapital-Abflüsse aus dem Land. Geschieht dies nicht, müsse Zypern den Euro verlassen." Mehr hier. Zur Erinnerung: Ein Austritt aus der Euro-Zone ist nicht vorgesehen, es gibt keine vertragliche Regelung dafür. Wir sind gespannt, wie das praktisch funktionieren wird.

Was die Spekulanten erwarten, ist ganz einfach: Euro Official On Cyprus: "Markets Believe We Will Find A Solution, This Might Not Be The Case" meldet zerohedge.com. Mehr hier. Bis auf den Einsatz von Streitkräften ist EU/EZB/IWF jedes Mittel recht, um eine Einigung nach ihren Bedingungen zu erreichen. Ein respektabler Umgang miteinander gehört auf jeden Fall nicht dazu. In diesem Zusammenhang meldet sich der Finanzminister von Malta zu Wort. Der schreibt in einem Artikel der Times of Malta,  dass dem zypriotischen Finanzminister beim Treffen der Eurogruppe quasi die „Pistole an den Kopf“ gesetzt wurde. „Es gibt nichts unwürdigeres als der Anblick einer bankrotten Person, die um Hilfe bettelt“, schreibt Edward Scicluna. Nach zehn Stunden seien Körper und Seele des zypriotischen Ministers so erschöpft gewesen, dass er dem Abkommen zustimmte. „Als das geschehen war, forderte Schäuble sofort, alle Überweisungen von und zu den zypriotischen Banken unverzüglich einzustellen“, ergänzt der maltesische Finanzminister (Quelle: "Malta: EU setzte Zypern Pistole an den Kopf", deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, hier). Der maltesische Finanzminister hat seinen Artikel sehr sinnig überschrieben: "Cyprus: a lesson for life". Wer von unseren LeserInnen auf eine faire und objektive Meinungsbildung Wert legt (wir hoffen sehr, es tun alle!), der muss diesen Beitrag unbedingt lesen. Scicluna's Bericht unterscheidet sich deutlich von den Meldungen des deutschen Mainstream. Zu finden ist er hier

In den deutschen Führungsmedien gibt es kaum Unterstützung für die zyprische Position. Beispielsweise heißt es beim stern dazu abfällig: "Zyperns dreistes Pokerspiel". Was der Autor in seinem Beitrag verzapft, ist der blanke Humbug. Zielt ab auf die gereizte Stimmung an den deutschen Stammtischen: "Die Zyprer gingen gegen eine Enteignung ihrer Ersparnisse auf die Barrikaden. Das ist verständlich. Dass aber das Parlament jeden Eigenanteil an einer Rettung seines Landes ablehnt, ist unverschämt." Außer ein bisschen Kritik an den Euro-Rettern, geht es wieder nur hauptsächlich um das zyprische Steuermodell, das Schuld sein soll an der einheimischen Bankenmisere. Das ist schlicht falsch. Entweder kennt der Autor die Fakten nicht, oder er ignoriert sie einfach. In beiden Fällen sollte er besser die Klappe halten, statt 800.000 Menschen zu beschimpfen. Das zyprische Parlament hat nur im Sinne dieser Menschen entschieden. Richtig so. So bleibt wenigstens ein kleiner Rest Demokratie erhalten, nachdem Präsident und Finanzminister des Landes in Brüssel auf übelste Weise erpresst wurden. Parlament und Bevölkerung haben sich einen Rest von Souveränität erhalten. Dafür verdienen Sie allerhöchsten Respekt und keine Beschimpfung. Wir wünschen uns, die Zyprer bleiben noch einige Tage bei dieser Haltung. Entgegen den Aussagen aus Berlin, Brüssel und Washington (niemand sonst spielt auf der Seite der "Retter" noch eine tragende Rolle), soufliert von den "Einflüsterern", kann Zypern noch eine wichtige Sache gewinnen: Ansehen in der Welt. Noch etwas anderes wäre nicht zu verachten: Die Manager der Europa-Krise könnten sich nicht länger hinter ihrer Maske vollkommener Scheinheiligkeit verstecken. Es kämen Wahrheiten ans Licht, die möglicherweise die politische Landschaft in weiten Teilen Europas nachhaltig verändern könnten. Vielleicht käme sogar ein Stück weit heraus, wer mit wem kungelt, wer tatsächlich Einfluss nimmt auf die Entscheidungen in Europa, wer die Verantwortung trägt für Armut, Verelendung, Massenarbeitslosigkeit, Tod. Die Rufe könnten lauter werden nach einem "Finanzverbrechertribunal", wo alle die angeklagt und abgeurteilt werden, die der Menschheit die Finanzkrise eingebrockt haben und alles dafür tun, sie nicht zu beenden, sondern nur noch weiter zu verschärfen. Das wäre der Punkt, ab dem es sich lohnt, einen finanziellen Beitrag für die anschliessende "neue Finanz- und Wirtschaftswelt" zu leisten. Eine Welt, in der die Banken - heruntergestutzt - wieder ihre klassischen Aufgaben erfüllen, die Finanzmärkte so weit wie nötig reguliert sind und überwacht werden, die Wirtschaft brummt, weil die Menschen Jobs haben die sie ernähren und die den Konsum ankurbeln, ein fast gerechtes Steuersystem den Staaten ausreichende Einnahmen sichert, aus denen sie das Gemeinwohl finanzieren können. Das ist Utopie - noch. Wir wollen die Hoffnung einfach nicht aufgeben.  


Damit nicht genug. Jetzt folgen noch eine Reihe von aktuellen Beiträgen, die entweder im direkten Zusammenhang mit der Zypern-Krise stehen, oder für deren Bewertung von Bedeutung sind. Versehen mit unseren Kommentaren. 


Wie die Finanzdaten der Euroländer manipuliert werden
(heise/telepolis.de) Eurostat hat erstklassige und objektive Daten - aber niemand liest sie. - Wer erinnert sich noch an die Äußerungen hilfloser Bundestagsabgeordneter vor der Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm? (...) Die Informationen und Zahlen, die Abgeordnete zu den Finanzen der 17 Euro-Staaten erhalten, stammen allerdings nicht von der Statistikbehörde Eurostat, sondern von Redakteuren in Nachrichtenagenturen und Medien, vor allem aber von Wirtschaftsforschungsinstituten und Aufbereitern der Daten etwa in Bundesbank und Finanzministerium. Was geschieht dort mit den Daten von Eurostat? Mehr...

Kommentar: Noch ein Beitrag, der die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer LeserInnen verdient. Sollte ab sofort den Umgang mit öffentlichen Statistiken verändern. Nicht nur den europäischen. 


Bankenkrise: Die Hilflosen und ihr Bankendilemma
(diepresse.com) Am Beispiel Zypern zeigt sich, dass die Eurozone auch viereinhalb Jahre nach Lehman noch keine Idee hat, wie man mit Pleitebanken umgeht. Dabei hat man die Instrumente schon jetzt - wenn man wirklich will. Mehr...

Kommentar: Außerdem gibt es da noch das Versprechen der G8- und G20-Staaten von Ende 2008/Anfang 2009, nach dem die internationalen Finanzmärkte so tiefgreifend reformiert werden sollten, dass sich eine solche Krise nicht mehr wiederholen kann. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Krise in Europa ist nur Teil der sich seit 2008 über die gesamte Welt ausbreitenden Finanzkrise, die ihren Ursprung in den USA, nicht in Europa, hatte. Die ursprünglich auch als Bankenkrise begann, um dann sehr schnell in eine Staatsschuldenkrise umgedeutet zu werden. Nur so war es möglich, ohne große Widerstände in der Öffentlichkeit die Banken zu retten, im Gegenzug dafür die Menschen in eine lebenslange Schuldenknechtschaft zu nehmen, die staatliche Aufsicht über die Märkte noch weiter zurückzudrängen, den Staat von seinen Aufgaben für das Gemeinwohl weiter zu entbinden und eine marktkonforme Demokratie zu installieren, was in Europa schon weit fortgeschritten ist. Der Beitrag fasst die Versäumnisse zusammen, dem Autor unterlaufen jedoch zwei wichtige Fehler: Die genannten 500 US-Banken sind ausnahmslos alle in die Pleite gerutscht, weil sie sich auf Geschäfte mit den großen, systemrelevanten Banken eingelassen haben. Weil die ihre Verpflichtungen zu weiten Teilen seit 2008 nicht erfüllen müssen, kommt es Monat für Monat zu immer neuen Pleiten. US-Schätzungen gehen davon aus, dass noch über 2.000 regionale US-Banken ins Gras beißen müssen. Nicht weil sie schlecht gewirtschaftet haben (diese Banken arbeiten grundsätzlich mit sehr konservativen Geschäftsmodellen), sondern weil ihre Forderungen an die BIG PLAYER nicht mehr erfüllt werden. Was uns noch stört an dem Beitrag: Der Autor vermittelt den Eindruck, er wolle die systemrelevanten Banken auf jeden Fall am Leben erhalten. Das kann nicht funktionieren. Die sind es doch, die das System vergiften, für das sie angeblich relevant sind. Die Reformen müssen dort ansetzen, nicht unten, bei den Winzlingen. Weil das so ist, werden alle Versuche in den USA, Dodd-Frank Act und Volcker Rule endlich zum Leben zu erwecken, von der Finanzindustrie bisher erfolgreich verhindert. Die USA sind also in Wahrheit kein Vorbild, sondern ein Muster ohne Wert. Europa muss sich selbst aufraffen, um Reformen durchzuführen. Da ist noch nichts in Sicht. Bankenunion und Banken-Stresstest sind Placebos, mehr nicht. 


Empörung über das „Geschäftsmodell Zypern“ – warum erst jetzt und warum nur bei Zypern?
(nachdenkseiten.de) Bundesfinanzminister Schäuble hat sich am 19. März abends und der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeyer am 20. März im Morgenmagazin kritisch zum so genannten Modell Zypern geäußert. In der Tagesthemensendung gebrauchte Schäuble den Begriff Modell Zypern zur Charakterisierung der Politik eines Landes, das sein Geld zu einem beachtlichen Teil mit Finanzgeschäften verdient und zu diesem Zweck mit niedrigen Steuern und angenehmen rechtlichen Bedingungen um die – oft ausländischen – Anleger wirbt. Das „Modell“ Zypern gab und gibt es in Irland, in Luxemburg, in London, in der Schweiz, in den Steueroasen Großbritanniens und der USA – und das Modell war von deutschen Politikern von Merkel bis Steinbrück unter dem Begriff „Ausbau des Finanzplatzes Deutschland“ noch im letzten Jahrzehnt heiß ersehnt. Von der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD – wie jetzt von beiden kritisiert. Mehr... 

Kommentar: Bemerkenswert finden wir außerdem, dass dieses Modell bereits seit den 1970er Jahren existiert und bei den Verhandlungen über den EU-Beitritt keine Rolle gespielt hat. Zypern war nicht dazu verpflichtet worden, sein "Geschäftsmodell" zu ändern oder gleich ganz aufzugeben. Anders bei Polen, die gleichzeitig beigetreten sind. Die haben sich beispielsweise verpflichten müssen, ihre bestehenden Freihandelszonen bis Ende 2011 aufzulösen.


Sechs Milliarden Risiko: Zypern-Rettung soll deutsche Banken retten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)  Wenn sich die EU, Zypern und Russland nicht auf eine Lösung einigen können, droht den deutschen Banken ein ganz realer Verlust in Milliardenhöhe. Vor allem die zypriotischen Unternehmen sind massiv bei den deutschen Geldhäusern verschuldet. Mehr... 

Kommentar: Es ist doch immer wieder das gleiche Spiel: Ständig stehen deutsche Banken an vorderster Kreditfront und müssen gerettet werden. Wahrscheinlich sogar im ärmsten Land der Welt, wenn es dort zu einer Bankenpleite käme.


Goldman Sachs: Rettungs-Zwangsabgabe kommt auch in anderen Staaten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Ein möglicher Erfolg in Zypern dürfte die EU dazu bringen, Länder wie Spanien, Griechenland und Italien ebenfalls über eine solche Steuer zu sanieren. Eine Steuer von 8,5 Prozent könnte mehr als 305 Milliarden Euro generieren. Vorbild für die Steuer ist der deutsche Soli für Finanzierung der Wiedervereinigung. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Genau so wird es kommen. Nur eine Frage der Zeit und wie schnell Gras über die Sache in Zypern gewachsen sein wird. Aus unseren Gesprächen wissen wir: Die Deutschen fühlen sich sicher, vertrauen ihrer Regierung und sehen die Krise sowieso nur bei den anderen Ländern. Geht der Euro kaputt, so die Meinung, gibt es eine Währungsreform, die D-Mark II kommt und alles geht weiter wie bisher. Ein schöner Traum, mehr nicht. Der Blick zurück in der deutschen Geschichte zeigt, wie eine solche Reform abläuft. Beispiel 1948. Das funktioniert eben nicht wie beim Wechsel in den Euro, wo einfach ein fiktiver Kurs festgesetzt wurde und das war's. Nein, kommt tatsächlich eine neue Währung, dann wird die Umstellung richtig wehtun. Die ersten Ängstlichen haben sich schon bemerkbar gemacht - es sind die Spanier. "Kapitalflucht in Spanien schon sichtbar" heißt es bei heise/telepolis.de: "Es wird aufgerufen, Sparguthaben vor einer möglichen Zwangsabgabe in Sicherheit zu bringen. Die spanische Regierung hat Hinweise darauf, dass die Sparer damit begonnen haben, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Auf Nachfrage haben gegenüber Telepolis mehrere Banken bestätigt, dass verstärkt Geld abgehoben und ins Ausland überwiesen werde. Es wiederholt sich das, was Spanien schon im Frühjahr 2012 erlebte. Als sich die Bankenrettung und ein Rettungsantrag abzeichneten, kam es zu einer massiven Kapitalflucht." Mehr hier. Die Spanier haben kein Vertrauen in ihre Regierung. "Gegen alle Wahlversprechen haben die Konservativen Steuern erhöht, Banken gerettet, Löhne gesenkt und massive Einschnitte im Bildungs- und Gesundheitssystem vorgenommen. Statt einem Ende der Krise näher zu kommen, rutscht das Land immer tiefer in die Rezession."


Europa bereitet sich auf den Zypern-Kollaps vor
(welt.de) Es sieht immer mehr danach aus, als würde Zypern in die Staatspleite schlittern. Für die Euro-Zone wären die Folgen wohl beherrschbar – auf der Insel hingegen würde binnen Tagen das Chaos ausbrechen. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Was soll das heißen, für die Eurozone sei die Pleite Zyperns beherrschbar? Weil europaweit die Konten dicht gemacht werden? Polizei und Militär bis unter die Zähne bewaffnet und mit schußsicheren Westen die Banken beschützen? Weil dann Bezugsscheine für ALDI, Lidl, Penny, usw. ausgegeben werden? Vertrauen kann es jedenfalls nicht sein, was die Eurozone vor unangenehmen Folgen der Zypern-Pleite schützt. Das ist zerstört. Ausgenommen in Deutschland. Dort hofft man, auf diese Weise den Euro loszuwerden. Die "Alternative für Deutschland" wird es dann richten. Oder doch nicht? Die Bundesregierung bereitet sich gut vor, auf den Tag X. Sie verschafft sich vorsorglich schon den Zugriff auf die PIN-Codes ihrer Bürger. Die Meldung dazu: "Rein theoretisch kann die Bundesregierung einen Bank-Run ab heute (21.03.2013, der Verf.) schon im Keim ersticken: Der Bundestag beschließt heute ein neues Gesetz. Demzufolge sind Telekom-Anbieter verpflichtet, den Behörden die PINs und PUK der Bürger auszuhändigen. Dazu soll eine elektonische Schnittstelle geschaffen werden - also die direkte Einwahl für die Regierung in die Kommunikation der Bürger" (Quelle: "Mobiles Banking: Regierung verschafft sich Zugriff auf die PIN-Codes der Bürger", deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, hier). Während vorne auf der Bühne das Zypern-Drama aufgeführt wird, treiben die Politiker hintenherum die Schweinereien vorbei.


Cyprus Banking Crisis for Dummies
(washingtonsblog.com) You’ve heard that the tiny European country Cyprus is threatening to grab between 3 and 13% of bank depositors’ funds in return for a bailout of the country by the European Union. Zero Hedge reports that Germany’s Finance Minister and the IMF originally demanded that 40% of bank deposits be looted. Read...  

 Kommentar: Amerikas Sicht auf Europas Krisenpolitik in Zypern. Mit einem Haufen Links. Öffnet Horizonte. 


"Ohne gemeinsame Haftung zerbricht der Euro"
(handelsblatt.com) Zypern ist wirtschaftlich winzig. Doch die Insel steht für viel mehr. Es gehe um den Fortbestand des Euro, warnt Saumil Parikh von Pimco im Interview. Der weltgrößte Anleiheinvestor hat bereits Konsequenzen gezogen. Mehr... 

Kommentar: Es muss endlich wieder einmal gesagt werden. PIMCO ist dafür nicht die schlechteste Adresse. Der Beitrag bildet einen schönen Schluss für unseren heutigen Ticker rund um Zypern. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.