Montag, 1. April 2013

Standpunkt 591 - Nachrichten-Ticker, 31.03.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthema: Heiner Flassbeck – Belgien unter Druck – Banken und Staat – Euro – Merkels Plan – Zypern 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung zyprischer Sparer zeigt, das Thea verdient nach wie vor größtes Interesse. Für das Frühjahr bereiten wir ein neues Update vor und sind für Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch Kritik offen und dankbar. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung! Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ der immer noch höchst aktuellen letzten Ausgabe gefallen: "Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird" (hier).  Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Heiner Flassbeck: Deutschland muss die Löhne erhöhen
(fuw.ch) Der Ökonom Heiner Flassbeck erklärt im Interview mit «Finanz und Wirtschaft», in einer Währungsunion müsse jedes Land die Löhne nach der Produktivität ausrichten. Staatsschulden dagegen seien nicht wichtig. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die vermeintliche Zypern-Rettung und die Pläne der EU, das "Zypern-Modell" europaweit anzuwenden, können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Krise eigentlich mit anderen Mitteln bekämpft werden muss. Abgesehen von einer Reform der Finanzindustrie und ihrer Märkte gilt es auch die richtigen, wirtschaftspolitischen Entscheidungen zu treffen. Auf diesem Gebiet ist bis heute, vier Jahre nach dem Beginn der europäischen Bankenkrise, nichts passiert. Der Grund liegt auf der Hand: Dazu muss sich Deutschland ändern, statt weiter mit Zähnen und Klauen sein überkommenes Exportmodell, seine Niedriglohnpolitik, den massiven Abbau der Sozialleistungen,  die Aufgabe der sozialen Marktwirtschaft, die Zunahme der Einkommensungleichgewichte und der Armut, das dauerhafte Fehlen einer Binnennachfrage, u.a. durch die dauerhafte Rücknahme der öffentlichen Investitionen, und den Kapitalexport zu verteidigen. Heiner Flassbeck erklärt in diesem Beitrag die Notwendigkeit von Lohnerhöhungen in Deutschland als Gegenentwurf zum Sparwahn in den Krisenländern. Dessen zerstörerische Wirkung bildet die folgende Grafik ab: 


Quelle: zerohedge.com


Wenig überraschend, dass die F.A.Z. dagegenhält: "Arbeit in Deutschland ein Drittel teurer als im EU-Schnitt" meldet die Zeitung und fasst zusammen: "Arbeit in Deutschland wird teurer: 31 Euro zahlen die Arbeitgeber je geleistete Stunde, das ist ein Drittel mehr als der EU-Durchschnitt. Deutlich teurer ist Arbeit im Nachbarland Frankreich." Mehr dazu hier. Natürlich vergleicht die F.A.Z., wie könnte es anders sein, Äpfel mit Birnen. Tatsache ist, dass Deutschland von den vergleichbar wirtschaftlich, gesunden Ländern das Schlusslicht bildet. Ein unhaltbarer Zustand. Was schief läuft, zeigen die folgenden Grafiken, die keiner besonderen Erklärung bedürfen: 










"Belgien muss sich entscheiden, ob es Teil des Nordens oder des Südens von Europa sein will"
(format.at) Brüssel, wenn man so will, Heimat der EU, oktroyiert Ländern wie Griechenland den Spar- und Reformzwang. Doch Belgien selbst bekommt diesbezüglich wenig auf die Reihe. Rezession, hoher Schuldenberg, steigende Arbeitslosigkeit, ausufernde Bürokratie und ein Premier, der große Reden schwingt, die ihm aber kaum jemand abkauft: Die belgischen Unternehmen klagen über hohe Arbeitskosten und übermächtige Gewerkschaften. Der Wirtschaftsstandort Belgien ist mehr als bloß angeschlagen... Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Nach Malta und Luxemburg ist jetzt auch gleich Belgien an der Reihe. Die Vorwürfe an die Adresse Belgiens sind lächerlich. Belgien ist ein zerrissenes Land, ständig befinden sich Wallonen im Süden und Flamen im Norden im Streit um eine Teilung des Landes. Das ist Belgiens größtes Problem, darunter leiden Land und Leute. Und bekannt seit Gründung der EU, bei der Belgien von Anfang an dabei ist. Der Norden vermittelt immer noch einen Eindruck von Stärke und Anderssein gegenüber dem Süden Europas. Das ist bloße Augenwischerei. Es ist schon lange keine Frage mehr, dass die Krise auch den Norden erreicht, wie die Beispiele Niederlande, Dänemark oder Schweden bereits zeigen. Nur Österreich und Deutschland können bisher noch den Eindruck aufrechterhalten, dass der Kelch der Krise an diesen Ländern vorbeigeht. Beide Länder genießen höchstens die zweifelhafte Ehre, als letzte von der europäischen Krise getroffen zu werden. 

Bemerkenswert im Zusammenhang mit Belgien ist jedoch, dass die EU-Kommission bereits auf die Haushaltsplanung Einfluss nimmt, obwohl das Land bis zum heutigen Tag keine Hilfen von der EU beantragt hat. Der österreichische STANDARD meldet gerade "Belgien beschloss Einsparungen im Budget 2013" und schreibt weiter: "Auf Druck der EU-Kommission beschloss die Regierung nach tagelangen Verhandlungen neue Sparmaßnahmen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Samstag meldete."  Es ist das Übliche: "Zu den Maßnahmen gehört etwa die Anhebung der Tabaksteuer, der Verkauf von Vermögenswerten sowie Einsparungen im Gesundheitswesen und öffentlichen Dienst." Mehr dazu hier. Alles Dinge, die anderswo schon nicht funktioniert haben. Wetten, dass sich die gleichen Folgen einstellen wie in den betroffenen Ländern Südeuropas? Das ist die logische Folge. 


Brauchen Banken den Staat?
(faz.net) Griechenland reißt seine Banken in den Abgrund. Irland und Spanien gerieten wegen ihrer Banken an den Rand der Insolvenz. Die Eurokrise zeigt: Staaten und Banken bringen einander immer wieder in Schwierigkeiten. Das könnte nur ein neues Geldsystem ändern. Mehr...

Kommentar: Schon der erste Satz ist falsch. Griechenland ist, wie alle anderen Krisenstaaten, ein Opfer der Banken. Anders als in Irland sogar nicht der einheimischen, sondern der ausländischen, allen voran der deutschen Banken. Insoweit irrt der Autor. Trotzdem hebt sich der Artikel wohltuend von den üblichen Beiträgen der F.A.Z. ab und ist alleine deshalb schon lesenswert. Außerdem wirft er die berechtigte Frage nach einem neuen Geldsystem auf, ohne dass sich der Autor aber mit einem ernsthaften Vorschlag heraustraut. Schade.   


"Der Euro hat Europa in eine fürchterliche Situation gebracht"
(format.at) Bestsellerautor und Ökonom Ha-Joon Chang in Cambridge über die Sinnhaftigkeit von Staatseigentum, Faulheit und den Euro als Problem. Er ist Kapitalismus-Fan, hält freie Märkte aber für eine Illusion. Die wirtschaftliche Situation seiner Heimat Südkorea, die aktuell Champions wie Samsung oder Hyundai vorzuweisen hat, beurteilt er extrem kritisch. Und unter den österreichischen Ökonomen zieht er Schumpeter eindeutig Hayek vor. Mehr...

Kommentar: Es ist kein Beitrag für fanatische Euro-Gegner, obwohl die Überschrift das suggeriert. Ha-Joon Chang ist nicht gegen den Euro, er wäre nur der Verfechter eines kleinen, aber dafür schlagfertigen, Anfangs gewesen. Zitat: "Sie hätten mit fünf oder sechs Kernländern starten und die Währungsunion langsam entwickeln sollen."  Übrigens eine These, die wir ebenfalls von Anfang an vertreten haben. Es war europäische Großmannssucht, die EU und die Eurozone zu schnell mit zu vielen Staaten zu erweitern. Seine Lösung: "Hoffentlich kommt es nun zu einer engeren politischen Integration, sodass die Währung besser funktionieren kann - so wie in den USA. Das kann natürlich letztlich dazu führen, dass einige Länder die Währungsunion verlassen wollen." Keine neue Idee, aber eine interessante Begründung. Schliesslich sind es deutsche Ökonomen, wie beispielsweise Hans-Werner Sinn, die gerade die Verhältnisse in den USA als Grund dafür aufbieten, dass die Gemeinschaftswährung nicht funktionieren kann. Dieses Interview ist von vorne bis hinten voll mit vielen guten Argumenten, die sich alle gegen die aktuelle Krisenpolitik in Europa wenden. Sei es bei dem staatlichen Eigentum an Wirtschaftsbetrieben (Beispiel Singapur), zur Frage eines angemessenen Lebensstandards, zur Beziehung von Wachstum und Wohlstand, oder die Folgen eines stark liberalisierten Arbeitsmarktes am Beispiel Südkoreas, mit der höchsten Selbstmordrate in der OECD, im Vergleich zu der Arbeitsmarktpolitik in Skandinavien. Stimmig auch seine Aussagen zu den Schäden durch die Bankenindustrie, wie er es nennt: "(...)  kaum jemand hat die CDOs (Collateralized Debt Obligations, Anm.) verstanden, jene Derivate, die maßgeblich die Finanzkrise 2008 ausgelöst haben. (...) Wenn jetzt nicht das System geändert wird, dann wird es wieder schiefgehen." Leider sind wir davon weit, weit weg und der Derivatehandel steht in voller Blüte.


Hilft Merkels Südeuropa-Rezept nur Deutschland?
(welt.de) Weniger Ausgaben, mehr Steuern: Merkel beharrt auf ihrer Spar-Doktrin und widersetzt sich Forderungen nach einem Konjunkturprogramm. Kritiker glauben, Deutschland wolle gar nicht helfen. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag macht klar, warum Deutschland seine Nachbarn zerstört: Es schafft sich bei der Entwicklung seiner Handelsbeziehungen zu den Schwellenstaaten unliebsame Konkurrenz vom Hals. Erst hat Deutschland jahrelang vom Euro profitiert und Kapital daraus geschlagen, dass die Gemeinschaftswährung international hohes Ansehen genießt. Jetzt zerschlägt das Land unter dem Deckmantel der Krise mit der Durchsetzung rigoroser Spardiktate die Wirtschaft in den schwachen Euro-Ländern und setzt dadurch auch mittelbar Frankreich unter Druck. Natürlich waschen sich Merkel und Schäuble treuherzig die Hände in Unschuld, behaupten, mit gutem Beispiel bei der Sparpolitik voran zu gehen. Was offensichtlich noch keine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass auch die Schwellenländer, allen voran China, auf einem Pulverfass sitzen. Früher oder später fliegt die ganze Chose in die Luft. Was dann, Deutschland? Kommt dann ein Marshallplan für Europa? Nein, dazu ist es dann zu spät. Wenn es so weit ist, liegt Deutschland im Staub. "Helfende Hände" (O-Ton Brüderle)? Es beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen...


Gut, dass Zyperns Erpressungsversuch scheiterte!
(welt.de) Bisher ließen die Europäer sich aus Angst vor dem Dominoeffekt durch Pleiteländer erpressen. Doch das ist vorbei, denn stärkere Euro-Länder haben die besseren Karten – sie sollten sie auch ausspielen. Mehr...

Kommentar: So lange es Ökonomen wie Thomas Straubhaar gibt, muss sich niemand um ein Ende der Krise in Europa Sorgen machen. Solche Leute befeuern sie mit ihren abstrusen Theorien geradezu. Dabei hatten wir in den ersten Jahren nach der Finanzkrise daran geglaubt, dass sich Straubhaar vom neoliberalen Saulus zu einem weitsichtigen Paulus verwandelt habe. Weit gefehlt, wie sich zwischenzeitlich wieder zeigt. Wenn solche Leute Regierungen beraten, dann richten sie unermeßliche Schäden an, für die sie aber zu keiner Zeit die Verantwortung übernehmen müssen. Die Krise in Europa als Spielwiese für unhaltbare Ökonomen-Weisheiten. Jetzt werden die uralten Lehrsätze aus den Hörsälen ausgepackt und auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Schrecklich. Niemand ist da, der diesen Hasardeuren das Handwerk legt. Ganz im Gegenteil, die deutsche Regierung giert geradezu nach solchen Ratschlägen und Unterstützern. Das Ende ist absehbar. 


Zypern-Rettung: Ein Modell für Europa
(faz.net) In Zypern müssen für die Pleite der Banken die Gläubiger bluten. Eine Ausnahme, sagen die Politiker. Warum eigentlich? Wer sein Geld zur Bank bringt, muss sich des Risikos bewusst sein. Mehr...

Kommentar: Wer diesen Beitrag liest, der kann danach sicher sein, wo die Reise in Europa hingeht. Der Weg für eine großflächige Enteignung wird gerade bereitet. In der Überschrift fehlt nur noch ein Ausrufezeichen. Damit wäre alles gesagt. Für die deutschen Sparer ist es jedenfalls eine ganz neue Erkenntnis wenn es heißt "Sparer sind Gläubiger von Banken". Das wird wohl kaum einer in den vergangenen 60 Jahren so gesehen haben. Niemand hierzulande hatte Zweifel an der Sicherheit der Banken, insbesondere der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Oft war in diesem Zusammenhang von "Abrahams Schoß" die Rede. Alles vorbei, die Zukunft sieht anders, weil düster, aus. Allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz, die Politik und Bankenverbände nahezu täglich zum Besten geben, während EU/EZB/IWF und die Bundesregierung gerade in Zypern ein Blutbad anrichten. 


Quelle: zerohedge.com



 How Big Is The 'Bailout' Of Cyprus?
(zerohedge.com) Most publications talk about the 10B or 17B Cyprus bailout. Let’s take a pop quiz on the right answer... Read more...

Kommentar: Entbehrlich, der Beitrag spricht für sich.


Zentralbank von Zypern: Lüge auf offiziellem Briefpapier
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Zentralbank von Zypern hat die Banken des Landes schriftlich über die bevorstehende Enteignung angelogen – schriftlich, auf offiziellem Briefpapier. Der Vorfall zeigt, dass die Geheim-Politik der Zentralbanken jedes Maß für das Zumutbare verloren hat. Mehr...

Kommentar: Das ist unglaublich - aber wahr. Zwei Tage vorher titelte zerohedge.com nur sprachlos "Oooops..." (hier). Europa ist eine totalitäre Bananenrepublik!


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.