Freitag, 12. April 2013

Standpunkt 601 - Nachrichten-Ticker, 10.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Armes Deutschland? – unruhige Mittelschicht – Grillo’s Italien – Belgien – Österreich – Spanien – EU-Kommission hilft Portugal & Irland


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir haben mit den Arbeiten für das neue Update begonnen und hoffen weiter auf Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch nützliche Kritik. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung!


Arme Deutsche? Wie eine Statistik zur Meinungsmache verbogen wird
(nachdenkseiten.de) Aus Statistiken kann man viele Schlüsse ziehen – richtige wie falsche. Man kann beispielsweise statistisch "belegen", dass Babys in Wirklichkeit doch vom Storch gebracht werden. Und man kann auch statistisch belegen, dass die Deutschen die "Ärmsten in Euroraum" sind. Doch nicht alles, was statistisch belegbar ist, ist auch logisch nachvollziehbar. Die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Notenbank-Statistik, die von einigen Meinungsmachern als "unglaubliche Fakten" für die Armut Deutschlands interpretiert werden, lassen beispielsweise sehr viele hoch interessante Schlüsse zu. Nur einen Schluss lässt die Statistik nicht zu: Dass die Deutschen die "Ärmsten im Euroraum" sind. Von Jens Berger. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir überlassen das Feld Jens Berger. Er erklärt in diesem Beitrag trefflich, was für einen regierungsfreundlichen Mist der Mainstream aus diesen wenig stichhaltigen Zahlen produziert. Wir finden, Qualitätsjournalismus geht anders. Beispiel F.A.Z.: "Deutsche sind die Ärmsten im Euroraum" heißt es dort. Und als Begründung: "Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist nach Daten der Europäischen Zentralbank niedriger als in jedem anderen Euroland. Das Medianvermögen beträgt hierzulande 51.400 Euro – in Zypern 266.900 Euro." Mehr hier. Es wird noch schlimmer: Mit "Arme Deutsche" ist ein Kommentar im Dickschiff unter den deutschen Leitmedien betitelt.  Der Autor holt richtig weit aus: "Es sind unglaubliche Fakten: Gemessen am mittleren Haushaltsvermögen liegt Deutschland nicht irgendwo im Mittelfeld, sondern ganz unten. Die veröffentlichte Meinung zeichnet stets das gegenteilige Bild. Warum?" Mehr hier. Übel, welcher Eindruck da vermittelt werden soll. Die F.A.Z. bleibt weiter ihrer Linie treu. Der gleiche Autor darf an anderer Stelle noch einmal vom Leder ziehen. Seine Analyse ist eindeutig tendenziös: "Reiche Zyprer, arme Deutsche" heißt es da.  "Die Deutschen sind längst nicht so reich, wie immer gesagt wird. Auch deutsche Politiker wollen das nicht wahrhaben. Die Vermögenslage wird fleißig umgedeutet. Skandalös aber ist, dass die EZB die Daten zurückgehalten hat, bis die „Rettung“ Zyperns beschlossen war." Mehr hier. Skandalös ist dieser Beitrag, der die Daten der EZB in eine bestimmte Richtung "über-interpretiert". Erst zum Ende, in seinem Fazit, bemüht sich der Autor wenigstens um ein wenig Sachlichkeit. Die F.A.Z. ist aber nicht alleine. Mitten hinein in die Diskussion um Zypern titelt die SZ ähnlich: "Zyprer reicher als Deutsche". In der Zusammenfassung heißt es: "Gerade erst sind Zypern umfangreiche Hilfen aus dem Rettungsfonds der EU zugesichert worden. Eine neue Studie der Europäischen Zentralbank zeigt jetzt aber auch, dass viele Bürger auf Zypern sehr vermögend sind - und zwar in einem Maße, das neue Debatten über allzu hohe Bürden für Deutschlands Steuerzahler erwarten lässt." Mehr hier. Natürlich werden diese "neue Debatten" überhaupt erst durch diese Beerichterstattung erzeugt. Geht es vielleicht demnächst auch wieder um Griechenland? Der SPIEGEL-Beitrag lässt das auf den ersten Blick vermuten: "Vermögen in Griechenland größer als in Deutschland". Tatsächlich wird aber im Text selbst deutlich auf die Schwächen der Daten hingewiesen: "Sind die Bürger in Krisenländern wie Griechenland reicher als die Deutschen? Diesen Eindruck erweckt eine Studie der Europäischen Zentralbank. Der Vermögensvergleich in den Euro-Ländern hat aber gleich mehrere methodische Mängel." Mehr hier. DIE WELT beliefert direkt und ohne Umschweife die heimischen Stammtische: "Wer Solidarität einfordert, muss zuerst liefern" fordert das Regierungs-Organ. "Die Zentralbank hat die Vermögen der Menschen in den Euro-Staaten untersucht. Auch wenn eine methodische Kritik am Vorgehen berechtigt ist – für neue Hilfsprogramme gibt es wichtige Lektionen." So die Zeitung. Mehr hier. Was das soll? "Auch in den überschuldeten Staaten ist teilweise erhebliches privates Vermögen vorhanden. Das muss zur Sanierung der dortigen Staatshaushalte in gewissen Maße herangezogen werden, ehe Steuerzahler aus anderen Ländern einspringen." Auf diese Weise wird Europas neuen Rettungsplänen in die Hände gespielt. Rettungspläne, mit denen Staaten und Menschen ruiniert, Banken in Deutschland, Frankreich und Großbritannien vorläufig gerettet werden. Die beiden folgenden Grafiken offenbaren die methodischen Schwächen der EZB-Daten, finden wir: 







In Österreich titelt der STANDARD "EZB: Vermögen in Österreich besonders ungleich verteilt". Es ist ein anderer Ansatz, wie man mit der Studie umgeht: "Die Diskrepanz beim Nettovermögen ist nur in Deutschland noch größer, heißt es in einer Studie der europäischen Zentralbank." Nicht, ohne auch auf die reichen Zyprer und Luxemburger hinzuweisen: "Im Rückblick verwundert das Zaudern nicht mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll mit der Veröffentlichung ihrer breit angelegten Vermögensstudie extra gewartet haben, bis das Hilfsprogramm für den Krisenstaat Zypern besiegelt war – nun kann man sich ausmalen, warum. Laut den neuen Daten stellen die (Wahl-)Zyprioten nach den Luxemburgern die im Schnitt zweitreichste Population im Euroraum." Mehr hier. Direkt zur EZB-Studie geht es hier. Die Grafiken stammen aus dem Beitrag: 








Gesellschaft : Pulverfass Mittelschicht
(presseurop.eu) Unsere Politiker haben noch nicht realisiert, dass sie auf einem Pulverfass sitzen, warnt der polnische Philosoph Marcin Król. Denn die Mittelschicht, der man jegliche Aussicht auf sozialen Aufstieg verweigert, könnte als letzten Ausweg die Revolution wählen, um sich Gehör zu verschaffen. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswerter Beitrag. Der Autor schreibt einige kluge Dinge. 


"In Italien ist eine Revolution wie in Ägypten im Gange"
(format.at) Beppe Grillos "Fünf Sterne" ist die drittstärkste Kraft im italienischen Parlament, doch der Gründer beharrt auf seinem Veto gegen eine Allianz mit etablierten Parteien zur Regierungsbildung in Rom. "Wir verbünden uns mit niemandem, wir wollen alle Politiker nach Hause schicken", erklärt Beppe Grillo im Interview mit der Gratiszeitung "Metro" am Mittwoch. In Italien sei eine Revolution wie in Ägypten im Gange. Mehr...

Kommentar: Eine glückliche Fügung, dass von Italien niemand zur Zeit Notiz nehmen muss. Sonst kann man sich nur wünschen, dass die Revolution in Italien nicht wie die in Ägypten endet: blutig. 


Krise: Belgien gerät in Turbulenzen 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die hohe Verschuldung Belgiens und die geringe Wettbewerbsfähigkeit gefährden die Entwicklung des Landes, warnt die EU-Kommission. Zudem sei der Bankensektor des Landes stark angeschlagen. Mehr...

Kommentar: Es werden die üblichen Schwächen festgestellt. Einer der nächsten Kandidaten für ein Hilfspaket von EU/EZB/IWF. Und für das neue Rettungsmodell der EU. Schliesslich stehen die Belgier an 4. Stelle im Vermögensranking, behauptet wenigstens die neue EZB-Studie.  


Raiffeisen-Chef Stepic: "Rückzahlung ist Rückzahlung"
(wirtschaftsblatt.at) Die Raiffeisen Bank International wird auch heuer wieder eine Milliarde Euro für Kreditrisiko vorsorgen müssen. Kapitalerhöhung bleibt ein Thema.  Der Chef verzichtet auf einen Teil seiner Gage. Mehr...

Kommentar: Wir bitten unsere österreichischen LeserInnen um Verständnis, aber wir halten die Banken im Land für hochgradig anfällig. Die RBI gehört definitiv dazu. Es kommt nicht zu der von den Raiffeisen-Bankern für das zweite Halbjahr erwarteten Erholung in Osteuropa, "in der österreichische Banken zu den wichtigsten Kreditgebern gehören", wie es im Beitrag heißt. Außerdem gibt es Ärger mit Slowenien, das Land ist am Ende. Selbst wenn es dort nicht um grosse Summen geht: Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Dividendenerhöhung? Mehr Boni? Peanuts im Vergleich zu den Schwierigkeiten, die wir erwarten. 


Spanien: Industrieproduktion mit -8,5% zum Vorjahresmonat
(querschuesse.de) Das spanische Statistikamt INE berichtete heute die Daten zum Output der Industrieproduktion für den Monat Februar 2013. Der Output der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) sank diesmal um kräftige unbereinigte -8,5% zum Vorjahresmonat. Dies war der schwächste Output in einem Februar seit Februar 1993! Nur um die Anzahl der Arbeitstage bereinigt, ging es um -6,5% zum Vorjahresmonat abwärts. Spanien wandelt bereits ganz offen im Griechenland-Style, nur dass in Spanien die volkswirtschaftliche Dimension eine ganz andere ist. Der Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität ist atemberaubend und mit jeder getroffenen Maßnahme, der schwäbischen Hausfrau Denke entsprungen, wurde der Abwärtsdrall der spanischen Volkswirtschaft noch verstärkt, was punktgenau die Prognosen zur Entwicklung auch in Spanien bei Querschuesse widerspiegelt! Mit der Kontraktion der Einkommen und des Konsums, schrumpfen auch die Investitionen und in Folge kollabiert eben auch die Produktion. Triviale volkswirtschaftliche Zusammenhänge, wie Ausgaben = Produktion = Einnahmen, lassen sich eben nicht aushebeln und deren Missachtung wird mit gnadenloser Rezession bestraft! Die Folgen sind klar, Massenarbeitslosigkeit, Pleiten von Unternehmen und Selbstständigen, die Explosion der Kreditausfälle, zunehmende Armut und gesellschaftlicher Verfall und letztlich das Abschmelzen der letzten Schuldentragfähigkeit der Volkswirtschaft als Ganzes! Mehr...

Kommentar: Wieder eine hervorragende Arbeit von Steffen Bogs. Leider ist auch sein Fazit ehrlich - niederschmetternd: "Um die hohe Nettoauslandsverschuldung Spaniens nachhaltig zu drehen müsste Spanien mehr als ein Jahrzehnt, je Jahr mehr als 50 Mrd. Euro Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, vor allem mittels der Produktion von handelbaren Waren und Güter, unter der aktuellen Agenda der Wirtschafts- und Finanzpolitik ein unmögliches Unterfangen und selbst unter idealen Voraussetzungen ein unrealistisches Szenario nicht nur in diesem Zeitfenster! Spanien ist als Volkswirtschaft erledigt, die Rezession hat das Land fest im Griff, es drohen im laufenden Jahr neue Rekorde bei der Arbeitslosigkeit und bei den Kreditausfällen. Das Korsett der gemeinsamen Währung, die Austerität und damit die eingeleiteten destruktiven, prozyklisch wirkenden Maßnahmen sowie die Folgen der immer noch unverarbeiteten Exzesse am Immobilienmarkt und im Bankensektor sind der Garant dafür, dass der Weg der spanischen Volkswirtschaft in Richtung Kollaps und totalen Zahlungsausfall fest im Visier bleibt!" So sieht das Zwischenergebnis des europäischen Krisenmanagements unter deutscher Führung aus. "Herzlichen Glückwunsch" an die Eiserne Kanzlerin aus der Uckermark. Als Lohn gibt es hervorragende Umfragewerte und eine regierungsfähige Mehrheit. Die deutschen Hurra-Patrioten wählen sich wieder einmal ihre Schlächter selbst. Die folgenden Grafiken stammen aus dem Beitrag und zeigen die ganze Trostlosigkeit


    







EU-Kommission: Kredite für Portugal und Irland strecken
(cash.ch) Die EU-Kommission will den Euro-Krisenländern Irland und Portugal längere Laufzeiten für ihre Hilfskredite gewähren. Trotz jüngster Unsicherheiten über den Sparkurs in Portugal sprach sich EU-Währungskommissar Olli Rehn am Mittwoch in Brüssel für diese Maßnahme aus. Die Euro-Finanzminister könnten darüber schon bei ihrem Treffen an diesem Freitag (12.4.) in Dublin entscheiden. "Es ist wichtig, dass die Eurogruppe eine unterstützende Entscheidung treffen kann", sagte Rehn. Mehr...

Kommentar: Es ist nicht weit her, mit Europas Musterschülern. Das muss jetzt auch die EU-Kommission erkennen. Tolle Idee, die Kredite zu strecken. Vor allen Dingen so zielführend.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.