Sonntag, 14. April 2013

Standpunkt 603 - Nachrichten-Ticker, 12.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Deutschland: Eurobonds oder Euro-Austritt – Eurozone – Europa-Krise – EU-Bankenrettungsplan – Spanien – "Ponzi Scheme"


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir haben mit den Arbeiten für das neue Update begonnen und hoffen weiter auf Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch nützliche Kritik. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung!


Hinweis: In unserem "Standpunkt 600 - Nachrichten-Ticker" haben wir uns unter der Überschrift "Auf ein Wort!" ausführlich mit den Gefahren des neuen europäischen Rettungsmodells à la Zypern für jeden von uns beschäftigt. Der Beitrag ist nach wie vor brandaktuell. Es besteht Handlungsbedarf! Wer ihn noch nicht gelesen hat, empfehlen wir dringend es hier nachzuholen


Nun mal halblang, Mister Soros!
(welt.de) Die Finanzwelt lauscht gespannt den Empfehlungen des Großinvestors Soros. Doch sie sollte sich nicht ausgerechnet von dem Mann belehren lassen, der den Euro erst wirklich nötig gemacht hat. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Vor einigen Tagen hat George Soros mit einigen provokanten Aussagen zur deutschen Rolle in der europäischen Krise erneut in die Diskussion um eine Lösung der Krise eingegriffen. "Deutschlands Entscheidung" betitelt "project-syndicate.org" einen Beitrag von Soros. Er schreibt eingangs: "Die Eurokrise hat die Europäische Union schon jetzt von einer freiwilligen Assoziation gleichberechtigter Staaten in eine Gläubiger-Schuldner-Beziehung verwandelt, aus der es so leicht kein Entkommen gibt. Die Gläubiger drohen hohe Summen zu verlieren, sollte ein Mitgliedstaat die Union verlassen, doch die Schuldner werden einer Politik unterworfen, die die Depression, in der sie sich befinden, vertieft, ihre Schuldenlast verschlimmert und ihre untergeordnete Position zum Dauerzustand macht. Infolgedessen droht die Krise nun, die Europäische Union zu zerstören. Dies wäre eine Tragödie von historischem Ausmaß, die nur mittels deutscher Führung verhindert werden kann." Mehr dazu hier. In diesen Tagen etwas von deutscher Führung in der Krise zu lesen, jagt uns den Angstschweiss auf die Stirn. War es doch bisher diese Führung, die die Krise verschlimmert hat, statt sie zu lösen. Soros will, dass Deutschland führt indem es sich entscheidet, für oder gegen Gemeinschaftswährung und die EU. Sich dafür zu entscheiden bedeutet für ihn, endlich gemeinsam mit den übrigen Eurozonen-Staaten Eurobonds auszugeben. Dagegen sein hieße, die Gemeinschaftswährung zu verlassen. Soros beschreibt das Für und Wider, nennt gute Gründe für beide Alternativen, unterschlägt jedoch die wichtige Tatsache, dass die Bundesregierung wegen der heimischen Pleite-Banken einen Euro-Austritt nicht ernsthaft in Erwägung ziehen kann. Alleine kann sich Deutschland seine marode Finanzindustrie nicht leisten. Selbst dann nicht, wenn wie erwartet die neue D-Mark massiv aufwertet. Die Schulden sind gigantisch. Deshalb muss Angela Merkel früher oder später ihren Widerstand gegen Eurobonds aufgeben (ohne dass sie sich das Leben nimmt!). An anderer Stelle wird deshalb schon "befürchtet", "Merkel wird Eurobonds nach der Wahl zustimmen" schreibt "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de". Weiter heißt es: "Nach dem Vorschlag von George Soros, Eurobonds auch ohne Deutschland einzuführen, erwarten Beobachter, dass Angela Merkel nur auf Zeit spielt: Die Kanzlerin fürchtet einen Euro-Austritt und könnte nach der Wahl zähneknirschend der Vergemeinschaftung der Schulden in Europa zustimmen." Mehr dazu hier. 

Zeitgleich ist der Beitrag von Soros vom "SPIEGEL" unter der Überschrift: "Falls jemand den Euro verlässt, sollte es Deutschland sein" veröffentlicht worden: "Die Euro-Krise verschärft sich und droht die gesamte Europäische Union auseinander zu reißen. Das befürchtet Investorenlegende George Soros. In einem Essay für SPIEGEL ONLINE fordert er Deutschland dazu auf, gemeinsame Staatsanleihen für die Euro-Zone zuzulassen - oder den Euro aufzugeben." Mehr dazu hier. Kommentiert wird das Ganze von Wolfgang Münchau: "Mit Deutschland ist kein Euro-Staat zu machen". Einleitend schreibt er: "Die Bundesrepublik muss raus aus dem Euro, um den Rest der Währungsunion zu retten: Großspekulant George Soros hat recht mit dieser Forderung. Denn in der derzeitigen Konstellation zwingt Deutschland den übrigen Euro-Staaten sein Wirtschaftsmodell auf. Das kann auf Dauer nicht gutgehen." Mehr dazu hier. Wie immer vertritt Münchau seinen Standpunkt sehr eloquent und mit neuen Argumenten. Aber auch er unterlässt es tunlichst, sich über die Situation Deutschlands nach dem Austritt weiter Gedanken zu machen. Zum Beispiel, was kostet der Spaß? Eine Frage, die auch die Euro-Gegner in Deutschland einfach ignorieren. 

Eine Antwort darauf hat die "Frankfurter Rundschau" versucht zu finden und titelt vielversprechend "Das würde der Euro-Ausstieg kosten". Einleitend schreibt die Zeitung: "Kritik am Euro ist so alt wie die Währung selbst. Nun fordert die 'Alternative für Deutschland' die Rückkehr zur D-Mark. Doch die Kosten des Euro-Austritts wären gigantisch." Mehr dazu hier. Belastbare Zahlen nennt der Autor nicht, aber er beschreibt nachvollziehbar die Risiken. Unterschlägt dabei leider, wie alle anderen, die Kosten für die Stabilisierung der heimischen Pleite-Banken. Andererseits enthält der Beitrag bemerkenswerte Informationen über den Nutzen des Euros für Deutschland, die von den Euro-Gegnern gerne unterschlagen oder umgedeutet werden. Alleine deshalb schon lesenswert. 

Einen anderen Ansatz verfolgt Österreichs "DIE PRESSE". Die stellt die Frage "Nord-Euro – eine gute Idee?" und lässt Stefan Homburg, einen neoliberalen Hardliner und bekennenden Euro-Gegner unter den deutschen Ökonomen, darauf antworten. Sein Fazit ist vorhersehbar: "Der Vorschlag eines Nord-Euro mag politisch korrekt sein: Er erteilt der Eurozone, die die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat, eine Absage, vermeidet aber eine Renationalisierung. Inhaltlich ist diese Idee aber eindeutig abzulehnen; sie würde aus denselben Gründen scheitern wie die Eurozone selbst. Schweden und Dänemark, diese beiden kleinen und hochintelligenten Länder, wissen ganz genau, warum sie ihre nationalen Währungen behalten wollen. Ein Land wie Deutschland muss die schmerzliche Erfahrung einer gescheiterten Währungsunion erst noch machen." Mehr dazu hier. So, so, Dänemark und Schweden "hochintelligente" Länder. Was für ein Blödsinn. Homburg sollte sich erst die Situation in beiden Ländern betrachten: Dänemark hängt bereits am Tropf der EU/EZB und Schweden kämpft schon längst mit einer Immobilien- und Bankenkrise. Will nur niemand zur Kenntnis nehmen. 

Natürlich kommt aus Deutschland sofort massive Kritik an der Idee von den Eurobonds. Der "SPIEGEL" betitelt ein Interview mit Holger Schmieding "George Soros redet völligen Unsinn". Der meint, "Euro-Bonds setzten fatale Anreize und könnten zur nächsten Krise führen." Mehr dazu hier. Schmieding sieht die Euro-Krise deutlich entschärft. Ein Hardliner, der den brutalen Verhältnissen in den Krisenstaaten das Wort redet. Und die Bedingungen der Eurobonds nicht verstehen will. Genauso ein Beitrag bei "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de", überschrieben mit "Eurobonds: Deutschland wäre der größte Verlierer in Europa". Dort wird behauptet: "Die Einführung von Eurobonds würde Deutschen 200 Milliarden Euro an Mehrkosten bescheren. Frankreich und Luxemburg kämen glimpflich davon, auch für Österreich und die Niederlande wären Eurobonds eine teure Angelegenheit." Mehr dazu hier. Was da behauptet wird ist nicht stichhaltig.

Schon seit Mai 2010(!), am Anfang der Euro-Krise, liegt ein durchdachtes Konzept für Eurobonds vor, dessen Einzelheiten die Entwickler, Jaques Delpla und Jakob von Weizsäcker, für die Friedrich-Ebert-Stiftung im Juni 2011 unter dem Titel "Eurobonds - Das Blue Bond Konzept und seine Implikationen" noch einmal ausführlich dargelegt haben. Die Autoren wollen mit ihrem Vorschlag genau das erreichen, was die Gegner den Eurobonds von vorneherein absprechen: "Im Mai 2010 haben wir einen Vorschlag für eine neue Schuldenarchitektur  der  Eurozone  gemacht,  der  eine Reihe von Lehren aus der gegenwärtigen Eurokrise zieht und die Einführung von Eurobonds vorsieht. Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind zwei zentrale Ziele für Staatsverschuldung in der Eurozone: i) die zinsgünstige Refinanzierung der Staatsverschuldung in der Eurozone am Finanzmarkt sowie ii) die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Staates der Eurozone für die eigene Staatsverschuldung im Sinne der no bailout-Klausel, um fiskalische Disziplin glaubwürdig zu sichern." Das ist eindeutig, oder? Das Konzept der Herren Delpla/von Weizsäcker ist unschlagbar. Bisher jedenfalls. Einzelheiten gibt es hier. Außerdem in einem Interview, das vom "manager magazin" am 16.12.2010 unter dem Titel "Euro-Bond-Erfinder von Weizsäcker - Teilkasko für Europa" veröffentlicht worden ist. Einleitend heißt es dort: "Auf dem aktuellen EU-Gipfel will Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht einmal darüber reden. Doch die Diskussion um Gemeinschaftsanleihen zur Lösung der Euro-Krise reißt nicht ab. Warum solche Euro-Bonds gerade den Deutschen nützen würden, erklärt deren Erfinder Jakob von Weizsäcker." Mehr dazu hier. Die Öffentlichkeit hat damals kaum Kenntnis davon genommen. Ökonomen und Politiker in Deutschland waren kategorisch dagegen. Uns ist auch klar, warum. Die Voraussetzung funktionierender Eurobonds ist die Restrukturierung der Finanzindustrie und die Reform der Finanzmärkte. Versprochen seit 2008, bis heute traut sich die Politik da nicht ran. Es gibt einen guten Grund: Wohin mit dem Müll aus den Bankbilanzen? 


"Die Euro-Zone funktioniert nicht"
(manager-magazin.de) Nach Monaten trügerischer Ruhe ist die Krise zurück. Warum? Weil die Konstruktionsfehler der Währungsunion längst nicht behoben sind. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wie oft hat man das nun schon gehört, die Geschichte von den Konstruktionsfehlern der Gemeinschaftswährung? Seit ihrer Gründung sind sie bekannt und wird über sie berichtet. Gekümmert hat das niemand, eher im Gegenteil: Neue Fehler sind hinzugekommen, denken wir nur an die Aufnahme neuer Mitglieder in die Eurozone oder die frühen Verstösse Deutschlands und Frankreichs gegen die Defizitkriterien, die trotz erforderlicher Sanktionen für beide Länder folgenlos geblieben sind. Andere haben sich später daran ein Beispiel genommen. Die Gemeinschaftswährung war, von Anfang an, irgendwann in der Zukunft wird es auch für das deutsche "BILD"-ungsbürgertum nicht mehr zu leugnen sein, primär im Interesse Deutschlands. Dazu muss man nur aktzeptieren, dass die dadurch entstandene Wirtschaftsmacht Europas vor allem der deutschen Handelsbilanz genutzt hat. Natürlich haben auch Anpassungen im eigenen Land dazu geführt, Stichwort "Lohnminusmeister", diese Spitzenposition sehr schnell zu erreichen. Als Beispiel verweisen wir in diesem Zusammenhang auf einem Beitrag bei "spiegel.de", vom 15.12.2010, Titel "Gehältervergleich der Industriestaaten - Deutschland ist Lohnminus-Meister". Dort heißt es weiter: "In den meisten Industriestaaten sind die Löhne in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Nicht so in Deutschland: Hier schrumpfte das Durchschnittsgehalt um 4,5 Prozent. Damit liegt die Bundesrepublik bei einem Vergleich der Internationalen Arbeitsorganisation auf dem letzten Platz." Mehr dazu hier. Die folgende Grafik stammt aus diesem Beitrag: 




An dieser Tatsache gibt es nichts herumzudeuteln. Die Risiken aus dieser Entwicklung wurden durch fest eingeplante Leistungsbilanzüberschüsse immer schon den Handelspartnern aufgebürdet. Daraus ziehen wir den Schluss, dass Deutschland überhaupt kein Interesse daran hatte, die Konstruktionsfehler, wir nennen es den "Murks von Maastricht", zu korrigieren. Politik und Wirtschaft hierzulande lebten zu gut damit. Niemand hat je darüber nachgedacht, dass es zu Ereignissen kommen kann, die aus dem "Murks von Maastricht" eine tödliche Bedrohung für die Gemeinschaftswährung machen. 

Diese Situation ist mittlerweile durch die Folgen der Lehman-Pleite 2008 eingetreten, die schlagartig zu einer Bankenkrise in den USA und Europa geführt hat. Die "Heimatländer" der betroffenen Banken haben dann zur Rettung ihrer Banken milliardenschwere Hilfen aufgeboten und dadurch ihre Staatsschulden dramatisch erhöht. Die Folgen sind bekannt. Aus der Bankenkrise ist eine Staatsschuldenkrise geworden und der "Murks von Maastricht" verhindert vernünftige und schnelle Lösungen. Wieder ist es Deutschland, das die Korrektur der Konstruktionsfehler verhindert. Dazu muss man wissen, dass dieser Murks nicht am Küchentisch des damaligen französischen Präsidenten Mitterrand, sondern bei der Bundesbank in Frankfurt erdacht worden ist, um den Euro noch in allerletzter Minute zu verhindern. Die Bundesbank-Betonköpfe waren der Meinung, dass durch diese harten Kriterien die meisten Staaten gegen die Einführung des Euro stimmen würden. Ein Trugschluss, wie sich sehr schnell herausstellte. Für deutsche Ohren klingt das nach Verschwörung, ein Beweis ist auch schwer zu führen. Trotzdem bleiben wir dabei. Irgendwann wird diese Wahrheit ans Licht kommen, davon sind wir überzeugt. Ein wenig mehr Licht in die damalige Haltung der Bundesbank, bringt nach unserer Auffassung Helmut Schmidt's "Offener Brief an Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer" vom 08.11.1996: "Die Bundesbank - kein Staat im Staate". Aus diesem Brief übernehmen wir einen kleinen Auszug hierher, der unsere Auffassung unterstreicht: "Außerdem haben Sie öffentlich wiederholt zum Ausdruck gebracht, ohne eine noch nicht hergestellte politische Union Europas bliebe die gemeinsame Währung in ihrer Funktionstüchtigkeit gefährdet. Der deutsche Zuhörer und Leser hat Ihre Bemerkungen und die gleichgerichteten Einlassungen einiger Ihrer Kollegen in der Bundesbank dahin verstehen müssen, daß es Ihnen unter den heutigen Umständen lieber wäre, die gemeinsame Eurowährung käme nicht zustande. Wie immer positiv Ihre theoretische Vorstellung vom europäischen Integrationsprozeß auch sein mag - Ihre tatsächliche Wirkung auf die deutsche öffentliche Meinung ist negativ. Ihre Wirkung im europäischen Ausland liegt auf anderer Ebene. Weil Sie in den ausländischen Zeitungen deutlich häufiger und deutlicher akzentuiert vorkommen als zum Beispiel Außenminister Kinkel, gewinnt man in Frankreich, Italien, England und anderswo den Eindruck, Sie seien der Herr des europäischen Verfahrens. Und die Insistenz und Penetranz Ihrer Reden machen nicht nur Sie selbst unbeliebt - was Sie ertragen können -, sondern machen auch Deutschland insgesamt unbeliebt - was wir nicht verdient haben und nur schlecht ertragen können. Vielen unserer Nachbarn erscheint das von Ihnen vertretene Deutschland als herrschsüchtig und als zu mächtig. (...) Nun will Finanzminister Waigel durch einen "Stabilitätspakt" zwischen den Teilnehmerstaaten noch auf den Maastrichter Vertrag draufsatteln und quasi die Konvergenzkriterien verewigen, und zwar mit der Androhung von Geldstrafen für Staaten, welche die Kriterien überschreiten. Deutsche Großmannssucht! Unsere europäischen Partner sind über Waigels Druck schon heute verärgert, aber Sie selber geben öffentlich zu erkennen, daß Ihnen Waigel noch keineswegs weit genug geht. (...) Es ist nicht angenehm, wenn einer vom De-facto-Währungskönig herabgestuft werden soll zum Filialdirektor der Europäischen Zentralbank. Die Wirkung Ihrer Argumente läuft darauf hinaus, solches zu verhindern." Mehr dazu hier. Helmut Schmidt argumentiert gewohnt stichhaltig.


Gefährliche Ansteckungsrisiken
(fuw.ch) "Der Euroaustritt eines Landes wäre ein Experiment mit gewaltigen Risiken für das Finanzsystem." Wegen der Ansteckungsgefahr muss die EU alles tun, um das problematische Projekt der Eurozone zu retten. Mehr...

Kommentar: Ein bemerkenswertes Statement unserer Schweizer Nachbarn, dem wir uns vorbehaltlos anschließen. Der Autor sieht "verheerende Folgeeffekte" und schreibt dazu: "Die Ansteckungseffekte auf den Finanzsektor innerhalb des austretenden Landes wären verheerend. Global gesehen noch bedrohlicher wäre das Signal an andere Krisenländer. Fällt mit dem Euroaustritt eines Landes dieses letzte Tabu, dann wären Bankenstürme eine rationale Reaktion der dortigen Einleger, die das Gleiche in ihren Ländern befürchten müssten. Die folgenden Bankenzusammenbrüche könnten über die gegenseitige Verflechtung zu einer europaweiten Systemkrise führen, die die Finanzkrise 2008 vergleichsweise harmlos erscheinen ließe. Selbst wenn ein starkes Land wie Deutschland austreten würde, wären die Risiken für das Finanzsystem aus ähnlichen Gründen beträchtlich. Das Damoklesschwert einer verheerenden zweiten Bankenkrise hängt seit drei Jahren über der Eurozone. Angesichts der drohenden Ansteckungseffekte ist die bisherige, auf die Erhaltung der Eurozone ausgerichtete Strategie trotz aller Kosten angemessen. Bevor das europäische Bankensystem nicht in einem gesünderen Zustand ist, wären Euroaustritte oder gar eine Auflösung des Euroraums ein zu unkalkulierbares Risiko. Damit ist die europäische Politik letztlich in der unmöglichen Situation, wegen Ansteckungsrisiken im Bankensektor ein ökonomisch problematisches Projekt wie die Eurozone, koste es, was es wolle, in der heutigen Form am Leben erhalten zu müssen. Gerade vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Fokus der Regulierung auf die Erhöhung der Krisenresistenz des Bankensystems durch deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen mit Nachdruck zu unterstützen." 


Ökonom Phelps: "Thatchers Reformen in Europa akut benötigt"
(derstandard.at) "Eine viel scharfsinnigere Denkerin als Reagan." Thatcher hat den Unternehmergeist beflügelt, ist Edmund Phelps überzeugt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Phelps ist Nobelpreisträger. Ihn zu kritisieren ist Majestätsbeleidigung. Trotzdem halten wir seinen Hinweis auf die Reformen von Maggie Thatcher für Nonsens. Es steht ihm frei, sich an Thatcher's Politik und ihrer Scharfsinnigkeit zu delektieren. Für Großbritannien war sie ein großes Unglück. Ihre Reformen in der heutigen Krise in Europa anzuwenden, wäre tragisch. Nach unserer Ansicht nimmt sich Angela Merkel die Eiserne Lady bereits zum Vorbild. 

Anlässlich des Todes von Margaret Thatcher haben sich die Medien gründlich mit ihrer politischen Leistung beschäftigt. Wir möchten unseren LeserInnen eine kleine Auswahl bieten. Beginnen wir mit dem "HANDELSBLATT". Das neoliberale Kampfblatt beschäftigt sich mit ihrem Wirtschaftsmodell, betitelt seinen Beitrag mit "Das Vermächtnis der Eisernen Lady" und schreibt zusammenfassend: "Margaret Thatcher hat eine neue Ära des Kapitalismus begründet. Die Zauberworte: Schlanker Staat und Deregulierung. Ein Irrweg, wie die Finanzkrise zeigte. Das Modell Thatcher ist vor der Person Thatcher gestorben." Mehr dazu hier. Der Schweizer "Tages-Anzeiger" titelt "Die Briten bezahlten einen hohen Preis" und findet: "Margaret Thatcher ist die Mutter der neoliberalen Revolution der 1980er-Jahre. Eine Halbgöttin unter den Anhängern von Hayek und Friedman. Doch ihre Bilanz war verheerend." Mehr dazu hier. In dem Beitrag "Die Lady, durchs Fernglas gesehen"  beschäftigt sich "heise/telepolis.de" sehr ausführlich mit der Frage "Margaret Thatcher: Was hat sie erreicht mit all ihrer Durchsetzungskraft?". Einleitend heißt es dort: "Die Wendung "The lady's not for turning", ironisch anspielend auf ein Theaterstück der Zeit und von einem Redenschreiber Margaret Thatcher kongenial untergelegt, ist in Großbritannien ikonisch geworden. Den Starrsinn zur Tugend machen musste eine Frau, die zu ihrer Zeit im old boys' club der Torys aufsteigen wollte. Etwas anderes als unbedingte Sicherheit und mit dem Kopf-durch-die Wand-Mentalität durfte man in solch feindlicher Umgebung nicht ausstrahlen. Warum vielen ihre Politik noch immer als die Rettung des Vereinigten Königreich vor dem Niedergang und als Vorbild für Nachfolger in ihrem und anderen Ländern gilt, ist allerdings rätselhaft." Mehr dazu hier. Sehr fundiert geschrieben. Noch ein Blick in die Schweiz. "WOZ Die Wochenzeitung" titelt archaisch: "Möge die Eiserne Lady in Frieden rosten". Die Kritik ist vernichtend: "Keine andere politische Figur Europas hat in den letzten Jahrzehnten das Denken weit über das eigene Land hinaus so geprägt wie Margaret Thatcher. Und so viel Verheerendes angerichtet." Mehr dazu hier. Abschliessend einen Beitrag des "F.A.Z.-Feuilletons" zum Tod von M. Thatcher. Überschrieben mit "Die Reizfigur!" versucht sich die Autorin an einer objektiven Bewertung: "Man spottete über sie in Büchern, Theaterstücken und Filmen: Margaret Thatcher polarisierte Großbritannien wie sonst niemand. Mit ihr vergeht auch ein Feindbild." Mehr dazu hier.


Wer zockt, muss zahlen
(sueddeutsche.de) Irische, griechische, spanische Banken - sie alle wurden mit dem Geld der europäischen Steuerzahler gerettet. Seit der Krise in Zypern ist damit Schluss, nun werden Aktionäre und Investoren zur Kasse gebeten. Wer mit Bankgeschäften Geld verdienen will, muss jetzt auch für die Risiken zahlen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Schon die Überschrift ist Mist. Gezockt wird von den Banken und den Spekulanten, jedoch kaum von den Sparern. Aber man muss schon alle über einen Kamm scheren, um vor der Öffentlichkeit verbergen zu können, um was es in Wahrheit geht: Die Rettung der systemrelevanten europäischen Banken, sonst nichts. Auch bei dieser Strategie wird es die Steuerzahler treffen. Diejenigen, die gleichzeitig Sparer sind, trifft es dann sogar doppelt. Endlich haben die Krisenmanger einen Weg gefunden, alle ins Boot zu holen. Und die Öffentlichkeit schaut zu und schweigt. Die Leitmedien haben sich auf diese Linie festgelegt, unterstützen mit ihrer Berichterstattung offensiv diese verfehlte Krisenpolitik. Dieser Beitrag der SZ ist ein Beispiel dafür. Ist das Ahnungslosigkeit oder Kalkül? Auf jeden Fall ist es schändlich. 

In diesem Zusammenhang hält der "Deutsche Industrie- und Handleskammertag" einen "guten" Tip bereit. "DIHK warnt Unternehmen: Bonität der Hausbank prüfen!" meldet "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de" und schreibt weiter: "Der DIHK rät allen deutschen Unternehmen zur Vorsicht bei der Auswahl der Hausbank. Man solle die Bankverbindungen regelmäßig prüfen und außerdem überprüfen, ob die Bonität der Bank noch in Ordnung ist. Die deutschen Unternehmen fürchten Zwangs-Zugriffe über das Wochenende im Fall einer Banken-Pleite." Mehr dazu hier. Eine Schnapsidee, praktisch ist eine solche Bonitätsprüfung gar nicht möglich.


Achtung: Kreditschock in Spanien!
(weitwinkelsubjektiv.com) Es ist schon traurig, wie derzeit in Deutschland einige Nebelkerzen (z.B. die EZB-Vermögensumfrage) den Blick auf das konjunkturelle Drama trüben, das sich vor unserer Haustür abspielt. Mehr...

Kommentar: Ein wichtiger Beitrag zu den Verhältnissen in Spanien. Es wird offenbar, wie sehr das Land durch die Austeritätspolitik ruiniert worden ist und wie stark die Wirtschaft betroffen ist. "Ohne Moos nichts los", diese alte Volksweisheit verschafft sich Geltung. Die folgenden beiden Grafiken stammen aus dem Beitrag: 


"Zu sehen ist die Veränderung der Nettoneuverschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen (Kreditimpuls = orange) sowie die private Binnennachfrage (blau), also ohne den Staat. Der Kreditimpuls gibt an, wie stark die Kreditexpansion die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft treibt oder wie stark der Schuldenabbau die Wirtschaftsentwicklung bremst." 





Alle 15 Minuten wird derzeit in Spanien eine Wohnung geräumt
(heise/telepolis.de) Die andalusische Regierung greift zu drastischen Maßnahmen: Sie bestraft Banken und Immobilienfirmen, wenn sie leerstehende Wohnungen nicht vermieten. Im Land kommt es zu neuen Protestformen, den "escraches", direkt vor den Häusern der Verantwortlichen für die Krise.
Mit schweren Geschützen schießt die regierende Volkspartei (PP) auf die von Räumung betroffenen Familien. Weil von Räumung Betroffene ihre Proteste auch vor die Haustüren derer tragen, die dafür verantwortlich sind, wirft die PP ihnen sogar "Nazi-Methoden" vor und versucht friedliche Proteste als gewalttätig zu diskreditieren. Das Ministerium für Staatsanwaltschaft hat die Staatsanwälte zu Ermittlungen angehalten, damit leistet man der Kriminalisierung der Proteste Vorschub. Im Gegenteil dazu setzt das südspanische Andalusien die Urteile des Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg und des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg um und sichert das durch die Verfassung garantierte Recht auf Wohnraum. Mehr...


Kommentar: Die spanische Regierung, die Knute von EU/EZB/IWF und Berlin im Nacken, drangsaliert das eigene Volk. Verletzt dabei sogar die Verfassung des Landes. Wer sich dagegen zur Wehr setzt, wird kriminalisiert. Auch eine Blaupause für die weitere Krisenpolitik in Europa. Das Volk wird gegen diese Regierung rebellieren und ihren Rücktritt erzwingen. Trotzdem halten wir es für möglich, dass diese konservative spanische Regierung im wahrsten Sinne des Wortes zu den Waffen greift: Gewalt gegen diese Demonstranten bis hin zum Schusswaffengebrauch. Auf jeden Fall ein lesenswerter Beitrag. 


The Entire Economy Is a Ponzi Scheme
(washingtonsblog.com) Bill Gross, Nouriel Roubini, Laurence Kotlikoff, Steve Keen, Michel Chossudovsky, the Wall Street Journal and many others say that our entire economy is a Ponzi scheme. Read more...

Kommentar: Ein Beitrag wirklich nur für Hartgesottene. Die auch dann nicht die Fassung verlieren, wenn sie die Wahrheit (er)kennen. Erklärt, worauf es ankommt. Ein Haufen (z. T. brisanter) Information - inklusive zahlloser Links - zu einem elementar wichtigen Thema. Es wird u. a. deutlich, warum hinter dem viele Hundert Billionen schweren Derivatehandel nur ein winzigkleiner Bruchteil werthaltiger Sicherheiten steht. US-Schätzungen glauben an 60 Milliarden US-Dollar zu 1.200 bis 1.400 Billionen US-Dollar Volumen. Leider alles nur in Englisch. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.