Freitag, 19. April 2013

Standpunkt 609 - Nachrichten-Ticker, 18.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Wochenend-Enteignung – Deutschland in der Europa-Krise – Arbeitsarmut in Deutschland – S&P versus Österreich – Zentralbanken – Hunger in Griechenland – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir haben mit den Arbeiten für das neue Update begonnen und hoffen weiter auf Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch nützliche Kritik. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung!


Wochenend-Enteignung für 9,3 Billionen Bank-Schulden?
(heise/telepolis.de) Zypern war die Blaupause, die EU-Kommission will die Sparer schnell für riesige Bankschulden zur Kasse bitten.
In Zypern wurde im Labor versucht, was in der EU nun der Normalfall werden soll. Nach Ansicht von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sollen Sparer übers Wochenende mit einer Zwangsabgabe belastet werden, wenn ihre Bank in eine Schieflage gerät. Der dauerhafte Rettungsfonds ESM soll erst einspringen, wenn die Einlagen nicht reichen. Der Versuch in Zypern, alle Sparer zur Kasse zu bitten, sollte eine Warnung sein. Da europäische Banken auf Verbindlichkeiten von mehr als 9 Billionen Euro sitzen, dürften im Ernstfall alle Spareinlagen belastet werden, weil die 700 Milliarden des ESM bei weitem nicht reichen werden. Dass Banken im angeschlagenen Spanien allein auf Schulden von 3,3 Billionen sitzen, sollte angesichts des ungebremsten Absturzes des Landes die Alarmglocken schrillen lassen. Einfachen Sparern werden dort längst höhere Verluste als Vermögenden in Zypern aufgebraten. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine gute Zusammenfassung dessen, was in Zypern getestet wurde und demnächst in der gesamten Eurozone zur Anwendung kommt. Das ist bitterste Medizin, für die kleinen und großen Sparer, aber auch für die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Ländern. Rezession und Depression  sind vorprogrammiert. Letztlich zahlen alle die Zeche, auch diejenigen die sich in Sicherheit wiegen, weil sie zu den rund 50% gehören, die über keinerlei Ersparnisse/Vermögen verfügen. Denen wird auf andere Art in die Tasche gegriffen. Durch Steuer- und Gebührenerhöhungen, Leistungskürzungen oder -verweigerungen, die Schaffung neuer Abgaben. Dieser Beitrag ist Pflichtlektüre, die Links inklusive. Nachdem die Eurozone "verarztet" wurde, geht es mit dem Rest weiter. Politik und Finanzindustrie bereiten gerade den größten Diebstahl aller Zeiten in Europa vor. Vergleichbares hat es bisher in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben. Schuld daran ist nicht der Euro, sondern gierige, kriminelle Banker und ihre korrupten politischen und akademischen Helfershelfer. Für diese Enteignung werden Verträge, Gesetze und Verfassungen gebrochen, die Souveränität der betroffenen Länder ignoriert, kurz, Jahrzehnte alte demokratische Rechte dem Erdboden gleich gemacht. Der Beitrag kommt am Ende zu folgendem Fazit: "Dass die Spareinlagen rechtlich abgesichert sind, sollte man nicht glauben. Oder wie kommentiert die Süddeutsche Zeitung: "Geld schlägt Recht". Sie hat auf ein 'hochgefährliches Prinzip' aufmerksam gemacht, dass sich längst durchgesetzt hat: 'Je mehr Geld im Spiel ist, umso weniger gelten rechtliche Regeln. Die ganze Euro-Rettung basiert auf Entrechtlichung. … Regeln, die aus der Not geboren wurden, sind angeblich für die nächste Not und die nächste Euro-Rettungsaktion schon nicht mehr geeignet, müssen angeblich der Not gehorchend gebrochen, oder, wie man beschwichtigend formuliert, großzügig ausgelegt werden.' Diese kritische Sichtweise auf die Vorgänge vermisste man allerdings völlig, als die Zeitung mit Barnier über die geplante Zwangsabgabe sprach. Dabei wurden dessen Beruhigungspillen kritiklos geschluckt und verbreitet."

Diese Enteignung findet mittlerweile interessenübergreifend breite Zustimmung. Selbst Deutschlands jüngste Partei, die "Alternative für Deutschland" (AfD) findet nichts dabei: "AfD-Chef Lucke: Zugriff auf Bank-Guthaben 'im Prinzip richtig'", verkündet er in einem Interview. Außerdem soll es im Verborgenen vorbereitet und ohne Vorankündigung über die Bühne gehen: "Der Parteichef der neuen Anti-Euro-Partei AfD, Bernd Lucke, ist dafür, dass 'große Einlagen' zur Rettung von Banken rasiert werden dürfen. Die Rettung der Banken sollte aber nicht 'vorab an die große Glocke' gehängt werden: 'So etwas muss man heimlich, still und leise vorbereiten und dann überraschend umsetzen.'" Mehr dazu hier.  


Eurokrise: Deutschland und die Münchhausen-Nummer
(diepresse.com) Deutschland dafür zu prügeln, dass es im Gegensatz zum „Club Med“ global mithalten kann, ist eigenartig. Wohin der von einigen Ökonomen bevorzugte französische Weg führt, kann man ja gerade mitverfolgen. Mehr...

Kommentar: Urschitz lässt es in seinem Beitrag so richtig krachen. Folgt quasi mit wehenden Fahnen dem deutschen Wirtschaftsmodell, dem er vorher noch schnell die Absolution erteilt hat, um es anschliessend als Beispiel gebend hochzujubeln. Im Vorbeigehen denunziert er gleich noch gegensätzliche Meinungen abfällig als "überwiegend links". Da traut sich keiner mehr zu widersprechen. Dabei vergleicht Urschitz (deutsche) Äpfel mit (französischen) Birnen. Kritisiert, was an Wirtschaftspolitik für die Eurozone von Anfang an vereinbart war, von Deutschland jedoch beharrlich ignoriert worden ist. Deutschland ist es NIE um die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone gegangen, sondern immer nur um den eigenen Vorteil. Lohnminusmeister darf es sich deshalb heute nennen, während im Gegenzug die heimischen Konzerne, allen voran die Autohersteller, schon seit Jahren regelmäßig Rekordgewinne melden, für die sie Niedrigsteuern zahlen. Während die Löhne und Gehälter in Deutschland auf dem Niveau von 1998 verharren. In Asien soll es wettbewerbsfähigere Unternehmen als in Frankreich, Spanien, Italien geben? Ein übler Scherz ist das. Ein Blick auf die riesige Kreditblase in China beispielsweise zeigt die Ursache. Maastricht hat solche Maßnahmen kategorisch verboten. Logisch, dass Deutschland seine Exporte zum Teil selbst finanziert. Die Nachfrage muss im Ausland überhaupt erst kreiert werden. Zwangsläufig packt Urschitz auch noch die Target 2-Keule aus. Dazu möchten wir auf den Beitrag  "Die SPD, Hans Werner Sinn und die Billionenfrage" von Jens Berger verweisen. Da steht alles drin, was man zu diesem Thema wissen muss. Mehr dazu hier. Mit seinen Erklärungen am Schluss des Beitrags wollen wir uns nicht beschäftigen. Die PIIGS-Staaten sind auf dem direkten Weg in die Depression, für irgendeinen Aufbau fehlt nicht Kreativität, sondern Geld und Deutschland ist gewiss nicht der größte Zahler. Glücklicherweise, denn das Land ist verarmt, wie die jüngste EZB-Studie glauben machen will.  


Arbeitsarmut ist in Deutschland gewachsen
(heise/telepolis.de) 2010 lag Deutschland EU-weit mit dem größten Anteil von Arbeitslosen, die armutsgefährdet waren, an der Spitze.
Die Bundesregierung feiert gerne ihre angeblichen wirtschaftlichen Erfolge, überhaupt bezeichnete sie die Kanzlerin als "die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung". Wirtschaftsminister Rösler legte noch einen drauf und verkündete zum Armutsbericht, den Deutschen gehe es so gut wie nie zuvor. Der Wirtschaft geht es nach der Bundesregierung gut, die Arbeitslosigkeit sei auf dem tiefsten Stand seit 1990, viel mehr Menschen hätten einen Job. Vom Auftürmen des Schuldenstands spricht sie lieber nicht, auch nicht von den Verwerfungen, die sie in der Eurozone bewirkt. Mehr...


Kommentar: Ein Ergebnis der hochgelobten deutschen Wirtschaftspolitik. Die Produktion von Armut trotz Arbeit. Nichts, worauf Deutschland stolz sein kann. Die Grafik zeigt augenfällig die Spitzenposition, weitab vom Rest: 




Das ist Teil der gerade von Josef Urschitz so überaus hochgelobten deutschen Wettbewerbsfähigkeit. In Wahrheit ist es das Ergebnis dauernder Wettbewerbsverstösse innerhalb des deutschen Arbeitsmarkts, die aber mit dem schon lange mißbrauchten Wort "Reform" gegen unbefugte Blicke bemäntelt werden. 


Österreich: S&P warnt vor Immoblase und Bankenostrisiken
(derstandard.at) Obwohl die Großbanken in Österreich 2012 - zum Teil durch Umschichtungen - ihre Kapitaldecken um Milliarden dicker machten, grundeln sie in den Augen von Standard & Poor's bei der Kapitalstärke noch immer in Kapitalregionen, wie sie die Banken in Irland, Italien oder Frankreich kennen. Denn die gestiegenen Osteuropa-Risiken haben die Effekte der letzten Kapitalstärkungen zwar nicht komplett, aber doch wieder zum Teil aufgefressen. Den Banken wurde neuerlich nahegelegt, sich frisches Kapital zu beschaffen. Auch innerhalb Österreichs gibt es Risiko: S&P nannte die umfangreichen Fremdwährungskredite. Zudem bergen die stark gestiegenen Immobilienpreise in Wien und anderen Teilen Österreichs die Gefahr, dass dieser Boom zur Blase wird - wieder gefolgt von der Gefahr von Kreditausfällen. Anders als in Spanien sei der Boom in Österreich aber nicht kreditgetrieben. Vielmehr hätten Anleger Gelder umgeschichtet. Mehr...

Kommentar: Die LeserInnen kennen längst unsere Meinung zu Österreich. Das Land wird auf Sicht in schwere See geraten. Mit allen Begleiterscheinungen und einer vorhersehbaren Entwicklung. Das EU-Rettungsmodell greift später auch in Österreich. Das WIRTSCHAFTSBLATT meldet "S&P: Ausblick für Austro-Banken meist negativ". Untersucht wurden "Erste Group, UniCredit Bank Austria, RZB, Hypo Niederösterreich, Hypo Oberösterreich und eben KA Finanz. (...) S&P begründet den negativen Ausblick für die meisten österreichischen Banken mit steigenden Risiken, vor allem in Osteuropa", schreibt die Zeitung weiter. Mehr dazu hier


Zentralbanken im Blindflug
(tagesanzeiger.ch) Die mächtigsten Zentralbanker stecken derzeit in Washington ihre Köpfe zusammen. Ausgerechnet aus diesem Kreis kommen erstaunliche Bekenntnisse – und die Warnung vor "bösen Nebenerscheinungen" der Krisenpolitik. Mehr...

Kommentar: ...und der Einäugige wäre König? 


Rezession könnte die Kosten für die Banken-Rettung in Spanien verdoppeln
(format.at) Die Wirtschaftsflaute in Spanien, die nun ins sechste Jahr geht, schürt Sorgen, dass das Land mehr als die bei den europäischen Partnern beantragten 41 Mrd. Euro brauchen könnte, um seine Banken zu retten. "Spanien sollte die volle Summe von hundert Milliarden Euro beantragen, die Europa angeboten hat", sagte Cesar Molinas, Partner bei der Private-Equity-Firma CRB Inverbio in Madrid. "Je mehr sich die Wirtschaft verschlechtert, umso stärker wird die Kapitalbasis der Banken erodieren, und es ist noch eine Menge Aufräumarbeit zu leisten." Mehr...

Kommentar: Das "Zypern-Modell" wird es schon richten. Vorher gibt es kein Geld mehr von EU/EZB/IWF für Spanien. Spaniens Sparer sollten sich warm anziehen. 


More Children in Greece Are Going Hungry
(nytimes.com)  As an elementary school principal, Leonidas Nikas is used to seeing children play, laugh and dream about the future. But recently he has seen something altogether different, something he thought was impossible in Greece: children picking through school trash cans for food; needy youngsters asking playmates for leftovers; and an 11-year-old boy, Pantelis Petrakis, bent over with hunger pains. Mehr...

Kommentar: Der "Eiserne Lady Kanzlerin" sei Dank. So sieht die Besserung aus, die Josef Urschitz in seinem Beitrag (oben, hier) beschrieben hat. Wir schreiben das Jahr 2013... 


Chinese Auditor Warns "Out Of Control" Chinese Debt Could Spark Bigger Crisis Than US Housing Crash
(zerohedge.com) "This could be even bigger than the US housing crisis," warns senior Chinese auditor Chang Ke, as his accounting firm has all but stopped signing off on bond sales by local governments (as we warned most recently here). As the FT reports, Zhang's firm "audited some local government bond issues and found them very dangerous," as they don't have strong debt-servicing abilities. "It is already out of control," he continues, "the only thing you can do is issue new debt to repay the old," he said. "But there will be some day down the line when this can’t go on." With more than 2,800 counties having discovered the investment-vehicle-bond (a way to avoid the prohibition or directly raising debt), Zhang notes that this "frightening" evolution has led to a situation where he puts little faith in the government guarantee, advising that "when the time comes, it won’t be the government that assumes responsibility. It will be the accounting firms and the banks that
do." Read...


Kommetar: Wir sind dabei. In diesem Zusammenhang immer noch ganz aufschlussreich: Unser "Dossier China" vom 20. Juni 2011, hier


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.