Dienstag, 23. April 2013

Standpunkt 613 - Nachrichten-Ticker, 22.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Schuldenschnitt und Vermögensabgabe – Anleger auf der Flucht – Kampf dem Steuerbetrug – Oberlehrer Deutschland und die Schuldenfalle – Schäuble und Euro – Europa-Krise – Defizit-Marke


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir haben mit den Arbeiten für das neue Update begonnen und hoffen weiter auf Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch nützliche Kritik. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung!


"Hinterlassenschaften der Party der letzten 30 Jahre aufräumen"
(dradio.de) Einen europaweiten Schuldenschnitt in Kombination mit einer Vermögensabgabe fordert Daniel Stelter von der Boston Consulting Group. Die Gläubiger müssten auf etwas verzichten, und auch die Schuldner sollten einen Beitrag leisten. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Stelter hält es wohl für an der Zeit, das von ihm als Co-Autor verfasste "BCG-Modell" wieder einmal in die vorderste Reihe der Lösungen für die Europa-Krise zu schieben. Eigentlich unnötig, längst nehmen die Krisenmanager für ihr neues Bankenrettungsmodell Anleihen bei "Back to Mesopotamia? The Looming Threat of Debt Restructuring", der Studie von Boston Consulting Group aus dem September 2011, hier. Wir haben schon mehrfach auf dieses Papier hingewiesen, beispielsweise hier, dessen Vorschläge eine Menge Sprengkraft enthalten. Wir sind uns sicher, was BCG vorschlägt, reicht nicht aus. Es ist natürlich Quatsch, von einer Party zu reden, macht sich aber gut, weil in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch über eine Staatsschuldenkrise diskutiert wird, nicht mehr über die dahinter stehende Bankenkrise. Wie sonst ist den Menschen in Europa zu erklären, dass zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 1. Oktober 2011 für die Bankenrettungen in Europa bereits sagenhafte 4.500 Milliarden Euro von den Steuerzahlern bereitgestellt worden sind, was immerhin 36,7%(!) des EU-BIP entspricht (hier). Das ist ein Pfund, oder? Bemerkenswert bei Stelter finden wir, dass er Eurobonds ins Spiel bringt, deren Einführung bekanntlich von der Eisernen Kanzlerin Angela Merkel unter Einsatz ihres Lebens bekämpft werden, wie der SPIEGEL am 26.06.2012 gemeldet hat: "Keine Euro-Bonds, solange ich lebe". Das Magazin schreibt weiter: "Deutlich wie nie hat sich die Kanzlerin gegen Euro-Bonds oder vergleichbare Projekte ausgesprochen. Es werde in der europäischen Schuldenkrise keine gemeinsame Haftung geben, 'solange ich lebe', sagte Angela Merkel (...)." Mehr dazu hier. Wir sind schon ganz gespannt darauf, wie lange Merkel das durchhält.


Bankenhilfe in Zypern verschreckt Sparer: Anleger flüchten aus der Eurozone
(focus.de) Die umstrittene Bankenhilfe in Zypern verschreckt Sparer und Investoren. Warum Anleger jetzt Europa den Rücken kehren – und wohin das viele Geld fließt. Mehr...

Kommentar: Ein bemerkenswerter Beitrag des FOCUS, überraschend ehrlich und regierungskritisch. Diejenigen, die zitiert werden, um mit Fingern auf Europa zu deuten und zu kritisieren was in Zypern passiert ist, kennen die Hintergründe dieser Maßnahmen. Die Krise in Europa lässt vergessen, dass es auch noch die 2008 ausgebrochene Finanzkrise gibt, die irgendwann in einem totalen Kollaps endet, in dessen Folge die weltweite finale Enteignung stattfinden wird. Erst dann ist der inszenierte Raubzug gegen Sparer und Steuerzahler beendet. Niemand wird dabei vergessen. Dagegen hilft nur eine perfekte Tarnung. Einfach mit den Ersparnissen in die USA abzuwandern reicht nicht (hier). Das machen, mit Verlaub gesagt, nur unbelehrbare Trottel. 


So lässt sich Steuerbetrug weltweit bekämpfen
(spiegel.de) Der Fall Hoeneß zeigt ein Grundproblem: CSU und SPD machen die möglichen Steuertricks des Bayern-Präsidenten zum Politikum. Doch sie tun wenig, um dem globalen Problem der Kapitalflucht auf den Grund zu gehen. Was wirklich helfen würde - und warum sich die Politik so schwertut. Mehr...

Kommentar: Nachdem Offshore-Leaks durch die öffentlich gewordene Selbstanzeige von Uli Hoeneß (hier) endgültig im Bewußtsein der Bürger hierzulande angekommen ist, fehlt es auch nicht an Ratschlägen, wie der Steuerhinterziehung beizukommen ist. Daran versucht sich dieser Beitrag, der es aber dann an zündenden Ideen fehlen lässt. Schade. Wenigstens hat es aber zu der Erkenntnis gereicht, dass ohne internationale Zusammenarbeit kein Blumentopf zu ernten ist. 


Nur der deutsche Weg führt aus der Schuldenfalle
(welt.de) In den europäischen Krisenstaaten ist vor allem die deutsche Regierung der Sündenbock. In Deutschland jedoch hat geklappt, womit der Süden noch kämpft – echte und nachhaltige Sozialreformen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wieder so ein grässliches Werk aus der Feder von Dorothea Siems, der "Maggie Thatcher des deutschen Journalismus" (hier). Kleingeistiger Mist, mehr nicht. Nur ein neuer Angriff auf die Intelligenz. Siems verkörpert gerne das, was der Bundespräsident gerade so beschrieben hat: "Gauck nennt Deutschland 'Oberlehrer' in Europa", meldet die WELT an anderer Stelle. Weiter heißt es dort: "Der Bundespräsident hat vorsichtige Kritik an der Europa-Politik der Bundesregierung geübt. Vor dem Europarat mahnt Joachim Gauck mehr Sensibilität für 'unterschiedliche politische Verhältnisse' an." Mehr dazu hier. Längst ist nämlich der Beweis erbracht, dass die deutsche Austeritätspolitk Europa zugrunde richtet. Trotzdem zeigen sich weite Teile von Politik und Journaille in Deutschland wirklichkeitsresistent und stur. In der nach eigener Einschätzung immer noch linksliberalen FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt Robert von Heusinger zur gleichen Zeit "Der Sparkurs blamiert Deutschland". Das trifft es besser. Einleitend schreibt er: "Europa steckt sich mit der Krankheit Rezession an, weil nirgendwo auch auf die Nachfrageseite geschaut wird. Dabei zeigt nicht zuletzt der Vergleich mit den USA: Die Sparpolitik von Merkel und Schäuble ist gescheitert." Mehr dazu hier. Mit seinem Fazit liegt von Heusinger nicht schlecht, finden wir: "Es wird also höchste Zeit für eine Umkehr. Einsicht, Entschuldigung, Entscheidung für ein großes Konjunkturprogramm für die Euro-Zone. So lautet der Dreischritt, den erst die hiesigen beratenden Volkswirte tun müssen und dann die Regierung. Oder wollen die Herren und Damen warten, bis sie endgültig zum Gespött der Welt werden?" Leider wird daraus erst einmal nichts. Im September sind Bundestagswahlen. Schon in ein paar Monaten kann es zu spät sein. 


Wolfgang Schäuble: "Wir verteidigen den Euro nicht aus Großzügigkeit"
(wiso.de) Der Bundesfinanzminister sorgt sich über die Geldschwemme der EZB – die aber wird für die Rettung der Südländer gebraucht. Er hält die Abwicklung von Banken à la Zypern für das Modell der Zukunft. Und trotz mancher Nazi-Anfeindungen und der AfD-Partei sieht er Europa auf gutem Weg und die Bürger hinter sich. Mehr...

Kommentar: Dieses Interview beweist, Schäuble wird, gemeinsam mit der "Eisernen Lady Kanzlerin", den zerstörerischen Weg bedingungsloser Sparpolitik in Europa fortsetzen. Er hat die Umdeutung der Bankenkrise in eine Staatsschuldenkrise maximal verinnerlicht. Dabei vermischt er äußerst geschickt Dichtung und Halbwahrheiten, erklärt den deutschen Weg zum einzig richtigen, obwohl die Zahl der Unterstützer dieses Kurses schmilzt wie Schnee in der Sonne. Wahrheiten kommen bei ihm so gut wie nie vor. Ereignisse aus der jüngeren Geschichte ignoriert er einfach. Oder kämpft er schon mit Erinnerungslücken? Wir jedenfalls denken daran, wie alles angefangen hat. Damit, dass "auch Europa versucht, seine Banken zu retten". Erst knapp vier Jahre her, "die Kehrtwende der Bundesregierung nach dem G 4-Gipfel in Paris angesichts des Debakels um die Hypo Real Estate". Mehr dazu hier. Statt dessen erklärt Schäuble lieber seine ureigene "Krisentheorie":  Er findet "Krisen sind gar nicht so schlecht, weil sie Lösungsmöglichkeiten schaffen, die es ohne sie gar nicht gegeben hätte." Im Klartext: In einer Krise darf eine Politik betrieben werden, die sonst gegenüber den Menschen nicht durchsetzbar ist. Franklin D. Roosevelt (1882 - 1945), 32. US-Präsident und verantwortlich für den New Deal, mit dem Amerika der Ausstieg aus der Weltwirtschaftskrise gelungen ist, hat es einmal so auf den Punkt gebracht: "In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war!" 


Abhängig von fremdem Geld
(sueddeutsche.de) Ein Kontinent, zwei Welten: Deutschland steht mit seinem Haushaltsüberschuss allein da in Europa. Das Land hält mit seinen Krediten die Euro-Zone zusammen, während Frankreich in den Abgrund der Rezession blickt. In Griechenland erinnert sich gar jeder Dritte wohlwollend an Zeiten der Militärjunta. Mehr...

Kommentar: Noch so eine Ausgabe eines deutschen "Oberlehrers", der Autor dieses Beitrags. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Deshalb zeigen wir an Hand einiger Grafiken, was nicht stimmt am aktuellen Bild vom deutschen Wirtschaftswunder. Alle sind selbsterklärend.


 

 






 



Einmal nicht durch die rosarote, deutsche Brille betrachtet: Sieht so tatsächlich ein zukünftsfähiges Erfolgsmodell aus, für den "mächtigsten Staat Europas"? (Alleine bei dieser Formulierung des Autors beschleicht uns die Sorge vor der alten deutschen Großmannssucht! Schrecklich.)


Spanien und Griechenland "knacken" 2012 die Zehn-Prozent-Defizit-Marke
(format.at) Spanien hat im vergangenen Jahr das höchste Budgetdefizit in der Europäischen Union verzeichnet, gefolgt von Griechenland.
Das Defizit von Spanien hat sich 2012 wegen der Kosten der Bankenrettungen auf 10,6 Prozent des BIP ausgeweitet und verdeutlicht, vor welchen Herausforderungen Ministerpräsident Mariano Rajoy steht. Mehr...


Kommentar: War die Krise in Europa nicht schon längst zu Ende? Wir erinnern daran: "Europas Elite erklärt die Euro-Krise für beendet" titelt am 14.01.2013 die WELT. Auf Geheiß der Bundesregierung wahrscheinlich. Die Zeitung trägt ziemlich dick auf: "Ob Finanzminister, EU-Vertreter oder die Europäische Zentralbank: Die Elite Europas verkündet selbstbewusst das Ende der Euro-Krise. Und tatsächlich kehren die Investoren in Scharen zurück." Mehr dazu hier. Was für eine Schimäre, wie wir alle nicht erst seit Zypern wissen (zurück kamen die Spekulanten, witterten zu Recht fette Beute). Die Krise hat sich verschärft. Nicht trotz, sondern wegen der europäischen Krisenpolitik unter deutscher Führung. Da gibt es nichts schönzureden oder -zuschreiben. Noch können die gleichgeschalteten deutschen Leitmedien mit ihrer Propagandamaschinerie dem heimischen "BILD"-ungsbürgertum den Eindruck von allerbester Ordnung für Deutschland vermitteln. Die muss nur noch bis nach der Bundestagswahl halten. Danach ist es egal, komme was will. 

Bis dahin wird die Zahl der notleidenden Kredite in Europa weiter enorm ansteigen und weitere, unbegrenzte Rettungsmaßnahmen notwendig machen. Die folgende Grafik zeigt das teilweise desaströse Verhältnis dieser "Non-performing Loans" (NPLs) zur Gesamtheit aller Kredite: 
 

Quelle: zerohedge.com

Das ist der blanke Horror. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.