Samstag, 27. April 2013

Standpunkt 617 - Nachrichten-Ticker, 26.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Hobbyökonomin Merkel – Merkel ohne Mehrheit – Austerität – Germany versus Europe – Bundesbank versus Europa – Tarifpolitik – Großbritannien – Global Economic Recovery? – USA


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir haben mit den Arbeiten für das neue Update begonnen und hoffen weiter auf Anregungen, Ergänzungen, (Insider-) Informationen oder auch nützliche Kritik. Wir freuen uns über jede gut gemeinte Unterstützung!


Die dreiste Hobbyökonomin
(neuewirtschaftswunder.de) Irgendwie ist das ja ganz witzig – die Vorstellung, wie sich unsere Kanzlerin auf dem Sparkassentag auf die Bühne stellt und bei einem dialektischen Kurzvortrag mal eben die Interessenkonflikte in der aktuellen Euro-Geldpolitik erklärt. Und im Publikum mit Mario Draghi, der in Europa dafür zuständige Fachmann, andächtig lauscht. In Wahrheit ist dieser Vorstoß aber unverfroren. Und die Aussagen von Merkel in Dresden noch nicht einmal richtig. Mehr...

Kommentar: Eine Ergänzung zu den Beiträgen der Kanzlerin und unseren Kommentaren (hier und hier). Aufgefallen war uns besonders Merkels mangelnder Sachverstand. Der Autor dieses Beitrags kommt am Ende zum gleichen Ergebnis, die Kanzlerin habe "keine Ahnung". Wie wahr. 


German Poll Shows Merkel Losing Majority
(zerohedge.com) With their economy appearing to slow dramatically, if the PMI and Ifo data is anything to go by, and a nation increasingly disavowed with the European project, it seems the 'people' are not amused. As MNI reports, a poll by Forchungsgruppe shows Merkel's CDU/CSU support fading. Critically, with only 40% backing Merkel, and the 'Merkel bloc' down to only 44%, the opposition and more anti-Europe SPD party gained a point and shifted their 'bloc' vote to 48%. Given that the mainstream parties have excluded a coalition with the Left party, such results would allow only coalitions of Merkel's CDU/CSU with the SPD or the Greens. Read more...

Kommentar: Leider hat diese Entwicklung nichts damit zu tun, dass durch Deutschlands "BILD"-ungsbürgertum plötzlich ein Sturm der Erkenntnis gefegt ist. Eher wohl damit, dass die neue Partei "Alternative für Deutschland" dazwischen gefahren ist. Also kein Grund, in Jubel auszubrechen. Die beiden Grafiken stammen aus dem Beitrag: 






Weshalb Austerität nicht funktioniert
(fuw.ch) Einstein soll einst gesagt haben, die beste Definition für Irrsinn sei, das Gleiche wieder und wieder zu tun und sich daraus unterschiedliche Resultate zu erhoffen. Gemäß dieser Definition sind Politiker und Ökonomen irrsinnig, wenn sie heute fordern, die von anämischem Wachstum und hohen Schulden geplagten Staaten müssten mit der Umsetzung harter Austeritätsmaßnahmen wieder auf die Beine kommen. Wieso das? Weil es kein Beispiel in der Geschichte gibt, in der mehrere gewichtige Länder gleichzeitig dank Austeritätspolitik – also Kürzungen von Staatsausgaben, um das Haushaltsbudget zu konsolidieren und Staatsschulden abzutragen – gesundet sind. Versucht wurde es mehrmals, aber funktioniert hat es nie. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag beweist, Deutschland betreibt in Europa die falsche Krisenpolitik. Jedenfalls dann, wenn es wirklich um den Abbau der Staatsschulden gehen soll. Also liegt die Vermutung nahe, dass die "Eiserne Lady Kanzlerin" andere Ziele verfolgt. Ziele, bei denen ein Mehr an Verständnis über die wirtschaftlichen Zusammenhänge nur hinderlich ist. Andernfalls müssten ihr die Folgen ihrer Politik in den betroffenen Ländern schon längst den Schlaf rauben. 


Die Mär vom Sparen
(handelsblatt.com) Merkels „Spardiktat”, „Austeritätspolitik”, germanisches „Kaputtsparen”. In Europa tut man so als unterwerfe man sich brutaler deutscher Sparpolitik. Das Gegenteil ist der Fall: Die Schuldenberge wachsen munter weiter. Mehr...

Kommentar: Wolfram Weimer, einer aus der Merkel'schen Riege der Propagandisten. Der Nonsens hinter seinen Argumenten ist offensichtlich. Wer sich näher damit beschäftigen will, der findet hier, hier und hier die Einzelheiten. Wem das zu aufwendig ist oder Statistik zu trocken, dem sollte die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, von Not und Elend, oder der Anstieg der Selbstmordrate in den betreffenden Ländern zur Einschätzung genügen. Was Weimer in seinem Beitrag behauptet, funktioniert nur deshalb, weil weder er noch seine Kollegen mehr gelesen haben als die Zusammenfassung auf der ersten Seite der Eurostat-Veröffentlichung (hier). Das ist definitiv zu wenig. Die beiden folgenden Grafiken für unsere LeserInnen zum besseren Verständnis:


Quelle: dgb.de
 
Quelle: dgb.de


Germany's Virtuous Circle Takeover Of Europe
(zerohedge.com) German finance minister Schaeuble just explained, in a seeming effort to assuage rising fears that the one core nation left in Europe will choose the game-theoretically optimal first-defection wins strategy, that "Germany benefits from the Euro more than others." Indeed it does; as German firms are buying up strong competitors, clients or suppliers at a time when those companies are struggling to stay afloat through years of recession in their home markets and as shaky banks restrict access to credit. It appears that the slow-and-steady bloodless invasion of Europe can be summed up by the following virtuous circle of Germany's hidden strategy. Of course, as Schaeuble explained later in his missive, "it is nonsense" that Germany wants a German Europe and that the Euro exchange rates is "Okay" for Germany. Read more...

Kommentar: "Tyler Durden" bezieht sich auf einen Beitrag von Reuters mit dem Titel "German firms eye investment in crisis-battered euro states" von Annika Breidthardt. Sie schreibt zusammenfassend: "German companies are setting their sights on southern Europe as fears of a euro zone breakup fade and economic reforms transform the crisis-battered region into an attractive place to invest once again." Mehr dazu hier. Ein bemerkenswerter Artikel. Diese Grafik bei "zerohedge.com" erklärt anschaulich die Systematik des Takeover: 


 


Agendapolitik durch die Hintertür
(boeckler.de) Beim EU-Gipfel im Juni sind weitreichende Beschlüsse geplant, die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen nach deutschem Vorbild in allen Euroländern zur Pflicht machen sollen. Die Gewerkschaften fürchten Eingriffe in die Tarifautonomie und Sozialabbau. Mehr...

Kommentar: Passt nicht so recht zu Schäuble's Aussagen im Beitrag vorher, oder? Leider beschränken sich die Gewerkschaften nur aufs grummeln, statt streitbar zu kämpfen. 

 
Abrechnung mit der Politik
(faz.net)  Die Bundesbank hat das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank hart angegriffen. Das ist keine Abrechnung mit der EZB, sondern vielmehr mit der Politik. Einer Politik, die Regeln gebeugt, Versprechen gebrochen und die Orientierung verloren hat. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Holger Stelzner erklärt uns seine Sicht auf die Krise in Europa. Dieses Mal mit Hilfe von Jens Weidmann, dem schneidigen Bundesbank-Chef. Der macht wieder einmal das, was ihm und seiner Institution eigentlich nicht zusteht, sich in die Politik einmischen. Zugegeben, diese Einmischung hat Tradition im Hause der Bundesbank. Während sich umgekehrt, wenn sich die Politik kritisch gegenüber der Bundesbank äußert, es regelmäßig Hiebe setzt und sich die Vertreter der Bundesbank gegen diese Einmischung verwahren. Die Bundesbank ist, trotz ihres jungen Chefs, ein schrecklich altmodischer Haufen, der uralten Theorien nachhängt und selbst kein Rezept gegen die Krise in Europa findet. Sich aber in der Rolle des großen Mahners gefällt. Das ist schäbig. Vor allen Dingen, weil die Bundesbank sich als Interessenwahrer der deutschen Banken sieht und deren gierige, kriminelle Geschäftsmodelle bis heute nicht ernsthaft in Frage stellt oder wenigstens kritisiert. Anlässe hätte es genügend gegeben. Ein bisschen Selbstkritik? Gott bewahre, doch nicht die selbsternannten Gralshüter der Stabilität alleine durch Inflationsbekämpfung. Hartnäckig schweigt die Bundesbank zu der Tatsache, dass nicht Inflation die Stabilität gefährdet, sondern eine veritable Bankenkrise, die ihren Anfang in Deutschland schon vor mehr als zehn Jahren genommen hat. Wie gesagt, ohne Einspruch der Bundesbank, oder gar Warnungen vor den Folgen. Die deutsche Öffentlichkeit ist dem "Mythos Bundesbank" verfallen, noch nicht bereit sich einzugestehen, dass die Schwierigkeiten der Gemeinschaftswährung  alleine auf Kriterien zurückzuführen sind, die auf Verlangen der Bundesbank in den Maastricht-Vertrag aufgenommen worden sind. Das war Murks. Die einzig dem Zweck dienen sollten, die Gemeinschaftswährung von Anfang an zu verhindern. Stelzner, Mit-Herausgeber der F.A.Z., hofiert ganz selbstverständlich diesen Murks, wenn er an die "vergessenen Grundlagen der Währungsunion" erinnert oder Kritik an der Rettung Griechenlands übt, weil von dem Land "die Konditionen des Hilfsprogramms nicht eingehalten wurden". Stelzner meint die Spardiktate, von denen jeder halbwegs intelligente Mensch wissen musste, dass sie nicht funktioneren können. Weil sie Auflagen gemacht haben, die schlicht unerfüllbar waren. Die zum Teil auf Zahlen gründeten, die man völlig fern der Wirklichkeit berechnete. In diesem Zusammenhang sei nur an die Privatisierungserlöse erinnert, die mit 50 - 60 Milliarden veranschlagt wurden, voraussichtlich aber nur 15 - 20 Milliarden Erlös erzielen. 

Kritisch mit der EZB-Stellungnahme der Bundesbank geht die Frankfurter Rundschau um. Danke dafür, immerhin gehört die FR mittlerweile der F.A.Z. Darf aber wohl noch einige Zeit linksliberal sein. "Stabilitätsrisiko Bundesbank" heißt es dort. Und weiter: "Lange galt die Bundesbank als Hort der Stabilität - nun scheint sie die Euro-Zone auseinanderhebeln und Europa in eine tiefe Krise stürzen zu wollen. In einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht kritisieren die Bundesbanker die Politik der EZB." Mehr dazu hier. Dieser Beitrag trifft mit seiner Kritik das Thema eher, das Fazit unmissverständlich: "Gott sei Dank hört niemand auf die Bundesbank. Das Verfassungsgericht dürfte ihrer Kritik nicht folgen." Hoffentlich! 


Viele Betriebe unterlaufen Mindestlöhne
(faz.net)  In vielen Branchen gelten hierzulande Mindestlöhne, welche die Arbeitgeber zahlen müssen. Offenbar werden sie aber häufig unterlaufen; das zeigen Zahlen des Bundesfinanzministeriums. Mehr...

Kommentar: Die günstigen Folgen der Agenda 2010 reichen den Firmen noch nicht. Weitgehend unbehelligt von der Politik und den Gewerkschaften machen sie ihre eigenen Tarife und unterschreiten sogar noch die mickrigen Mindestlöhne. Wie weit soll das Niveau der Löhne und Gehälter in Deutschland noch verschoben werden? 1998 ist doch schon erreicht. 


Quelle: querschuesse.de


Britische Wirtschaft taucht wieder auf
(tagesanzeiger.ch) Das Wachstum auf der Insel hat sich zu Jahresbeginn beschleunigt und das Gespenst einer erneuten Rezession vorerst verjagt. Sogar Deutschland wird abgehängt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das ist wirklich der reine Wahnsinn, um 0,3% ist die Wirtschaft Großbritanniens gewachsen. Das "manager magazin" meldet gleich "Briten entgehen Dreifachrezession knapp" (hier). Wir interpretieren das so: Die britische Regierung brauchte dringend ein bisschen Wachstum und die Statistiker haben geliefert. Mehr nicht. 


Visualizing The Dead-Weight On The Global Economic Recovery
(zerohedge.com) Youth unemployment has become a worrying phenomenon with 74.6 million young people unemployed globally in 2012. Rising youth unemployment has a detrimental effect on economic growth, political and social stability as well as on the ability to exploit the potential demographic dividend. Young people who are neither in employment nor in education or training (NEET) are a particular social concern. The economic and social impact of a growing number of NEET young people aged 15 - 24 has raised concerns as they represent a dead weight burden. Read...

Kommentar: Der wahre Irrsinn. Die folgende Grafik aus dem Beitrag vergleicht ausgewählte Länder. Es geht um die Erwerbsfähigen im Alter von 15 bis 24. Sehr interessant die Situation in der Türkei, dem selbsterklärten Wirtschaftswunderland am Bosporus. Aber sehen Sie selbst...


 


USA: Consumer Confidence Drops, Back To April 2012 Levels
(zerohedge.com) The final print for UMich Consumer Confidence beat expectations but that is about the best anyone can hope to glean from it. A slight improvement from the preliminary April data, the current and outlook economic indices both dropped for the first time this year and it has now been four months of no change year-over-year in this important sentiment indicator as today's measure of 'happiness' is exactly the same as that of April 2012. Perhaps US consumer are the most confident because their personal savings are now the lowest they have been in the past five years. Read more...

Kommentar: Die Wirklichkeit hinter den Schönschreibungen in den deutschsprachigen Medien hierzulande. Dazu noch zwei Grafiken aus dem Beitrag: 


 





Total US Debt To GDP: 105%
(zerohedge.com) Now that we have the first estimate of Q1 GDP growth in both rate of change and absolute current dollar terms ($16,010 billion), we can finally assign the appropriate debt number, which we know on a daily basis and which was $16,771.4 billion as of March 31, to the growth number. The end result: as of March 31, 2013, the US debt/GDP was 104.8%, up from 103% as of December 31, 2012 or a debt growth rate that would make the most insolvent Eurozone nation blush. There was a time when people were concerned about this unsustainable trajectory, but then there was an infamous excel error, and now nobody cares anymore. Read...

Kommentar: Ergänzt die aktuellen Zahlen von Eurostat für Europa. Der Chart aus dem Beitrag zeigt die langfristige Entwicklung:






"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.