Dienstag, 30. April 2013

Standpunkt 620 - Nachrichten-Ticker, 29.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: The Biggest Derivative Junkie In The World – Zypern-Modell – Austeritätspolitik – Griechenland - Weidmann versus Euro – Studie stützt Euro – Der unbelehrbare Hans-Olaf Henkel – Spanien – Konjunktur in Deutschland


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


At $72.8 Trillion, Presenting The Bank With The Biggest Derivative Exposure In The World (Hint: Not JPMorgan)
(zerohedge.com) Moments ago the market jeered the announcement of DB's 10% equity dilution, promptly followed by cheering its early earnings announcement  [8] which was a "beat" on the topline, despite some weakness in sales and trading and an increase in bad debt provisions (which at €354MM on total loans of €399.9 BN net of a tiny €4.863 BN in loan loss allowance will have to go higher. Much higher). Ironically both events are complete noise in the grand scheme of things. Because something far more interesting can be found on page 87 of the company's 2012 financial report. The thing in question is the company's self-reported total gross notional derivative exposure. And while the vast majority of readers may be left with the impression that JPMorgan's mindboggling $69.5 trillion in gross notional derivative exposure as of Q4 2012 may be the largest in the world, they would be surprised to learn that that is not the case. In fact, the bank with the single largest derivative exposure is not located in the US at all, but in the heart of Europe, and its name, as some may have guessed by now, is Deutsche Bank. The amount in question? €55,605,039,000,000. Which, converted into USD at the current EURUSD exchange rate amounts to $72,842,601,090,000.... Or roughly $2 trillion more than JPMorgan's. Read more...

Kommentar: Hoppla, die Deutsche Bank hat ihr Engagement im Derivatehandel reduziert: Von 57,94 Billionen Euro in 2011 auf "nur noch" 55,6 Billionen Euro in 2012. Wir haben uns im Juli 2012 ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und den Wahnsinn beschrieben, an dem die Großbanken aus Deutschland (Deutsche Bank, Commerzbank) und der Schweiz (UBS, Credit Suisse) auf Spitzenplätzen beteiligt sind. Wer den Beitrag "Desaster Derivatehandel" noch nicht kennt, der findet ihn hier. Wir haben an Hand dieses Beitrags eine Reihe von Politikern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und im Europaparlament informiert. Außerdem alle Redaktionen deutscher Tageszeitungen, zusätzlich auch ARD und ZDF. Mit einem vorhersehbaren Ergebnis: Eine Hand voll Politikerbüros hat sich gemeldet und versichert, man kenne die Problematik und werde sich darum kümmern. Alle anderen haben geschwiegen. Ausnahmslos alle sind bis heute durch völlige Untätigkeit aufgefallen. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass noch irgendjemand den Mut aufbringt und in aller Öffentlichkeit über dieses zerstörerische Potential berichtet. Die Wirkung könnte verheerend sein. Dafür will niemand die Verantwortung übernehmen. Unseren LeserInnen empfehlen wir dringend, sich der absehbaren Wirkung dieser "Massenvernichtungswaffe" bewusst zu werden. Sie bleibt nicht auf die Kunden der betroffenen Banken beschränkt, die wird es jedoch zu allererst treffen. Zypern lauert um die Ecke. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag und macht den gewaltigen Irrsinn augenfällig: 





Zypern: Bank wandelt Anleger-Geld in Eigenkapital um
(diepressecom) 37,5 Prozent der Sparguthaben über 100.000 Euro der Bank of Cyprus, des größten Geldinstitut des Landes, sind in Aktien umgewandelt worden. Mehr...

Kommentar: Das ist voraussichtlich erst ein Teil des Raubes der Spareinlagen, weitere 22,5% folgen noch. Böse Zungen behaupten, es könnten auch leicht 100% werden. Im Tausch gegen Aktien. Toll. Das ist aber nicht alles an schlechten Nachrichten. "DIE PRESSE" meldete schon vor einigen Tagen "Zypern: Auch Versicherer und Hilfsgruppen sollen zahlen" und schreibt dazu: "Zypern muss bei seiner Sanierung noch mehr Unternehmen und Organisationen als bisher vorgesehen finanziell in die Pflicht nehmen. Auch heimische Versicherer, Wohltätigkeitsorganisationen und private Bildungseinrichtungen sollen nun herangezogen werden, teilte die zypriotische Notenbank mit. Eigentlich sollten diese verschont bleiben. Mit der Maßnahme soll vermieden werden, dass die Belastung privater Sparer noch größer wird. Die Zwangsabgabe für Versicherer und Wohltätigkeitsorganisationen soll bei 27,5 Prozent auf ihre Spareinlagen bei der Bank of Cyprus - der größten Bank des Landes - liegen." Mehr dazu hier. Aber auch an dieser Stelle ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Niemand weiss bisher, wieviel Geld die Bank of Cyprus wirklich benötigt. 


"Austeritätspolitik ist unwissenschaftlich und gefährlich"
(heise/telepolis.de) Wissenschaftler aus Griechenland und den USA zeigen in einer Studie die nachteiligen Folgen der Sparmaßnahmen im Gesundheitssektor in Griechenland auf.
Wissenschaftler von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki und der University of New Mexico haben die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der verordneten Sparmaßnahmen auf die medizinische Versorgung der Menschen untersucht. Das Ergebnis ihrer Forschung bezeichnen sie als "weitaus schlimmer, als wir uns dies vorgestellt haben". Und sie sehen Griechenland nur als Beispiel für das, was als Folge der Austeritätspolitik auch in anderen Ländern droht oder schon der Fall ist. Mehr...


Kommentar: Ein Beitrag, der Beachtung verdient. Diese absehbaren Konsequenzen der deutschen Austeritätspolitik in Europa werden hierzulande beharrlich ignoriert oder von den europäischen Krisenmanagern in Berlin höchstens mit gespieltem Bedauern kommentiert.Für uns haben diese Leute vor dem Hintergrund steigender Selbstmordraten und der Verweigerung lebenserhaltender Medikamente als unmittelbare Folgen aus den aufgezwungenen Spardiktaten "Blut an ihren Händen". Dabei geht es auch anders.  Staaten in Lateinamerika wie Argentinien, Venezuela oder Bolivien haben den Zwängen durch den IWF widerstanden, die Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems zu reduzieren, wodurch sich wirtschaftliche und gesundheitliche Faktoren verbessert hätten. Diese Verbesserungen hätten gezeigt, sagen die Autoren mit Verweis auf andere Studien, "dass die Austeritätspolitik unwissenschaftlich, gefährlich und widerstehbar ist".


"Der Wille der Griechen ist gebrochen"
(welt.de) Demonstranten? Steinewerfer? Nichts davon. In aller Ruhe peitscht das Athener Parlament brutale Sparmaßnahmen durch. Das zeigt: In Griechenland herrscht jetzt die Apathie. Mehr... 

Kommentar: "Die Menschen sind terrorisiert, demoralisiert, sehen keinen anderen Weg". Für uns klingt das eher nach Pulverfass und die Lunte brennt.


Will Weidmann den Euro nicht mehr?
(tagesanzeiger.ch) In einem vertraulichen Papier äusserte die Deutsche Bundesbank grösste Vorbehalte gegen die Krisenpolitik der EZB. Die Kritik geht so weit, dass Ökonomen die wahren Absichten der Buba infrage stellen. Mehr...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag aus der Feder unserer Schweizer Nachbarn. Schlüssig vorgetragen. Passt auf jeden Fall in das Bild, das die Bundesbank seit der von ihr torpedierten Gründung der EWU mehr oder weniger klar abgibt. Alt-Kanzler Helmut Schmidt nannte sie einst einen "Staat im Staate" (hier). 


Studie lobt den Euro
(n-tv.de) Angesichts der Schuldenkrise sind viele Deutsche der Meinung, mit der D-Mark ginge es ihnen heute besser. Eine Studie besagt indes, dass Deutschland vom Euro kräftig profitiert. Das gilt selbst für den Fall, dass die Bundesrepublik einen Großteil ihrer Forderungen aus den verschiedenen Euro-Rettungsmaßnahmen abschreiben müsste. Mehr...

Kommentar: In der Pressemitteilung der "Bertelsmann-Stiftung" heißt es dazu: "Deutschland profitiert in erheblichem Maß vom Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Modellrechnung der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. 'Die Mitgliedschaft Deutschlands in der Währungsunion reduziert die Kosten des internationalen Handels und schützt vor starken Wechselkursschwankungen', sagte Vorstandsvorsitzender Aart De Geus. 'Eine Rückkehr zur D-Mark würde erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Die Deutschen würden Einkommen und Arbeitsplätze verlieren', sagte De Geus weiter. (...) Eine Rückkehr zur D-Mark wäre daher selbst bei einer rein wirtschaftlichen Betrachtung schädlich." Mehr dazu hier. Ja, wir sind der gleichen Auffassung und haben diese in den vergangenen Jahren schon mehrfach begründet. Die Studie liefert Substanz (hier und hier). Obwohl wir mit der "Bertelsmann-Stiftung" so unsere Probleme haben... Deshalb überlassen wir es unseren LeserInnen, inwieweit sie sich darauf einlassen.


Hans-Olaf Henkel: Haltet den Dieb!
(handelsblatt.com) Wann haben schon einmal so viele Indizien auf einen Verdächtigen hingewiesen, wie die auf den Euro als Hauptschuldigen für die Misere in der Euro-Zone? Trotzdem wird alles getan, um den Schuldigen entkommen zu lassen. Mehr...

Kommentar: HOH at his best. Wie gewöhnlich krude Thesen. Unser "Quoten-Michel" für die eingangs versprochenen "gegensätzliche Meinungen". Meinungsmacher für das deutsche "BILD"-ungsbürgertum und die Stammtisch-Führer. Der sich für uns schon deshalb in höchstem Maße disqualifiziert, weil er seit 2006 die Bank of America (BofA) als „Senior Advisor“ für den deutschsprachigen Raum berät, um ihre Marktposition im Investment Banking in Deutschland auszubauen. Die BofA gehört zu den "too-big-to-rescue"-Banken, die weiter hemmungslos und mit viel krimineller Energie die Welt verzocken.


Spanien: reale Einzelhandelsumsätze mit -10,9% zum Vorjahresmonat
(querschuesse.de) Heute Morgen berichtete das spanische Statistikamt INE die Daten zu den realen Einzelhandelsumsätzen für den Monat März 2013. Auch im siebten Monat nach der Mehrwertsteuererhöhung von 18% auf 21% geht es mit den Einzelhandelsumsätzen kräftig abwärts. Man kassiert auch in Spanien weiter die “Erfolge” der Wirtschafts- und Finanzpolitik, einem Gemisch von Ausgabenkürzungen des Staates kombiniert mit Steuererhöhungen, Erhöhungen von administrativen Preisen und Lohnkürzungen. Die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze brachen im März 2013 mit -10,9% zum Vorjahresmonat ein, nach -10,4% im Februar, nach -8,7% im Januar, nach -10,8% im Dezember 2012, nach -8,6% im November, nach -9,1% im Oktober und nach dem Rekordeinbruch von -13,6% im September. Mehr...

Kommentar: Eine brutale Entwicklung. Noch zwei Charts dazu die zeigen, wie stark die Einbrüche ausfallen: 






Das Fazit im Beitrag ist unmißverständlich: "Es bleibt absurd auf die Produktionskapazitäten und das Produktionspotenzial von 2013 mit einem Konsum (Binnennachfrage) von Ende der 90er zu antworten, denn dies wird immer auch zu einer Kontraktion der Produktion, der Investitionen und der erzielten Einkommen führen. Aus diesem Prozess kann niemals eine Gesundung der Staatsfinanzen oder auch der Volkswirtschaft als Ganzes hervorgehen, wenn NICHT adäquat oder besser darüber hinaus, die Nachfrage aus dem Ausland die entstandene Lücke füllt. Nur das Ausland wird und kann diese Lücke nicht füllen, da wichtige Handelspartner Spaniens sich selbst in wirtschaftlicher Kontraktion befinden und von ihnen ebenfalls Nachfrageschwäche ausgeht. Aber ohne positive Geschäftserwartungen werden eben Unternehmen auch in Spanien nicht investieren, da helfen auch keine weiteren Lohnsenkungen, denn diese zementieren nur die Schwäche der Binnennachfrage." 


Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel
(manager-magazin.de) Die Gesamtlage der Wirtschaft trübt sich nun offenbar doch zusehends ein. So hat sich das Euro-Geschäftsklima überraschend verschlechtert. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften gibt immer stärker nach - und die Exporteure schlagen regelrecht Alarm. Mehr...

Kommentar: Es ist für uns nicht denkbar, dass die Rezession/Depression in weiten Teilen Europas kein tiefen Spuren in Deutschland hinterlässt. Logisch werden Bundesregierung und ihre Helfershelfer dafür sorgen, dass die Nachrichten vor der Bundestagswahl im September nicht allzu schlecht ausfallen. Wetten?   


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.