Mittwoch, 1. Mai 2013

Standpunkt 621 - Nachrichten-Ticker, 30.04.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Trickser Deutsche Bank – Europäische Ratingagentur – Deutsches Konsumwunder? – Europa in der Krise - Griechenland – US-Häusermarkt


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Deutsche Bank mit Gewinnsprung
(standard.at) Kreditinstitut stärkt nach Milliardengewinn Kapital. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Bank hat dazu tief in die Bilanzkosmetik-Trickkiste gegriffen. Es ist doch ein offenes Geheimnis: Die Banken produzieren Gewinn und Verlust immer so, wie er gebraucht wird. Seit der Lehman-Pleite 2008 gelten für die Banken Regeln, die Tricksen und Täuschen bilanzfähig gemacht haben. Bis heute. Anders ist nicht zu erklären, dass die Banken ihren Giftmüll in den Bilanzen vor den Augen der Öffentlichkeit verstecken und statt dessen Quartal für Quartal regelmäßig Milliardengewinne ausweisen. Die 3 Milliarden Euro frisches Kapital sind der berühmte "Tropfen auf den heissen Stein" - und dringend nötig. Passend dazu bietet das österreichische "WIRTSCHAFTSBLATT" einen aufschlussreichen Gastkommentar unter der Überschrift "Die großen Märchen der großen Banken" an. Der Beitrag stammt von Simon Johnson, US-Ökonom und von März 2007 bis August 2008 Chefökonom des IWF. Schon seine Einleitung ist unmissverständlich: "Entweder wir führen sinnvolle Beschränkungen der Größe unserer Finanzunternehmen ein, oder wir sollten uns auf die nächste schuldengetriebene Wirtschaftskatastrophe vorbereiten." Weiter schreibt Johnson: "Zur Erklärung der jüngsten Finanzreformbemühungen und der weltweiten Gefahren durch sehr große Banken existieren zwei konkurrierende Geschichten. Eine davon ist falsch, und die andere ist beängstigend. (...) In der zweiten Geschichte sind die weltweit größten Banken auch heute zu groß, um kontrolliert werden zu können, und unterliegen weiterhin Anreizen, genau die Art exzessiver Risiken einzugehen, die ganze Volkswirtschaften zum Einsturz bringen können. Die Handelsverluste des 'Londoner Wals' (vgl. hier, hier und hier, d. Verf.) bei JPMorgan Chase im letzten Jahr sind dafür beispielhaft. Und laut den Vertretern dieser Geschichte zeigen fast alle großen Banken Symptome chronischer Misswirtschaft." Mehr dazu hier, das Original in Englisch hier. Wie sehr uns die Banken und die Politiker mit ihrer Bekämpfung der angeblichen Staatsschuldenkrise an der Nase herumführen wird deutlich, wenn Simon feststellt: "Eine geordnete Abwicklung globaler Großbanken ist eine Illusion. Solange wir länderübergreifende Banken in der heutigen Größe erlauben, werden unsere Politiker nicht zulassen können, dass sie pleite gehen." Das ist nach unserer Auffassung auch der Grund, warum die Bankenkrise in Europa seit 2009 in eine Staatsschuldenkrise umgedeutet wurde. So fällt die groß angelegte milliardenschwere Subventionierung der Banken in der Öffentlichkeit nicht auf. Am Ende dieser Entwicklung kommt unweigerlich der von uns bereits vor zwei Jahren prognostizierte Finanz-Kollaps (vgl. hier. Es lohnt sich übrigens immer noch, in unseren "alten" Beiträgen zu stöbern...!). Verbunden mit einer völligen Zerstörung der Privatvermögen. Es ist nur eine Frage der Zeit. So lange bieten Politik und Finanzindustrie ganz großes Theater. 
Quelle: allvoices.com

Simon Johnson: "Die Argumentation der Finanzindustrie, alles sei in Ordnung, basiert auf einem riesigen Mythos."


Aus für europäische Ratingagentur
(wirtschaftsblatt.at) Das Vorhaben, eine europäische Ratingagentur zu schaffen, ist vorerst gescheitert - Initiatoren haben keine Geldgeber gefunden. Mehr...

Kommentar: Ein gutes Beispiel dafür, wie es um die Ernsthaftigkeit für eine Neuordnung bestellt ist. Dabei wäre es schon ein kleiner Fortschritt, wenn den drei US-Agenturen mit einer eigenen europäischen Ratingagentur endlich die Stirn geboten wird. Selbst die Chinesen leisten sich eine eigene Agentur. Wieder ein Schritt in die richtige Richtung, den die Finanzindustrie in einer konzertierten Aktion erfolgfreich abgeblockt hat. 300 Millionen Euro wären für die Gründung nötig gewesen (hier). Gemessen an den Beträgen zur Rettung der Banken lächerlich gering. Nur logisch, dass sich EZB oder auch die Bundesbank, als Interessenvertreter der Banken, nicht dafür stark gemacht haben. Ein weiteres (kleines) Beispiel dafür, dass die Bundesbank nicht die Achtung verdient, die ihr von den Deutschen entgegen gebracht wird.


Kauflaune kennt keine Flaute: Deutsche sparen so wenig wie nie
(n-tv.de) Die deutschen Verbraucher lassen sich von der europäischen Schuldenkrise nicht die Laune verderben. Trotz mauer Konjunkturdaten steigt die Stimmung. Die Eskalation in Zypern unterstützt diese Entwicklung nur noch. Denn entscheidender als die Schieflage in den Staatskassen sind die persönlichen Verhältnisse. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: So oder ähnlich lauten in diesen Tagen die Meldungen in den Medien. Bezug genommen wird auf eine Verbraucherumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Dort wird behauptet: "Die Deutschen sparen so wenig wie noch nie und sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr. Die Sparneigung fiel im April auf einen historischen Tiefstand." Ach so, "reale Lohnzuwächse" sind auch "in Sicht", schreibt "n-tv.de". Schon seit Monaten wird behauptet, die Deutschen seien dem Konsum geradezu verfallen. Alles Propaganda. Unser Lieblingsstatistiker, Steffen Bogs, hat sich der Sache angenommen und das Ergebnis bei "querschuesse.de" veröffentlicht: "Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -2,8% zum Vorjahresmonat". Bogs schreibt in seiner Einleitung: "Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute Morgen erneut schwache deutsche Einzelhandelsumsätze, diesmal für den Monat März 2013. Die nominalen Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten Originaldaten sanken um -1,4% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen Umsätze sanken um -2,8% zum Vorjahresmonat. Der März 2013 hatte allerdings mit 25 Verkaufstagen zwei Verkaufstage weniger als der März 2012. Berücksichtigt man die Saison- und Kalendereffekte lagen nominal die Einzelhandelsumsätze unverändert, im Vergleich zum Vormonat und real ging es um -0,3% zum Vormonat abwärts! Weiter dokumentieren diese Daten für Deutschland eine langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,7% unter dem Niveau von 2000 und um -1,9% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der langen Datenreihe!" Zur Lohnetwicklung weiss Bogs auch mehr: "Leider sind die schwachen Daten zum realen Einzelhandel, seit 19 Jahren darbend, konsistent, denn sie spiegeln nur die miese Lohnentwicklung der letzten 2 Jahrzehnte in Deutschland wider." Mehr dazu hier. Diese beiden Grafiken aus dem Beitrag zeigen die ernüchternde Wahrheit: 


 




Die Erosion Europas
(project-syndicate.org)  Noch vor wenigen Wochen schien das Schlimmste der Finanzkrise in Europa überstanden zu sein und wieder Ruhe einzukehren. Dieser Schein sollte sich aber binnen kurzer Zeit als ein gründlicher Irrtum erweisen. Schon ein kleineres Problem wie Zypern genügte, verbunden mit einer kaum für möglich gehaltenen Unfähigkeit der entscheidenden Akteure in EU, ECB und IMF, um aus einer Mücke erneut einen Krisenelephanten entstehen zu lassen. Die Märkte blieben zwar ruhig, aber die Zypernkrise machte durch ihre Folgen das ganze Ausmaß des politischen Desasters sichtbar, das sich durch die anhaltende Krise in der Eurozone entwickelt hat: Die EU zerbröselt in ihrem politischen Kern. Und diese Vertrauenskrise der Europäer in Europa ist weitaus gefährlicher, als eine erneute Aufregung der Märkte, weil sie nicht durch eine technische Maßnahme der Zentralbank beruhigt werden kann. Mehr...

Kommentar: Joschka Fischer macht sich große Sorgen um Europa. Seine Analyse ist im großen und ganzen zutreffend, seine Lösungsvorschläge richtig. Aber nur unter einer Bedingung: VORHER müssen Finanzindustrie und Finanzmärkte neu strukturiert, teilweise ganz neu geschaffen werden. Die Regierungen müssen schlicht ihre Versprechen einlösen, die sie 2008/2009 gegenüber der Welt abgegeben haben: Die Durchführung einer umfassenden Finanzreform. Fischer klammert dieses Thema - aus Ahnungslosigkeit? - leider aus. Unabdingbar ist es beispielsweise, die Bankenhilfen aus den Salden der Staatsschulden herauszurechnen und gesondert zu behandeln, so wie es Deutschland mit dem Schattenhaushalt für die Hypo Real Estate und die Commerzbank praktiziert. Es wird eine echte Überraschung, wie sehr sich dann die Staatsschuldenquote einzelner Staaten verbessert. Dazu mangelt es nicht an Vision, Mut und Entschlusskraft, wie Fischer glaubt, sondern an Handlungsfähigkeit durch Unabhängigkeit. Dazu unser Beitrag "Was macht Regierungen handlungsunfähig?" (hier). 


Griechische Demokratie marktkonform versenkt
(heise/telepolis.de) Eine Delegation griechischer Gewerkschaftler und sozialer Aktivisten auf Deutschlandbesuch berichtet nicht nur von den verheerenden Folgen der Krise, sondern auch von solidarischen Gegenstrategien. Mehr...

Kommentar: Was wir vermissen ist die Solidarität der deutschen Gewerkschaftler mit den Kollegen. Nicht nur in Griechenland. Kommt die Krise in Deutschland an, ist es dafür zu spät. 


China vor einer neuen Konsumwelle?
(manager-magazin.de) Seit Jahren redet Chinas Führung von einem Rebalancing der Wirtschaft - weg vom Export, hin zum Konsum. Dieser dringend notwendige Schwenk könnte bald gelingen, wenn die über 200 Millionen Wanderarbeiter endlich ihren Status als normale Bürger bekommen würden. Mehr...

Kommentar: Falls dieser Plan gelingt, verschwindet dadurch die Finanzkrise oder entsteht dadurch Wachstum in Europa? Wohl kaum, höchstens wird die Entwicklung der finalen Krise einige Zeit aufgehalten. Auch China hat nämlich, genau wie der Westen, das Problem eines völlig maroden Finanzsektors. Außerdem eine Wirtschaft, die von Dauer-Konjunkturprogrammen am Leben gehalten wird. Da werden gerne Städte gebaut, in die keiner zieht, und Flughäfen, die niemand braucht. Aber klar, die deutsche Wirtschaft wird sich daraus wieder einen neuen Aufschwung zurechtbasteln. Nachhaltig wird der nicht.     


US Homeownership Rate Drops To 1995 Levels
(zerohedge.com) As the US Census Bureau reported earlier today  [8] , the US homeownership rates in the first quarter of 2013 dropped by another 0.4% to a fresh 18 years low, or 65% - the lowest since 1995! Read more...

Kommentar: Im Zusammenhang mit den Quartalszahlen der US-Banken geisterte kürzlich reihum durch die deutschsprachigen Medien die Mär von der Erholung des US-Häusermarkts (beispielsweise hier). JP Morgan Chase und Wells Fargo haben damit ihre Milliardengewinne für das erste Quartal 2013 begründet: "Auf die Woche heruntergebrochen werden sie damit um eine Milliarde Dollar reicher." Wie nicht anders zu erwarten, sieht die Wirklichkeit ein "bisschen" anders aus. Der Chart aus dem Beitrag macht augenfällig, was Sache ist: 


 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.