Donnerstag, 2. Mai 2013

Standpunkt 622 - Nachrichten-Ticker, 01.05.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: Enteignung – Staat und Bank – Banken-Märchen aus der Schweiz – Euro – Sparpolitik – Rezession statt Wachstum – EZB und die Konjunktur – Rainer Brüderle versus Frankreich


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Angst vor Enteignung: Die Deutschen fliehen ins Bargeld
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) In der EU ist deutlich mehr Bargeld im Umlauf als noch vor einem Jahr. Dennoch bezahlen die Bürger nicht mehr Produkte mit Bargeld. Vielmehr holen sie das Bargeld von den Banken und horten es unter der Matratze. Die Angst vor einer drohenden Enteignung geht um. Mehr...

Kommentar: Wer den Beitrag bis zum Ende liest, erfährt auch gleich, warum das keine wirklich gute Idee ist. In den großen, europäischen Staaten geht es nicht um ein paar Milliarden Euro, die zur Rettung der Banken nötig sind. Deshalb werden die Regierungen zu anderen Mittel greifen, um an das Geld ihrer Staatsbürger, in dem Fall muss es wohl eher Staatsbürgen heißen, zu kommen. Ein Bargeldverbot ist die Lösung. Ganz oder zum größten Teil wird die Bezahlung mit Bargeld verboten werden. Innerhalb der EU, aber außerhalb der Eurozone, gibt es bereits ein Versuchslabor für die vollständige Abschaffung des Bargeldes: Schweden. Norwegen hat bereits angekündigt, sich anzuschliessen. Andere Länder, wie Griechenland, Spanien oder Italien, haben bereits die Bezahlung mit Bargeld eingeschränkt. Italien wollte ab 1. Juli 2013 alle Barzahlungen über 50 Euro verbieten. Möglicherweise wird die neue Regierung Letta davon erst noch einmal abrücken. Sicher ist das nicht. Außerhalb Europas hat sich bereits Kanada fest dazu entschlossen, sukzessive das Bargeld abzuschaffen. Alle machen das natürlich nur, um die vielen Auswüchse der Kriminalität und des Terrorismus' zu bekämpfen, also mit sehr ehrenhaften Begründungen. Europa wird zugenagelt, d. h. auch die Schweiz, Liechtenstein oder Großbritannien sind keine Hilfe. Was vom Bargeldverbot nicht erfaßt wird, fällt den Devisen- und Kapitalverkehrskontrollen zum Opfer. Bargeld zu horten ist wirklich keine gute Idee! Ein bisschen mehr Phantasie ist schon gefordert, um sich gegen die absehbaren Entwicklungen abzusichern. 


Bill Gross erwartet weitere "Schuldenschnitte" auf Kosten von Sparern und Anlegern
(format.at) Nach Auffassung von Bill Gross, bei der Allianz SE-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco) für den weltweit größten Anleihefonds zuständig, gehen die Bondkaufprogramme und die Niedrigzinsen, mit denen die Notenbanken das Wachstum fördern und die Preise von Vermögenswerten stützen, auf Kosten von Sparern und Anlegern. Mehr...

Kommentar: Diese Meldung bezieht sich auf den neuesten "Investment Outlook" von Bill Gross, Titel "There Will Be Haircuts". Er steht in Englisch hier zur Verfügung. Kurzfristig wird auch eine deutsche Übersetzung hier zur Verfügung stehen. Der Beitrag zeigt einmal mehr wie berechtigt die Sorge vor einer Enteignung ist. Leider ist dem nicht zu begegnen, indem die sauer verdienten Spargroschen unter die Matratze wandern oder im Garten verbuddelt werden. Und was ist mit den Immobilien, Lebensversicherungen, Bausparverträgen und "Bundesschätzchen", etc., die sich nicht so ohne weiteres schützen lassen? Es ist sehr naiv zu glauben, dass der Staat davon die Finger lässt. Unmöglich. Demnächst brauchen die europäischen Regierungen, inklusive der deutschen, jeden Cent, auf den sie zugreifen können. Die Bankenrettungen, aka Staatsschulden, werden ungeahnte Ausmaße annehmen. 


Staat und Bank entflechten?
(handelsblatt.com) Die Krisen kommen in immer kürzeren Abständen. Deshalb müssen Banken sicherer werden. Mehr Eigenkapital hilft dabei sicher, es ist aber keine Patentlösung. Auch der Staat muss seinen Teil dazu beitragen. Mehr...

Kommentar: Das nennen wir einen hervorragenden propagandistischen Schachzug. Der Ex-Chef der Dresdner Bank philosophiert über die Entflechtung von Staat und Bank. Und vermittelt dabei den Eindruck, der Staat sei es, der die Banken benötigt. Phantastisch, diese Chuzpe. Der Mann ist auf jeden Fall als Lobbyist der Banken sein Geld wert. Was er schreibt, scheint schlüssig. Tatsächlich ist es ein neuerlicher Angriff auf die Intelligenz. Wir wollen unsere LeserInnen nicht langweilen, wir haben einfach schon zu oft erklärt, wie die Sache sich in Wahrheit verhält. An dieser Stelle deshalb nur die Kurzform: Die Banken sind, ausnahmslos, vom Staat abhängig, selbst die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Nicht umgekehrt. Wir werden es bald erleben. Deren Geschäftsmodelle haben versagt und zu gigantischen Müllbergen in den Bankbilanzen geführt. 2009 schrieb Österreichs "DIE PRESSE" mutig: "44 Prozent der Vermögens-Werte der europäischen Banken sind 'faul' oder unverkäuflich - in Summe 18,2 Billionen Euro. Dieses systemische Risiko könnte weitere Banken-Hilfspakete notwendig machen." Mehr dazu hier. Seit dieser Zeit versuchen Politik und Finanzindustrie, in wenig überraschender Einmütigkeit, diesen Müll Stück für Stück zu vergemeinschaften. Zukünftig mit dem direkten Zugriff auf die Einlagen der Sparer und Anleger. Schliesslich geht es demnächst um richtig große Brocken. So schätzen wir alleine den Bedarf Spaniens zur Rettung seiner Banken auf lockere 300 Milliarden Euro. In Italien, Frankreich und später Deutschland, werden noch ganz andere Beträge fällig. Das wird den Betroffenen die Tränen in die Augen treiben. 


"Beim Gewinn gibt es noch Raum nach oben"
(tagesanzeiger.ch) Beide Grossbanken starteten mit guten Zahlen ins Jahr – und überboten sich gegenseitig mit Eigenlob. Wie viel ist die Rhetorik der UBS- und CS-Chefs wirklich wert? Bankenanalyst Rainer Skierka im Interview. Mehr...

Kommentar: Das "Schweizer Banken-Modell" der Volksverblödung. Ein Bankenanalyst schwadroniert öffentlich über das tolle Geschäftsmodell und die hervorragende Kapitalausstattung der beiden Schweizer Großbanken. Das ist lächerlich. Wir hoffen sehr, unsere LeserInnen in der Schweiz lassen sich davon nicht einlullen. Die Luftgeschäfte der UBS und CS sind gigantisch. Und die Grantieversprechen der Schweizer für diese Banken auch. "Die schweizerische Schuldenbombe" überschreibt "heise/telepolis.de" bereits am 01.01.2011 einen Beitrag zu diesem Thema. Einleitend steht dort: "Großbanken haben jeden Schweizer potentiell mit einem Risiko von 4.500.000 CHF exponiert". Mehr dazu hier. Wem die Summen darin über den Kopf wachsen, der sollte sich näher mit den Bilanzen der beiden Banken beschäftigen, zu finden hier und hier. Alternativ oder ergänzend noch einmal mit unserem Beitrag vom "Desaster Derivatehandel" (hier). 


"Die große Lösung": Der Euro für alle
(diepresse.com) Es bleiben zwei Varianten: Die Schaffung eines optimalen Währungsraums oder die Ausweitung des Euroraums auf die gesamte EU. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswerter Beitrag zu den Möglichkeiten, die Krise in Europa zu lösen. Leider berücksicht der Autor, Fritz Breuss, nicht eine vorher dringend nötige Finanzreform. Erst danach kann es um einen Ausbau der EWU gehen, für die Breuss viele gute Gründe anführt. 


Gewerkschaften fordern Ende der Sparpolitik in Europa
(zeit.de) Bei den Mai-Kundgebungen haben Gewerkschafter gegen Sozialabbau, Sparpläne und Steuerbetrug protestiert. Fast eine halbe Million Arbeitnehmer waren bundesweit unterwegs. Mehr...

Kommentar: Wenigstens zum 1. Mai erinnern sich die deutschen Gewerkschaftsbosse an das ehemals taugliche Mittel der Solidarität. Leider kommt sie zu spät, wie die mangelhafte Unterstützung durch die Basis zeigt. "Jeder ist sich selbst der Nächste" heißt längst die Devise. Darauf baut die Krisenpolitik der Bundesregierung. Das wird sich noch bitter rächen. 

   
Rezession statt Wachstum: Ist Europa bereit für eine Debatte über Alternativen zur Austeritätspolitik?
(querschuesse.de) Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Austeritätspolitik ist für diejenigen, die diese fordern und verfolgen, selbstverständlich darauf gerichtet, Wirtschaftswachstum zu erreichen. Geht man allerdings davon aus, dass die neoklassische und die klassische liberale Wirtschaftstheorie in der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise eklatante Schwächen offenbart und ihren begrenzten Orientierungswert für die Krisenbewältigung unter Beweis gestellt haben, dann fragt sich, wieso überhaupt irgendjemand an den Erfolg der Austeritätspolitik glauben konnte. Denn sie ist ein Konzept, das aus der liberalen Wirtschaftstheorie abgeleitet ist. Eins ist klar: Ohne nachhaltige, kräftige Wirtschaftsbelebung geht nichts – auch und ganz besonders nicht im Hinblick auf die Sanierung von Staatsfinanzen. Was in den europäischen Schuldenstaaten jedoch tatsächlich geschieht, ist exakt das Gegenteil. Die Austeritätspolitik drückt deren Volkswirtschaften immer tiefer in die Rezession. Mehr...

Kommentar: Eine schlüssige Analyse von SLE. Der aber, das ist schon weit verbreitete Regel, die Ursachen für die überbordenden Staatsschulden außen vor lässt. Gegen sein Fazit haben wir keine Einwände: "Nein, Europa ist noch nicht bereit für eine Debatte über Alternativen zur Austeritätspolitik." Das ist bitter, aber Fakt. Unbedingt lesen. 


S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Die letzte Waffe der EZB
(spiegel.de) Deutschland steht vor dem konjunkturellen Absturz - und wird doch nichts dagegen unternehmen. Jetzt kann nur eins helfen: Die Europäische Zentralbank muss die Zinsen senken. Mehr...

Kommentar: In jüngster Zeit scheint Wolfgang Münchau, so wie in dieser Kolumne, immer wieder einmal die Spur des Geldes zu verlieren. Oder will er gar eine neue legen? Wie kann er noch daran glauben, dass eine Zinssenkung der EZB eine positive Auswirkung auf die Konjunktur hat und zieht diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht? Die USA und Japan sind doch Beispiel genug dafür, dass billiges Geld nicht die Konjunktur, sondern höchstens die Spekulation antreibt. Recht hat Münchau nur mit der Forderung nach einer Abkehr von der Sparpolitik, aber auch mit der Einschätzung, dass daraus nichts wird. Was der deutschen Konjunktur hilft, ist ein zügiger Abbau des Investitionsstaus der öffentlichen Hand. Der beträgt nach der letzten aktuellen Schätzungen satte 100 Milliarden Euro (hier). Ärgerlich: "Besonders im Bildungs- und Verkehrsbereich, also in Kitas, Schulen sowie auf dem kommunalen Straßennetz sind die Rückstände besonders virulent", schreiben die "Kölner Nachrichten". Tendenz steigend. Schuld an dieser Entwicklung ist die leidige Schuldenbremse, in Kraft seit 1. August 2009. Allen vernünftigen Warnungen zum Trotz (hier, hier, hier, hier und später hier) wurde an dem einmal eingeschlagenen Weg eisern festgehalten. Die Wirkung wird verheerend sein. 


Brüderle: Frankreich nicht mehr auf Augenhöhe mit Deutschland
(faz.net)  Im Streit um die richtige Wirtschaftspolitik teilt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle gegen Frankreichs Präsident Hollande aus: Seine Regierung „wirtschaftet das Land dermaßen herunter, dass Frankreich derzeit nicht mehr auf Augenhöhe mit Deutschland ist.“ Mehr...

Kommentar: LeserInnen, die unseren Blog schon länger verfolgen wissen, dass wir Rainer Brüderle für einen Dampfplauderer und eine der schlimmsten Dumpfbacken in der deutschen Politik halten. Darum geht es uns heute aber nicht. Vielmehr wollen wir mit diesem Beitrag die Sinne unserer LeserInnen dafür schärfen, was demnächst in Europa passiert und wie wenig Grund Deutschland für dieses Frankreich-Bashing hat. Nehmen Sie den Beitrag zur Kenntnis, archivieren Sie ihn, damit er Ihnen spätestens in einigen Monaten zur Verfügung steht, wenn die Krise Deutschland erreicht hat und es darum gehen wird, die Ursachen für die Entwicklung zu erforschen. Wir sind uns heute schon sicher, dass da sehr interessante Einzelheiten das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden, die den Angriffen auf Frankreich eine neue Perspektive geben.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.