Sonntag, 19. Mai 2013

Standpunkt 639 - Nachrichten-Ticker, 18.05.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Girokonto für Jedermann – Währungsreform – Deutschland in Europa – Globalisierung – EU-Wachstumspakt versus Krisenländer Slowenien 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Große Nachfrage nach Girokonto für Jedermann
(handelsblatt.com) Wer eine eher geringe Kreditwürdigkeit vorzuweisen hat, kann mit dem Bürgerkonto ein Girokonto bekommen, das nur Guthaben ausgibt. Die Nachfrage nach dem schon 1995 eingeführten Konto ist stetig gestiegen. Mehr...

Kommentar: Es klappt - die Bundesregierung nimmt mit Hilfe der EU jetzt auch die Schuldner endgültig unter Kontrolle. Noch klingt es nach Verschwörungstheorie, aber für uns ist es Teil der staatlichen Enteignungsstrategie. Selbst die ärmsten der Armen sind noch dankbare Objekte für die vielen Maßnahmen der von uns hier beschriebenen "sanften" Enteignung. Es geht um Leistungsverweigerungen, Gebührenerhöhungen und natürlich Kapitalverkehrskontrollen. 


Ökonom: "Währungsreform ist der einzige Ausweg aus der Schuldenkrise"
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Ökonom Christoph Braunschweig sieht zur Lösung der Schuldenkrise nur zwei Alternativen: Entweder kommt es zum völligen Chaos oder zu einer Währungsreform. Um einen sozialen Flächenbrand in Europa zu verhindern, dürften sich die Politiker für die Währungsreform vorbereiten. Sie bietet den Eliten den angenehmen Nebeneffekt, dass sie an der Macht bleiben können. Mehr...

Kommentar: Ein absolut lesenswerter Beitrag. Christoph Braunschweig nennt öffentlich die Zahl, die aus Sicht der Bundesregierung eine Währungsreform unumgänglich macht, fraglich ist nur noch der Zeitpunkt. Es sind die über acht Billionen Euro eigene Schulden und Verpflichtungen (ohne die Garantien aus den bisherigen Euro-Rettungsmaßnahmen!), die Deutschland auf der Tasche liegen. Natürlich redet niemand freiwillig darüber, kein Politiker, kein Volkswirtschaftler. Braunschweig macht für diese Entwicklung im wesentlichen den Wohlfahrtsstaat verantwortlich. So sehen wir das nicht. Für uns sind es die unsäglichen Steuervergünstigungen, die schon seit ewigen Zeiten die Einnahmen des Staates erodieren lassen. Diese Summe von 8.000.000.000.000 Euro wird sich demnächst drastisch erhöhen. Dann nämlich wenn es darum geht, die bankrotten deutschen Banken zu retten, allen voran die Deutsche Bank. Da geht es um unvorstellbare Summen, ein paar Hundert Milliarden Euro werden kaum reichen, um den ganzen Müll aufzuräumen, der in deutschen Bankbilanzen vor sich hin modert. Den Letzten beißen die Hunde, d. h. die Deutschen stehen dann mutterseelenallein auf weiter Flur. Die Einlagen der Sparer in den anderen Ländern sind zu diesem Zeitpunkt längst verbraucht - zur Rettung heimischer und deutscher Banken. Das "BILD"-ungsbürgertum hofft inständig auf eine Währungsreform und meint damit den Umtausch von Euro zurück in die D-Mark. So wird es aber nicht funktionieren, das zeigt eindrucksvoll die Geschichte. Eine Währungsreform ist immer zwingend verbunden mit erheblichen Vermögensverlusten der betroffenen Bevölkerung durch weitreichende Enteignungen (hier, hier). 


Wir müssen es aushalten, nicht gemocht zu werden
(welt.de) Es ist das Dilemma des Strebers: Europas Bürger bewerten Deutschland als arrogant, unsensibel, egoistisch. Den anderen also entgegenkommen? Nein! Mit Solidarität wird nur Eigenverantwortung verwischt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: So lange solche hirnverbrannten Beiträge in deutschen "Leidmedien" erscheinen haben die recht, die Europa in einer Art Bürgerkrieg sehen und alle anderen, die eine Verschlimmerung der Krise in Europa und den irreparablen Zerfall der EU befürchten. Deutschland arrogant, unsensibel und egoistisch? Viel schlimmer, es ist auch noch unfassbar dumm. 

Europa hat keine Staatsschuldenkrise, Europa hat eine Bankenkrise. Angeführt wird diese Krise nicht von den Banken der Peripherie, sondern aus der Mitte Europas. Dazu die folgende Grafik zum Beweis: 


Quelle: zerohedge.com

Seit der Lehman-Pleite, die hierzulande als Auslöser der Finanzkrise wahrgenommen wird, haben sich die Zustände in Frankreich, Holland, Großbritannien noch verschlimmert. In Deutschland besonders drastisch von 83% (2009) auf aktuell weit über 300% (Quelle: "Too big to rescue", 15.02.2009, 'creditwritedowns.com', hier). Kein Grund also für Deutschland, einen auf dicke Hose zu machen. 

In diesem Zusammenhang lohnt auch ein Blick auf die staatlichen Hilfen für den notleidenden Finanzsektor der EU27-Staaten: 



Quelle: annotazioni.de; 1/2008 - 11/2011, in Mrd. Euro

Deutschland liegt auf Platz 2, Frankreich und Spanien folgen mit großem Abstand auf den Plätzen 5 und 6, Griechenland, Portugal oder Italien sind nicht platziert, sondern gehen auf im Rest, immerhin insgesamt 19 Staaten, auf die sich nur gut 500 Milliarden Bankenhilfe verteilen. 

Deutschland trägt das Krebsgeschwür seit Jahren schon in sich, scheut nur die Diagnose und markiert den starken Mann.  


Europa braucht einen Martin Luther
(presseurop.eu) Die EU wird zur verdorbenen Kirche, in der Deutschland mit dogmatischer Orthodoxie im Wirtschaftsbereich den Ton angibt. Die Politik muss durch ein protestantisches Schisma von der Basis aus die Kontrolle zurückerlangen, fordert Repubblica-Leitartiklerin Barbara Spinelli. Mehr...

Kommentar: Ein charmantes Gleichnis, dessen sich die Autorin bedient, um den Zustand Europas zu beschreiben. Ansonsten findet sie aber ziemlich deutliche Wort, wie der folgende Auszug beweist: "So etwas geschieht nur in solch einem Europa, das auf einen Schiffbruch zusteuert, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern wegen der quälenden Dummheit seiner Politik: Es ist ein Skandal, dass der deutsche Verfassungsgerichtshof entscheidend für jeden Unionsbürger geworden ist, während der Verfassungsgerichtshof in Portugal gar keine Rolle spielt. Jens Weidmann, Präsident der deutschen Bundesbank, bezichtigt [Mario] Draghi, seine Kompetenzen zu überschreiten, wenn dieser den Euro mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln retten will, und erklärt einer Währung den Krieg, die gemeinsame Währung genannt wird, weil sie nicht Berlin allein gehört. Die Kompetenzen der EZB sind klar, obwohl Weidmann ihre Verfassungsmäßigkeit bestreitet: Wahrung der Preisstabilität (Artikel 127 des Lissabon-Vertrags), dies jedoch unter Achtung von Artikel 3, der eine nachhaltige Entwicklung Europas, Vollbeschäftigung und Verbesserung der Umweltqualität, den Kampf gegen die soziale Ausgrenzung, soziale Gerechtigkeit und sozialen Schutz, wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt sowie Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten vorsieht." Oder auch damit: "In seiner festen Überzeugung, dass einzig die Märkte uns lenken, wird Berlin nur dann beeinflussbar sein, wenn die Politik gegenüber in Dogmen ausgearteten Wirtschaftsthesen die Oberhand gewinnt. Wenn Regierungen, Parteien und Bürger klar ihre Ideen über ein Europa äußern, das ein anderes Europa werden muss und nicht das heutige Europa bleiben darf, mit seinen beschränkten Ressourcen und den ans 19. Jahrhundert gemahnenden Machtverhältnissen, in die es verfallen ist." Barbara Spinelli erinnert außerdem an Konrad Adenauer, der schon 1958 erkannt hat, "Europa darf nicht den Ökonomen überlassen werden". Heute würde Adenauer sicherlich eine kleine Korrektur anbringen: "Europa darf nicht den Bankern überlassen werden". Jedenfalls ein sehr erfrischender Beitrag aus einem Land mitten in der Krise, Italien. Übrigens, das folgende Zitat stammt ebenfalls von Konrad Adenauer: "Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle." Es ist fünfzig Jahre her, aber heute wichtiger denn je. 


Das Globalisierungswunder
(handelsblatt.com) Globalisierung und Kapitalismus sind immer noch die Lieblingsfeinde für Europas Linke. Dabei sorgen just die beiden Bösewichter für einen historischen Wohlstandsschub – gerade bei der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Mehr...

Kommentar: Das Märchen eines bekennenden Neoliberalen, Marktliberalen, Kapitalhörigen. Den Wohlstandsschub gibt es seit 2008 nur noch für die Vermögenden. Alle anderen rutschen immer schneller abwärts. So hat sich auch seit 2008 die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt verdoppelt. Weil Globalisierung und Kapitalismus keinen Mechanismus haben, die Folgen der Finanzkrise abzumildern. Deren Krisenlösungen verschlimmern für die ärmste Hälfte die Wirkung nur noch, während die reichsten 1% noch reicher werden. Zwei Grafiken, die den Wohlstand zeigen: 


Quelle: stefanleichnersblog.blogspot.de
  
 
Quelle: stefaneichnersblogsot.de

Und eine weitere Grafik aus dem Mutterland des Kapitalismus, die die Entwicklung der Unternehmensgewinne in der Krise zeigt: 


Quelle: businessinsider.com

Der Einbruch aufgrund der Krise ist bereits mehr als wettgemacht. 


EU-Wachstumspakt nutzt reichen Nordländern
(spiegel.de) Der für die südeuropäischen Krisenstaaten entworfene EU-Wachstumspakt dürfte vor allem Nordeuropa nutzen. Nach Informationen des SPIEGEL wird die Wirkung von Projektanleihen, mit denen große Infrastrukturprojekte finanziert werden sollen, im Norden getestet. Auch Deutschland dürfte profitieren. Mehr...

Kommentar: Seit Jahren das gleiche Muster: Deutschland sorgt vor - natürlich zu Lasten der Anderen. Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht... 


Ratingagentur Fitch stuft Slowenien herab
(diepresse.com) Die Kreditwürdigkeit sank von "A-" auf "BBB+". Grund seien die Risiken am Bankensektor. Weitere Herabstufungen seien möglich. Mehr...

Kommentar: Der Showdown beginnt für Slowenien. Die Metzger in Berlin, Brüssel, Frankfurt, Washington und New York wetzen schon ihre Messer. Es gilt: Rette sich, wer (noch) kann, auch in Österreich. Die Auswirkungen für die österreichischen Banken werden bei Slowenien überschaubar bleiben, trotzdem wird der Druck zunehmen und bis zum nächsten Ereignis auch nicht mehr nachlassen. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.