Mittwoch, 22. Mai 2013

Standpunkt 642 - Nachrichten-Ticker, 21.05.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: EU-Bankenrettung – Finanzkrieg – Sparpolitik – Handelsüberschüsse in Europa – Papier-Gold – Bundesbank und die Aktien – Immobilienblase – Spanien – China – Fed beatmet Auslandsbanken – Wende!


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht"
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Zypern wird Modell für Bankenrettung
(sueddeutsche.de) Wer mehr als 100.000 Euro auf der Bank hat, muss im Notfall bluten: Das EU-Parlament entscheidet, dass Großanleger für die Rettung von Geldhäusern herangezogen werden können. Eine solche Beteiligung von Kontobesitzern hatte in Zypern kürzlich zu politischem Chaos geführt. Mehr...

Kommentar: Die EU macht Nägel mit Köpfen. Noch bleiben Einlagen bis 100.000 Euro und die Einlagensicherung unangetastet. Von Dauer ist das nicht. 


"Politik hat Boden für Finanzkrieg bereitet"
(derstandard.at) Früher war er Korruptionsjäger, nun wettert Wolfgang Hetzer gegen den Kapitalismus und warnt vor dem Verlust des sozialen Friedens.
Die Welt befindet sich im Krieg, im Finanzkrieg. Davon ist Wolfgang Hetzer überzeugt. Er war bis 2011 beim europäischen Amt für Korruptionsbekämpfung OLAF tätig. Was er dort erlebt hat, lässt für den Juristen nur einen Schluss zu: Der Kapitalismus ist eine Kriegserklärung an die bürgerliche Welt. (...) Die derzeitige Wirtschaftskrise ist demnach ein Produkt aus politischen Fehlentscheidungen, wirtschaftlicher Inkompetenz und krimineller Energie. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt Hetzer, warum wir uns im Finanzkrieg befinden, warum Krieg der richtige Begriff ist, wie wir aus dem Gefecht heraus kommen und warum wir keine Lämmerherde sein müssen. Mehr...

Kommentar: Das Interview ist aus unserer Sicht ein echter Hammer. Hetzer spricht uns aus dem Herzen. Er sagt, was Sache ist und wie sehr die Politik Schuld hat an der Finanzkrise 2008 und der Krise in Europa seit 2009. Natürlich ist es eine Schande, dass dafür niemand zur Verantwortung gezogen wird. Statt dessen machen alle Beteiligten weiter wie bisher. Die Kosten dafür tragen die Bürger. Die haben unter diesen Bedingungen keine Lust mehr auf ein gemeinsames Europa. 


Illusionäre Sparpolitik
(project-syndicate.org)  Die Doktrin, heute Schmerzen auf sich zu nehmen, um später zu profitieren, hat eine lange Tradition, die bis zu Adam Smith und seinem Lob der Sparsamkeit zurückreicht. Besonders in "schlechten Zeiten" wird sie lautstark vertreten. Im Jahre 1930 erhielt US-Präsident Herbert Hoover von seinem Finanzminister Andrew Mellon folgenden Rat: "Liquidieren Sie die Arbeitsplätze, liquidieren Sie die Aktien, liquidieren Sie die Bauern, liquidieren Sie die Immobilien. Es wird die Fäulnis aus dem System treiben ... Die Menschen werden ... ein moralischeres Leben leben ... und geschäftstüchtige Leute werden die Überreste von den weniger fähigen Menschen übernehmen."
Für "Liquidationisten" von der Art Mellons war die Wirtschaft im Vorfeld des Jahres 2008 voll von krebsartigen Wucherungen – im Bankwesen, im Wohnungssektor und bei den Aktien –, die herausgeschnitten werden müssen, bevor eine Gesundung möglich ist. Ihre Haltung ist klar: Sie sehen den Staat als Parasiten, der dem freien Unternehmertum das Lebensblut entzieht. Volkswirtschaften würden von Natur aus einem Gleichgewichtszustand mit Vollbeschäftigung zuneigen und zwar nach einer Erschütterung relativ schnell sofern sie nicht durch fehlgeleitete staatliche Maßnahmen behindert würden. Diese Sichtweise ist der Grund, warum diese Leute erbitterte Gegner einer keynesianischen Interventionspolitik sind.
Keynes’ Ketzertum bestand für sie darin, die Existenz derartiger Naturkräfte – zumindest auf kurze Sicht – zu bestreiten. Dies stand hinter seiner berühmten Bemerkung "Langfristig sind wir alle tot." Volkswirtschaften können, so glaubte Keynes, für längere Zeiträume in einem „Gleichgewichtszustand der Unterbeschäftigung“ stecken bleiben; in derartigen Fällen bedürfe es eines Impulses von außen, um wieder mehr Beschäftigung herzustellen.
Einfach ausgedrückt: Keynes glaubte, dass nicht alle gleichzeitig durch Sparen wachsen können. Wer etwas anderes annehme, unterläge dem "Trugschluss der Verallgemeinerung". Was für einzelne Teile stimme, träfe auf das Ganze nicht zu. Spart ganz Europa, kann Großbritannien nicht wachsen; spart die ganze Welt, gibt es kein globales Wachstum mehr.
Unter diesen Umständen ist Sparen genau das falsche Rezept. Eine Regierung kann ihr Defizit nicht beseitigen, wenn ihre Einnahmequelle, das Volkseinkommen, schrumpft. Es ist der Defizitabbau, nicht die Verschuldung, die verschwenderisch ist, denn er impliziert die Verschwendung von vorhandenem menschlichen und physischen Kapital – von dem dadurch bedingten Elend ganz abgesehen. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag von Robert Skidelsky, britischer Wirtschaftshistoriker und bekannt geworden durch seine umfassende Biographie über John Maynard Keynes, ist für alle, die immer noch nach Gründen suchen für die gescheiterte Krisenpolitik in Europa. Skidelsky beschreibt gut verständlich, warum Sparen nicht als Krisenlösung funktionieren kann. Wir sehen ihm nach, dass er als Engländer erst auf Großbritannien, dann auf Europa blickt. Sein Fazit überzeugt uns: "Die Ergebnisse der Sparpolitik sind so, wie jeder Keynesianer es erwartet hätte: kaum Wachstum in Großbritannien und der Eurozone in den letzten zweieinhalb Jahren und enormer Rückgänge in einigen Ländern, kaum ein Abbau der öffentlichen Defizite trotz großer Ausgabesenkungen, und eine höhere Staatsverschuldung. Weniger bewusst machen sich die Menschen zwei weitere Folgen der Sparpolitik. Erstens vernichtet eine lange andauernde Arbeitslosigkeit nicht nur die aktuelle, sondern auch eine potenzielle spätere Wirtschaftsleistung, weil sie zur Erosion des "Humankapitals" der Arbeitslosen führt. Zweitens hat die Sparpolitik jene unten auf der Einkommensleiter deutlich stärker getroffen als jene oben, einfach deshalb, weil jene oben viel weniger auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Wir werden also in einem "Gleichgewichtszustand der Unterbeschäftigung" verharren, bis sich die Politik in Großbritannien und der Eurozone ändert (immer vorausgesetzt, dass die Politik in den USA sich nicht verschlimmert). Angesichts des Gezeters von rechts nach noch rigoroseren Einschnitten täten Staatsmänner, die zu ängstlich sind, die öffentlichen Ausgaben zu erhöhen, klug daran, diesen Rat zumindest zu ignorieren." Stimmt. 


Die hohen Handelsbilanzüberschüsse der Eurozone sind ein Zeichen der Schwäche
(fuw.ch) Die siebzehn Länder der Eurozone haben im März 2013 zusammen den höchsten Handelsbilanzüberschuss seit 1999 erzielt. Im Jahresvergleich stagnierten die Exporte, während die Importe um 10% schrumpften. Damit wird klar, dass der Handelsbilanzüberschuss kein Anlass zur Freude ist. Er ist nicht dank einer höheren Wettbewerbsfähigkeit zustande gekommen, sondern mehr wegen der im Zuge der wirtschaftlich schlechten Lage rückläufigen Nachfrage nach Gütern aus dem Rest der Welt. Mehr...

Kommentar: Statt dessen liefern wir die Grafik aus dem Beitrag dazu: 



Am Papier-Gold gescheitert: Rohstoff-Börse in Hong Kong ist pleite
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Vergangene Woche kündigte die Rohstoff-Börse in Hong Kong, die HKMEx, ihre Schließung an. Die Einnahmen konnten die Betriebskosten nicht mehr decken. Die Kontrakte, die über ein zukünftiges Lieferversprechen von Gold oder Silber abgeschlossen wurden, werden nun bar abgewickelt. Eine Lieferung des Goldes erfolgt nicht. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Diese Meldung macht deutlich: Wer partout die Finger nicht von Gold lassen kann, der darf sich auf keinerlei Experimente einlassen. D. h. immer physisches Gold kaufen und an einem sicheren Ort, mit sofortigem Zugriff, lagern. Alles andere ist Humbug. Und bitte nicht vergessen, wir erwarten ein Goldverbot. Das ist kein Hirngespinst, sondern logisch. Wie das funktioniert hat gerade der Schweizer Marc Faber in einem CNBC-Interview anschaulich beschrieben: "Die Regierung könnte den Preis künstlich drücken, nach unten manipulieren und dann mitteilen, Gold zu halten sei illegal, sie müsste das Gold deshalb einsammeln. 'Sagen wir es so, wenn die Regierung den Preis auf 1'000 Dollar manipuliert hat, dann könnten sie es bei 1'000 Dollar einsammeln und dann auf 10'000 Dollar aufwerten', meint Marc Faber" (Quelle: Faber: "Die USA könnten alles Gold konfiszieren", finews.ch, hier). 


Bundesbank: Europäische Aktien sind nicht überbewertet
(boerse-online.de) Europäische Aktienwerte sind trotz der Kursrally der vergangenen Monaten nicht überbewertet. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Bundesbank.  Mehr...

Kommentar: Aktien zur Krisensicherung sind nur etwas für Hartgesottene mit Nerven aus Stahl. Von dieser Einschätzung sind wir nicht abzubringen - auch nicht durch die Bundesbank. Die bescheinigt ihrer Analyse "methodische Einschränkungen" und erinnert damit fatal an ihre mängelbehaftete Studie über die Vermögensverteilung in Europa.


Blasenangst
(handelsblatt.com) Der deutsche Markt für Wohnimmobilien ist attraktiv und lockt Investoren. Einiges spricht dafür, dass sich das nicht abrupt ändern wird und uns spekulative Übertreibungen erspart bleiben. Von Herbert Walter. Mehr...

Kommentar: Noch so ein Bereich, wo wir uns gegen die herrschende Meinung stellen. Sobald die Krise in Deutschland ankommt purzeln die Preise. Und dann wird plötzlich doch von einer Immobilienblase die Rede sein. Wer Zweifel an unserer Einschätzung hegt, der sollte sich gelegentlich die Immobilienmärkte in den Niederlanden (hier) und der Schweiz (hier) näher ansehen. Dort gibt es Anschauungsmaterial.   


Spanien: Die Jagd auf Banker beginnt
(format.at) Die Bilder von Miguel Blesa, dem früheren Chef der Sparkasse Caja Madrid, auf dem Weg ins Gefängnis hinterlassen in Spanien einen tiefen Eindruck. Sie deuten darauf hin, dass Banker zur Verantwortung gezogen werden können. Ihnen wird eine Mitschuld an den Finanzproblemen einiger Banken vorgeworfen, die mit dafür verantwortlich sind, dass Spanien einen Hilfsantrag bei der Europäischen Union stellen musste. Mehr...

Kommentar: Schön wär's. Allein, uns fehlt der Glaube. 


Is Shadow Banking China’s Subprime Mortgages?
(thediplomat.com) The volume of shadow banking reached a staggering 55 percent of China’s GDP in 2012. Read more...

Kommentar: China sieht die Gefahr und will sein Bankensystem reformieren. Zu spät, da ist nichts mehr zu retten. Gerade deshalb ein aufschlussreicher Beitrag. 


Thanks To QE Bernanke Has Injected Foreign Banks With Over $1 Trillion In Cash For First Time Ever
(zerohedge.com) Two years ago, Zero Hedge first made the observation that the bulk of Fed reserves (also known simply as "cash created out of thin air" because money is first and foremost fungible no matter what textbook theoreticians may claim, and the only cash allocation preference is the capital allocation IRR analysis) had been parked not with US banks, but with foreign banks with US-based operations. We followed that with more analyses, showing explicitly how the Fed was providing a constant cash injection to foreign banks courtesy of the rate on overnight reserves which is the amount Fed pays to banks that hold reserves with it, as the bulk of reserves continued to end up with foreign banks - a situation set to become a huge political storm some time in 2014-2015 when the IOER has to rise and the Fed is "found" to have injected tens of billions of "interest" not into US banks but in foreign banks operating in the US, and which then can upstream the "profits" to insolvent offshore domiciled holding companies. Read more...

Kommentar: Was für ein Glück für ausländische Banken mit US-Zweig. Das Fed zeigt sich spendabel, um das weltweite Finanzsystem zu stabilisieren. Mehr als 1 Billion sind eine stolze Summe. Da hat sich auch die Deutsche Bank üppig bedient. Deshalb konnte sie zu Hause großzügig auf Hilfe verzichten. Zwei Grafiken aus dem Beitrag zum besseren Verständnis: 





Reversal
(zerohedge.com) A reversal will come. The odds on this are 100%. You cannot have every asset class on the planet in a bubble forever. The world does not operate this way. The disconnect between economic fundamentals and the markets continues but the odds on it continuing forever is Zero. Let us begin the postulate from here.  
Corporations, banks, the housing market, borrowers and the securities markets have significantly benefited from the actions of the central banks. Money has been poured, dumped and shoved into the financial markets. The total exceeds $16 trillion to date and perhaps twice that amount if we were given accurate data to be able to count it. It was been a Tsunami of money. 
Liquidity has buoyed the world as the central banks acted in concert and in a coordinated effort to provide fresh cash. The balance sheets enlarge but the money has not significantly helped anyone's economy. Europe is in a recession, America is in a muddle and the world's economies, without all of this money, would be in a sinkhole and so it continues. There is nothing else supporting the economies and the markets except the capital provided by the central banks. Nothing. Read more...

Kommentar: "Money makes the world go round." Wie lange noch? Alle Maßnahmen von Politik und Finanzindustrie verlängern das Leiden und verstärken den Schmerz. Die Zeche zahlen am Ende die Bürger. Wer sich nicht darauf vorbereitet, dem wird alles genommen und der steht demnächst mit leeren Händen da. Es ist eine Tatsache: "Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen." 


Quelle: everymail.net

Das Fazit dieses Beitrags ist jedenfalls klar formuliert: "We stand on a precipice. There is an avalanche of lies, distortions and currency that has been created and is tumbling all around us. It cannot be dodged forever. Those odds are 100%. That is my prediction."  


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.