Montag, 10. Juni 2013

Standpunkt 661 - Nachrichten-Ticker, 09.06.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Staatsschulden in Europa – Lettland und der Euro – Abenomics in der Krise


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Staatsschulden? Der Euro ist Teil der Lösung, nicht Teil des Problems
(neuewirtschaftswunder.de) Verleitet der Euro seine Mitglieder zur Schuldenwirtschaft? Die deutsche Debatte um die „Schuldenkrise“ wird oftmals so geführt, als sei der Euro Teil des Problems. Richtig ist: seit Beginn der Währungsunion  am 1. Januar 1999 ist die staatliche Schuldenquote in der Eurozone um einen Betrag nach oben geschnellt, der 19,8% der Wirtschaftsleistung entspricht. Aber am Euro kann das nicht liegen. Denn alle großen Wirtschaftsräume der westlichen Welt haben in dieser Zeit neue Schuldenberge aufgehäuft. Unter all den Haushaltssündern hat sich die Eurozone am wenigsten zuschulden kommen lassen. Von Ende 1998 bis Ende 2012 haben Großbritannien mit einem Anstieg seiner Schuldenquote von 43,5% und die USA mit 42,6% sogar zweimal mehr gesündigt als die Eurozone. Japans Schuldenexplosion (plus 118,7%) geht noch weit darüber hinaus. Ein Schuldenberg ist das Ergebnis jahrzehntelanger Fehlbeträge im laufenden Staatshaushalt. Im Jahr 2012 lag das laufende Defizit in der Eurozone mit 3,1% der Wirtschaftsleistung erneut weit unter den Werten in den USA (8,6%), Großbritannien (8,1%) und Japan (10%), berechnet jeweils ohne Einmaleffekte. Sowohl beim aktuellen Haushaltsdefizit als auch beim langfristigen Trend der Staatsschulden schneidet die Eurozone also weit weniger schlecht ab als alle Wirtschaftsräume ähnlicher Größe in der westlichen Welt. Die Sorge, dass der Euro und seine Regeln ein Teil des Problems seien, wird durch diesen Vergleich widerlegt. Sie können höchstens Teil der Lösung sein. Mehr...

Kommentar: Die Analyse ist richtig, aber nicht vollständig, deshalb ist die Konsequenz falsch. Der Autor, Holger Schmieding, beginnt seinen Beitrag vielversprechend, ganz im Sinne der Überschrift. Mutig beschreibt er ein Szenario, für das in den Köpfen bundesdeutscher Politiker kein Platz ist. Dazu gehört, dass er, wenn auch nur in einem Satz, die Ursache der Staatsschuldenanstiege der letzten Jahre zaghaft andeutet:  "In der schwersten Rezession der letzten 80 Jahre, ausgelöst durch die Lehman-Krise im September 2008, schnellten dann die Schuldenquoten überall nach oben." Was jetzt fehlt ist die klare Ansprache der Hintergründe der teilweise explosionsartigen Steigerungen der Staatsschulden durch die Vergesellschaftung der Bankschulden. Wir haben das schon unzählige Male nachgewiesen. Was Schmieding von der Unannehmlichkeit entbindet, über die Lösung dieses Problems zu schreiben: die schon lange von den Regierungen versprochene, später vergessene Finanzreform. Ohne jede Grundlage, das zeigt anschaulich die aktuelle Diskussion zwischen IWF und der EU, ist seine Bestätigung der europäischen Krisenpolitik. Da folgt der Chef-Ökonom der Berenberg Bank bedingungslos dem deutschen Mainstream: "Unter dem Druck der Krise haben viele Mitgliedsländer jetzt ihre Haushaltspolitik erheblich gestrafft. Zugleich hat Europa die Regeln gehärtet. Damit stehen die Chancen gut, dass nach dem Ausklingen der aktuellen Anpassungsrezession die staatlichen Schuldenquoten in der Eurozone spürbar zurückgehen können. Andernorts in der westlichen Welt ist der Ausblick derzeit weniger günstig. Allerdings muss die Eurozone den politischen Willen aufbringen, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben." Das sind liebe Grüße nach Berlin an die Eiserne Lady Kanzlerin. Schade.  


Lettland verliert seine Einwohner
(n-tv.de) Der radikale Reform- und Sparkurs Lettlands im Kampf gegen die Krise wird gerne als Erfolgsgeschichte und Vorbild für andere EU-Länder interpretiert. Die sozialen Folgen aber sind enorm: Wirtschaftliche Not treibt viele Letten aus ihrem Land. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Lettland rückt mehr in den Fokus. Dem Land wurde gerade erst die Tauglichkeit für den Beitritt zur Eurozone bescheinigt. Trotz Bedenken der EZB. "Lettland ist fit für den Euro" meldet beispielsweise der MÜNCHNER MERKUR (hier). Der Beitritt soll im kommenden Jahr erfolgen, gegen den Willen des Volkes. Die Letten sind mehrheitlich gegen einen Beitritt. 63% wollen die Landeswährung behalten (hier). Vernüftig ist es nicht, Lettland in die Eurozone aufzunehmen. Das Land ist durch den überharten Sparkurs ruiniert. Wirtschaftlich spielt das Land für Europa keine Rolle. Warum also diesen überstürzten Beitritt? Die Euro-Einführung nützt weder Lettland, noch der Eurozone. Vielmehr übernehmen beide Seiten hohe Risiken. Die lettischen Risiken beschreibt der Beitrag "Warum die Letten den Euro demnächst nicht einführen sollten". Wenig zurückhaltend heißt es dort in der Einleitung: "Die Debatten um den Euro und um die national-egoistischen Verhandlungen des EU-Budgets bestimmen die Schlagzeilen. Letztlich sind es die gewählten Regierungschefs, die auf Kosten eines gemeinsamen Europas nationalistisch auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Zuhause wird ihnen wegen ihrer "Härte" gehuldigt. Die EU - verkommen zu einem traurigen Schacherclub - doch die Schreiberlinge werden schon einen Grund finden, den visionslosen und zerstrittenen Zustand Europas der Brüsseler Bürokratie in die Schuhe zu schieben. Die Debatte um den Euro ist für Lettland noch existenzieller als die Frage, ob lettische Bauern in Zukunft bei Agrarsubventionen weniger benachteiligt werden als bisher. Lettland sollte den Euro im nächsten Jahr noch nicht einführen - eine kühne Forderung wider der lettischen und deutschen Mainstream-Propaganda." Was folgt, ist ein Lehrstück "Wirtschaftsjournalismus" am Beispiel der lettischen Zustände. Die EU bekommt in diesem Zusammenhang kräftig ihr Fett weg. So kommt der Autor zu dem wenig überraschenden Ergebnis, "dass Maastrichtkriterien, Fiskalpakt und Austeritätspolitik der falsche Weg sind, um die EU aus der Krise zu führen." Auf jeden Fall sehr engagiert geschrieben. Mehr dazu hier. Die BERLINER UMSCHAU titelt wahrheitsgemäß: "Lettland wird nächstes Euro-Opfer" (hier). Die Eurozone will unbedingt ein neues Mitglied, um damit Normalität und die Überwindung der Krise zu dokumentieren. Die Risiken für alle Beteiligten werden dafür einfach totgeschwiegen. Die haben aber offensichtlich die Letten erkannt, wie der folgende Beitrag aus Österreich zeigt: "Letten verlassen in Scharen ihr Land" titelt gerade die KLEINE ZEITUNG und schreibt weiter: "Der radikale Reform- und Sparkurs Lettlands im Kampf gegen die Krise gilt als Erfolgsgeschichte und Vorbild für andere EU-Länder. Etwa die Hälfte aller Letten plant nach Umfragen, in naher Zukunft das Land zu verlassen." Mehr dazu hier. Die Entwicklung ist nicht neu. Ende 2011 berichtet die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND über "Die Kehrseite des Sparens": "Lettland zahlt einen hohen Preis für seinen rigiden Sparkurs: Mehrere Hunderttausend Menschen sind ausgewandert. Eine Trendumkehr ist nicht absehbar." Mehr dazu hier. Es sind die gut Ausgebildeten, die das Land verlassen. Daran wird sich nichts ändern. Es fehlen Perspektiven - auch mit dem Euro. Wer mehr über die Zustände in Lettland wissen möchte, der sollte den folgenden Beitrag aus dem LE MONDE DIPLOMATIQUE lesen: "Arm, ärmer, Rezekne". Es ist eine "Ortsbesichtigung im traurigsten Landkreis der Europäischen Union". Mehr dazu hier.  


Richard Koo: "Honeymoon For Abenomics Is Over"
(zerohedge.com) As we noted just two weeks ago - before the hope-and-change-driven exuberance in Japanese equities came crashing down - "those who believe in Abenomics are suffering from amnesia" - and Nomura's Richard Koo clarifies just who is responsible for the exuberance and why things are about to shift dramatically. Reasons cited for the equity selloff include Fed Chairman Ben Bernanke’s remarks about ending QE and a weaker than expected (preliminary) Chinese PMI reading, but, simply put, Koo notes, more fundamental factor was also involved: stocks had risen far above the level justified by improvements in the real economy. It was overseas investors (particularly US hedge funds) that responded to Abe's comments late last year by closing out their positions in the euro (having been unable to profit from the Euro's collapse) and redeploying those funds in Japan, where they drove the yen lower and pushed stocks higher. Koo suspects that only a handful of the overseas investors who led this shift from the euro into the yen understood there was no reason why quantitative easing should work when private demand for funds was negligible... Had they understood this, they would not have behaved in the way they did. Read more...

Kommentar: Wir bedauern es selbst, dass bei uns in den letzten Wochen die englischsprachigen Beiträge deutlich zugenommen haben. Leider gibt es deutschsprachig keine vergleichbaren Angebote. Dieser Beitrag über die Erfolgsaussichten der neuen japanischen Finanz- und Wirtschaftspolitik fällt sehr umfangreich aus und nicht alles ist für Laien verständlich. Trotzdem lohnen sich alleine schon die Kernaussagen von Richard Koo. Koo gilt als Meister seines Fachs (Ökonomie) und genießt international einen exzellenten Ruf. Sein Urteil über die Abenomics: niederschmetternd. 


Quelle: koreatimes.co.kr



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert hat Europa in Zypern vorgemacht.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.