Dienstag, 11. Juni 2013

Standpunkt 662 - Nachrichten-Ticker, 10.06.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Niedriglöhner in Deutschland – Gauweiler vs. EZB – Kindergarten Eurozone – Österreich in der Rezession – Niederlande – IWF zu Griechenland – Bundesrepublik Europa – Abenomics – China – US-Wirtschaftswachstum


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Enteignung in Zypern zeigt, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update kurzfristig unseren LeserInnen zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir bis Ende April damit fertig sein. Daraus wird leider nichts. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


Deutschland zahlt besonders häufig Niedriglöhne
(welt.de) Die Bundesrepublik hat einen der größten Niedriglohnsektoren Europas, wie eine Studie zeigt. Jeder fünfte Beschäftigte muss mit einem geringeren Einkommen leben. Und es könnten noch mehr werden. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Irgendwo muss er ja herkommen, der Wettbewerbsvorteil Deutschlands gegenüber seinen Nachbarn. Es ist längst ein offenes Geheimnis, dass die günstigen Produktionskosten des Niedriglohnmeisters und Exportchampions ihre Ursache in Dumpinglöhnen haben, die schon seit Jahren politisch gewollt sind. Deshalb unterstützen die jeweilige Regierung und die Gewerkschaften offensiv diese Entwicklung.  Der folgende Chart spricht Bände:





Die Studie, auf die sich der Beitrag bezieht, stammt ausgerechnet von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und trägt den Titel "Mehr Niedriglöhne als die Nachbarn" (hier). Die Studie soll eine Lanze für die Mindestlöhne  brechen. Die Grafik zeigt, dass nur noch europäische "Entwicklungsländer" einen höheren Anteil an Niedriglöhnern haben: 



Österreich, Spanien und Italien stehen wesentlich besser da, von Frankreich oder den Vorbildern Schweden und Finnland ganz zu schweigen. 

Damit dieses System reibungslos funktioniert muss der Staat tatkräftig mithelfen. Und er tut es - ganz selbstverständlich. Wie es geht, hat jüngst der SPIEGEL an einem Beispiel beschrieben: "Staat zahlt jährlich 1,5 Milliarden Euro für Niedriglöhne im Handel" heißt es da. Im Vorspann steht es so: "Die Lohnpolitik des Einzelhandels wird vom Staat kräftig gefördert: Jedes Jahr fließen nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen 1,5 Milliarden Euro an Beschäftigte des Handels, deren Einkommen nicht zum Leben reicht. Jeder Fünfte verdient weniger als 8,50 Euro in der Stunde." Mehr dazu hier. Die Fortsetzung dieser Lohnpolitik wird die Altersarmut zum festen Bestand der Zukunft in Deutschland machen. 


"Die EZB ist eine unkontrollierte Macht"
(focus.de) Das Verfassungsgericht in Karlsruhe muss darüber befinden, ob die EZB sich bei der Euro-Rettung noch im Rahmen ihres Mandats bewegt. CSU-Politiker Peter Gauweiler hofft auf ein Nein. Für ihn geht die Zentralbank viel zu weit. Mehr...

Kommentar: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht an und schnell kommen die Euro- und EZB-Kritiker noch aus ihren Löchern. In diesem Beitrag ist es Peter Gauweiler, der sich eilig zu Wort meldet. Sein Urteil steht bereits fest, die EZB begeht einen klaren Rechtsbruch. Gauweiler ist Rechtsanwalt, was ihn aber nicht automatisch zu einer sachlichen Bewertung befähigt. Bekanntlich kneten und biegen Anwälte das Recht so lange, bis es zu den eigenen Zielen passt. Das erinnert übrigens sehr stark an die Äußerungen des Ex-Staatsrechtlers Karl Albrecht Schachtschneider, der den Austritt von Krisenstaaten aus der EWU fordert (hier), obwohl dieser im Regelwerk der Gemeinschaftswährung überhaupt nicht vorgesehen ist und, wenn überhaupt, nur durch den gleichzeitigen Austritt aus der EU zu bewerkstelligen wäre. Das ist übelster Populismus, gemacht für die deutschen Stammtische und das "BILD"-ungsbürgertum. Gauweiler ergänzt seinen Vorwurf aktuell noch um einen neuen Vorwurf, der fehlenden Kontrolle über die EZB. Was ist das denn? Jahrelang fordern die Herrschaften um Gauweiler herum die völlige Unabhängigkeit der EZB von der Politik und deren Institutionen, weil die ihnen bisher noch nicht weit genug geht. Logisch, dass damit auch jede Kontrolle verloren geht. Oder soll die US-Notenbank, ersatzweise die BIZ, die Notenbank der Notenbanken, zukünftig die EZB kontrollieren? Oder gleich die Bundesbank? Dieser Einwand von Gauweiler zeigt einmal mehr, dass die Gegner des Euro auch die eigenen Argumente "überlaufen", wenn es dem Augenblick dient. Sie können dabei auf die Vergesslichkeit und Ahnungslosigkeit ihrer Anhänger vertrauen. 


Weidmanns gefährliches Spiel
(spiegel.de) Die Bundesbank stellt sich bei den umstrittenen Anleihekäufen offen gegen die Politik der EZB. Das bestätigt ihre Stellungnahme für das Verfassungsgericht. Diese riskante und einseitige Strategie dürfte sich auch aus dem Machtinteresse der deutschen Währungshüter speisen. Mehr...

Kommentar: Ein wichtiger Beitrag von Peter Bofinger, der gut verständlich die Haltung der Bundesbank analysiert. Für uns ist die Sache einfach: Die Bundesbank trauert immer noch über den, durch die von ihr mit allen Mitteln torpedierte Einführung des Euro, erlittenen Machtverlust. Wie ein trotziges kleines Kind ist sie bei jeder günstigen Gelegenheit gegen alles. Das hat höchstens Kindergarten-Niveau. 


Die Deutschen sollten Draghi applaudieren
(capital.de) Ab Dienstag verhandelt das Verfassungsgericht über die Euro-Rettungsaktionen der EZB. US-Ökonom Melvyn Krauss kritisiert das Verhältnis der Deutschen zum Euro und zur EZB. Mehr...

Kommentar:  Der Amerikaner Melvyn Krauss erklärt noch einmal die Zusammenhänge, besonders die Anleihekäufe der EZB, die Haltung der Bundesbank und den Zeitgewinn für die Politiker, die diese bis heute nicht genutzt haben. Alles gut verständlich.  


Konjunktur: Ratlos im Jammertal
(diepresse.com) Die Eurozone steckt in der Rezession, Österreichs Wirtschaft schlittert gerade hinein. Wenn die EU ihre Bankenreform tatsächlich aufschiebt, droht uns eine jahrelange Wirtschaftsflaute nach dem Modell Japan. Mehr...

Kommentar: Österreich gerät in die (Wirtschafts-)Krise. Besserung erst einmal nicht in Sicht. Wir befürchten das Gegenteil. Österreichs Krisenzukunft wird sehr wahrscheinlich in Osteuropa entschieden. Die EU kann ihre Bankenreform ruhig aufschieben, vorher muss eine international angelegte Finanzreform her. Alles andere reicht nicht. Wir bleiben dabei: Ohne Zerschlagung des weltweiten Finanz-Casinos gibt es kein Ende der Krise, sondern nur einen endgültigen Kollaps. Erst muss eine gesunde Finanzstruktur her, bevor eine gesunde Wirtschaftstruktur möglich sein wird. 


Niederlande: Rezession schwerer als gedacht
(diepresse.com) Die fünftgrößte Volkswirtschaft der Eurzone kämpft gegen eine Immobilienkrise. Das BIP wird heuer um 0,8 Prozent schrumpfen. Mehr...

Kommentar: Nicht vergessen, Holland hat auch bereits eine Bankenkrise. Ausgenommen die Rabobank werden die anderen großen Banken bereits gestützt, Anfang des Jahres wurde die viertgrößte Bank notverstaatlicht. DIE PRESSE titelte damals: "Schwere Bankenkrise in Holland" (hier). Da kommt noch viel Stress auf die Niederländer zu, die bisher den Kopf noch tief in den Sand stecken. Das beschlossene Sparpaket der Regierung ist nutzlos. Es verschärft die Probleme nur noch. Die Lernfähigkeit der holländischen Regierung liegt bei Null. 


IWF will weiteren Haircut für Griechenland
(derstandard.at) Geldgeber-"Troika" setzt Kontrollen in Athen fort - Freigabe von weiteren 3,3 Milliarden Euro steht an. Zwischen den Griechenland-Rettern bahnt sich offenbar ein handfester Konflikt an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhöhe den Druck auf die Staaten der Eurozone, noch in diesem Jahr einen weiteren Schuldenerlass auf den Weg zu bringen, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf Experten der internationalen Organisation in New York. Anders lasse sich die Finanzierungslücke von 4,6 Milliarden Euro für 2014 nicht schließen. Mit solch einer Forderung würde der IWF unter Leitung der Französin Christine Lagarde auf Konfrontationskurs zu Deutschland, dem größten Geberland der bisherigen Rettungspakete, gehen. Mehr...

Kommentar: Nach reichlich Geplänkel über die Bundestagswahl hinweg kommt es in Griechenland zu einer Enteignung nach dem "Zypern-Modell" plus Anpassungen an die griechischen Verhältnisse. Die Einigkeit zwischen IWF und EU ist dann wiederhergestellt. Wir erwarten einen regelrechten Aderlass bei den Einlagen. 


"Die Endstation ist klar – Bundesrepublik Europa"
(welt.de) Nach der Wahl wird die "Bundesrepublik Europa" auf den Weg gebracht, prophezeit Harvard-Professor Niall Ferguson. Die Politik arbeite still und leise mit Hochdruck daran. Nur eins kann das stoppen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Na und, was wäre schlecht am Föderalismus? Oder an der Länderfinanzausgleich genannten Transferunion? Alles sehr viel besser als die derzeitigen Zustände in der EU oder den Zerfall in die Kleinstaatlichkeit des 18. Jahrhunderts. Dann könnte Europa wirtschaftlich und politisch endlich die wichtige Rolle in der Welt spielen, die es schon längst gerne einnehmen möchte. Erinnert sich noch irgendjemand daran? Nachzulesen bei TELEPOLIS unter dem Titel "Reboot Europa - Auf dem Weg zur neuen Supermacht?". Aus heutiger Sicht geradezu märchenhaft: "Europas Führer haben den Mund wieder sehr voll genommen. Bis spätestens 2010 will man, so die Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen am Wochenende in Brüssel, zum 'dynamischsten Wirtschaftsraum' werden, die USA überholen und die EU zur 'führenden Wirtschaftmacht der Welt' ausbauen. Für dieses ehrgeizige Ziel werde man im Reformtempo nochmals zulegen. Mehr Eigenverantwortung und weniger Bürokratie, mehr Investitionen in Forschung und Bildung und der rasche Umbau des Sozialstaates gehören ebenso dazu wie ein 'Superkommissar für Wettbewerbsfähigkeit', der das neue Riesengebilde wirtschaftlich lenken soll." Mehr dazu hier. Zukünftig natürlich ohne Großbritannien, also kein Grund zur Panik für den Briten Niall Ferguson. Schottland wird sich bis dahin separieren und der EU beitreten. Danach versinkt England in völliger Bedeutungslosigkeit.  


Abes Pfeile fliegen ins Ziel
(tagesanzeiger.ch) Japans Wirtschaft wächst sogar noch stärker als erhofft. Jetzt erhält Abenomics Unterstützung von zwei Nobelpreisträgern. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Allein, UNS fehlt der Glaube - aber wir sind ja auch keine Experten. Wir wollen unseren LeserInnen nach den Warnungen der letzten Tage natürlich die Zustimmungen für den japanischen Kurs nicht vorenthalten. "Japans Wirtschaft lacht wieder" schreibt "n-tv" und fasst zusammen: "Deutschlands Wirtschaft wächst im ersten Quartal um 0,1 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt der USA legt um 0,6 Prozent zu. Japan, dessen Ökonomie seit Jahren stagniert oder gar rezessiert, überrascht die Experten mit einem deutlich höheren Zuwachs. Die anhaltende, extrem lockere Geldpolitik trägt offenbar erste Früchte." Mehr dazu hier. Falls es mehr ist als eine Schönschreibung werden wir in uns gehen. Noch ist es aber nicht soweit... 


China steuert auf handfeste Kreditkrise zu
(welt.de) Die Verschuldung der Unternehmen hat ein Rekordniveau erreicht. Die finanzielle Stabilität des Wirtschaftsriesen bröckelt immer weiter. Experten fürchten nun zunehmend einen Crash. Mehr...

Kommentar: Sind die Befürchtungen berechtigt? Ja, davon sind wir überzeugt. Bitte einfach noch einmal den Chart von vor zwei Tagen sichten (hier, am Schluss). Und beachten, dass auch die Chinesen begnadete Statistiker sind. Diese Angaben spiegeln nicht unbedingt die Wirklichkeit wieder, es könnte schlimmer sein.  


The New Normal America: A Country Where Eating And Drinking Is The New Manufacturing
(zerohedge.com) For a long time we have been seeking a chart that captures the pure essence of America's transition into its "new normal" mutant clone, in which record high stock markets coexist with record high foodstamp usage; in which record public debt amounts coexist with record low interest rates; in which the Fed is responsible for 20% of the US GDP but which is forgiven if it means the second coming of a housing bubble giving people the false hope of another "flip that house" get rich scheme. We believe we have found it. Read more...

Kommentar: Wir berufen uns auf die alte Volksweisheit "ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" und zeigen zwei Charts: 



All Employees: Manufacturing: 11,967 Thousands of Persons, Monthly, Seasonally Adjusted, Updated: 2013-06-07




Das zum, in den deutschsprachigen Medien, behaupteten Anstieg der Jobs im produzierenden Gewerbe. Da ist nichts, absolut nichts. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert hat Europa in Zypern vorgemacht.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.