Freitag, 14. Juni 2013

Standpunkt 665 - Nachrichten-Ticker, 13.06.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Europas Krise – Economist-Deutschland-Report – Protektionismus  ohne Ende – IWF – Japan


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Der Beitrag ist von uns wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert worden. Die Pläne der EU nach der Enteignung in Zypern zeigen, warum das Thema nach wie vor größtes Interesse verdient. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das neue Update unseren LeserInnen so schnell wie möglich zur Verfügung stellen zu können. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus wird leider nichts, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir noch verarbeiten wollen. Bis Ende Juni wollen wir fertig sein. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich!


"In der Schuldenkrise kann man nichts mehr ausschließen"
(focus.de) Zwei Tage lange beschäftigte sich das Bundesverfassungsgericht mit den Krisenhilfen der EZB. Im FOCUS-Online-Interview fordert Ifo-Chef Sinn, dass jemand die Notenbank stoppt – und warnt vor neuen Risiken in der Schuldenkrise. Mehr...

Kommentar: Dieses Interview zeigt einmal mehr, dass der deutsche Top-Ökonom Hans-Werner Sinn ein Meister der Scharlatanerie ist und ein Maulheld außerdem. Okay, wir machen uns der Majestätsbeleidigung schuldig, wenn wir Sinn jede Anerkennung oder gar Ehrfurcht verweigern. Für uns zählt aber nur seine öffentlich sichtbare Leistung und die kann sich schon seit Jahren nicht mehr sehen lassen. Sinn war es, der federführend die Zerstörung des deutschen Modells der sozialen Marktwirtschaft in der Zeit der rot-grünen Regierung mit akademischen Theorien gefördert hat. Zeitweise hat er rot-grün regelrecht vor sich hergetrieben. Deutschland wurde beispielgebend bei der Abschaffung des Sozialstaats, dem Ausbau des Niedriglohnsektors, der Reduktion der Rentenanwartschaften, dem Ausbau aller möglichen privaten Vorsorgen, dem Anstieg der Armut, dem Verzicht von Steuereinnahmen durch erhebliche Steuersenkungen für die Konzerne und Vermögenden und den Aufstieg zum Lohnminusmeister (heutige Löhne und Gehälter real auf dem Niveau von 1998). Wir hören auf, diese Liste frustriert uns. Eine Entwicklung, die sich längst als äußerst schädlich herausstellt und die ihre zerstörerische Kraft schon in den kommenden Monaten, nicht erst Jahren, noch weiter entfalten wird. Sinn ist irgendwann Geschichte, sein Wirken aber leider immer noch spürbar. Die Volkswirtschaftler mögen daran Gefallen finden, Millionen von Menschen tun es nicht. 

Zurück zu dem Interview, in dem Sinn noch einmal kräftig seine Verehrer und die deutschen Stammtische bedient. Natürlich ignoriert er, dass nach einhelliger Meinung unter Experten, zu denen er in diesem Fall nicht gehört, von den Karlsruher Verfassungsrichtern, die von ihm gewünschten Entscheidungen, wirksam gar nicht getroffen werden können. Wir haben das die vergangenen beiden Tagen schon erläutert. Natürlich verzichtet er bei seiner Kritik in jedem Fall auf eine hinreichende Begründung und, fast noch wichtiger, auf Vorschläge brauchbarer Alternativen. Den Austritt der Krisenländer oder Deutschlands vorzuschlagen, ist keine Lösung, weil in den EU-Verträgen zur Gemeinschaftswährung nicht vorgesehen, also nicht möglich. So kennen wir Sinn und dafür verachten wir ihn. Aber in diesem Beitrag kommt es noch schlimmer. Er mutiert zum deutschen Herrenmenschen, während er das Bundesverfassungsgericht umschmeichelt: "Das Gericht hat sich mit einer extremen Gründlichkeit und Sachlichkeit den schwierigen Fragen der EZB-Politik gewidmet. Ich glaube nicht, dass es in Europa eine andere Institution gibt, die in der Lage ist, auf ähnlich hohem intellektuellem Niveau solche Fragen zu klären. (...)  Die Verfahren des Europäischen Gerichtshofs werden nicht in einer vergleichbaren Gewichtsklasse ausgetragen, wie die irische Klage zur EZB im Winter gezeigt hat. Das Verfahren ist von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft der EU und Deutschlands." Nein, ist es nicht, wenn sich das Gericht an seinen schmalen Wirkungsgrad in diesem Verfahren hält. Der Rest des Interviews besteht aus seinen kruden Thesen zu den Belastungen der deutschen Steuerzahler, wieder ist von bis zu 3 Billionen Euro die Rede, aber mit keinem Wort von den strengen Auflagen des streitigen OMT-Programms der EZB. Die werden einfach ignoriert. Oder wenigstens ein kleiner Hinweis darauf, dass die Politik durch eine Beendigung der Bankenrettungen, die Reform des Finanzsystems, die Abschaffung des Maastricht-Murks und geeigneter Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung (Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit), die Zeit hätte nutzen können, die ihr die EZB verschafft hat. Hans-Werner Sinn traut sich nicht ran, an die wirklich wichtigen Themen.


Was die EZB-Verhandlung gebracht hat
(fuw.ch) Gleich zu Beginn der zweitägigen Verhandlungen vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe gab der Gerichtspräsident, Andreas Vosskuhle, die Devise durch. «Hier wird zu klären sein, inwieweit die Europäische Zentralbank Kompetenzen in Anspruch nimmt, die ihr nicht übertragen worden sind und von Verfassung wegen auch nicht übertragen werden durften», sagte Vosskuhle. Im Zentrum der Klagen steht die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom September 2012, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen hoch verschuldeter Krisenstaaten zu kaufen. Diese Outright Monetary Transactions (OMT) verstossen in den Augen der Kritiker gegen das Staatsfinanzierungsverbot im EU-Vertrag. In seiner Wirksamkeit im Kampf gegen die Eurokrise ist das Instrument bisher kaum zu überbieten. Für das Verfassungsgericht spielte es jedoch keine Rolle, ob die Massnahmen der EZB in der Praxis sinnhaft oder erfolgreich waren. «Andernfalls würde der Zweck allein die Mittel rechtfertigen», ergänzte der Gerichtspräsident seine Einleitung. Mehr...

Kommentar: Eine Einschätzung unserer Schweizer Nachbarn. Sie fällt sachlich nüchtern aus. Gut so.


Vormacht ohne Mumm 
(spiegel.de) Deutschland ist unangefochtene Vormacht in Europa - aber das Land will die Rolle bisher nicht annehmen. So sieht es der "Economist", das einflussreichste Wirtschaftsmagazin der Welt in einem Länderreport. Die Prognose der Briten ist überraschend optimistisch. Mehr...

Kommentar: Lesenswerte Zusammenfassung des ECONOMIST-Special-Report Germany. Alle Artikel des Reports stehen hier zur Verfügung. Es ist eine kostenlose Anmeldung nötig, dann können sechs Artikel gratis gelesen werden. Wem das zu mühselig ist, der sollte sich gleich die Printausgabe holen, es lohnt sich. Aus dieser Serie nur eine Grafik, die zeigt, wie sehr sich Deutschland, den in unserem Kommentar zum Sinn-Interview beschriebenen Vorteil verschafft, hier bei den wichtigen Lohnstückkosten: 


Quelle:economist.com
 

Über Österreich, Deutschland und Europa - Vor der Wahl ist nach der Wahl
(nachdenkseiten.de) Eingangsstatement von Wolfgang Lieb auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen einer Veranstaltung der österreichische Zeitschrift „Arbeit & Wirtschaft“ am 10. Juni in Wien. "Deutscher Untertitel": "Die schwäbische Hausfrau", die Wettbewerbsfähigkeit, die Inflationsangst – die drei Säulenheiligen der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Mehr...

Kommentar: Unseren LeserInnen können wir nur empfehlen: Sehen Sie sich diese Zusammenfassung an. Sie ist randvoll mit Informationen und Schaubildern. Eine ideale Ergänzung zu dem Special Report des ECONOMIST und dem Interview mit Hans-Werner Sinn. Alles leicht verständlich. Gleichermaßen geeignet für Einsteiger und Fortgeschrittene. Aus diesem Beitrag ebenfalls eine Grafik, die einen weiteren Vorteil augenfällig macht, den sich Deutschland verschafft hat und ursächlich für die Probleme in Europa ist:
Quelle: nachdenkseiten.de


Global Trade Protectionism Surges To Post-Crisis Highs
(zerohedge.com) World trade volume growth is languishing at a mere 1.3% YoY - a level only seen worse during the 2000/1 and 2008/9 global crises. Central banks have shot their wads to the point of no return. Governments have hit a peak-debt wall of fiscal irresponsibility. So what's left in the great depression playbook... why protectionism of course. As Bloomberg's Niraj Shah
notes, global trade protectionism has surged to its highest since the financal crisis according to Global Trade Alert. Read more...


Kommentar: Dieser Beitrag zeigt, dass Deutschland jedes Mittel recht ist, um sich eisenhart Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die folgenden Schaubilder verschaffen einen guten überblick: 



  Everyone is playing the protectionist card...



Which countries have inflicted the most harm since November 2008?


Alles klar, oder?

 
Die frechen IWF-Ökonomen
(fuw.ch) Sie wagen das Offensichtliche zu sagen und machen sich damit bei der Politik nicht besonders beliebt – die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das ist eine hervorragende Analyse aus der Schweiz über die Arbeit der Ökonomen beim IWF unter Führung des Franzosen Olivier Blanchard. Lesen, den Links folgen, alles archivieren, es macht wirklich Hoffnung. Angestoßen von dem später verstoßenen Dominique Strauss-Kahn (DSK), von 2007 bis 2011 Chef des IWF. 

Eine Bestätigung der Spannungen zwischen Politik und IWF-Ökonomen gibt brandaktuell die EU. Gestern Abend titelt Österreichs FORMAT: ESM-Chef Regling flippt aus: "Troika? Lieber ohne IWF". Die Zeitung schreibt: "ESM-Chef Klaus Regling hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen dessen Rolle in der Schuldenkrise scharf angegriffen und will den IWF langfristig aus der Troika verbannen." Der Ton ist äußerst scharf, offensichtlich liegen bei den europäischen Krisenmangern wegen der jüngsten Kritik des IWF an der Griechenland-Rettung die Nerven blank: "Der IWF mache mit seiner Kritik der Griechenland-Rettung den Stabilitätspakt lächerlich und erkläre sich selbst für die Schaffung von Wachstum zuständig, sagte Regling der 'FAZ' (Freitagausgabe). 'Damit baut er nicht nur einen falschen Gegensatz auf. Vor allem lässt er erkennen, dass er die Regeln unserer Währungsunion nicht versteht', fügte Regling hinzu." Mehr dazu hier. Ein lächerlicher Vorwurf an die Adresse des IWF. Die Regeln der Gemeinschaftswährung sind Mist und ein wesentlicher Grund dafür, dass die Währungsunion nicht funktioniert. Was die Technokraten in Brüssel, Regling inklusive, täglich unter Beweis stellen. Die Kritik an Klaus Regling ist stellenweise pikant: Nach überwiegender Ansicht gilt Regling als ein prinzipientreuer, unideologischer Beamter. Nach anderer Ansicht sei er ein "überzeugter", "knallharter Monetarist" und gehöre zu den "großen Förderern neoliberaler Positionen". Es wird ihm vorgeworfen, dass "Herr Regling verantwortlich im Finanzministerium [war], als von 1990 bis 1993 die Staatsverschuldung neue Rekorde erreichte" und "zwischen 2001 und 2008 der zuständige Verantwortliche in Brüssel war, der die griechische Finanzentwicklung zu überwachen hatte und sich dann mit den getürkten Zahlen abgefunden hatte". Von anderer Seite wird ihm vorgehalten, dass er „entscheidend an der Aufweichung des Pakts“ 2005 mitgewirkt hat. Quelle: Wikipedia, gelesen am 13.06.2013. Verglichen damit spielen die Ökonomen des IWF in einer anderen Liga. 


"Diese Strohfeuer gab es in Japan immer wieder"
(tagesanzeiger.ch) Erneut stürzte Japans Börse ab. Dabei wurde Abenomics gerade noch von IWF und Nobelpreisträgern gelobt. Wer hat recht, die Märkte oder die Experten? ZKB-Ökonom Jörn Spillmann mit Antworten. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Schlüssige Antworten. Da gibt es nichts zu meckern. Selbst in Deutschland regt sich jetzt eine gewisse Zurückhaltung bei der Bewertung der Erfolgsaussichten von Abenomics. "Japans gefährliches Spiel" titelt aktuell das HANDELSBLATT, bisher der "neuen" Politik von Premier Abe zugetan. In der Einleitung heißt es: "Japan hat sich auf ein heikles Experiment eingelassen. Mit Geld aus der Notenpresse will es einen Aufschwung erzwingen. Nun werden die Risiken offenbar. Die Börse stürzt ab. Und das ist nicht einmal das größte Problem." Mehr dazu hier. Das größte Problem ist die einsetzende Flucht aus japanischen Staatsanleihen. Alles in allem eine gute Analyse. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert hat Europa in Zypern vorgemacht.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.