Sonntag, 30. Juni 2013

Standpunkt 681 - Nachrichten-Ticker, 29.06.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Hinweis in eigener Sache: Aufgrund eines technischen Problems war es uns am 28.06. nicht möglich, den Nachrichten-Ticker zu veröffentlichen. Aus diesem Grund erscheinen heute zwei Ticker. Den ersten gibt es hier.


Tagesthemen: Magier Notenbanker – Lettland – Irland – Fitch bestätigt US-Top-Note


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. In der kommenden Woche wollen wir fertig werden. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.


Überforderte Magier, unwissende Magier
(blogs.faz.net)  Geldpolitiker sollten stärker auf  die Entwicklung von Geld- und Kreditmengen achten; sie müssten sich hüten, in Abhängigkeiten von Regierungen und Geschäftsbanken zu geraten; sie müssten über nationalen Gartenzaun schauen und auf internationale Wirkungen ihrer Politik achten und schließlich sollten Geldpolitiker nicht zu sehr auf  die Rationalität der Teilnehmer an den Finanzmärkten vertrauen. All dies klingt nachvollziehbar, logisch und richtig. Der Clou lautet: In einem um das Jahr 1975 erschienenen Lehrbuch dürften sich diese Erkenntnisse allesamt finden. In der Zwischenzeit wurden diese alten Erkenntnisse verdrängt und abgelegt. Nunmehr, in der kompliziertesten Wirtschafts- und Finanzkrise, hat die Geldpolitik einerseits eine im historischen Vergleich vermutlich einmalig große Bedeutung erhalten. Gleichzeitig war sie sich ihres Wissens und ihrer Fähigkeit selten so unsicher wie heute. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein lesenswerter Beitrag über Macht und Ohnmacht der Notenbanker. Leider für Laien schwer verdauliche Kost. Für alle anderen lohnt es sich auch, den Links zu folgen. Ausdrücklich hinweisen möchten wir auf einen höchst aufschlussreichen Beitrag des Autors, Gerald Braunberger, zu einem in Deutschland immer wieder gerne hochgekochten Thema, der Inflationsgefahr: "Leben deutsche Ökonomen auf einem fernen Planeten? Über den Zusammenhang von Geldbasis und Inflation". Schon der Vorspann verspricht Revolutionäres: "Nein – natürlich leben nicht alle deutschen Ökonomen auf einem fernen Planeten. Aber manche deutsche Ökonomen leben, wenn es um die Zusammenhänge von Geldbasis und Inflation geht, auf  einem anderen Planeten als Ökonomen, die an moderner Theorie und Empirie arbeiten. Wir stellen die zwei Planeten gegenüber: den Planeten, auf dem deutsche Traditionalisten leben (Planet A), und den “moderneren” Planeten, dargestellt anhand von Autoren der Princeton-School, darunter des Nobelpreisträgers Chris Sims (Planet B)." Mehr dazu hier. Dieser Beitrag lässt nur einen Schluss zu: Deutschlands selbsternannte Top-Ökonomen sind entweder völlig rückständig oder führen die Öffentlichkeit  an der Nase herum, nähren ganz bewusst die panische Angst der Deutschen vor einer Hyperinflation. Das ist höchst unwissenschaftlich, geradezu vulgär. 

Immerhin, Mitte 2013 ist Gerald Braunberger nicht mehr alleine. Die ZEIT titelt vor einigen Tagen treffend "Wo bleibt sie denn, die Inflation?". Der Autor, Malte Buhse, schreibt in seiner Einleitung: "Seit Beginn der Krise geht in Deutschland die Angst vor Inflation um. Das Dumme ist nur: Die Preise wollen einfach nicht steigen." Mehr dazu hier. Geradezu weitsichtig sein Schluss, nachdem er vorher der Inflation das Wort redet: "Das ist auch für Deutschland ein deutlich angenehmeres Szenario, als wenn die Inflationsrate zwar weiterhin niedrig bleibt, am Ende aber die Euro-Zone auseinanderbricht, weil die Bevölkerung in den Krisenstaaten die immer härteren Sparprogramme nicht mehr aushält. Dann wäre vieles von dem Geld, das die sparsamen und ängstlichen Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten angespart haben, endgültig weg. Das sollte den Bürgern wirklich Angst machen."

Zurück zum ursprünglichen Beitrag. Die Notenbanken der Welt sehen sich primär als Interessenwahrer der Banken, mittlerweile sogar zu allererst der systemrelevanten "too-big-to-fail"-Banken. Deren Überleben gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Notenbanken, egal in welchem Winkel der Welt, inklusive der mythenumrankten Bundesbank. Die Interessen der Bundesbank hat Mitte der 1990er Jahre der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister untersucht. Diese Untersuchung haben wir aufgegriffen und im Januar 2012 zu einem eigenen Beitrag verarbeitet: "Stephan Schulmeister: “Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?" In der Einleitung haben wir u. a. geschrieben: "Thematisch trocken, aber mit hoher Informationsdichte. Sehr aufschlussreich sind die Feststellungen des Autors über die damalige Haltung der Bundesbank zum Euro und ihren Einfluss auf den Gründungsvertrag. Nach wie vor reklamiert die Bundesbank für sich und die EZB, dass sich die Politik von ihnen fernhält. Umgekehrt betreibt die Bundesbank schon seit ihrer Gründung intensiv Politik. Ein wenig erfahren wir auch schon über die Ursprünge dessen, was zur Finanzkrise 2008 führte und uns heute so zu schaffen macht. Sehr charmant das Ganze auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Deutschen bis heute felsenfest davon überzeugt sind, dass die Bundesbank Hüterin ihrer finanziellen Interessen ist." Mehr dazu hier. Der französische Politiker Jaques Delors, viele Jahre Präsident der EG-Kommission, dem Vorläufer der heutigen EU-Kommission, hat diesen "ur-deutschen" Mythos 1987 so beschrieben: "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank." 


Lettischer Ministerpräsident: "Jetzt helfen wir Europa"
(spiegel.de) Lettland war vor fünf Jahren fast pleite, jetzt hat der EU-Gipfel den Beitritt des Landes zur Euro-Zone beschlossen. Premier Dombrovskis erklärt im Interview, was er beim Sparen besser gemacht hat als Griechenland. Er wehrt sich zudem gegen Kritik, er baue sein Land zur Steueroase um. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein neuer Narr in der Eurozone. Langsam wird es eng in Europa für all die Wichtigtuer und Gernegrosse. Es ist schon erstaunlich, was der Mann für großspurige Töne spuckt. Was Valdis Dombrovskis als vorbildliche lettische Leistung verkauft, ist nichts weiter als die Umsetzung der von IWF und EU erzwungenen Spardiktate, die teilweise zu wahren Kahlschlägen und ausgeprägter Armut im Land geführt haben. Lettland war 2008 pleite, bankrott, zahlungsunfähig und wurde durch extrem zinsgünstige Darlehen des IWF, der EU und der skandinavischen Staaten gerettet. Die Euro-Mitglieder werden mit Zinsen jenseits von 6% bestraft, während Lettland mit Zinsen von nur um die 3% bedient wurde. Das ist pervers und durch nichts zu rechtfertigen. Dombrovskis hätte allen Grund zu Demut, auch gegenüber den Krisenstaaten der EU, die nämlich solidarisch ihren Teil zu den zinsgünstigen Darlehen für Lettland beigetragen haben. Für die war daran nichts zu verdienen. Anders heute für Lettland, dessen Teilnahme am Rettungsschirm großzügig verzinst wird. 

Wir haben uns in der Vergangenheit immer wieder mit Lettland beschäftigt und die Jubelarien in den deutschen Medien kommentiert. Vor dem Hintergrund der Aufnahme Lettlands in die Eurozone bieten wir unseren LeserInnen noch einmal die wichtigsten Links zur Auffrischung an. "Von Lettland lernen, heißt siegen lernen" war am 28.08.2012 im HANDELSBLATT zu lesen, von uns ausführlich kommentiert im Standpunkt 358, hier. "Ohne Opfer geht es nicht", zitiert der SPIEGEL am 20.10.2012 den lettischen Wirtschaftsminister Daniels Pavluts, den wir hier, im Standpunkt 423, ausführlich kommentiert haben. Gründlich recherchiert und mit zahllosen Links versehen. "Lettland verliert seine Einwohner" titelte am 09.06.2013 "n-tv.de". Den Beitrag haben wir im Standpunkt 661 kommentiert (hier). Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich noch mit einem Beitrag von Michael Hudson, US-Ökonom und Mitglied der lettischen Denkfabrik Reform Task Force Latvia (RTFL), zum "Vorbild Lettland" beschäftigen, den wir im Standpunkt 511 (hier) vorgestellt haben: "Latvia’s Economic Disaster as a Neoliberal Success Story: A Model for Europe and the US?" (hier). Leider nur in Englisch verfügbar. 

Unser Fazit: Lettland ist weder leuchtendes Vorbild, noch kompetenter Ratgeber. Lettland ist Juniorpartner in der Eurozone, da sind Demut und Zurückhaltung gefragt und keine protzige Wichtigtuerei. 


Die Plünderung Irlands – ein Stück in 7 Akten
(tagesanzeiger.ch) Erst war es der grösste Bankrott Irlands. Jetzt ist es der grösste Skandal. Die Telefonate von Managern der Anglo Irish Bank zeigen, mit welchen Tricks die Banker den Staat erpressten, belogen und fast ruinierten. Mehr...

Kommentar: Unbedingt lesen, ein Augenöffner. Es sind Verbrecher. Der Ulmer Unternehmer Ernst Prost nennt sie Finanz-Terroristen und Finanz-Mafia. Im Fall Irland haben sie auf die Schnelle ein ganzes Land zugrunde gerichtet und die Kosten dafür Europa aufgebürdet. Die Iren alleine werden damit nie und nimmer klarkommen. Ernst Prost, Inhaber von Liqui Moly, hat schon vor einiger Zeit einen Beitrag verfasst, der sich mit den kriminellen Machenschaften der Finanzwirtschaft und ihren Helfershelfern beschäftigt: "Geldgierige  und  verantwortungslose  Finanzwirtschaft  gefährdet  Realwirtschaft (Unternehmen  und  Arbeitsplätze),  erpresst  Völker  und  Staaten  und  bedroht  die Demokratie!" (hier).


Fitch bestätigt USA Bonitäts-Bestnote
(handelsblatt.com) Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität der USA weiterhin mit der Bestnote "AAA" eingestuft. Große Euphorie wurde aber sofort gedämpft: Eine Herabstufung sei jederzeit möglich - der Ausblick bleibe negativ. Mehr...

Kommentar: Lächerlich, ein Witz. Mehr fällt uns dazu nicht ein. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht unweigerlich zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert hat Europa in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie soll unsere Unabhängigkeit sichern. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.