Dienstag, 2. Juli 2013

Standpunkt 683 - Nachrichten-Ticker, 01.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Liebling China – Europa ist produktiv – Die Banken waren’s! – Prof. Otte und das Gold – AWD: Alter Wein in neuen Flaschen


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. In der kommenden Woche wollen wir fertig werden. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.


Turbulenzen in China lassen deutsche Firmen kalt
(welt.de) Schwaches Wachstum, höhere Lohnkosten, drohende Kreditklemme. Chinas Wirtschaft erlebt unruhige Zeiten. Doch die deutschen Firmen in der Volksrepublik bleiben gelassen. Sie vertrauen auf ihre Trümpfe. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das nennen wir Zuversicht. Während China an vielen Fronten gegen seine Probleme kämpft und die übrige Welt rätselt, ob die Chinesen die Kurve kriegen, glauben die Deutschen an ihre Stärke. Das Ergebnis einer Zukunftsstudie der deutsch-chinesischen Handelskammer: 4 von 5 Firmen sind zuversichtlich. Klar, die Unternehmen brauchen den Erfolg. Zu Hause werden die Perspektiven des Außenhandels nicht so positiv gesehen. "Wenig Impulse aus Übersee" meldet gerade BÖCKLER IMPULSE und schreibt eingangs: "Chinas Konjunkturprogramm hat während der Weltwirtschaftskrise die Exporte der EU maßgeblich gestützt. in nächster Zeit liegt es an Nicht-Krisenstaaten wie Deutschland, ob Europas Wirtschaft sich erholt." Die IMK-Forscher Sabine Stephan und Jonas Löbbing haben in einer Untersuchung u. a. festgestellt, dass immer noch 60% des Handels innerhalb der EU (Intrahandel) stattfinden. Ihr Fazit: Die Politik des übermäßigen Sparens belaste Europas Binnennachfrage stark. Seit dem dritten Quartal 2011 schrumpft sie stetig, zeigen die Daten von Eurostat. Wer die Konjunktur in Europa kurzfristig stimulieren wolle, der müsse den EU-Intrahandel beleben, empfehlen Stephan und Löbbing. Die zeitgleiche und flächendeckende Sparpolitik in vielen europäischen Ländern habe Europa in die Rezession getrieben. "Jetzt müssen die Nicht-Krisenstaaten, die noch Handlungsspielräume haben, – allen voran Deutschland – einen aktiven Beitrag zur konjunkturellen Belebung leisten." Mehr dazu hier. Welche Handlungsspielräume sie meinen, behalten die beiden Autoren leider für sich.

Schlechte Nachrichten meldet der FOCUS: "Nachfrageschwäche zwingt Industrie zu Preisnachlässen" und schreibt im Vorspann: "Schwache Nachfrage und hoher Wettbewerbsdruck zwangen die deutsche Industrie zu den kräftigsten Preissenkungen seit Dezember 2009. Jedoch blieben die Maßnahmen ohne großen Erfolg. Die Firmen verbuchten sinkende Aufträge." Mehr dazu hier. Natürlich wird stärkeres Wachstum wieder für das zu Ende gehende 2. Quartal erwartet. Anschließend sollen die Hochwasserschäden für Aufträge sorgen. Erst einmal kommt es knüppeldick. "Auftrags-Mangel bei deutschen Firmen löst Stellenabbau aus" meldet "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de". Dort heißt es u. a.: "Aufgrund der sinkenden Auftragszahlen setzten die Hersteller im Juni zum dritten Mal hintereinander Arbeitskräfte frei. Annähernd 14 Prozent der Unternehmen bauten Stellen ab. Dies entspricht dem höchsten Prozentsatz seit Januar. Mehr dazu hier. Der folgende Chart vergleicht die wichtigsten Einkaufsmanagerindizes:



Ob die Zuversicht gegenüber China berechtigt ist, wird sich bald zeigen. ZERO HEDGE meldet jedenfalls zurückhaltend  "China PMI Drops To Lowest In 9 Months; Schrodinger's Economy Continues" (hier). Diese Grafik stammt aus dem Beitrag: 


Der HSBC Manufacturing PMI zeigt klar nach unten. 


Das alte Europa punktet bei Produktivität
(boeckler.de) Eine Deregulierung des Arbeitsmarktes soll aus Sicht angebotsorientierter Ökonomen das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Die Empirie spricht nicht dafür, dass dies funktioniert. Der Grund: Hire and fire statt stabiler Jobs bremst Innovationen. 

Die weniger regulierten Arbeitsmärkte der angelsächsischen Länder wurden in Deutschland lange als Vorbild gepriesen und stehen nun Modell für sogenannte "Strukturreformen" in Südeuropa. Dahinter steht die Vorstellungswelt der neoklassischen Ökonomie: Je geringer die Bedeutung von Arbeitsschutzgesetzen, Kündigungsschutz sowie zentral statt individuell ausgehandelten Löhnen, desto weniger "Störfaktoren" bringen die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht. Ob sich die Theorie als haltbar erweist, hat der Wirtschaftsprofessor und WSI-Senior-Fellow Alfred Kleinknecht von der niederländischen Universität Delft mit einigen Forscherkollegen untersucht. Das Ergebnis: Ökonomien mit unterschiedlich organisierten Arbeitsmärkten haben sich in der Vergangenheit durchaus unterschiedlich entwickelt. Aber weniger Regeln bedeuten weder mehr Wachstum noch weniger Arbeitslosigkeit. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine lesenswerte Untersuchung mit einem für die europäischen Krisenmanager unpassenden Ergebnis. Obwohl sich nur das bestätigt hat, was schon seit gefühlt ewigen Zeiten hinlänglich bekannt ist, von den Spardiktat-Erfindern hierzulande jedoch beständig ignoriert wird. Zum besseren Verständnis die folgende Grafik, direkt aus dem Beitrag: 


 

Wie wenig sich die Wirklichkeit in Europa nach dem Willen der "Reformatoren" richtet, zeigen die neuesten Arbeitslosenzahlen in der EU. Die WELT titelt dazu "Euro-Rezession treibt Arbeitslosigkeit auf Rekord" und schreibt in den Vorspann: "Die Schuldenkrise hat die Arbeitslosigkeit in Europa in die Höhe getrieben. Im Mai waren 19,2 Millionen ohne Job – 1,34 Millionen mehr als 2012. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind enorm." Mehr dazu hier. Eurostat schreibt in seiner Pressemitteilung: "Im Euroraum (ER17) lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Mai 2013 bei 12,1%, gegenüber 12,0% im April. In der EU27 lag die Arbeitslosenquote bei 10,9%, unverändert gegenüber dem vorherigen Monat. In beiden Gebieten sind die Quoten im Vergleich zum Mai 2012 deutlich gestiegen; in jenem Monat hatten sie 11,3% bzw. 10,4% betragen. Eurostat schätzt, dass im Mai 2013 in der EU27 insgesamt 26,405 Millionen Männer und Frauen arbeitslos waren, davon 19,222 Millionen im Euroraum. (...) Gegenüber Mai 2012 nahm die Zahl der Arbeitslosen in der EU27 um 1,324 Millionen und im Euroraum um 1,344 Millionen zu." Mehr dazu hier


Quelle: Eurostat


Da schau' her: Wifo stellt nach sechs Jahren Krise fest – Die Banken waren's!
(format.at) Die Krise haben wir vor allem den europäischen Banken zu verdanken, geht aus einer aktuellen Wifo-Studie hervor. Primäre Ursache sei "eine extreme, auf riskanten Transaktionen beruhende Expansion der europäischen Banken". Die "Strukturprobleme der Länder an der europäischen Peripherie", also in Süd- und Südosteuropa, sei nur sekundär für die Krise verantwortlich. Die derzeitigen Budget- und Schuldenprobleme seien dann in weiterer Folge aus den beiden Faktoren erwachsen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Jetzt hat endlich auch Österreich seine Studie zu den Ursachen der Krise. Nur, warum hat das so lange gedauert? Immerhin sind die Ergebnisse unmissverständlich formuliert. Ein Auszug: "Die gegenwärtige Krise ist keine Krise des Euro: Der Euro hat gegenüber dem Dollar sowohl nominell als auch kaufkraftbereinigt aufgewertet, und seine Verwendung als Transaktions- und als Anlagewährung wurde letztlich nicht beeinträchtigt. Die Krise wurde auch nicht primär  durch  ausufernde  Budgetdefizite,  überhöhte Staatsschulden oder die Institution der Währungsunion als solche verursacht: Weder lösten frühere Überschreitungen der Maastricht-Grenzen für das Budgetdefizit  durch  Deutschland  und  Frankreich  in  der  ersten  Hälfte  des Jahrzehnts eine Krise aus noch die chronisch weit überdurchschnittliche Staatsverschuldung Japans; auch zweifelten bis zum Zusammenbruch der Interbankenbeziehungen im Gefolge der Lehman-Probleme weder Märkte (Zinsaufschläge) noch Ratingagenturen an der Funktionsfähigkeit der Währungsunion ganz  im  Gegenteil:  Die Zinsaufschläge  für  die  Länder an der europäischen Peripherie wurden trotz deren Strukturproblemen zunächst vollständig abgebaut. Erst die durch die Finanzkrise bedingte Vertrauenskrise machte die Anleger extrem risikoavers, vergrößerte die Zinssatzdifferenzen zwischen  "besseren"  und  "schlechteren" Schuldnern enorm und verdrängte die relativ schwächsten Schuldner ganz von den Märkten; Finanzkrise, Rezession und Bankensanierungen ließen in der Folge Budgetdefizite und Staatsschulden steigen." Erfreulich auch, was das Institut zur Lösung der Krise schreibt: "Reformen müssen primär bei den Finanzmarktinstitutionen ansetzen. Höhere Eigenkapitalanforderungen, eine Bankenunion mit gemeinsamer, einheitlicher und strengerer Kontrolle sowie ein einheitliches Bankinsolvenzrecht  (einschließlich  der  Regelung,  wer  die  Kosten  trägt) sind dafür wichtige Ansatzpunkte. Allerdings ist fraglich, ob diese Maßnahmen allein, ohne erhebliche Steigerung der Transparenz des Systems und deutliche Verringerung seiner Komplexität, künftige Finanzkrisen verhindern können." Und zur Sparpolitik: "Eine forciert restriktive Fiskalpolitik in der gegenwärtigen Rezession verhindert Wachstum und damit indirekt ihren eigenen Erfolg." Mehr dazu hier.


Max Otte: Was ist bloß mit Gold los?
(boerse-online.de) Der Goldpreis fällt wie ein Stein. Am Donnerstag lag der Kurs zum ersten Mal seit Sommer 2010 unter 1.000 Euro. Dennoch: Das Edelmetall ist kein Spekulationsobjekt, sondern die beste Versicherung, die Sie haben können. Mehr...

Kommentar: Wir können nicht nachvollziehen, dass Prof. Otte Gold als "beste Versicherung" gegen die weitere Entwicklung der Krise empfiehlt. Das ist vor dem Hintergrund eines sicher zu erwartenden Goldverbots nicht sonderlich seriös. Wir kennen regelrechte Gold-Junkies, die durchdrehen und in Panik verfallen, wenn sie nicht wenigstens einen kleinen Goldbestand in den Händen halten. Nur denen empfehlen wir reinen Herzens: kauft eine kleine Menge Gold. Zur Krisenvorsorge ist es jedoch nicht geeignet. Im Laufe der Krise kommt es zu einem flächendeckenden Goldverbot. Goldbesitz wird kriminalisiert und unter empfindliche Strafen gestellt. Die Schweiz ist keine Hilfe, die wird dieses Verbot durch geeignete Maßnahmen unterstützen. 


Swiss-Life-Tochter: Neuer Name, alte Methoden
(tagesanzeiger.ch) Swiss Life Select soll dem umstrittenen Finanzberater AWD ein besseres Image geben. Ein Beratergespräch mit Christina P.* zeigt, was das bedeutet. Mehr...

Kommentar: Es bleibt auch in Zukunft nur eine Drückerkolonne... 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht unweigerlich zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert hat Europa in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie soll unsere Unabhängigkeit sichern. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.