Donnerstag, 4. Juli 2013

Standpunkt 685, Nachrichten-Ticker, 03.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance...


Tagesthemen: Fed vs. Großbanken – Finanzindustrie – Krugman vs. Austeritätspolitik – USA: Krieg gegen Arbeitslose – Kinderarbeit in der EU


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile her, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. In der kommenden Woche wollen wir fertig werden. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.


Fed nimmt Grossbanken an die Leine
(tagesanzeiger.ch) Die amerikanische Notenbank will die Eigenkapitalregeln für Banken wie Goldman Sachs, Citigroup oder J. P. Morgan Chase deutlich verschärfen – sehr zum Missfallen der Industrie. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Bei der ganzen Bewunderung (siehe beispielhaft im nächsten Absatz) in den deutschsprachigen Medien für diesen Schritt der Fed müssen wir unseren ganzen Mut zusammennehmen, um unsere Meinung zu offenbaren: Für uns ist es eine große Show, die da gerade für die Öffentlichkeit zelebriert wird, mehr nicht. Die reichlich vorhandenen Probleme der US-Finanzindustrie werden dadurch kein Jota entschärft. Unkalkulierbare Risiken stecken im weltweiten Derivatehandel und den Schattenbanken, deren Geschäftsvolumen in den USA nach vorsichtigen Schätzungen schon längst über dem der traditionellen Banken liegen. Die neuen Eigenkapitalregeln haben darauf keinen Einfluss. 

Mark Dittli betitelt seinen Kommentar für die Schweizer FINANZ UND WIRTSCHAFT mit "Grossbanken, hört die Signale" und meint: "Die US-Notenbank fordert mehr Eigenkapital von den Banken – und das ist gut so". Weil sich damit die Robustheit im Finanzsystem beträchtlich erhöht, wie er glaubt. Dittlie weist darauf hin, dass schon früh nach der Finanzkrise 2008 die Schweiz Kapitalstandards geschaffen hat, die "deutlich über das Basel-III-Minimum hinausgingen". Er sieht diese Entscheidung bestätigt: “Heute ist klar, dass die Schweiz den richtigen Weg gegangen ist.” Mehr dazu hier. Nur, ist das wirklich so? Im Eigenkapital-Ranking von S&P liegt die Credit Suisse mit einer Quote von 6,9% auf Rang 24, die UBS mit 2,2% sogar nur auf Rang 46 (hier).

Unmittelbar nach der Finanzkrise war die Kapitalausstattung der Banken nicht nur bei der Schweizer Nationalbank (SNB) ein Thema. Auch der IWF hat sich damals damit beschäftigt. Das deutsche MANAGER MAGAZIN stellte in dieser Zeit, am 06.10.2009, die Frage "Wie viel Eigenkapital braucht eine Bank?". Im Vorspann zu dem Beitrag heißt es: "Wie lassen sich Banken an die kurze Leine nehmen, ohne die Kreditversorgung und den fragilen Aufschwung zu gefährden? Die IWF-Tagung in Istanbul hat den Streit um die "richtige" Eigenkapitalquote neu entfacht. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, fordert mehr Zeit für die Branche. Kreditexperte Stephan Paul zeigt Alternativen, um Banken krisenfest zu machen." Mehr dazu hier. In dem Beitrag wird eine bemerkenswerte Rechnung aufgemacht: "Bislang müssen Banken für ihre 'risikobehafteten Aktiva', also für die Summe ihrer Wertpapierpositionen sowie ihre Kreditforderungen, mindestens 8 Prozent Eigenkapital vorhalten: Das bedeutet für die Kreditvergabe, dass pro Euro Eigenkapital 12,50 Euro an Krediten auf dem Spiel stehen." Aufschlussreich auch die Antwort auf die Frage zur Höhe des Eigenkapitals: "Es gibt keinen verlässlichen Maßstab, welche Eigenkapitalhöhe als Risikopuffer ausreicht. Diese Zahlen sind willkürlich gesetzt", sagt Stephan Paul, Geschäftsführender Vorstand des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Die nicht erst seit Istanbul [gemeint ist die IWF-Tagung zum Thema, Anm. d. Verf.] schwelende Diskussion um die Höhe des Eigenkapitals dränge wichtigere Fragen des Risikomanagements in den Hintergrund, kritisiert Paul. "Wichtiger als die nominale Höhe des Eigenkapitals ist, dass die Finanzaufsicht sich bei jeder einzelnen Bank anschaut, wie diese mit ihren Risiken umgeht", sagt Paul. Eine qualitative Prüfung der Risiken sei von größerer Bedeutung als eine Entscheidung über eine nominal "ausreichende" Eigenkapitalquote. "Je höher das Risiko eines Geschäfts, desto mehr Eigenkapital sollte das Institut dafür bereitstellen - auch dieses Modell findet sich bereits in Basel II", erläutert Paul. Dagegen hält der im vergangenen Jahr überraschend verstorbene Norbert Walter das Eigenkapital für ein geeignetes Mittel der Finanzmarktregulierung: "Hohe Rendite bei geringem Risiko ist eine Illusion, die die Berater des Finanzmarktes zum Schaden der Anleger über eine längere Zeit pflegten. Dies ist entarteter Kapitalismus. Es bedarf der Zügelung durch entsprechend wirksame Regulierung. Dabei spielt Eigenkapitalunterlegung für riskante Geschäfte eine zentrale Rolle." (Quelle: walterundtoechter.de/zitate-von-norbert-walter, gelesen 03.07.2013)

Knappe zwei Jahre später, am 28.02.2011, hat sich der Ökonom Simon Johnson u. a. in dem Beitrag "Philipp Hildebrand hat recht", einem Interview mit dem Schweizer TAGES-ANZEIGER, mit der Frage nach einer ausreichenden Höhe des Eigenkapitals für Banken beschäftigt. Seine Antwort fällt unmissverständlich klar aus: "Ich stehe für eine Eigenkapitaldecke von 20 bis 40% ein – und zwar berechnet auf Basis der gesamten Aktiven. Die Risikogewichtung, wie sie auch Basel III und der Swiss Finish vorsehen, ist heikel. Wir erlauben den Banken, die Risiken in ihrem Portefeuille selbst abzuschätzen. Anleihen von OECD-Staaten beispielsweise dürfen sie mit null Risiko behandeln. Das ist, gelinde gesagt, sehr fragwürdig. Fragte man mich um meinen Rat, würde ich deutlich mehr Eigenkapital fordern. Philipp Hildebrand (Präsident des Direktoriums der SNB, d. Red.) hat recht, dass er auf harte Kapitalvorschriften für die Grossbanken pocht. Es muss ihm gelingen, wenigstens die vorgeschlagenen 19% durchzusetzen. Das ist schon schwierig genug angesichts der Tatsache, dass die meisten anderen Länder, etwa auch Deutschland, überhaupt nichts tun." Mehr dazu hier. Sich mit diesem Interview intensiv zu beschäftigen, ist auf jeden Fall eine lohnende Investition. Es nimmt dem aktuellen Beschluss der Fed seinen Heiligenschein.


Nicht nur Irlands Banker
(fuw.ch) Irische Banker haben ihr Land in den Ruin geritten und sich dann noch über ihre Retter lustig gemacht. Die Geschichte sagt viel über die Finanzbranche generell aus. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag nimmt die jüngsten Entdeckungen im Zusammenhang mit der Rettung der Anglo Irish Bank zum Anlass, sich mit der TBTF-Problematik (TBTF steht für "too big to fail") auseinander zu setzen. Dazu gehört auch das Thema Eigenkapital, dem der Autor viel Aufmerksamkeit widmet. Deshalb, und wegen der vielen zusätzlichen Links, empfehlen wir diese Lektüre. 


Wie sich die Argumente für die Austeritätspolitik in Luft aufgelöst haben
(nachdenkseiten.de) “How the Case for Austerity Has Crumbled” – Ein Aufsatz von Paul Krugman in The New York Review of Books der die Geschichte der Austeritätspolitik als Doktrin und politisches Experiment aufzeigt:
 

Die Entscheidungsträger hätten praktisch alles, was Ökonomen über den Umgang mit Wirtschaftskrisen gelernt hätten, einfach beiseite geschoben und die Meinungselite hätte nach allem gegriffen, was zur Rechtfertigung der Austerität dienen konnte. Soweit Entscheidungsträger und Meinungselite die wirtschaftswissenschaftliche Analyse überhaupt herangezogen hätten, hätten sie das so getan wie der sprichwörtlich Betrunkene die Laterne nutzt: Als Stütze und nicht zur Erleuchtung. Untersuchungen und solche Ökonomen, die der Elite sagten, was sie hören wollte, seien gefeiert worden, und das trotz einer Fülle an Beweismaterial dafür, dass sie Unrecht hatten. Und Kritiker wurden ignoriert, gleichgültig, wie oft sie Recht hatten. Übersetzt von Sabine Tober. Mehr...

Kommentar: Sehr erfreulich, dass dieser Beitrag von Paul Krugman in deutscher Übersetzung vorliegt. Ein guter Grund, ihn unseren LeserInnen vorzustellen. Obwohl er eher etwas für Leute ist, die sich nicht nur oberflächlich mit der Krise in Europa und ihren Hintergründen beschäftigen. Nervig finden wir, dass Krugman in diesem Aufsatz auch wieder seinen Streit mit Reinhart und Rogoff, wegen ihrer Fehler in "Growth in a Time of Debt" (Wachstum in Zeiten der Verschuldung), wie Blattgold auswalzt. Das ist  anderswo schon hinreichend abgehandelt worden und hätte deshalb kürzer ausfallen können. 

Für diejenigen unter unseren LeserInnen, denen das Lesen von 10 Seiten Paul Krugman großes Unbehagen bereitet, versuchen wir uns mit Hilfe seines Textes an einem knappen Fazit: 

"Ich würde (...) behaupten (...), dass das Versäumnis, die Krise vorherzusehen eine vergleichsweise kleine Sünde war. Volkswirtschaften sind komplexe, sich ständig verändernde Gebilde. Es war verständlich, dass nur wenige Ökonomen das Ausmaß erkannten, in dem kurzfristige Kredite und die Verbriefung von Vermögenswerten wie die Subprime-Hypotheken jene alten Risiken wieder aufleben ließen, zu deren Kontrolle Einlagenversicherung und Bankenaufsicht geschaffen worden waren. 

Ich denke, was danach geschah – die Art und Weise, wie Entscheidungsträger praktisch alles, was Ökonomen über den Umgang mit Wirtschaftskrisen gelernt hatten, einfach beiseite schoben, wie die Meinungselite nach allem griff, das zur Rechtfertigung der Austerität dienen konnte – das war eine bedeutend größere Sünde. Die Finanzkrise von 2008 kam überraschend und passierte sehr schnell. Jetzt stecken wir aber schon seit Jahren im Zustand langsamen Wachstums und extremer Arbeitslosigkeit fest. Und diese ganze Zeit haben unsere Entscheidungsträger die Lehren aus Forschung und Geschichte einfach ignoriert. 

Das ist furchtbar, vor allem wegen des großen Leids, das die Folge dieser verfehlten Politik ist. Es ist auch sehr beunruhigend für Leute, die daran glauben möchten, dass Wissen einen positiven Einfluss auf die Welt haben kann. Soweit Entscheidungsträger und Meinungselite insgesamt die wirtschaftswissenschaftliche Analyse überhaupt herangezogen haben, haben sie das so getan wie der sprichwörtliche Betrunkene die Laterne nutzt: als Stütze und nicht zur Erleuchtung. Untersuchungen und Ökonomen, die der Elite sagten, was sie hören wollte, wurden gefeiert, und das trotz einer Fülle an Beweismaterial dafür, dass sie Unrecht hatten: Und Kritiker wurden ignoriert, gleichgültig, wie oft sie Recht hatten."
 



War On the Unemployed - Krieg gegen die Arbeitslosen
(nachdenkseiten.de) Ist das Leben zu einfach für die Arbeitslosen? Sie sehen das vielleicht nicht so, und ich ganz bestimmt auch nicht. Aber erstaunlicherweise denken so viele, womöglich fast alle Republikaner. Und danach handeln sie dann auch: Es gibt eine landesweite Bewegung, die Arbeitslosen zu bestrafen, und zwar beruht die auf der Prämisse, man könne die Arbeitslosigkeit dadurch beseitigen, dass man das Leben der Arbeitslosen noch erbärmlicher macht. Mehr...

Kommentar: Heute gibt es Paul Krugman im Doppelpack. Den Originalbeitrag gibt es hier. Übersetzt ist das Ganze wieder von Sabine Tober. Es geht um die USA. Wichtig, weil ohne eine vernunftgesteuerte Politik kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und ein Ende der Rezession möglich ist. Was Krugman beschreibt, ist die Dummheit nimmersatter Geldsäcke. Und ein Beweis, dass Dummheit und Reichtum sich nicht ausschließen, sondern häufig sogar das gleiche Hirn miteinander teilen (müssen). Fällt das auch noch insgesamt sehr klein aus, sorgen dessen Eigentümer für viel Unheil und unsägliches Leid. Millionen Amerikaner können davon eine Geschichte erzählen. 


Child labor a rising concern in crisis-hit Greece
(ekathimerini.com) Though no clear, official figures are available, child protection groups and the Greek Ombudsman estimate that up to 100,000 children have been forced into the illegal labor market since the start of the crisis. Read more...

Kommentar: Neues aus Europas Krisenregion. Griechenland verzeichnet eine enorme Zunahme der Kinderarbeit. Diese Entwicklung passt doch "perfekt" zu seinem neuen Status als Dritteweltland. Oder? 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise entwickelt sich kaum unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem unbeherrschbaren Finanzkollaps weiter. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende. Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert haben Berlin und Brüssel in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie soll unsere Unabhängigkeit sichern. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.