Donnerstag, 11. Juli 2013

Standpunkt 692 - Nachrichten-Ticker, 10.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Lettland – Getriebene Geldpolitiker  – EZB – EU-Bankenrettung – Zombie-Banken in Europa – Interview Jeroen Dijsselbloem – Privatisierung in Großbritannien - China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. In der kommenden Woche wollen wir fertig werden. Wir bitten um Verständnis und Geduld, es lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.


Überweisungen nach Riga
(berliner-zeitung.de) Lettland kann zum 1. Januar kommenden Jahres den Euro einführen. Die EU-Finanzminister billigten am Dienstag mehrere Rechtsakte, die die Aufnahme ins gemeinsame Währungsgebiet ermöglichen. Doch die meisten Bürger sind keineswegs begeistert darüber - aus gutem Grund. Mehr...

Kommentar: Ein Nachtrag zu gestern (hier). Der Beitrag zeigt, Lettland ist noch lange nicht über den Berg, trotz günstigster Konditionen bei den internationalen Hilfen, die das Land erst einmal vor dem endgültigen finanziellen Desaster bewahrt haben. So gut haben es die krisengeschüttelten Eurozonenstaaten nicht. Lediglich bei den Spardiktaten gibt es Parallelen. Deshalb zahlt Lettland letztendlich auch einen hohen - wahrscheinlich zu hohen - Preis dafür: "Zehntausende, vor allem qualifizierte junge Leute, verließen das Land Richtung Westen. Seit Beginn der Krise 2008 war das jeder zehnte Lette. Noch dramatischer wird es, wenn man eine andere Perspektive wählt: Ein Viertel aller Letten im Alter bis 40 Jahre arbeitet heute in einem anderen EU-Land. Die Regierung kann nur darauf hoffen, dass sie wenigstens einen Teil ihrer Euro-Einkünfte nach Hause überweisen." Bei dieser Entwicklung zu behaupten, "die Bevölkerung habe Einsicht bewiesen"  und Lettland sei "das Beispiel, dass die Medikamente, die jetzt Griechenland verschrieben werden, tatsächlich wirken“, ist ein Angriff auf die Intelligenz. Für uns wird Lettland nur ein weiterer Sanierungsfall für die Eurozone. Weil in diesem Fall auch schwedische Interessen betroffen sein werden, erwarten wir erhebliche negative Auswirkungen für ganz Skandinavien und sein Erfolgsmodell. 


Europas Geldpolitiker als Getriebene
(derstandard.at) Die EZB ringt um eine gemeinsame Linie in ihrer Geldpolitik. Der Ökonom Stefan Hofrichter geht von noch niedrigeren Zinsen in Europa aus. Mehr...

Kommentar: Noch ein Nachtrag zu gestern und dem Thema "Süchtige Notenbanken" (hier).


EZB pumpt Liquidität durch löchrigen Schlauch
(blog.zeit.de) Nachdem nun auch die EZB, der aktuellen Mode folgend, langfristige Leitlinien für ihre Zinspolitik vorgegeben hat (“forward guidance“), fragt sich, ob das, neben dem nicht minder aktuellen “quantitative easing“, das inzwischen ebenfalls zu den Instrumenten unserer europäischen Notenbank gehört, die Verbraucher und Unternehmen tatsächlich animiert, sich endlich wieder stärker zu verschulden und Geld auszugeben. Mehr...

Kommentar: Eine sehr gute Analyse der EZB-Maßnahmen und ihrer Folgen. Ergänzt durch Grafiken, die die Erfolglosigkeit dieser Liquiditätsschwemmen rund um den Globus augenfällig machen: 




Wer darf über Europas marode Banken bestimmen?
(faz.net)  Krach zwischen Brüssel und Berlin: Die EU-Kommission will letztlich entscheiden, ob eine kaputte Bank abgewickelt werden soll. Die Bundesregierung will nicht mehr Macht für die Kommission. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir machen es kurz: Es ist Wahlkampf. Weil die heimischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken querschießen muss sich die Kanzlerin noch eine Weile zieren. Das macht sie schon seit ihrer Regierungserklärung vom 13.12.2012 zur gemeinsamen europäischen Bankenaufsicht.  "Merkel verteidigt neuen Kurs bei Bankenunion" meldete dazu SPIEGEL ONLINE (hier). Die Sache funktioniert nur auf europäischer Ebene. Ob die EU-Kommission die Befugnis erhält, oder eine eigens dafür gegründete zusätzliche Behörde, lassen wir dahingestellt. In diesem Zusammenhang möchten wir auf eine bemerkenswerte "Stellungnahme zur Europäischen Bankenunion" hinweisen, die am 06.07.2012 von einer Gruppe Professoren herausgegeben worden ist. Schon vor einem Jahr war dort zu lesen, was die EU, Monate später erstmalig in Zypern umgesetzt hat: "Wir brauchen ein einheitliches europäisches  Restrukturierungsverfahren, um marode  Institute  neu  aufstellen  oder  auch  abwickeln  zu können. Das bedeutet auch: Gläubiger maroder Banken müssen für ihre riskanten Einsätze haften, sodass die Abwicklung von Banken weitestgehend ohne Steuermittel auskommen kann." Mehr dazu hier.


Europas Zombie-Banken
(project-syndicate.org)  Was läuft bei den europäischen Banken falsch? Die kurze Antwort lautet: der Sektor ist zu groß, verfügt über zu wenig Kapital, und es tummeln sich zu viele Akteure, denen es an einem tragfähigen langfristigen Geschäftsmodell mangelt. Die Kombination aus den letzten beiden Faktoren – eine Überfülle an Banken ohne nachhaltige Möglichkeiten zur Erzielung von Gewinnen – stellt das gravierendste und schwierigste Problem dar. Die Größe des Bankensektors gibt Anlass zur Sorge, denn angesichts der Gesamtverbindlichkeiten von über 250 Prozent des BIPs der Eurozone, könnte jedes größere Problem die öffentlichen Haushalte überstrapazieren. Kurzum, der Bankensektor in Europa ist möglicherweise zu groß, um gerettet zu werden. Mehr...

Kommentar: Der Ökonom Daniel Gros, vom Brüsseler Think Tank Centre for European Policy Studies (CEPS) beschreibt seine Sicht auf die europäische Bankenkrise und ihre Folgen. Leider macht er sie nur an Unterkapitalisierung und falschen Geschäftsmodellen fest. Das ist zu wenig. Zwei hochbrisante Bereiche lässt Gros außen vor: Die Risiken der Schattenbanken und des Derivatehandels. Alleine die Risiken aus dem Derivatehandel übersteigen die jährlichen Wirtschaftsleistungen der besonders betroffenen Länder Deutschland, Großbritannien und Schweiz, um ein vielfaches. Das zu ignorieren ist politisch korrekt, führt aber nicht zu einer Lösung. Die haben sich die G8-, bzw. G20-Staaten bereits 2009 auf ihre Fahnen geschrieben: Eine tiefgreifende Finanzreform, die zukünftig ähnliche Krisen verhindert (hier). Dazu ist es bis heute nicht gekommen und auch in nächster Zukunft nicht zu erwarten. Daniel Gros weiss das und gibt sich deshalb in seinem Fazit mit sehr viel weniger zufrieden: "Was getan werden sollte, liegt auf der Hand: Ein großer Teil des Sektors ist zu rekapitalisieren und Teile ohne tragfähiges Geschäftsmodell sind zu restrukturieren. Doch so bald wird das allerdings wohl nicht geschehen. Bis dahin ist es leider unwahrscheinlich, dass sich Europa von der derzeitigen Krise vollständig erholt."  


"Zypern hat uns einen Schock versetzt"
(sueddeutsche.de) Seine Worte werden genau verfolgt, besonders von den Problemländern Europas wie Griechenland und Portugal. Jeroen Dijsselbloem, Finanzminister der Niederlande und seit Januar Vorsitzender der Euro-Gruppe, spricht im SZ-Interview über die Kontrolle von Banken, Milliarden-Hilfen - und darüber, was Europa am meisten umtreibt. Mehr...

Kommentar: Unbedingt lesen, vor allen Dingen zwischen den Zeilen. Es lohnt sich.

Britische Regierung will Post versilbern
(derstandard.at) Die Royal Mail geht an die Börse: Damit erlebt das Land eine der größten Privatisierungen seit Jahrzehnten. Mehr...

Kommentar: Die Pleitegeier kreisen über Großbritannien. Schon einmal hat die britische Regierung den Hafen von Dover und einen Teil der staatlichen Forsten zum Verkauf gestellt. Und wegen massiver Proteste der Bevölkerung zurückgezogen. Bei der Royal Mail wird das nicht passieren. Die Not ist größer geworden. Da kann die Regierung auch nicht auf die schlechten Erfahrungen Rücksicht nehmen, die man mit den Privatisierungen unter Margaret Thatcher gemacht hat. 


Der größenwahnsinnige Hafenbaumeister China
(blog.zeit.de) Noch belegt Schanghai den Spitzenplatz als größte Hafenstadt der Welt. Zehn Hafenanlagen verteilen sich entlang der Flüsse Jangtse und Huangpu über das Stadtgebiet. Der Tiefseehafen Yangsha, rund 30 Kilometer vom Zentrum entfernt, kommt noch hinzu. Pro Jahr werden in der Stadt rund 32 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Zum Vergleich: Die größten deutschen Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammen erreichen mit rund 17 Millionen TEU nicht annähernd dieses Handelsvolumen. Etwa 550 Kilometer nördlich an der ostchinesischen Küste will man Schanghai dennoch übertrumpfen. Die chinesische Stadt Tsingtau ist dabei, ihren Hafen auszubauen. Bis zum Jahr 2020 soll er in der Lage sein, jährlich mit gigantischen 42 Millionen TEU zu handeln. Bisher gibt es in Tsingtau 81 Schiffsanlegeplätze, 112 weitere sind geplant. Zusätzlich besitzt der Hafen von Tsingtau noch Kapazitäten für den Umschlag von Öl und Eisenerz. Gehen die Pläne auf, würde  die ehemalige deutsche Kolonie Tsingtau Schanghai bald überholen. Es sind nicht die einzigen chinesischen Städte, die um die Spitzenplätze im Hafengeschäft wetteifern, trotz zuletzt schwächelnder Wachstumsraten. Sieben der derzeit zehn weltgrößten Häfen befinden sich in China. Neben Schanghai und Tsingtau sind das die Häfen von Hongkong, Shenzhen und Guangzhou am Perlflussdelta im Süden des Landes, Schanghais Nachbarstadt Ningbo am Jangtse-Delta und die Stadt Tianjin vor den Toren Pekings. Hinzu kommen Hafenstädte, die außerhalb Chinas kaum jemand kennt: Wenzhou, Xiamen, Dalian, Yantai, Nantong, Bohai, Shantou. Sie alle wollen in Zukunft mindestens 20 Millionen Standardcontainer im Jahr handeln können. Auch wenn hinter jeder dieser Hafenstädte eine Küstenprovinz steht, die mehr Einwohner zählt als Deutschland: Die Ausbaupläne sind ambitioniert. Und sie bergen Risiken. Schon seit einiger Zeit leiden fast alle chinesischen Häfen unter Überkapazitäten. Ihre Anlagen sind bei Weitem nicht mehr voll ausgelastet. Vor allem das Perlflussdelta im Süden des Landes mit seinen vielen Fabrikanlagen macht derzeit einen schmerzhaften Strukturwandel durch. Der ist politisch gewollt. Die politische Führung will weg von der exportorientierten Billigindustrie, hin zu mehr Dienstleistungen und einer Stärkung des Binnenmarktes. Doch je weniger für den Export produziert wird, desto überflüssiger ist der Ausbau der Häfen. Mehr...

Kommentar: Was der Autor in diesem Beitrag beschreibt ist ein weiterer Beleg dafür, dass China aus den Fehlern des Westens nichts lernt. Statt dessen wird das westliche Wirtschaftsmodell noch übertroffen. Überkapazitäten werden bestraft, auch in China. 


China in Schwierigkeiten: Deutsche Exporteure nervös
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) In Zeiten der Rezession im Euroraum wurde der Export nach China für deutsche Hersteller immer wichtiger. Die Auto-, Chemie- und auch die Maschinenbauer-Branche konnten dank der guten Nachfrage aus China die Schwierigkeiten in Europa abfedern. Doch auch Chinas Wachstum geht zurück und die Produktion des Landes wird nun deutlich zurückgefahren. Dies zeigen die beunruhigenden Im- und Export-Daten aus China. Mehr...

Kommentar: Deutschlands Exporte werden immer weniger gebraucht. Das hat Folgen. Chinas augenblickliche Situation in zwei Schaubildern: 


Quelle: zerohedge.com


Quelle: zerohedge.com


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise entwickelt sich kaum unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem unbeherrschbaren Finanzkollaps weiter. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende. Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert haben Berlin und Brüssel in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.