Sonntag, 14. Juli 2013

Standpunkt 695 - Nachrichten-Ticker, 13.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: EU-Zwangsabgabe – Zeitbombe Deutsche Bank  – Neue Eigenkapitalregeln – JPMorgan – Vatikan und Eurokrise


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung. 


Zwangsabgabe: Ab 1. August steigt das Risiko für Bank-Kunden erheblich
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Allein im Euroraum gibt es 6.400 Banken. Viele davon sind Großbanken, die durch das Prädikat "too big to fail" vom Steuerzahler geschützt werden. Durch immer mehr Zusammenschlüsse und gegenseitige Aufkäufe wuchsen die sogenannten "systemrelevanten" Banken zu immer größeren, unüberschaubaren Konglomeraten. Stets im Bewusstsein, dass bei möglichen Schieflagen der Staat oder der Steuerzahler einspringen würde. Die gesamten Verbindlichkeiten der Banken der Eurozone betragen 250 Prozent des BIP der Eurozone. 250 Prozent all dessen, was die Euro-Bürger in einem Jahr schaffen, ist von den Banken bereits verwettet. Das sind unerfreuliche Zahlen. Daher hat die EU-Kommission nun in aller Stille eine Verordnung erlassen, die für die Steuerzahler einen gewissen Schutz bieten sollen – die aber in voller Härte den Bank-Kunden treffen können. Diese Verordnung ist deshalb von Bedeutung, weil für Inkrafttreten nicht mehr die Zustimmung der nationalen Parlamente erforderlich ist, in denen die Banken über Lobbying die Regelung noch weiter verwässern könnten. Es handelt sich um eine Vorschrift, die am 1. August 2013 in Kraft tritt. Mit diesem Tage sollten sich Bank-Kunden genau überlegen, welcher Bank sie ihr Geld anvertrauen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Dieser Beitrag beweist einmal mehr, dass die Schweinereien weitergehen in Europa. Dafür gibt es keine Sommerpause und kein Sommerloch. EU und EZB machen munter weiter mit ihren Vorbereitungen für die Beteiligung der Bürger an den Bankenrettungen. Das "Zypern-Modell" wird verfeinert. Die Zeit drängt. Bis zur Bundestagswahl im September müssen die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Sitzen Merkel und ihre Regierung für weitere vier Jahre fest im Sattel, beginnt das Massaker für Sparer, Anleger und den Rest. In den Bilanzen der europäischen Banken stehen 18,2 Billionen Euro Giftmüll (hier). Das ist längst nicht alles. Dazu kommen die unkalkulierbaren, nicht bekannten Risiken der Schattenbanken und die geradezu tödlichen Risiken aus dem Derivatehandel der TBTF-Banken aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Der US-Investor Warren Buffett bezeichnete sie nicht ohne Grund bereits 2003 als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" (hier). Nach unserer Einschätzung sind unter Berücksichtigung aller Risiken folgende TBTF-Banken schon pleite und werden früher oder später ein Fall für die Steuerzahler: Deutsche Bank und Commerzbank in Deutschland, UBS und Crédit Suisse in der Schweiz, Barclays und HSBC in Großbritannien. Das ist nicht alles. Die Risiken aus dem Derivatehandel sind großflächig in Europa verteilt und treffen auch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland und anderswo. Die Chancen auf eine Rettung stehen schlecht. Darauf wird die Politik aber keine Rücksicht nehmen, sondern alles versuchen, um das System am Leben zu erhalten. Wer sich näher mit dem Beschluss der EU-Kommission beschäftigen möchte, der findet Einzelheiten in der Pressemitteilung vom 10.07.2013, hier. Wie immer wachsweich formuliert und mit viel Deutungsfreiheit. Fakt ist jedoch: Diese Regelungen ziehen die Schlinge um den Hals der Sparer und Anleger fester zu. 

Vor diesem Hintergrund sind die beiden folgenden Beiträge nicht verwunderlich. Österreichs DIE PRESSE meldet "EZB: Bankenrettung ohne Steuerzahler möglich" und schreibt im Vorspann "Der EZB-Chefökonom Peter Praet ist zuversichtlich, dass die Banken wieder stark genug sind, um sich komplett selbst zu rekapitalisieren." Mehr dazu hier. Für diesen Murks wird dann noch extra viel Geld ausgegeben und 17 externe Berater, für jedes der aktuellen Euro-Länder, engagiert. Die Verursacher verdienen an dem von ihnen angerichteten Schaden wieder kräftig mit. Das HANDELSBLATT betitelt ein Interview mit Peter Praet schon gleich mit "Europas Banken können sich selbst retten". Im Vorspann heißt es dort: "Der EZB-Chefökonom ist zuversichtlich, dass die Steuerzahler nicht noch einmal für die Bankenrettung zahlen müssen. Aber auch Peter Praet weiß noch lange nicht, wie hoch der tatsächliche Kapitalbedarf sein wird." Mehr dazu hier. Unser Rat: Lesen, staunen, handeln. 


Deutsche Bank, eine tickende Zeitbombe?
(format.at) Die Deutsche Bank hat seit dem Jahr 2008 Milliardenbeträge an andere Banken verliehen und die Transaktionen so ausgewiesen, dass ihr bestehendes Risiko für Investoren verschleiert wurde. Die Bank gefährdet dadurch das Finanzsystem. Deutschlands größtes Kreditinstitut hat es geschafft, an Gesellschaften in Ländern von Brasilien bis Italien Geld zu verleihen und die Transaktionen nicht in der Bilanz erscheinen zu lassen, obwohl die Forderungen der Bank weiterhin bestehen. Das geht aus Angaben von vier mit den Vorgängen vertrauten Personen sowie Bloomberg News vorliegenden internen Unterlagen der Deutschen Bank hervor. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein super Beitrag unserer österreichischen Nachbarn. Gerade weil das Thema in den deutschen Leitmedien keine Rolle spielt. Es wird hierzulande schlicht und einfach totgeschwiegen. Der Artikel ist randvoll mit Fakten, die der Autor, Jochen Hahn, sehr verständlich und gut lesbar aufbereitet hat. Die Bank ist Meister im Tricksen und Täuschen. Leider weitgehend unbeachtet geblieben in dem Beitrag ist ihre riskante Rolle im weltweiten Derivatehandel. Die tödlichen Risiken daraus werden immer noch unterschätzt. Mehr dazu gibt es hier, in unserem Beitrag "Desaster Derivatehandel". Eine Pflichtlektüre, genauso wie dieser Beitrag im FORMAT. Wie eingangs schon geschrieben, drücken sich die deutschen Medien um diese Story. Lediglich die WELT meldet "Böser Verdacht gegenüber der Deutschen Bank" im Zusammenhang mit Bilanzmanipulationen und schreibt dazu fahrig: "Immer wieder tauchen Vorwürfe auf, die Deutsche Bank habe die Bilanz frisiert – das Institut bestreitet dies. Kreditrisiken werden aber unterschiedlich bewertet. Manchen ist die Bank einfach zu groß." Mehr dazu hier. Liest sich eher wie eine Neiddebatte. Die Sache wird in wenigen Absätzen abgehandelt und an keiner Stelle klingt es gefährlich. Das wird sich bald ändern. Wir freuen uns schon auf die "überraschte" Berichterstattung in den deutschen Medien, wenn diese Machenschaften nicht mehr länger zu kaschieren sind. 


Heiteres Rechnen in den Bankbilanzen
(blog.fuw.ch) Endlich. In knapp zwei Monaten jährt sich der Zusammenbruch von Lehman Brothers und die darauf folgende Beinahe-Kernschmelze im globalen Finanzsystem zum fünften Mal. Und nun, endlich, tut sich Entscheidendes in der Regulierung systemrelevanter Grossbanken. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir sind überrascht wie wenig reicht, um einen kritischen Wirtschaftsjournalisten wie Mark Dittli zufriedenzustellen. Für uns sind die Pläne in den USA reine Augenwischerei. Kein einziges Problem wird entschärft oder gar gelöst. Die folgende Grafik aus dem Beitrag versucht den Eindruck zu vermitteln, als wären die angloamerikanischen Banken überwiegend sicherer aufgestellt als Deutsche Bank, UBS und Crédit Suisse. Das funktioniert nur, wenn man wesentliche Risiken (Derivate, Schattenbanken) unter den Tisch fallen lässt. 



In dem Kommentar "Gewichtiges Risiko" legt Dittli noch nach: "Mehr Eigenkapital verringert die versteckte Subvention, die die Grossbanken dank ihrer impliziten Staatsgarantie geniessen." Mehr dazu hier. Selbst bis zu 7% Eigenkapital sind lächerlich gering wenn man bedenkt, dass die Banken sich "risikoarm" rechnen können und damit die Bezugsgröße für das Eigenkapital beeinflussen. Wir bleiben dabei, es ist eine große Show, mehr nicht. 


JPMorgan meldet starken Gewinnsprung
(manager-magazin.de) Erneut legt JPMorgan Chase die Messlatte für Bankengewinne hoch. In drei Monaten hat die größte US-Bank so viel verdient wie die Deutsche Bank in zwei Jahren. Konzernchef Jamie Dimon sieht darin gute Zeichen für Amerikas Wirtschaft. Mehr...

Kommentar: JPMorgan ist in der Bilanzierung mindestens so kreativ wie die Deutsche Bank. Mindestens! Da fällt es leicht, märchenhafte Gewinne auszuweisen. Wie belastbar die Zahlen wirklich sind, prüft letztlich niemand. Genauso wie die Risiken. ZERO HEDGE liefert folgende Einschätzung: "US Banks As Broken As Ever: JPM Excess Deposits Rise To New Record; Loans At Pre-Lehman Levels". Das ist deutlich. Einleitend heißt es dort: "The final item of note from today's JPM release is perhaps also the most important one, and once again serves as evidence of all that is broken with the US financial system. To wit: deposits held by JPM rose modestly to a new all time high of $1,202,950 million, or $1.2 trillion. This compares to $970 billion in Q3 2008 at the time Lehman failed. What about the flip side of this key bank liability: loans. As of June 30, 2013, total JPM loans declined from $729 billion to $726 billion, the lowest since September 2012. But more disturbing, this number is $35 billion less than the $761 billion at September 2008. It means that JPM's excess deposits have now risen to a new all time high of $477 billion, up from $474 billion last quarter." Mehr dazu hier. Auch der Rest ist lesenswert. 

Quelle: zerohedge.com


Kardinal Peter Turkson: "Was Portugal durchmacht, ist für Entwicklungsländer normal"
(faz.net) Kardinal Peter Turkson ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Heute ist er einer der einflussreichsten Männer des Vatikans. Im Interview mit der F.A.Z. ruft er die Krisenstaaten Europas dazu auf, ihre Ansprüche herunterzuschrauben. Mehr...

Kommentar: Die katholische Kirche hat scheinbar klare Vorstellungen zur Krise, die teilweise in diesem Interview nachzulesen sind. Eine davon hält nicht nur Griechenland, sondern auch Portugal für ein Entwicklungsland. Gemäß dieser Einstellung gehören demnächst wohl auch Spanien und Italien dazu. Lächerlich.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise entwickelt sich kaum unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem unbeherrschbaren Finanzkollaps weiter. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende. Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert haben Berlin und Brüssel in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.