Mittwoch, 17. Juli 2013

Standpunkt 698 - Nachrichten-Ticker, 16.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Studie: Ego-Land Deutschland – Skandal hilft Merkel  – Euro-Krisenbanken und ihre Rettung – Deutschland vs. Europa – Inflation – Schuldenschnitt Griechenland – US-Banken zaubern – Nachtrag: China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Studie zum Zusammenhalt: Deutschland, einig Ego-Land
(stern.de) Die Menschen in Deutschland halten wesentlich weniger zueinander als in anderen Ländern. Der Knackpunkt: Hierzulande akzeptieren die Menschen unterschiedliche Lebensmodelle schlechter als anderswo. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Rang 14 von 34. Das ist Mittelmaß. Interessant: "Besonders gut schneiden die skandinavischen und angelsächsischen Länder ab", schreibt der STERN. Die Deutschen "haben hohes Vertrauen in gesellschaftliche und politische Institutionen und empfinden die gesellschaftliche Situation als gerecht". Ausdruck genetisch bedingter Obrigkeitshörigkeit: "Nichts ist im Menschen, auch im scheinbar aufgeklärtesten, fester verwurzelt als der Glaube an irgendwelche Autoritäten" (Egon Friedell, 1878 - 1938, österreichischer Schriftsteller). Schlusslichter der Studie einer Forschergruppe der Universität Bremen sind Bulgarien, Griechenland und Rumänien. Die aktuelle Krise bedingt aber offensichtlich in Griechenland eine Veränderung, hin zu mehr Zusammenhalt. Wer sich näher mit dieser Studie beschäftigen möchte, der findet hier die Pressemitteilung "Beim Zusammenhalt ist Deutschland nur Mittelmaß" der Bertelsmann-Stiftung, hier die Zusammenfassung "Gesellschaftlicher Zusammenhalt im internationalen Vergleich", hier "Zentrale Ergebnisse auf einen Blick". Unsere österreichischen Leser finden den "Länderbericht Österreich" aus der Studie hier, die Schweizer den "Länderbericht Schweiz" hier. Wer sich durch alle Länderprofile durcharbeiten möchte, der wird hier fündig. 


Ein Skandal ganz nach Merkels Geschmack
(sueddeutsche.de) Angela Merkel müsste sich bei US-Präsident Obama für den Abhörskandal eigentlich bedanken. Er lenkt so schön ab von ihren eigenen Unzulänglichkeiten. Und ob sie früher etwas gewusst hat oder nicht, juckt irgendwie auch keinen. Da kann sie doch entspannt in den Urlaub fahren. Mehr...

Kommentar: Ein wunderbar freimütiger Kommentar über die politische Schönwetterlage in Deutschland. Der Autor, Thorsten Denkler, schildert punktgenau das heimische Sommertheater 2013. Hinter der Bühne werden derweil schon die Messer gewetzt und die Schlachtbänke vorbereitet. Die werden gebraucht, nachdem sich die deutschen Schafe im September ihre Schlachter gewählt haben.


So sollen Euro-Krisenbanken künftig zerschlagen werden
(boerse-online.de) Die Bankenunion für die Euro-Zone soll durch ein Gremium zur Sanierung oder Schließung von Krisenbanken vervollständigt werden. Die Eckpunkte des Gesetzentwurfs. Mehr...

Kommentar: An diesem Beitrag ist nur Teil 4 interessant. Dort geht es darum, dass die Banken selbst bezahlen sollen: "Finanzhilfen an sanierungsfähige Banken sollen aus dem Abwicklungsfonds kommen. In diesem sollen die nationalen Fonds verschmolzen werden. Die Banken müssen ihn selbst speisen mit einem Prozent ihres Bestandes an Kundeneinlagen bis 100.000 Euro. Über zehn Jahre kämen so 55 Milliarden Euro zusammen. Sollte der Fonds vorher mehr Geld benötigen, könnten den Banken zusätzliche Beiträge abverlangt werden, oder der Fonds würde Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen. Eine Nachschusspflicht für die Banken gibt es auch, wenn Mittel aus dem Fonds zur
Bankenrettung abgeschöpft werden."
Das ist ein Witz. Ernsthaft kann nämlich niemand glauben, dass 10 Jahre Zeit bleiben, um diese außerdem viel zu geringe Summe anzusparen. Die Bewältigung der augenblicklichen Bankenkrise in Europa kann damit nicht gemeint sein. Alleine dem deutschen Bankenrettungsfonds SoFFin stehen im Bedarfsfall heute schon über 480 Milliarden Euro zur Verfügung. Eine Summe, die trotzdem beispielsweise für die Rettung/Abwicklung der Commerzbank nicht ausreichen würde. Rohrkrepierer ist deren Beteiligung am Desaster Derivatehandel.



Darf das reiche Deutschland Europa im Stich lassen?
(focus.de) Wir sind die Supermacht des Kontinents, haben wirtschaftlich massiv von Europa profitiert. Jetzt in der Krise fordern Frankreich, Italien & Co. immer neue Rettungsmilliarden von uns. Zahlen wir, sind wir pleite. Tun wir´s nicht, gelten wir als undankbar. Ein Dilemma. Mehr...

Kommentar: Ein Schwachkopf. So lange solche Leute den Deutschen die Krise erklären, bleibt es ein Fiasko. Deutschland zur Supermacht in Europa zu erheben oder die Lehrstellen für 5.000 spanische Jugendliche und die KfW-Kredite als selbstlose Hilfe zu verklären, bezeugen Dönchs Defizite. Seine Meinung "Wir schulden niemandem etwas, haben unsere Wirtschaftsmacht selbst aufgebaut" ist für informierte LeserInnen ein Angriff auf die Intelligenz und der Beweis für fehlendes Geschichtsverständnis. Alt-Kanzler Schmidt hat dieses Defizit in dem folgenden Satz auf den Punkt gebracht: "Deutschland verliert den Sinn für Geschichte, für seine Befreiung durch Europa und für die Solidarität mit seinen Nachbarn." Uli Dönch ist einer jener Demagogen, die der österreichische Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger einmal so beschrieben hat: "Demagogen sind Leute, die in den Wind sprechen, den sie selbst gemacht haben." Übrigens, Euro-Bonds werden kommen, ohne dass Angela Merkel dafür ihr Leben lassen muss.


Autozulassungen auf niedrigstem Stand seit 17 Jahren
(sueddeutsche.de) Deutliches Zeichen der Wirtschaftskrise: In Europa werden so wenig Autos zugelassen wie zuletzt 1996. Die Überkapazitäten in der Branche nehmen zu. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Bisher haben die Hauptlast dieser Entwicklung die französischen Autobauer und Fiat getragen. Das wird sich ändern. Bosch hat bereits Kurzarbeit für 1.800 Beschäftigte beantragt. Andere werden folgen, über kurz oder lang sind auch Entlassungen, zuerst bei den Zulieferern, nicht ausgeschlossen. Auf diese Weise gehen gut bezahlte Arbeitsplätze unwiederbringlich verloren, werden zukünftig ersetzt durch Leiharbeiter, etc. Der Handel mit China wird diese Ausfälle nämlich nicht ausgleichen, wie so gerne von den Konzernlenkern und ihren PR-Abteilungen behauptet. Die Folge: Offensichtlich existiert in Bayern bereits eine Neuwagen-Halde mit tausenden Fahrzeugen (hier, mit einem eindrucksvollen Luftbild). China verfolgt andere Pläne und koppelt den Verkauf von Fahrzeugen an den Aufbau einer heimischen Autoindustrie durch die ausländischen Konzerne, wie VW kürzlich erfahren musste (hier). Was dabei herauskommt steht hier: "VW will Jobs schaffen - vor allem in China" meldete im April das MANAGER MAGAZIN. Im Vorspann heißt es: "Wir stehen zu Deutschland und Europa", sagt VW-Konzernchef Winterkorn. Neue Jobs wird der Autobauer aber primär in China schaffen. Dort wächst der Konzern am stärksten und baut auch die meisten neuen Fabriken. Markt, Produktion und Beschäftigung verschieben sich zusehends. 


Inflation gegen die Krise: Mehr Geld!

(sueddeutsche.de) Mit Inflation ist zwar nicht zu spaßen, doch die Angst vor ihr ist übertrieben. Moderate Geldentwertung wäre der beste Weg, die Länder Südeuropas zu entlasten und zu stabilisieren. Wäre da nicht Angela Merkel und ihre "Alternativlosigkeit". Mehr...

Kommentar: Die Überschrift zum Gastbeitrag des britischen Wirtschaftshistorikers Adam Tooze führt in die Irre. Der Autor bleibt bis zum Schluss unklar in seinen Aussagen. Legt sich nicht fest, ob er Inflation zur Krisenbekämpfung für eher nützlich oder doch gefährlich hält. Schade. Vielleicht kommen unsere Leserinnen zu einem eindeutigeren Ergebnis. Als Diskussionsbeitrag taugt dieser Artikel allemal. 


Ökonomen erwarten Schuldenschnitt für Griechenland
(faz.net) Am Donnerstag besucht Finanzminister Schäuble Griechenland. Wie geht es weiter mit seiner Schuldenkrise? Prominente Ökonomen erwarten einen Schuldenschnitt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Es MUSS zu einem Schuldenschnitt kommen. Nur wird er nicht ganz so ausfallen, wie uns die Ökonomen weiss machen wollen: "Der neue Schuldenschnitt würde vor allem die öffentlichen Gläubiger und damit die europäischen Steuerzahler treffen müssen". Es wird bereits fieberhaft an einem auf Griechenland zugeschnittenen "Zypern-Modell" gearbeitet. Weitgehend verschont bleiben müssen die Spekulanten, sonst gerät der Derivatemarkt in Gefahr. Europäische oder gar deutsche Steuerzahler werden davon ebenfalls noch nicht betroffen sein. Institutionelle Investoren aus dem Ausland haben sich längst schon vom griechischen Acker gemacht oder sind abgesichert. Vor der Bundestagswahl passiert nichts. 

In diesem Zusammenhang möchten wir die Aufmerksamkeit unserer LeserInnen auf einen Beitrag der NACHDENKSEITEN richten, der bereits am 30.08.2012 erschienen ist: "Die griechischen 'Versäumnisse' werden von Berlin maßlos übertrieben". Damals war die Grexit-Diskussion auf einem Höhepunkt und die Parteien haben sich mit nutzlosen Argumenten gegenseitig überboten, als sei der Bundestagswahlkampf schon in seiner finalen Phase. Dieser Lagebericht, wie ihn der Autor Niels Kadritzke nennt, frischt heute noch einmal die Erinnerung auf an eine ruhmlose Periode der europäischen Krisenpolitik und zeigt, dass sich bis heute gegenüber Griechenland daran nichts geändert hat. Mehr dazu hier. Wir lernen daraus: Das falsche Spiel geht unvermindert weiter. Es ist ein kritischer Beitrag, der die Verhältnisse im Land selbst nicht verharmlost. Er macht aber auch unmissverständlich deutlich, dass es Korruption, Vettern- und Misswirtschaft im Land, mit keinem der alten und neuen Spardiktate an den Kragen geht. Darin sehen die in der Troika vereinten EU, EZB und IWF, auch nicht ihre Aufgabe. Alle eint nur ein Ziel: Den Schaden aus den gescheiterten Geschäftsmodellen seit Aufnahme des Landes in die Eurozone (mit Hilfe von Goldman Sachs und der EU-Kommission) für die betroffenen Banken so gering wie möglich zu halten. Außerdem dafür zu sorgen, dass die Spekulanten (das sind wieder die Banken, tatkräftig "unterstützt" von den Hedgefonds) an den Maßnahmen zur Schadensbegrenzung klotzig Geld verdienen. Diese Zeche zahlen bisher, allen anderen Rechenmodellen zum Trotz, ausschließlich die Griechen. Und es ist noch nicht zu Ende. 


Was den US-Banken Flügel verleiht
(tagesanzeiger.ch) Sechseinhalb Milliarden Quartalsgewinn für J. P. Morgan Chase, eine Verdoppelung auf 2 Milliarden bei Goldman Sachs: Die US-Banken schreiben wieder immense Gewinne. Wie lange hält der Höhenflug an? Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Wir haben ihn gefunden, den kritischen Beitrag einer deutschsprachigen Zeitung zu den jüngsten Gewinnmeldungen der US-Banken. Wir fühlen uns nicht mehr so alleine. Unsere LeserInnen aus der Schweiz werden ihn schon kennen, allen anderen legen wir ihn besonders ans Herz. 

Passend dazu noch einen anderen Beitrag des Schweizer TAGES-ANZEIGERS: "Die Gier steht über dem Gesetz". Er steht im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen "Faboulous Fab" Fabrice Tourre, Ex-Banker bei Goldman Sachs. In der Einleitung heißt es: "Moses hat seinem Volk 10 Gebote verschrieben, Goldman Sachs seinen Mitarbeitern sogar 14. Doch der Fall von Fabrice Tourre zeigt: Ethik ist kein ernsthafter Gegner für die Gier." Mehr dazu hier. Wie sehr diese 14 Gebote schon seit Jahren bei Goldman Sachs mit Füßen getreten und vollkommen entwertet werden, zeigt der Beitrag "The Great American Bubble Machine" von Matt Taibbi (hier). Leider nur in Englisch verfügbar und Taibbi schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dieses Werk öffnet Horizonte. Garantiert. Eine schöne Karrikatur von Victor Juhasz gibt es auch dazu: 


Quelle: rollingstone.com


Gut verpackte Hiobsbotschaft
(tagesanzeiger.ch) Chinas Konjunktur verliert weiter an Fahrt. Der Regierung ist es bisher gelungen, trotz der schlechten Nachrichten eine Panik unter Investoren und der Bevölkerung zu verhindern. Mehr...

Kommentar: Das Thema liegt uns am Herzen. Seit unserem China-Dossier vor mehr als zwei Jahren (hier) haben wir viel Kritik für unsere reservierte Haltung gegenüber den chinesischen Erfolgsstatistiken und den Jubelarien in den deutschen Medien einstecken müssen. Wir glauben weiter fest an unsere Rehabilitation. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise entwickelt sich kaum unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem unbeherrschbaren Finanzkollaps weiter. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende. Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert haben Berlin und Brüssel in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.