Donnerstag, 18. Juli 2013

Standpunkt 699 - Nachrichten-Ticker, 17.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Mario Draghi – Trennbankensystem  – Jobs in Deutschland – „Wir sitzen in der Falle“ – Bank of America – Nachtrag: China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Applaus für Draghi
(neuewirtschaftswunder.de) Als EZB-Präsident Draghi am 4. Juli zwar keine Zinssenkung verkündete, dafür jedoch dauerhaft niedrige Leitzinsen versprach, war die Empörung bei den Kommentatoren groß. Der deutsche Sparer würde nun also endgültig enteignet, es drohen Blasen und natürlich die seit Jahren angekündigte große Inflation. Angesichts der wirtschaftlichen Lage im Euroraum sowie einer Inflation klar unter dem Zielwert war die Ankündigung an sich nicht überraschend. Der entscheidende Punkt war vielmehr, dass Draghi eine mögliche Zinswende nicht direkt an eine wirtschaftliche Erholung oder erhöhte Inflationsdaten gekoppelt hat, sondern unabhängig davon den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik in weite Ferne schob. Von Fabian Fritzsche. Mehr...

Kommentar: Sicherlich ist die grundsätzliche Botschaft in diesem Beitrag richtig, die Fritzsche am Schluss so zusammenfasst: "Sicherlich sind historisch niedrige Zinsen nicht das, was sich deutsche Sparer wünschen. Gerade bei Erfolg der expansiven Politik werden diese jedoch schneller steigen als bei jahrelanger Stagnation der Wirtschaft und anhaltend niedrigen Inflationsraten. Zudem befindet sich auch die deutsche Wirtschaft in der Stagnation und die Inflation liegt sehr niedrig. Höhere Zinsen ließen sich vor diesem Hintergrund auch für Deutschland alleine kaum rechtfertigen, sondern würden hierzulande genauso wie in der restlichen Eurozone die Wirtschaft belasten und somit die finanzielle Situation der privaten Haushalte über steigende Arbeitslosigkeit und sinkende (oder langsamer steigende) Löhne eher verschlechtern als verbessern. Wie zudem sowohl die Theorie als auch die empirische Erfahrung der letzten beinahe fünf Jahre zeigen, ist die Angst vor hoher Inflation durch niedrige Leitzinsen zumindest so lange unbegründet wie die Arbeitslosigkeit hoch, die Lohnabschlüsse gering und die Kapazitätsauslastung niedrig sind. Die offenbar von vielen gewünschte Alternative höherer Zinsen in der schwersten Wirtschaftskrise seit einem dreiviertel Jahrhundert wäre also allenfalls für eine kleine Gruppe (sicherer Arbeitsplatz bei hohen Zinseinkünften) vorteilhaft, für die große Mehrheit der Menschen in der Eurozone ist die Politik der EZB richtig." Auf der anderen Seite unterlaufen ihm aber zwei aus unserer Sicht gravierende Fehler: Niedrige Zinsen bedeuten nicht mehr höhere Investitionen, wie von Fritzsche in Absatz 2 behauptet. Das war einmal. Sonst hätte Amerika schon längst wieder blühende Landschaften. Vollkommen daneben liegt die Feststellung im letzten Satz: "Die Krise ist zwar noch nicht vorbei, aber dank der Politik von Draghi hat sich die Situation bereits entspannt und die EZB trägt alles in ihrer Macht stehende dazu bei, endlich eine Trendwende in der Eurozone einzuleiten." Draghi hat für die europäischen Politiker Zeit gewonnen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen mit denen die Krise beendet werden kann. Diese Zeit wurde bisher nicht genutzt und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert. Tatsächlich ist auch keine Entspannung eingetreten. Die Krise verschärft sich weiter und greift auch neue Länder an, wie sich in den Benelux-Staaten, Dänemark und Finnland bereits zeigt. Es handelt sich eben doch nicht um eine Staatsschuldenkrise, sondern um eine veritable Bankenkrise. Der ist mit Sparmaßnahmen nicht beizukommen. In dieser Hinsicht verlängern Draghi und die EZB als Interessenwahrer der Banken nur deren Leiden. 


Häufig gestellte Fragen: Warum wir dringend ein echtes Trennbankensystem brauchen 
(nachdenkseiten.de) Im Kielwasser der Lehmann-Pleite und der billionenschweren Bankenrettungen auf Kosten der Allgemeinheit gab es eine kurze Zeitspanne, in der ein politischer Konsens für eine strikte Regulierung des Bankensystems vorhanden war. Doch diese Zeitspanne währte nur kurz. Aus großen Plänen wurden kleinlaute Regulierungsvorschläge – marktkonform und halbherzig. Immer wieder erreichen uns Fragen, wie man denn eigentlich das übermächtige Bankensystem sinnvoll regulieren könnte. Die Einführung eines echten und konsequenten Trennbankensystems steht dabei ganz oben auf einer langen Forderungsliste. Doch wie könnte eine solche konsequente Trennung zwischen klassischen Bankgeschäften und dem Finanzkasino aussehen? Von Jens Berger. Mehr...

Kommentar: Vier Jahre hat es gedauert, bis im Oktober 2012 der sogenannte "Liikanen-Report" (hier und hier), benannt nach dem Finnen Erkki Liikanen, eine Reform des Bankensektors in Europa vorgestellt hat. Kernpunkt der Vorschläge ist ein Trennbankensystem (auch hier). Wesentliches ist seit dem nicht mehr passiert. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Bankenlobby mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln darum kümmert. Und die Politik wieder einmal orientierungslos auf halbem Weg stehen bleibt, aus Angst vor der eigenen Courage. Wie wichtig und dringend ein Trennbankensystem ist, lässt sich in diesem Beitrag nachlesen, er liefert die Argumente. Übrigens ist dort auch nachzulesen, dass die Amerikaner und Briten noch keinen Schritt weiter sind, was in den deutschsprachigen Medien fälschlicherweise gerne behauptet wird. 


Autohersteller müssen Jobs in Deutschland erhalten
(welt.de) Europas Automarkt steckt in der Dauerkrise fest. Zum Glück für deutsche Hersteller läuft das Geschäft im Ausland besser – vor allem in China. Doch das alleine sichert hierzulande nicht die Stellen. Mehr...

Kommentar: Zwischen den Zeilen kann man lesen, wer für die Erhaltung der heimischen Jobs sorgen soll: Die Politik mit milliardenschweren Subventionen. Nachhaltig ist das nicht. Auf diese Weise machen die Konzerne noch einmal Kasse, um anschließend die Jobs doch ins Ausland zu verlagern.


"Wir sitzen in der Falle"
(format.at) Zwar ermöglichen die niedrigen Zinsen – der Leitzins in der Euro-Zone liegt derzeit auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent – den krisengeplagten Geldhäusern eine günstige Refinanzierung. Und viele Institute brauchen noch Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Allerdings steigt wegen der erodierenden Margen die Gefahr, dass die Banken abermals zu große Risiken im Kreditgeschäft und bei ihren Kapitalanlagen eingehen, um überhaupt noch etwas zu verdienen - und die Krise wieder von vorn beginnt. Mehr...

Kommentar: Die armen Banken. Sie müssen riskante Geschäfte machen, weil die Zinsen zu niedrig sind und sie sonst nicht genug verdienen. Was für ein Nonsens. Im traditionellen, konservativen Bankgeschäft waren die Margen nie üppig. Das war auch der Grund, warum schon Ende der 1980er Jahre von den Finanzkonzernen in den USA damit begonnen wurde, sich aus den Fesseln des Glass-Steagall Act von 1933 zu befreien. Nur so war es den Managern in den Banken möglich, sich ab 1999, dem Ende dieses Gesetzes, mit kriminellen Geschäften, voller Phantasie, nahezu grenzenlose Boni zu "erwirtschaften". 

Die in dem Beitrag beschriebenen Risiken gehen die Banken ein, weil ihnen die Politik 2008 einen dauerhaften Persilschein ausgestellt hat und den nicht mehr zurückziehen kann. Dieses wortreiche Lamentieren dient nur der öffentlichkeitswirksamen Show und soll den Eindruck erwecken man sei geläutert, müsse aber aus Not (noch) mehr riskieren. Machen wir uns doch bitte nichts vor: Nahezu wöchentlich wird irgendwo auf der Welt ein Skandal aufgedeckt, an dem Banken beteiligt sind. Und es ist immer nur die Spitze des Eisbergs. 

Unser Fazit ist ein ganz anderes: In der Falle sitzen die Steuerzahler, die alle auch Kunden irgendeiner Bank sind und bluten müssen, wenn es demnächst zum Showdown kommt. Dann trifft es sie doppelt, viele sogar dreifach: Als Kunden, Anteilseigner und zum Schluss immer als Steuerzahler. 


Bank Of America: From Loss To Profit Thanks To Mark-To-Unicorn
(zerohedge.com) Earlier today, Bank of America surprised the market with its n-th consecutive profit beat in many quarters. Ironically that same profit, of $4,012 MM to be precise, should have been a loss of $221 MM. Read more...

Kommentar: Eines von den zahllosen Beispielen, wie aus Verlusten astronomische Gewinne gemacht werden. Den offiziellen Zahlen ist einfach nicht zu trauen. Die beiden folgenden Charts aus dem Beitrag machen die Trickserei offensichtlich: 








Es macht schon eine Menge her, einen Quartalsgewinn von über 4 Milliarden $ auszuweisen. Statt eines - wenn auch kleinen - Verlusts von 221 Millionen $, während die Konkurrenz es richtig krachen lässt. Schliesslich lauten die Bilanzregeln seit 2008 einfach nur: "Erlaubt ist, was gefällt". 


Just Four China Charts
(zerohedge.com) Sunday's 'golidlocks' data dump from China was enough for many to herald the turn is in and it's all plain-sailing from here, but the reality is a little different (as always). As Bloomberg's Michael McDonough notes, there is little upside for the yuan given China's slowing economy and a strengthening US Dollar. The gloomier outlook may also weigh on domestic equity markets. The Shanghai Composite Index has underperformed global peers in the past year. The pace of expansion may fall below the government’s goal of 7.5 percent and that may prompt a rate cut and/or an accelerated pace of infrastructure project approvals (unleashing the inflation monster). Policy makers need to prove they remain in control, meaning GDP growth must finish the year at or above the target, but for now, the following four charts suggest all is not well with the 'soft-landing'. Read more...

Kommentar: Wir arbeiten bezüglich China immer noch an unserer Reputation. Statt zu kommentieren, zeigen wir die vier Charts: 

Grafik 1, Entwicklung BIP:


Grafik 2, Industrieproduktion:



Grafik 3, Einzelhandlesumsätze, Konsumklima: 



Grafik 4, Investitionen: 


Alles klar, oder? 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise entwickelt sich kaum unsichtbar, aber unerbittlich, zu einem unbeherrschbaren Finanzkollaps weiter. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende. Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Wie es funktioniert haben Berlin und Brüssel in Zypern vorgemacht. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.