Montag, 22. Juli 2013

Standpunkt 703 - Nachrichten-Ticker, 21.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutsches Gold weg? – EU-Marshallplan – Japan gegen „Brexit“ – Nachtrag: China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Hedgefonds-Manager: Das Gold der Bundesbank ist weg
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Hedgefonds-Manager William Kaye sagt, es sei naiv zu denken, die Bundesbank würde ihre in den USA gelagerten Goldreserven jemals zurückbekommen. Das ehemals "deutsche" Gold gibt es als solches nicht mehr. US-Banken haben es von der Fed erhalten, um den Goldpreis zu drücken. Die Goldbestände gelangten auf den Markt. "Deutschland wird das Gold nie wieder sehen", so Kaye. Mehr...

Kommentar: Was William Kaye in seinem Interview (Game Over - "It’s All A Farce, The Fed & German Gold Is Gone", hier) mit Eric King von KINGWORLDNEWS zum Besten gibt, das ist selbst für uns eine kleine Sensation. Damit meinen wir nicht, dass Deutschland sein in den USA gelagertes Gold nicht mehr wiedersieht. Das haben wir erwartet und bereits in unserem Gold-Dossier "Am Gold hängt es, zum Gold drängt es!", vom 01. September 2011, hier, auch so geschrieben. Damals waren wir jedoch davon ausgegangen, dass die deutschen Goldbestände noch vorhanden sind und erst zu gegebener Zeit vom US-Präsidenten mittels Kriegsrecht annektiert werden: "Die größten Goldvorräte besitzen die USA, hier lagern auch über 80% des deutschen Goldschatzes, immerhin 3400 Tonnen. Der deshalb auch für Deutschland unwiederbringlich verloren ist. Der US-Präsident hat nämlich in Krisenzeiten das Recht, alle innerhalb der US-Grenzen gelagerten Goldvorräte zu konfiszieren. Wer uns nicht glaubt, der sollte sich im Internet ein Interview des US-TV-Senders CNBC anhören, geführt am 08.08.2011 mit dem US-Analysten Jim Rickards. Alle Zweifel sind danach restlos beseitigt." Jetzt sieht es so aus, als habe die US-Notenbank die deutschen Bestände in ihre Gewalt gebracht und neben ihren eigenen aus der Hand gegeben. Das  hatten wir in unserem Dossier anderen Ländern unterstellt: "Wir müssen uns aber nicht sorgen, auch die Goldvorräte der anderen Staaten sind (noch) wertlos, weil verleast, beliehen, verpfändet, längst verkauft." 

Wir können uns nicht vorstellen, dass die Fed ohne Rückendeckung durch die Bundesbank diesen Schritt getan hätte. Andernfalls ist es schlicht und ergreifend Diebstahl. Das halten wir für völlig ausgeschlossen. Stellt sich also die Frage, was hat die Bundesbank dazu gebracht, der Fed die Erlaubnis für die Verwertung des deutschen Goldes zu geben? Es ist sogar unmöglich über die Antwort zu spekulieren, der Vorgang wäre ungeheuerlich. 

Unser Fazit: Wir haben schon immer Silber als Krisenmetall bevorzugt. Gold ist nur etwas für Optimisten - wegen des zu erwartenden Goldverbots. Andererseits kennen wir Leute, die ohne einen kleinen Goldvorrat an massiven Schlafstörungen leiden. Für die ist Gold quasi Medizin. Dagegen können wir wenig ausrichten. Alle anderen kaufen sich ein Säckchen Silberlinge (2 und 5 Reichsmark, 5 D-Mark, entsprechende Gedenkmünzen, Schilling, CHF, usw.). 


Zentralbanken geben Startschuss zum Zünden der Derivate-Bombe
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die EZB und die chinesische Zentralbank haben entschieden, auch minderwertige Wertpapiere als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren. Damit beflügeln sie den Trend der Banken, sich immer stärker am Derivate-Markt zu engagieren. Schon jetzt ist der Derivate-Markt über 700 Billionen Dollar schwer – ein Impuls kann die Bombe zünden. Das Problem: Was für ein Impuls dies sein könnte, ist nicht vorhersehbar. Mehr...

Kommentar: Der Derivatehandel spielt in der Öffentlichkeit keine Rolle, obwohl es sich dabei um die ultimativ tödlichste Waffe der Finanzindustrie handelt. Nicht nur für das weltweite Finanzsystem, sondern auch für die Realwirtschaft. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Massenvernichtungswaffe (O-Ton Warren Buffett). Diese Waffe lässt sich nicht entschärfen. Deshalb wird darüber nicht gesprochen. Schätzungen in den USA gehen von 1.200 bis 1.400 Billionen $ Volumen im weltweiten Derivatemarkt aus. Aus unserer Sicht sind diese Annahmen sehr wahrscheinlich. Die angegebenen 700 Billionen stammen von der BIZ und sind nicht vollzählig. Es fehlen die Zahlen der Schattenbanken, die nicht erfasst werden. Ein großer Teil des Handels entfällt auf deutsche, britische und Schweizer Banken mit klangvollen Namen, allen voran die Deutsche Bank (hier). Sie liegt nach unserer Kenntnis hinter der US-Bank JPMorgan auf Platz 2 des weltweiten Rankings. Darüber schweigt sich der Beitrag bedauerlicherweise aus. Das US-Magazin FORBES schreibt im vergangenen März, die US-Großbanken stecken knietief in Derivaten ("Risk Is Back: America's Big Banks Are Knee-Deep In Derivatives", hier). Bezogen auf die Deutsche Bank wäre das eine glatte Untertreibung.

Es genügt wenig, um diese Bombe zu zünden. Eine Unachtsamkeit in Europa, den USA, Japan oder China, und das Ding geht hoch. Haarscharf an einer Katastrophe vorbei ging es schon bei dem Schuldenschnitt für Griechenland. Viele Banken, u. a. die zyprischen, hatten ihre Engagements in griechischen Staatsanleihen mit Derivaten abgesichert. Leider ohne Erfolg. Für einen Großteil dieser Fälle wurde einfach die Leistung verweigert. Was für die zyprischen Banken das Ende bedeutete. Der Schaden blieb überschaubar. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Ein solches Ereignis in Spanien hätte unabsehbare Folgen. Die gesamte Finanzindustrie weltweit wird pulverisiert, einschliesslich der angeblich so honorigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die längst ihre wertlosen Karten in diesem Spiel halten. Weg sind dann auch die Ersparnisse und Vermögen der Kunden (= Gläubiger) der Banken. Schlagartig. Nichts hat dann noch einen Wert. Reihenweise werden Hypothekendarlehen gekündigt. Sie sind fester Bestandteil dieses gigantischen Spiels. Lebensversicherungen werden § 89 VAG zum Opfer fallen. Das europäische Bankenrettungsmodell ist nur noch Makulatur und besteht aus einer einfachen Rechnung: Die Beteiligung der Gläubiger ist immer 100%, die der Steuerzahler auch.


Ein Marshall-Plan für Südeuropa?
(heise/telepolis.de) Die europäische Staatsschuldenkrise hat ein (west)deutsches Vorbild. Ob es zur Lösung der Krise taugt, ist aber höchst umstritten. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Nachdem die Sparpolitik in Europa gescheitert ist, wird in kleinen Zirkeln wieder über einen Marshallplan diskutiert. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Erfolgsaussichten. Dazu bietet er einige bemerkenswerte Links an. Einer davon führt zu einem höchst interessanten Interview mit dem Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl im SPIEGEL, veröffentlicht am 21. Juni 2011 mit dem Titel "Deutschland ist der größte Schuldensünder des 20. Jahrhunderts". Im Vorspann heißt es: "Griechenlands Pleitekarriere lässt sich nicht überbieten? Doch - von Deutschland, sagt der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl im Interview. Er warnt: Die Bundesrepublik muss sich in der Euro-Krise zügeln, sonst könnte sich die Stimmung gegen das Land drehen." Mehr dazu hier. Lesen lohnt sich. Ritschl rückt darin einige der falschen, deutschen Gewissheiten gerade. 


Japan warnt London eindringlich vor EU-Austritt
(welt.de) Überraschend hat sich Japans Regierung zu Wort gemeldet und London in deutlichen Worten vor einem EU-Austritt gewarnt. EU-Skeptiker sind außer sich – und verbitten sich jegliche Einmischung. Mehr...

Kommentar: Japan sieht die Dinge pragmatisch und erteilt den Befürwortern eines EU-Austritts ein bisschen Nachilfe in Wirtschaftspolitik. Machen die Japaner ernst, und davon müssen die Briten ausgehen, dann wird es düster in der englischen Industrie. Die kann einen solchen Jobverlust nicht ausgleichen. Was offensichtlich bei den EU-Gegnern noch keine große Rolle spielt, sind die starken Separationsbestrebungen in Schottland (hier). Im September 2014 wird darüber abgestimmt. Die Mehrheit der Schotten will eine Trennung von England. Das kostet London die Einnahmen aus der Ölförderung vor der schottischen Küste. England ist auf dem Weg zum Pflegefall. Begonnen hat diese Entwicklung unter Margaret Thatcher, Premierministerin von 1979 bis 1990.  


JPMorgan Asks "How Similar Is China To Japan In The Late 1980s?"
(zerohedge.com) China is similar to Japan in the 1980s in terms of financial imbalances and challenges for the real economy, but, as JPMorgan notes, China differs in terms of its stage of economic development. Turning possibility into reality is not an easy task, especially as China’s structural slowdown is accompanied by mounting financial imbalances. In the near term, overcapacity and decline in the rate of return on investment are the major challenges to be addressed by policymakers, and rising debt in the corporate sector and local governments needs to be contained and gradually reduced. In our view, this would require reform not only on the economic front (e.g., fiscal reform, land reform, financial reform, and SOE reform), but also social reform (e.g., hukou reform) and governmental reform (e.g., changing the role of the government and de-monopolizing). The list of tasks is daunting, but policy inaction could be even more dangerous - a delay in economic restructuring in China could lead to a repeat of Japan’s experience. Read more...

Kommentar: It's a nightmare.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. Die Regierungen unternehmen nichts. Alle Versprechen wurden gebrochen. Schlimmer noch: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Auf Kosten seiner Nachbarn. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Die Fassade zeigt schon tiefe Risse, hält aber auf jeden Fall noch bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung ist vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Zypern war nur ein Anfang, da geht noch mehr. 

Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss handeln. Dabei können wir behilflich sein. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.