Mittwoch, 24. Juli 2013

Standpunkt 705 - Nachrichten-Ticker, 23.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Österreicher: Verrückte mit Gottvertrauen – Spanien – Herbert Walter und die "Fehler der Vergangenheit" – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Österreich: Bausparen boomt trotz halbierter Prämie
(derstandard.at) Der Staat wird heuer fast doppelt so viel an Kapitalertragsteuer einnehmen, wie er an Prämie auszahlt. "Die Österreicher sparen trotz niedriger Zinsen kräftig weiter", sagte Ernst Karner von der S-Bausparkasse. Zumindest die Bausparverträge scheinen weiterhin im Trend zu liegen: Im ersten Halbjahr wurden österreichweit bei allen Bausparkassen etwas über 445.000 neue Verträge abgeschlossen, um 12,6 Prozent oder rund 50.000 Stück mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mehr...

Kommentar: Entweder sind sie völlig verrückt oder voller Gottvertrauen, unsere österreichischen Nachbarn. Vielleicht auch beides. Anders ist für uns nicht zu erklären, warum Bausparverträge so sehr im Trend liegen. Eine krisensichere Geldanlage sind sie nämlich nicht. Es gibt in einem akuten Krisenfall der Banken keinerlei ernstzunehmende Gewährleistung. Das Geld ist weg - trotz einer gültigen Einlagensicherung. Da ist es wirklich besser, das Geld zugriffssicher unter der eigenen Matratze aufzubewahren, wie einer der Kommentatoren empfohlen hat. 





One-Third Of Europe's Unemployed Are Spanish
(zerohedge.com) With yet another promise about to go up in smoke (that of PM Rajoy's claim that Spain will be out of recession this quarter), we thought it worth a brief reflection on just what a disaster the nation is and how much it is weighing on the entire EU. Spain has been in recession for seven quarters in a row and survey indicators suggest it will extend to eight. House prices continue to collapse. Government revenue to GDP is among the worst in the union. But unemployment is where Spain has its peers beat - at 6.2 million unemployed, Spain accounts for almost one-third of the entire unemployed population of Europe. With expectations that the unemployment rate will break above 28% next year and a government embroiled in scandal, Rajoy's planned address to discuss the politicial and economic situation to his nation in August may just be the catalyst for the social unrest that has laid relatively dormant for so long. Is Spain the new Detroit? Read more...

Kommentar: Auf die Hilfe seiner europäischen Nachbarn muss Spanien bis nach der Bundestagswahl warten. Vorher geht nichts. Das ist der Grund, warum die Entwicklung der Krise in Spanien momentan in den deutschsprachigen Medien so gut wie keine Rolle mehr spielt. Sie wird totgeschwiegen. So wird eine Rettung immer unwahrscheinlicher. Die folgenden Grafiken aus dem Beitrag machen den Fortschritt der Krise deutlich: 

Spanische Wirtschaftsleistung: 



Arbeitslosenquote:


Aktuelle Staatseinnahmen:




Entwicklung der Hauspreise:




Die Fehler der Vergangenheit holen uns ein
(handelsblatt.com) Wirtschaft und Banken kommen in den südeuropäischen Krisenstaaten nicht auf die Beine. Das schafft eine gefährliche Abwärtsspirale. Was wir von Amerikanern lernen können. Mehr...

Kommentar: Der (Ex-)Banker Herbert Walter reduziert die Krise in Südeuropa auf die Folgen einer Kreditklemme. Behauptet, sie sei Schuld an dem fehlenden Wirtschaftswachstum in den Krisenstaaten. Lernen wir nicht gerade am Beispiel Chinas, dass Wirtschaftswachstum in erster Linie von Nachfrage und Konsum abhängig ist? Die sind eingebrochen und in der Folge auch die Wirtschaftsleistung im Reich der Mitte. Offiziell von 9,5 auf 7%, Marc Faber glaubt gar nur noch an 4%. China hat zu wenig Konsumenten, um die Exportrückgänge durch eine höhere Binnennachfrage auszugleichen. 

Die angebotenen Mittel der KfW sind reine Augenwischerei. Schon der EIB war es in der Vergangenheit nicht gelungen, freie Mittel in den Krisenstaaten unterzubringen. Übrigens, die Gelder aus Deutschland sind kein Geschenk. Die gibt es auch nur gegen überdurchschnittlich hohe Zinsen. Die 100 Millionen Euro für Griechenland sind Teil eines Fonds, der auch von anderen Ländern bestückt werden muss. Zahlen die nicht oder zu wenig, gibt es auch die Kohle aus Deutschland nicht. 

Für dumm verkaufen will Walter seine LeserInnen mit der Behauptung, in den USA läuft es besser. Das ist blanker Unsinn. Die angebliche Gesundung der US-Banken und ihre üppigen Quartalsgewinne sind nicht das Ergebnis der Reduzierung von Risiken oder besserer Geschäftsmodelle. Das Gegenteil ist der Fall: Die Risiken haben seit 2008 weiter zugenommen, weil die Geschäftsmodelle die gleichen geblieben sind. Sie wurden nur weiter optimiert, um ihre explosiven Risiken besser in den Bilanzen verstecken zu können. Den Rest besorgt ein bisschen mehr Bilanzkosmetik. Oder gleich in Schattenbanken ausgelagert, deren Tätigkeit keinerlei Kontrolle unterliegt, die mit ihrem Geschäftsvolumen aber längst die traditionellen Banken in den USA hinter sich gelassen haben. Wie die folgende Grafik anschaulich zeigt: 

Quelle: manager-magazin.de

Welchen Interessen dient Herbert Walter mit solchen Täuschungen? 


China braucht kein 7%-Wachstum
(fuw.ch) Die Fixierung der Finanzmärkte auf hohe BIP-Wachstumsraten führt in die Irre. China benötigt eine Abkehr vom bisherigen, investitionsgetriebenen Wirtschaftsmodell. Ein Kommentar von Michael Pettis. Mehr...

Kommentar:  "BIP-Expansionsraten von 7,5 oder selbst 7% werden in den kommenden Jahren unmöglich zu erreichen sein." Wenn es um China geht, halten wir Michael Pettis für einen der kompetentesten Kenner der Verhältnisse dort. Anders als Stephen S. Roach beschönigt Pettis nichts und bringt auch unangenehme "chinesische Wahrheiten" ans Licht. Gute Gründe, diesen Beitrag unseren LeserInnen, sofern sie sich für die Entwicklungen in China und ihre Folgen interessieren, wärmstens zu empfehlen. Sein Fazit nehmen wir schon einmal vorweg: "China braucht nicht zwingend ein Wachstum von 7,5%. Von diesem Mythos gilt es sich zu verabschieden. Was zählt, ist, dass die gewöhnlichen chinesischen Haushalte ihren Lebensstandard weiter in dem Tempo verbessern können, das sie gewohnt sind, und das Chinas Wirtschaft so umstrukturiert wird, dass das Problem der real existierenden Kreditblase angegangen werden kann. Wenn es während der Amtszeit von Präsident Xi und Premierminister Li gelingt, dass die Haushaltseinkommen 6 bis 7% zunehmen und die Abhängigkeit der Wirtschaft von Krediten gemildert wird, ist das eine ausser-ordentliche Leistung, selbst wenn es – was unausweichlich ist – bedeutet, dass das BIP-Wachstum auf 3 bis 4% sinkt. Wird diese Transformation umsichtig gehandhabt und der Widerstand der Elite überwunden, wird der durchschnittliche chinesische Bürger die mit dem Wandel zu einem nachhaltigeren Modell einhergehende massive Wirtschaftsverlangsamung kaum wahrnehmen, und eine Kreditkrise wird abgewendet. Meint China es mit dem Rebalancing wirklich ernst, kann und muss es mit einem massiv langsameren Wachstum auskommen." Nur noch 3 bis 4% Wachstum in China wäre fatal für die deutschen Konzernlenker, die ihre zukünftigen Umsätze nicht in Europa, sondern im fernen Asien machen wollen. Die Chinesen brauchen Lohn und Brot. Deshalb wird die chinesische Regierung nicht nur VW, Siemens oder die US-Konzerne zwingen, hauptsächlich im Land selbst zu produzieren. Das hat fatale Folgen für die heimischen Arbeitsplätze. VW beispielsweise schafft Zehntausende neuer Arbeitsplätze in China. Deutschland geht nahezu leer aus. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. Die Regierungen unternehmen nichts. Alle Versprechen wurden gebrochen. Schlimmer noch: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Auf Kosten seiner Nachbarn. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Die Fassade zeigt schon tiefe Risse, hält aber auf jeden Fall noch bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung ist vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Zypern war nur ein Anfang, da geht noch mehr. 

Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss handeln. Dabei können wir behilflich sein. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Sie sichert unsere Unabhängigkeit. Eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de genügt. Den Rest erledigen wir.