Montag, 29. Juli 2013

Standpunkt 710 - Nachrichten-Ticker, 28.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Nachtrag: Pleite-Risiko Deutsche Bank (2 Beiträge) – Bank of Cyprus


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Von wegen Finanzmarkt-Regulierung
(zeit.de) Nach der Lehman-Pleite vor drei Jahren sollte die Finanzwelt umgebaut werden. Doch bis jetzt ist keines der Ziele verwirklicht worden, schreibt Harald Schumann. Mehr...

Kommentar: Es ist ein älterer Beitrag, bereits erschienen im Januar 2012. Wir haben ihn aus unserem Archiv herausgekramt, weil wir einigen Leuten mit unseren jüngsten Kommentaren über den Zustand der Finanzindustrie im allgemeinen, der europäischen Banken im besonderen, und der Deutsche Bank im speziellen, offensichtlich auf die Nerven gehen. Damit haben wir kein Problem, da wir von unserer Einschätzung keinen Millimeter abweichen müssen, sie wird sich eher früher als später bestätigen. Die Sache ist einfach: Hier und da hören wir auch schon mal die Flöhe husten, wofür wir aber keine Quelle angeben können. Trotzdem möchten wir unsere LeserInnen so früh wie möglich informieren. So wie bei unserer "Nachricht" von einem erwarteten Übernacht-Zusammbruch des heimischen Primus Deutsche Bank. 

Schuld an dieser Entwicklung sind hauptsächlich die Versäumnisse, die Harald Schumann in seinem Beitrag leicht verständlich beschreibt. Die "Megabanken mächtiger denn je" erklärt der Autor, "die Branchenriesen konnten die Krise sogar nutzen, um noch größer zu werden." Gleichzeitig haben seit 2008 auch die Risiken weiter zugenommen, denen die Politik nichts entgegensetzt, sondern diesem Treiben tatenlos zusieht. Die Lunte brennt. Deshalb ist der Zusammenbruch einer dieser Megabanken nur die logische Folge und nichts spricht dagegen, dass es die Deutsche Bank sein wird. Die Wirkung wäre katastrophal, der sprichwörtliche Super-GAU. Nicht nur für Deutschland mit seinen Sparern und Steuerzahlern. Sie alleine können die Deutsche Bank nicht retten. Deshalb wird diese Gefahr verheimlicht, regelrecht totgeschwiegen. Zweifel an der Solvenz der Bank im Keim erstickt, angeblich die Geschäftspolitik geändert, die Eigenkapitalbasis verbessert, usw. Alles nur großes Theater. In Wahrheit ist es ein Drama. 


“Prof. Anat Admati: "The banking system is dangerous, we may have another nightmare soon"
(calcalist.co.il) Prof. Admati, one of the most outspoken economists in the U.S., is at the forefront the global fight against high risks in the banking system. And that's what she wanted to tell you. Read more...

Kommentar: Noch ein Beitrag aus unserem Archiv zum gleichen Thema, bereits im September 2011 erschienen, aber nach wie vor aktuell. Anat Admati ist, neben dem deutschen Ökonomen Martin Hellwig, Mit-Autorin des Buches "The Bankers' New Clothes: What's Wrong with Banking and What to Do about It" (hier), mittlerweile auch auf Deutsch erschienen: "Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schief läuft und was sich ändern muss" (hier). Sie ist eine der profiliertesten Kritiker des Finanzsystems und trotzdem zuversichtlich über seine Reformfähigkeit: "This is a huge thing, but I'm optimistic. I was told from the beginning it was a marathon not a sprint."    
 
 
Bank of Cyprus erhöht Zwangsabgabe
(n-tv.de) Zur Abwendung der Staatspleite Zyperns werden die Einleger der Bank of Cyprus offenbar noch stärker zur Kasse gebeten, als bisher bekannt. Zypern und seine internationalen Geldgeber hätten sich auf eine Zwangsabgabe von 47,5 Prozent für vermögende Kunden der Bank geeinigt, verlautete aus Bankenkreisen. Dies wäre mehr als zwischen dem krisengeschüttelten Euro-Land und seinen Kapitalgebern im März zunächst vereinbart wurde: Demnach sollten Guthaben über 100.000 Euro, die bei der Bank of Cyprus deponiert wurden, zu 37,5 Prozent in Aktien der Bank umgewandelt werden. Weitere 22,5 Prozent wurden vorübergehend gesperrt. Mehr...

Kommentar: Es ist ruhig geworden, um das zyprische Bankenrettungsmodell. Tatsächlich ist die Zwangsenteignung noch in vollem Gange. Das letzte Wort ist auch noch nicht gesprochen. Besonders bei der Laiki-Bank, die abgewickelt wird. Dort wird ein regelrechtes Blutbad stattfinden, von 80% ist die Rede (hier). Geht die Deutsche Bank pleite, würde selbst das nicht reichen...


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. Die Regierungen unternehmen nichts. Alle Versprechen wurden gebrochen. Schlimmer noch: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber auf jeden Fall noch bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss handeln.