Dienstag, 30. Juli 2013

Standpunkt 711 - Nachrichten-Ticker, 29.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutsches "Volksvermögen"  – HSH-Nordbank-Prozess (3) – EZB in der Pflicht? (3) – "Die spinnen, die Briten" – China (2 Beiträge)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Deutsche besitzen fast fünf Billionen Euro
(sueddeutsche.de) Obwohl die Wirtschaft schwächelt, werden die Deutschen immer reicher. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland klettert auf einen Rekordstand. Gleichzeitig bauen die Menschen Schulden ab - obwohl die Zinsen extrem niedrig sind. Mehr...

Kommentar: Eine wunderbare Entwicklung - da lässt sich für den Staat viel holen. Sofern das Vermögen zu Hause oder in Europa bleibt. 


HSH-Nordbank-Prozess – nur die Spitze des Eisbergs
(nachdenkseiten.de) Erstmals steht der gesamte Vorstand einer Pleitebank vor Gericht. Es geht um Untreue und Bilanzfälschung. Der von den HSH-Nordbank-Managern eingefädelte Omega Deal bescherte der Bank – und schlussendlich dem Steuerzahler – einen Verlust von rund 500 Millionen Euro. Doch dies ist nur die Spitze eines Eisbergs aus riskanten Geschäften, Inkompetenz und fragwürdigen politischen Zielsetzungen. Eigentlich gehören auch die ehemaligen Landesväter Peter Harry Carstensen und Ole von Beust auf die Anklagebank. Wie hoch die HSH-Nordbank-Rechnung für den Steuerzahler am Ende ausfallen wird, ist dabei noch nicht einmal seriös abzuschätzen. Von Jens Berger. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag liefert eine Analyse der Ereignisse rund um die HSH-Nordbank. Wer sich damit beschäftigen möchte, der wird damit gut bedient. Die Wahrscheinlichkeit einer sachgerechten Verurteilung stufen wir als gering ein. Dass die politisch Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, ist keine Überraschung, sondern liebgewonnene Praxis. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch das Interview mit Werner Marnette im SPIEGEL, erschienen am 06.04.2009, auf das Jens Berger verweist. Schon die Überschrift kommt auf den Punkt: Landesbanken: "Das ist ein Wahnsystem". Worum es geht:  "Der zurückgetretene schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) über die Gründe seines Abgangs, die Grabenkämpfe im Kieler Kabinett und den leichtfertigen Umgang der Politik mit den Milliardenrisiken der teilweise landeseigenen HSH Nordbank." Mehr dazu hier. Ergänzend dazu empfehlen wir dringend den Beitrag "Die Verflechtung der Politik mit dem Casino-Betrieb der Finanzwirtschaft ist enger und älter als wir denken – wir zahlen schon seit 2000 für die Wettschulden" (hier), erschienen am 19.11.2008 bei NACHDENKSEITEN, wenige Wochen nach der Lehman-Pleite, auf den wir in den vergangenen Monaten am Ende unserer Nachrichten-Ticker immer hingewiesen haben. Alle Beiträge zeigen, dass die Politik nicht fähig und willens ist alles zu unternehmen, um diesem Treiben der Finanzindustrie eine Ende zu setzen. Zugegeben, die Risiken bei den Landesbanken sind lange nicht so groß wie alleine bei dem Branchenprimus Deutsche Bank oder der Commerzbank. Aber hoch genug, damit alle Sicherungsfonds der Sparkassen zusammen, im Fall eines Zusammenbruchs, nicht in der Lage sind die Einlagen ihrer Kunden zu sichern. Wir erinnern immer wieder gerne an das nutzlose Versprechen von Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon von der CSU, hier nachzulesen auf der Internetpräsenz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Skrupellos belügt er im Brustton der Überzeugung öffentlich Millionen Kunden: "Bei Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen ist das Geld der Kunden nicht nur bis 100.000 Euro, sondern auch darüber hinaus sicher"


Was die EZB noch alles für uns tun kann...
(format.at) Die Notenbanker haben – jedenfalls theoretisch – noch so manchen Pfeil im Köcher. Allerdings steigen mit jedem weiteren Schuss potenzielle Risiken und Nebenwirkungen. Seit Ausbruch der Krise haben die EZB und die meisten anderen wichtigen Notenbanken die Zinsen immer weiter gesenkt. Viele Milliarden Euro, Dollar und Pfund wurden gedruckt, dafür Anleihen und andere Wertpapiere gekauft und Banken Liquidität bis zum Abwinken bereitgestellt. Zuletzt wich die Europäische Zentralbank (EZB) sogar von ihrer Tradition ab und legte sich vorab darauf fest, den Leitzins noch "für einen längeren Zeitraum" extrem niedrig zu lassen. Geht noch mehr? Aber ja! Ein Überblick. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Grau ist alle Theorie. Keine einzige der in diesem Beitrag vorgestellten Maßnahmen wird die Krise in Europa oder anderswo beenden. Bestenfalls das Leiden verlängern und die Schäden für die Wirtschaft, Sparer und Steuerzahler am Ende in die Höhe getrieben haben. Die Notenbanken der USA, Japans, Großbritanniens und Chinas bieten bestes Anschauungsmaterial. Sie werfen die Märkte regelrecht tot mit Liquidität, ohne dass sich in diesen Ländern eine nachhaltige Wirkung bei Wirtschaftswachstum, Jobs und Konsum, einstellt. Der Wirklichkeit ist nicht mit irgendwelchen Theorien beizukommen, so langsam sollte sich diese Tatsache durchsetzen. Die Amerikaner greifen zukünftig zu neuen Maßnahmen, um ihr BIP schönzurechnen. Der österreichische STANDARD meldet gerade Erstaunliches: "Wirtschaftsleistung: USA rechnen sich größer" und fasst das Ereignis so zusammen: "Statistiker ermitteln Wirtschaftsleistung neu und konzentrieren sich auf Kreativität." Mehr dazu hier. Daraus ergeben sich tolle neue Möglichkeiten zu Tricksen und Täuschen. Den Menschen hilft das nicht. Die beginnen aber damit, sich aufzulehnen: "US Fast Food Workers Strike, Demand 100% Pay Raise" meldet ZERO HEDGE: "It's noisy, it's really hot, fast, they rush you. Sometimes you don't even get breaks. All for $7.25? It's crazy," is how one worker described the conditions that have caused her and the rest of America's fast-food employees to go on strike today. They demand the right to unionize and better pay - calling for a raise in the minimum wage from $7.25 to $15. Workers chanted, "Supersize our wages," as spokespersons for the Fast Food Forward campaign explained the economic logic, "If they have more money in their pockets, they'll spend it right here, helping to boost the entire economy." Which leaves us asking the always awkward question - where does this new 'economy boosting' money come from for this 107% pay rise? With gas prices rising, rents soaring and many employees already reliant on food stamps and medicaid, "I can't even order something off the menu with what I earn," one worker noted, "It makes me wonder what I'm even doing there." Mehr dazu hier. Es ist ein Anfang. Was in den USA schon seit Jahren danebengeht zeigt die folgende Grafik: 


Quelle: zerohedge.com
Diese Entwicklung hat sich unter Barack Obama sogar noch verschärft...    


Banken, die keine Banken sind
(zeit.de) In Großbritannien wird die private Kreditvergabe zum Milliardenmarkt. Die Regierung unterstützt das Peer-to-Peer-Lending, um die Macht der Banken zu brechen. Mehr...

Kommentar: Nur der Beginn einer neuen Blase. Außerdem sind wir schon gespannt darauf was passiert, wenn Kredite ganz oder teilweise ausfallen. Wer steht beispielsweise für den Teil ein, den der Staat zu diesen Darlehen beisteuert? Die spinnen, die Briten. Schon wieder ein Finanzmarkt ohne jede Aufsicht. Das kann nicht gutgehen.


Peking hat Überblick über seine Schulden verloren
(welt.de) Chinas Regierung entsendet Bilanzprüfer in seine Regionen, um festzustellen, wie tief diese tatsächlich in den Schulden stecken. Mit einer Defizitgrenze soll die Haushaltsdisziplin erzwungen werden. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das Ende einer Planwirtschaft. China gerät möglicherweise außer Kontrolle. Haushaltsdisziplin? Die verschlimmert die Sache nur noch. Chinas Wirtschaftsmodell ist auf Sand gebaut. Wie gefährlich das Ganze ist, lässt sich bei dem Schweizer TAGES-ANZEIGER in dem Beitrag "China setzt zur Aufräumaktion an" nachlesen (hier). Dort steht auch, dass Chinas Pläne zur Problemlösung leicht ins Auge gehen können


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.