Mittwoch, 31. Juli 2013

Standpunkt 712 - Nachrichten-Ticker, 30.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Auf ein Wort: Deutsche Bank (8 Beiträge)  – Immobilienboom in Deutschland vor dem Ende? – Sommermärchen Konsumklima Deutschland – US-Verbrauchervertrauen – USA in der Rezession? – Griechenland (2) – Betrüger JPMorgan


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Auf ein Wort: Deutsche Bank
Wir müssen uns rechtfertigen - für unsere jüngsten, so wird behauptet, bösartigen Kommentare zur Galionsfigur der heimischen Banken, dem Primus Deutsche Bank, dem Mythos längst vergangener deutscher Wertarbeit im Bankensystem. 

Natürlich ist es schwer, sich gegen die Lobpreisungen in den deutschen Leitmedien zu behaupten. Die WELT meldet "Fitschen und Jain mausern sich zu Musterknaben" und schreibt einleitend dazu: "Weniger Gewinn, mehr Stabilität – mit ihren Zahlen demonstrieren die Chefs der Deutschen Bank, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben." Im anschließenden Text findet die Autorin nur lobende Worte. Mehr dazu hier. Robert von Heusinger findet in seinem Kommentar "Regulierung wirkt" für die FRANKFURTER RUNDSCHAU ebenfalls nur Positives in den neuesten Zahlen der Bank: "Es stimmt zwar, dass der Gewinn des Geldhauses im zweiten Quartal enttäuschte, die Aktien deshalb am Dienstag zu den größten Verlierern zählten. Aber auch das hat mehr mit der neuen Solidität im Hause Deutsche Bank zu tun, als mit einer wahren Ertragsschwäche." Der Autor findet, "die Deutsche Bank wird sicherer". Mehr dazu hier. Ein klein wenig kritischer geht das HANDELSBLATT in dem Beitrag "Deutsche Bank auf Diät - Liebling, ich habe die Bank geschrumpft!" mit der Zockerbude Deutsche Bank um und lässt auch einige kritische Stimmen zu Wort kommen. So ist dort zu lesen: "Die Japanische Notenbank bezeichnete Deutschlands größtes Geldhaus gar als das gefährlichste Institut der Welt." Mehr dazu hier. Alle Beiträge haben eines gemeinsam: Kein einziges Wort zu den Risiken aus dem weltweiten Derivatehandel, bei dem die Deutsche Bank einer der fünf Big Player ist. Die werden entweder einfach totgeschwiegen oder die Autoren haben keine Ahnung, wie extrem gefährlich die Situation für die Bank und die Steuerzahler ist. Beides ist unverzeihlich und hat mit Qualitätsjournalismus wenig bis nichts zu tun.

In den USA werden die Risiken des deutschen Branchenprimus' sehr viel ernster bewertet. So meldet der US-Journalist Max Keiser beispielsweise "Deutsche Bank is Officially on Suicide Watch" und meint, "DB will be the next 'Lehman' moment that triggers new collapse". Mehr dazu hier. Andernorts wird man noch deutlicher: "Deutsche Bank. Big bank. Biggest bank in Germany, and one of the biggest banks in the Euro Zone... they're going to go belly up. Watch it. Watch it, I said it, it's going to happen. They are in such a danger zone, they don't know what to do. Deutsche Bank's derivative debt is greater than the global economy. That is one bank. $72 trillion in derivative exposure. The entire global economy, all the countries in the world is only $66 trillion GDP." Aus dem Beitrag "Many people will never know what hit them" von Douglas J. Hagmann, hier. An dieser Stelle noch einmal die Grafik die zeigt, wie irre die Situation ist und wie extrem die Risiken: 




Das ist eine Massenvernichtungswaffe (O-Ton Warren Buffett): 55,6 Billionen Euro Volumen der Bank im weltweiten Derivatehandel stehen gerade einmal 2,7 Billionen Euro Gesamt-Jahreswirtschaftsleistung Deutschlands gegenüber. Selbst alle deutschen Vermögen, geschätzte 10 Billionen Euro, werden nicht ausreichen, um die Bank zu retten. Der gesamte, derzeitige deutsche Bankenrettungsfonds SOFFIN von knapp 500 Milliarden Euro hat im Vergleich dazu noch nicht einmal die Größe einer Portokasse.

"If 'Europe Is Fine' Why Is Deutsche Bank Deleveraging At The Fastest Pace Since The Crisis of 2011?" Diese Frage stellt gerade ZERO HEDGE und liefert in dem Beitrag bemerkenswerte Fakten, u. a. durch einen Blick in die Bilanz der Bank: "Early today, Deutsche Bank disappointed markets when it reported a second quarter Net Income number of €335 million, or half of what the company made in the previous quarter, and less than half of what consensus expected. However, just like in the US, where as we showed previously it was FASB accounting gimmicks that "allowed" Bank of America to convert a loss into a $4 billion profit, so Deutsche Bank's real Net Income, aka its Total Comprehensive Loss, number when factoring all the other MTM Income Statement components such as AFS, FX translation and pension adjustments, was lower by €1.1 billion." Mehr dazu hier

Für uns steht fest: Die Deutsche Bank ist nie und nimmer in der Lage, ihre Risiken in den Griff zu bekommen. Ganz im Gegenteil. Nach unserer Einschätzung muss die Bank neue, größere Risiken eingehen, um die alten Risiken in Schach zu halten und vor der Öffentlichkeit so lange wie möglich zu verstecken. Die Führungsspitze der Bank hat nur ein Ziel: So lange zu überleben, bis es einen der anderen TBTF-Banken im weltweiten Finanzcasino erwischt und den erwarteten Super-GAU auslöst. Die Deutsche Bank wäre dann einigermaßen fein raus und könnte ihre eigenen explosiven Risiken weiter hinter dieser Entwicklung verstecken. Die Chancen stehen dafür gar nicht so schlecht, obwohl die Bank für einen "Übernacht-Zusammenbruch" höchst gefährdet ist. 

Es ist völliger Quatsch, wenn Österreichs STANDARD gerade wieder berichtet, die "US-Banken lassen die Krise hinter sich". Zur Begründung wird auf die Entwicklung der Bank-Aktien an der New Yorker Börse verwiesen. Mehr dazu hier. Jede der großen US-Banken, allen voran die Citibank und JPMorgan, gilt als gefährdet. Die ultralockere Geldpolitik der Notenbank und die besten Bilanzkosmetiker sorgen dafür, dass die täglich zunehmenden Risiken im Verborgenen bleiben. 

Unvermindert hohe Risiken stecken außerdem im asiatischen Raum: "Asia is in Collapse. The Next Fed Chairman Doesn't Matter" titelt ZERO HEDGE und schreibt u. a.: "The big news is what’s going on in Asia. The US financial media continues to focus on who will be the next Fed Chairman, which is unimportant in the grand scheme of things. Greenspan created the biggest asset bubble in history. Bernanke bankrupted the republic and created an even bigger bubble trying to prove his misguided theories. Whoever takes over the reins at the Fed next will simply have the honor of being in the driver’s seat when the whole mess goes over the cliff. Ignore the next Fed Chairman debate, the world has much bigger problems to worry about." Anschließend beschreibt der Beitrag die Situation in China und Japan und ihre Folgen. Mehr dazu hier

Zum Schluss noch ein Zitat aus diesem Beitrag: "The Great Crisis, the one to which 2008 was just a warm up, is approaching." 


Warum der Immobilien-Boom bald zu Ende sein könnte
(focus.de) Die Angst vor Immobilienblasen geht um – auch in Deutschland. Zu Unrecht, sagen die Volkswirte der Deutschen Bank. Sie nennen drei Gründe, warum es mit den Preisen ganz schnell wieder bergab gehen könnte. Mehr...

Kommentar: Uns erinnert diese Einschätzung der DB eher an das berühmte "Pfeifen im Wald". Wer sich für die Einzelheiten interessiert, der findet sie hier.


Kauflaune der Deutschen so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr
(faz.net) Seit Anfang des Jahres verbessert sich die Verbraucherstimmung in Deutschland von Monat zu Monat. Das letzte Mal war sie im September 2007 besser als jetzt - also lange vor Ausbruch der Krise. Und die Konsumexperten sehen noch kein Ende des Aufwärtstrends. Mehr...

Kommentar: Jahrzehnte nach dem deutschen Wirtschaftswunder klappt es endlich - der Deutsche wird zum "Konsum-Biest". Erlebt von Monat zu Monat immer neue Stimmungsschübe und gibt sich ihnen geradezu hemmungslos hin. Karstadt, Kaufhof, Praktiker, Max Bahr, Siemens, die europäische Autoindustrie, die Stahlindustrie, der Maschinenbau, die Bauwirtschaft, sie alle, und noch viel mehr, können ein Lied davon singen, vom expansiven deutschen Konsumwahn. Es ist ein Sommermärchen, mehr nicht. Erstaunlich, wie unkritisch die F.A.Z. diese Luftnummer der GfK ihren LeserInnen serviert. Der Konsumklimaindex war, ist und bleibt ein Muster ohne Wert.


Consumer Confidence Slips Most In 4 Months, Outlook Tumbles
(zerohedge.com) After a three-month surge to 5 year highs, beating expectations month-after-month, it seems surging mortgage rate and surging gas prices trump (at least for now) the all-time record high in stock prices. This is the first drop in 5 months, the first miss in 4 months but what is most worrisome for the apparent discounting mechanisms of the 'efficient' markets is the plunge in future expectations (after a 3 month surge of hope) even as the present situation continues to rise in survey respondent's minds. This is particularly worrisome in the employment outlook as those that see fewer jobs in the future rose and those that see more jobs in the future fell for the first time in 4 months. Read more...

Kommentar: Der Blick nach Amerika zeigt, dass sich dort noch kein klarer Trend herausgebildet hat: 

Quelle: zerohedge.com

Zuversicht sieht für uns anders aus. 

Betrachten wir uns die Entwicklung des US-amerikanischen Verbrauchervertrauens langfristig, dann rutscht uns das Herz in die Hose: 


Quelle: zerohedge.com


Lakshman Achuthan: The US Entered Recession Last Year And "Is Worse Than Japan In the 90s"
(zerohedge.com)  From recessions with job growth ("we believe a US recession began in 2012") to the wealth divide and from GDP revisions to job quality differentials, Achuthan warns the US is becoming Japan, "U.S. growth over the last five years is weaker than Japan during the Lost Decades." Read more...

Kommentar: Lakshman Achuthan vom  Economic Cycle Research Institute (ECRI) unterscheidet sich in seiner Einschätzung deutlich von der offiziellen Darstellung. Grund genug, unseren LeserInnen diesen Beitrag vorzustellen. Das Original gibt es hier. Die Grafik dazu zeigen wir vorab: 




In Griechenland klafft ein Finanzierungsloch von vier Milliarden Euro
(format.at) Noch vor einer Woche hat die "Süddeutsche Zeitung" in Griechenland von einer Finanzierungslücke von bis zu zehn Milliarden Euro berichtet. Diese Woche sind es laut Diplomatenkreisen "nur" mehr vier Milliarden Euro. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Es hört einfach nicht auf mit Griechenland. Lenkt aber prima von den Schwierigkeiten in den übrigen Krisenstaaten ab. Und füttert das deutsche Feindbild mit neuer Nahrung. Es ist noch gar nicht lange her, da meldete der FORMAT "Griechenland hat keine Finanzierungslücke bis Sommer 2014". Sie zitierte IWF-Sprecher Gerry Rice mit den Worten "bis Ende Juli 2014 gibt es keine Finanzierungslücke". Mehr dazu hier. Angeblich betrifft der neue Fehlbetrag die Zeit danach bis zum Jahresende 2014. Warten wir es ab. Gut gerechnet haben EU und IWF in der europäischen Krise noch nie. 


JPMorgan soll in den USA Strompreis manipuliert haben
(diepresse.com) Die Energiebehörde wirft der Bank vor, durch Auktionen die Preise künstlich in die Höhe getrieben zu haben. Im Streit steuert man auf einen Vegleich zu. Mehr...

Kommentar: Unsere Meinung über die Finanzindustrie wird sich nicht ändern: Es sind Wegelagerer und moderne Raubritter. Mitglieder einer kriminellen Vereinigung, die nie die Finger davon lassen werden, durch kleine und große Betrügereien ihre Gewinne zu maximieren. Jedenfalls so lange nicht, bis jeder einzelne von ihnen für seine Straftaten persönlich zur Rechenschaft gezogen wird. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, trotz der Verurteilung von drei Ex-UBS-Bankern in den USA (hier). JPMorgan kommt wieder einmal mit einer läppischen Gelstrafe davon. Obwohl die Bank bei jeder Schweinerei vorne dabei ist.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.