Samstag, 31. August 2013

Standpunkt 742 - Nachrichten-Ticker, 29.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland-Krise – Wohlfahrtsstaat Deutschland – Finanzmarktregulierung


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Deutschland spart sich kaputt
(wsj.com) Deutschlands Unternehmen investieren immer weniger. Seit einem Jahr fahren sie ihre Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen nun schon zurück. Ökonomen führen das unter anderem auf die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone und die hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit zurück. Unterlagert wird diese kurzfristige Schwäche zusätzlich von einem langfristigen Trend, in dem die Investitionen relativ zur Wirtschaftsleistung sinken. Ein Grund ist, dass viele Unternehmen zunehmend im Ausland investieren. Mehr...

Kommentar: Im vorletzten Standpunkt haben wir uns im Zusammenhang mit der Pleite von Detroit ausgiebig mit den maroden, finanziellen Verhältnissen der deutschen Kommunen befasst (hier). Deren Folgen sind für die deutschen Steuerzahler heute noch gar nicht abschätzbar. 

Bereits im Juni hat sich das WALL STREET JOURNAL sehr ausführlich damit beschäftigt, dass deutsche Unternehmen seit einem Jahr immer weniger investieren. Dadurch werden sich die Schwierigkeiten für die deutschen Kommunen in absehbarer Zeit noch verschärfen. 

Die Analyse kommt zu ernüchternden Ergebnissen. So wird beispielsweise Marcel Fratzscher vom DIW in Berlin zitiert: "Die deutsche Wirtschaft steht längst nicht so gut da, wie viele derzeit denken. Seit 1999 hat Deutschland einen Investitionsrückstand von rund 1 Billion Euro aufgebaut und dadurch erhebliche Wachstumschancen verpasst". Die Unternehmen investieren mittlerweile lieber im Ausland. Dazu der KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: „Die deutschen Unternehmen haben früh die Vorteile der Internationalisierung erkannt und insbesondere in Zulieferindustrien im benachbarten Ausland investiert", sagt er. Vorzugsweise in den osteuropäischen Billiglohnländern. Zeuner weiter: „Außerdem hat die Lohnentwicklung des letzten Jahrzehnts weniger Rationalisierungsinvestitionen nötig gemacht." Klar, weil Deutschland sich in diesem Bereich stetig zum Lohnminusmeister entwickelt hat. Das Ergebnis lässt sich an den folgenden beiden Grafiken ablesen.

Ungleiche Einkommensverteilung in der Eurozone: 


Ungleiche Vermögensverteilung in der Eurozone: 


Diese Entwicklungen nähren natürlich das Gefühl der Deutschen, der Euro und die Krisenländer in Südeuropa seien Schuld an dieser Misere. Schuld daran ist die Hetze des heimischen Mainstreams, dem das "BILD"-ungsbürgertum nur zu gerne auf den Leim geht. Es ist eben leichter die Fehler bei den Anderen zu suchen, statt sich an die eigene Nase zu fassen. Viel Verantwortung an dieser Situation tragen auch die Gewerkschaften, die schon seit Jahren Politik und Wirtschaft tatkräftig dabei unterstützen, die Einkommen und Vermögen in Deutschland zu schleifen. 

Es lohnt sich auch, diesen Links im Beitrag zu folgen: "KfW-Chefvolkswirt Zeuner: Die Schuldenbremse nicht übererfüllen" (hier) und "Deutschlands Exportsucht zerstört die Euro-Zone" (hier), ein Beitrag des US-Ökonomen Adam Posen. Außerdem noch "Deutschland verlangt den Krisenländern zu viel ab" (hier). 


Wie geht's, Deutschland?
(manager-magazin.de) Eine Analyse der Boston Consulting Group bewertet die Lebensqualität in 150 Ländern. Deutschland schneidet überraschend gut ab - die Bundesrepublik gehört zu den Ländern mit dem höchsten Wohlfahrtsniveau weltweit. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag liefert wenige Wochen vor der Bundestagswahl den Beweis für das deutsche Märchen von einer schönen heilen Welt. Natürlich erst geschaffen und verteidigt von Angela Merkel, der Eisernen Lady Kanzlerin der Deutschen und Kaiserin von Europa (dazu unser Beitrag "Angie I. - Kaiserin von Europa", hier). Wie lange lässt sich dieses Märchen noch aufrechterhalten? Auf jeden Fall bis nach dem 22. September. 


Quelle: presseurop.eu


Deutschland und die Finanzmarktregulierung fünf Jahre nach der Krise
(oekonomenstimme.de) Auch fünf Jahre nach der Finanzkrise ist bei der Restrukturierung des deutschen Banksystems und bei der Bankenregulierung kaum etwas geschehen. Die öffentlichen Diskussionen drehen derweil immer noch im Empörungsmodus über Boni und Abzocker. Mehr...

Kommentar: In diesem Bereich ist die Leistung der Kanzlerin gleich Null. Diese Untätigkeit wird ihre Wähler viel Geld kosten, ein regelrechtes Blutbad anrichten. Gut möglich, dass es Angela Merkel bis dahin gerade noch schafft, sich aufs politische Altenteil zurückzuziehen, um sich so aus der Schusslinie zu nehmen. Bis dahin helfen ihr noch ein paar Bankenrettungen und Schuldenschnitte über die Runden. Wetten?


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln. 

Standpunkt 741 - Nachrichten-Ticker, 28.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

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Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Neue Finanzkrise voraus (5 Beiträge) – Türkei in der Krise – Unsinn Schuldenbremse – Wolfgang Münchau will Rot-Rot-Grün


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Ex-Morgan-Stanley-Banker: Eine verheerende Finanzkrise ist im Anmarsch
(finanzen100.de) Stephen Roach, der ehemalige Chefvolkswirt von Morgen Stanley, sieht eine neue schwere Krise auf die Finanzwelt zukommen. Die Hauptschuld an den fatalen Ungleichgewichten, die sich in den letzten Jahren aufgebaut hätten, liege bei der amerikanischen Notenbank. Mehr...

Kommentar: Roach ist kein Spinner. Trotzdem stört uns seine einseitige Schuldzuweisung in Richtung Westen. China spielt für ihn als Krisenherd keine Rolle. Oder die Politiker, die nichts unternehmen, um dieser Krise endlich mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen. Es ist ein "historisches Versagen der politischen Eliten" (Jürgen Habermas).


Angst vor neuem Finanz-Kollaps: "In Asien ticken Zeitbomben"
(focus.de) Jahrelang boten die Schwellenländer Anlegern paradiesische Renditen. Doch jetzt kollabieren die Börsen in Bombay, Shanghai oder Rio. Milliarden fließen ab, die Währungen brechen ein. Und es könnte noch schlimmer kommen, sagt HWWI-Direktor Thomas Straubhaar. Mehr...

Kommentar: Straubhaar beschreibt in diesem Interview die erheblichen Risiken in den jahrelang hofierten Schwellenländern. Denen wurde geradezu übernatürliche Wirtschaftskraft angedichtet, genug jedenfalls, um die Industrienationen mitzuziehen. Es fühlte sich an wie ein Wunder. Ein Irrtum. Gerade zeigt sich, dass alles nur nach dem bekannten kapitalistischen Geschäftsmodell funktioniert hat: Schuldenfinanziertes Wirtschaftswachstum. Wann hört das endlich auf? 


Und wieder droht der "Sudden Stop"
(fuw.ch) Die drohende Krise in zentralen Schwellenländern macht erneut klar, welche Gefahr von ungehemmten Kapitalströmen ausgehen kann. Mehr...

Kommentar: Eine Analyse zum gleichen Thema unserer Schweizer Nachbarn mit vielen weiterführenden Links. Und ein Plädoyer für eine umfassende, weltweite Kapitalverkehrskontrolle? Die Einzelheiten zum Begriff "Sudden Stop" gibt es hier


Financial Times: "World Is Doomed To An Endless Cycle Of Bubble, Financial Crisis And Currency Collapse"
(zerohedge.com) It's funny: nearly five years ago, when we first started, and said that the world is doomed to an endless cycle of bubble, financial crisis and currency collapse as long as the Fed is around, most people laughed: after all they had very serious reputations aligned with a broken and terminally disintegrating economic lie. With time some came to agree with our
viewpoint, but most of the very serious people continued to laugh. Fast forward to last night when we read, in that very bastion of very serious opinions, the Financial Times, the following sentence: "The world is doomed to an endless cycle of bubble, financial crisis and currency collapse." By the way, the last phrase can be written in a simpler way: hyperinflation. Read more...


Kommentar: Trübe Aussichten. Höchste Zeit, sich über ein "gutes Versteck" für die Ersparnisse Gedanken zu machen. 


Erst hilft sie kaum, dann würgt sie uns – Die Fed läutet das zweite Desaster nach 2008 ein
(blog.markusgaertner.com) Es ist die Angst vor der Fed, nicht die Fed selbst, die weltweit die Zinsen nach oben treibt und ein ökonomisches Desaster heraufbeschwört. In Europa droht eine erneute Verschärfung der Schuldenkrise. Griechenland hat weiteren Kapitalbedarf und muss einen Schuldenschnitt bekommen. Mehr...

Kommentar: Die Krisenprophezeiungen haben gerade Hochkonjunktur. Markus Gärtner unterlegt seine Szenarien aber mit Fakten, die nicht so einfach ignoriert werden können. Deshalb sind auch seine Schlüsse nicht von der Hand zu weisen. Einer davon, die Krise in Europa betreffend: "Die Wankenden werden nach der Bundestagswahl am 22. September den Sterbenden helfen. Die Ahnungslosen, die Untätigen, die Zynischen und die Lass´-mich-in-Ruh´-Zaungäste in Gläubigerländern wie Deutschland rücken ihrem blauen Wunder derzeit wieder einen Schritt näher." Oder ein anderer, gültig für die USA: "Wie in diesem Umfeld das Vertrauen der US-Konsumenten in die nähere Zukunft steigen kann – wie vom Conference Board vor wenigen Tagen für den August gemeldet – bleibt wohl das Geheimnis dieser von Firmen gebildeten Organisation. Selbst Wal-Mart und McDonald´s leiden unter der Stagnation der Reallöhne in den USA und der Tatsache, dass die meisten Jobs, die derzeit besetzt werden, miserabel bezahlte Teilzeit-Jobs sind. Doch die Fed könnte schon bald auf die Knie gezwungen und zur Weiterführung ihres QE-Programms in vollem Umfang genötigt werden. Die Aufträge für langjährige Konsumgüter fielen in den USA um 7,3%. Das ist nicht die “Erholung”, mit der Amerikas Geldhüter einen kleineren Schluck aus der geldpolitischen Pulle begründen können." Wir erwarten ein unruhigen Herbst 2013. 


Die Türkei muss wieder höhere Zinsen als Griechenland bezahlen
(fuw.ch) Vor drei Jahren passierte etwas fast Undenkbares. Die Marktzinsen für türkische langfristige Anleihen fielen unter das Niveau der griechischen. Die türkischen Anleihen sind in der abwertungsanfälligen Lira denominiert, die anderen in Euro, der zweitgrössten Reservewährung der Welt. Drei Jahre später wendet sich das Blatt wieder. Griechenland ist unterdessen von der Eurozone und dem Währungsfonds gerettet worden und hat den Schuldenschnitt hinter sich. Die Türkei dagegen befindet sich auf dem Weg in eine Zahlungsbilanzkrise. Die Lira ist auf den tiefsten Stand der Geschichte gefallen. Mehr...

Kommentar: Ein weiteres Zeichen für die Schwäche der Türkei. Und eine Bestätigung für die Tatsache: Wachstum auf Pump funktioniert nie auf Dauer, auch nicht in der Türkei Erdogan's.  Der folgende Chart stammt aus dem Beitrag: 





"Die Schuldenbremse ist Unsinn"
(n-tv.de) Sparsamkeit gilt in Deutschland als große Tugend. Und so führt die Bundesregierung die Schuldenbremse ein. Angesichts der Probleme mancher Euro-Staaten klingt das vernünftig. Doch das sei ein Irrtum, sagt der Wirtschaftsweise Bofinger. Manchmal sei es besser, Geld auszugeben. Selbst wenn man es nicht hat. Mit n-tv.de spricht der Ökonom über schwäbische Hausfrauen, verfallene Infrastruktur und über den Unterschied zwischen Historikern und Volkswirten. Mehr...

Kommentar: Was Peter Bofinger in diesem Interview beschreibt, ist nachvollziehbar. Er hält die Schuldenbremse "für großen ökonomischen Unsinn"


Rot-Rot-Grün ist die beste Lösung für Europa
(spiegel.de) Das Wahlprogramm der Linken in puncto Euro-Krise zeugt von Ehrlichkeit und Intelligenz. Damit ist die Partei den Großen weit voraus - und der ideale Partner für SPD und Grüne. Mehr...

Kommentar: In seiner Kolumne versucht Wolfgang Münchau den Wählern die Linken schmackhaft zu machen. Für uns ein abwegiger Gedanke. Es wäre auch nur eine Koalition ohne schlagkräftige Führung. Insofern würde sich nichts ändern. Wer will das? 


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.


Donnerstag, 29. August 2013

Standpunkt 740 - Nachrichten-Ticker, 27.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Auf ein Wort: Detroit und die deutschen Kommunen (mit unzähligen Beiträgen)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.



Auf ein Wort: Detroit und die deutschen Kommunen
Mitte Juli hatten die deutschsprachigen Medien in Deutschland und Österreich nur ein Thema, die Pleite Detroits. Bestens geeignet, um von der Krise in Europa abzulenken. Geradezu genüsslich und stellenweise mit reichlich Häme wurde dieses vorhersehbare Ereignis (vgl. hier und hier, eine deutsche Übersetzung dazu gibt es hier) öffentlichkeitswirksam zelebriert, aus weiter Ferne das Siechtum der Stadt beleuchtet, beschrieben und Detroit am Ende bereits vorzeitig für tot erklärt. Wie einen unheilbar Kranken. 

In Deutschland meldet die WELT am 18. Juli den Paukenschlag: "Die Industriemetropole Detroit ist bankrott". Zur Erklärung heißt es: "Nie zuvor musste eine US-Stadt dieser Größe ein Insolvenzverfahren einreichen. Doch am Donnerstag gab der Zwangsverwalter von Detroit auf: Es ist schlicht kein Geld mehr in der Kasse." Mehr hier. Österreichs FORMAT titelt einen Tag später "Detroit ist pleite!" und schreibt dazu im Vorspann: "Einst eine blühende Auto-Metropole, heute eine heruntergekommene Stadt ohne Perspektive: Detroit hat am Donnerstagabend Konkurs angemeldet. Die Insolvenz der US-Stadt Detroit ist der größte Bankrott einer Stadt in der US-Geschichte. Die Schulden belaufen sich auf schätzungsweise 18,5 Milliarden Dollar. Der zuletzt eingesetzte Sonderfinanzverwalter Kevyn Orr spricht von einem jahrzehntelangen Missmanagement in der Stadt. Die Folge: Immer weniger Jobs, viele Menschen sind weggezogen und die Einnahmen damit noch stärker gesunken. Diesen Teufelskreis will die Stadt nun durchbrechen, indem sie Gläubigerschutz beantragt." Mehr hier. DIE PRESSE meldet noch etwas deutlicher "Ein Totalschaden namens Detroit" und erklärt: "Misswirtschaft und Reformverweigerung trieben Amerikas größte Autostadt in den Bankrott. Die Geburtsstadt von Ford, General Motors und Chrysler taumelt seit Jahrzehnten den Abgrund hinab." Mehr hier. In diesem Beitrag wird u. a. dem seit 2009 amtierenden Bürgermeister Dave Bing eine Mitschuld an der Pleite gegeben. Er habe  es "nicht geschafft, die Schuldenlawine zu bremsen und die zerbröselnden Strukturen der Stadt zu festigen", schreibt die Zeitung. Das ist völliger Humbug. Bing hatte überhaupt keine Chance mehr, der Stadt noch einmal auf die Beine zu helfen. Alleine nur den Verfall aufzuhalten, war nicht mehr möglich. Die Entwicklung hatte schon seit Jahren eine Dynamik angenommen, die durch die Ereignisse seit 2007, dem Beginn der Subprimekrise in den USA (hier), zusätzlich verstärkt wurde. Nichtsdestotrotz hat Bing Maßnahmen ergriffen, um das Unheil doch noch abzuwenden. Sie zeigen mittlerweile sogar Wirkung. Für das HANDELSBLATT frohlockt Dietmar Neuerer "Kein deutsches Detroit in Sicht" und schreibt in der Einleitung: "Die ehemalige Autostadt Detroit ist bankrott. Droht deutschen Kommunen ein ähnliches Schicksal? Immerhin stehen viele tief in der Kreide. Der Städtebund nennt die Lage dramatisch – gibt jedoch Entwarnung." Mehr hier. Die WELT sieht dagegen in Deutschland ähnliche Fälle: "Pro Kopf ist Berlin so hoch verschuldet wie Detroit". Im Vorspann heißt es: "Marode Städte gibt es in Deutschland jede Menge: Pro Kopf ist Berlin so hoch verschuldet wie Detroit. In Bremen ist die Lage noch desolater. Ein Konkurs droht den Schulden-Städten dennoch nicht." Warum das so ist, klärt der Beitrag auf: "Anders aber als in den USA können Städte in der Bundesrepublik nicht pleite gehen. 'In Deutschland ist die Insolvenz von Gebietskörperschaften gesetzlich ausgeschlossen', sagt Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Hierzulande gibt es einen gesamtstaatlichen Haftungsverbund. Für marode Kommunen haftet im Extremfall also das Bundesland. Für angeschlagene Bundesländer der Bund. Und für den Bund haftet jeder Steuerzahler in Deutschland." Mehr hier. Aus Vancouver berichtet Markus Gärtner für das MANAGER MAGAZIN sehr viel differenzierter: "Ausgezehrtes Detroit ist als erste US-Metropole pleite". Gärtner schreibt in der Einleitung: "Detroit ist pleite. Das Ex-Epizentrum der globalen Autoindustrie ist von finanziellem Siechtum dahingerafft worden. Die Stadt musste mit 17 Milliarden Dollar Schulden unter den Schutzschirm des US-Pleiterechts schlüpfen. Und schon droht die nächste Mega-Pleite." Mehr hier. Der Beitrag ist sachlich und zeigt auf, dass Detroit kein Einzelfall bleibt. Die Analyse der Hintergründe und dramatischen Aussichten weiterer Groß-Pleiten unterscheidet sich zu diesem Zeitpunkt wohltuend vom Rest der Mainstream-Berichte. Einen ähnlichen Versuch unternimmt auch noch Österreichs DIE PRESSE in dem Beitrag "Wo sich der 'American Dream' in einen Albtraum verkehrt hat". Sie schreibt: "Detroits Bankrott zeichnete sich lange ab. Der Abstieg der 'Motor City' spiegelt den Niedergang der Schwerindustrie. Die Pleite ist indes Chance für einen Neubeginn." Mehr hier. Der Beitrag beschreibt am Ende einen positiven Ausblick: "Das ist die bittere Wahrheit. Detroit muss sich neu erfinden – in einer abgespeckten Version: beispielsweise als Stadt der Kreativen, die in billigen Lofts ihre Träume verwirklichen, wie es sich als Trend bereits abzeichnet. Darin liegt eine Chance: Auferstanden aus Ruinen. Die Amerikaner sind Champions als Krisenmanager, vor allem im Kleinen. Als Zweckoptimisten lassen sie sich nicht so leicht unterkriegen, sie verfallen nicht in Wehklagen, sondern krempeln die Ärmel auf – das liegt quasi in ihrer DNA." Ähnlich formuliert es auch n-tv: "Detroit braucht neue Träume": "Ob Chrysler, Ford oder zuletzt General Motors: Die angeschlagenen US-Autobauer haben sich gesundgeschrumpft und starten wieder durch. Die Stadt, in der sie groß geworden sind, ist indes pleite. Detroit muss sich neu erfinden – und vertraut darauf, dass das auch gelingen wird. Dafür steht schließlich schon das Stadtmotto." Mehr hier

Die Unkenrufer sind natürlich zur Stelle. Gerade die Deutschen, ausgewiesene Miesmacher, können sich einen Aufschwung in Detroit nicht vorstellen. Eine davon, die Schriftstellerin und Journalistin Katja Kullmann, hat sogar ein Buch darüber geschrieben und der österreichischen PRESSE in diesen Tagen ein Interview gegeben:  "Ultraharter Klassenkontrast" (hier). In ihren Augen ist die Stadt zum Scheitern verurteilt. Die Gründe, die sie anführt, passen allerdings auf ganz Amerika, jede halbwegs große Stadt ist schon davon betroffen. Die Mittelschicht erodiert insgesamt und Jobs fehlen an allen Ecken und Enden. Deshalb werden viele Kommunen und sehr wahrscheinlich auch Bundesstaaten noch über die Wupper gehen, bevor in Washington endlich die Vernunft einkehrt. Verbunden mit der Einsicht, dass ein militärisches Eingreifen in Syrien oder sonstwo auf der Welt keine dauerhaften und gut bezahlten Arbeitsplätze in ausreichender Zahl schafft und den Konsum zu Hause wieder antreibt, aus dem Bundesstaaten und Washington automatisch höhere Steuereinnahmen zufließen. Kullmann unterschlägt das wohlweislich. Die SÜDDEUTSCHE meldet despektierlich "Die Prärie schluckt Detroit" und fasst zusammen: "Verkohlte Häuser und hüfthohes Gras: Die einst 'schönste Stadt Amerikas', wohlhabend dank Henry Ford, vegetiert vor sich hin. Dem Auto verdankt Detroit seinen Aufstieg - und seinen Ruin. Für die Konzerne war die City im Mittleren Westen ein Testgelände." Mehr hier. Die Einwohnerzahl hat sich seit 1950 mehr als halbiert. Logisch, dass die Stadt Fläche und Infrastruktur verkleinern muss. Was nicht für "Ackerbau und Viehzucht" verwendet wird (vgl. "Ackerbau in der Pleitestadt", hier), geht zurück an die Natur. Endlich hat die Stadt unter Dave Bing damit begonnen, diesen schon vor Jahren entwickelten Plan in die Tat umzusetzen. Die Stadt gibt, es ist nicht so, dass die Prärie nimmt. 

Die Amerikaner beschäftigt schon länger eher die logische Frage, wer sonst noch an der Reihe ist: "In a Detroit bankruptcy, who is first in line?" fragt Cate Long schon am 24. Mai bei REUTERS (hier). Die folgenden Beiträge stammen, soweit nicht anders vermerkt, von ZERO HEDGE. Dave Bing weiss um die Zusammenhänge: "Detroit Mayor Warns 'We May Be One Of The First... But We Absolutely Won't Be The Last'". Der Beitrag zitiert aus dem WALL STREET JOURNAL: "More than 100 urban U.S. cities 'are having the same problems we’re having,' Mr. Bing said. 'We may be one of the first.  We are the largest. But we absolutely will not be the last.  And so we have got to set a benchmark in terms how to fix our cities." Mehr hier. Längst pfeifen es die Spatzen von den US-amerikanischen Dächern: "Chicago Next? Windy City Cash Balance Plummets To Only $33 Million As Debt Triples". Die Erklärung: "While everyone's attention is focused on the Detroit bankruptcy, and just what assets the city will sell in lieu of raising a DIP loan, perhaps it is time to refocus attention to the city 300 miles west: Chicago. According to the Chicago Sun Times citing year-end audits, Obama's former right hand man, Rahm Emanuel, closed the books on 2012 with $33.4 million in unallocated cash on hand — down from $167 million the year before — while adding to the mountain of debt piled on Chicago taxpayers. In addition to a liquidity problem, Chicago may also be quite insolvent as the city's total long-term debt soared to nearly $29 billion. That’s $10,780 for every one of the city’s nearly 2.69 million residents. More than a decade ago, the debt load was $9.6 billion or $3,338 per resident. Of course, in a world in which debt is "wealth", this is great news... at least until debt becomes "bankruptcy." Mehr hier. Bei Chicago geht es um eine richtig große Sache. "America’s Urban Distress: Which States And Regions Set Up Their Cities To Fail?" Mehr hier. Der Beitrag ist randvoll mit aussagekräftigen Grafiken. Ansehen. Danach bleiben wenige Gründe, um über Detroit die Nase zu rümpfen. Weiter gehts: "Now That Detroit’s Gone Bust, Is Your City Next?": "Detroit’s bankruptcy filing  is one depressing read. Poverty, crime, blight – you name the malady and there’s plenty of data to back it up. And unfortunately, Detroit’s not alone. You may be wondering which city hits the wall next. I’m not making predictions, but I’ve looked at one indicator that may offer some clues: population loss." Mehr hier. Zwei Grafiken aus dem Beitrag: 








Ebenfalls lesenswert: "America’s public finances - The Unsteady States of America", titelt THE ECONOMIST, hier. In Deutschland macht man sich unterdessen längst berechtigte Sorgen um ein weiteres gescheitertes Geschäftsmodell der heimischen Finanzindustrie: "Deutsche Banken werden Milliarden bei Städte-Pleiten in den USA verlieren" titelt DEUTSCHE-WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN.DE und schreibt: "Nicht nur die Commerzbank lieh amerikanischen Städten und Gemeinden wie Detroit Unmengen Geld. Auch andere deutsche Banken und Versicherer haben Kredite in Höhe von mehr als 18,5 Milliarden Euro verliehen. Ein hohes Risiko. Denn Detroit ist nicht die einzige Stadt mit finanziellen Problemen." Mehr hier. Das sind Fälle für Jens Weidmann. Der findet "Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell sollten nicht mit öffentlichem Geld am Leben gehalten werden" (hier).

Zu Detroit gibt es aber ebenfalls Statements. Noch einmal ZERO HEDGE: "25 Facts About The Fall Of Detroit That Will Leave You Shaking Your Head": "It is so sad to watch one of America's greatest cities die a horrible death. Once upon a time, the city of Detroit was a teeming metropolis of 1.8 million people and it had the highest per capita income in the United States. Now it is a rotting, decaying hellhole of about 700,000 people that the rest of the world makes jokes about. On Thursday, we learned that the decision had been made for the city of Detroit to formally file for Chapter 9 bankruptcy. It was going to be the largest municipal bankruptcy in the history of the United States by far, but on Friday it was stopped at least temporarily by an Ingham County judge. She ruled that Detroit's bankruptcy filing violates the Michigan Constitution because it would result in reduced pension payments for retired workers. She also stated that Detroit's bankruptcy filing was "also not honoring the (United States) president, who took (Detroit’s auto companies) out of bankruptcy", and she ordered that a copy of her judgment be sent to Barack Obama. How "honoring the president" has anything to do with the bankruptcy of Detroit is a bit of a mystery, but what that judge has done is ensured that there will be months of legal wrangling ahead over Detroit's money woes. It will be very interesting to see how all of this plays out.  But one thing is for sure - the city of Detroit is flat broke.  One of the greatest cities in the history of the world is just a shell of its former self.  The following are 25 facts about the fall of Detroit that will leave you shaking your head..." Mehr hier. THE ECONOMIST schreibt "Detroit’s bankruptcy - Can Motown be mended?": "America’s biggest-ever city bankruptcy starts to roll". Mehr hier

Nachdem sich die Wogen der Entrüstung hierzulande wieder geglättet haben, stellt die STUTTGARTER ZEITUNG im Zusammenhang mit Detroit die höchst beachtenswerte Frage "Wo bleibt das Rettungspaket für die Bürger?" (hier). Die sind es nämlich, die auch im Fall Detroit die Zeche zahlen. 

Übrigens, eine ähnliche Entwicklung wie zu Hause, sehen die Amerikaner in China. In dem Beitrag  "Which Cities Will Survive/Thrive?", beschäftigt sich ZERO HEDGE mit der Situation in China: "The bankruptcy of Detroit, though long-anticipated, has unleashed a wave of speculation about the health of other cities in the U.S., and indeed, in the world--for example, China." Mehr hier. Sehr konkret auch dieser Beitrag: "Welcome To Jiangsu, China's Flashing Red Canary-In-The-Coalmine" (hier). Zum Vergleich hätte es auch die deutschen Kommunen treffen können. 

Für die deutschen Medien hätte die Sache so weiterlaufen können. Leider hat ihnen eine Studie der Bertelsmann-Stiftung einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Deren Ergebnis sorgte schlagartig für Ernüchterung. Nur die WELT stellt schon vorher den passenden Bezug her. In dem Beitrag "Deutsche Pleite-Städte müssen Verzichten lernen" heißt es am 31. Juli einleitend: "Viele deutsche Städte sind faktisch pleite, so wie Detroit. Sie überleben nur durch Garantien der Länder. Doch so kann es nicht weitergehen – sonst ist irgendwann die gesamte Nation überschuldet." Mehr hier. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl, noch ohne Kenntnis der Bertelsmann-Studie, meldet zur gleichen Zeit der DEUTSCHLANDFUNK "Leverkusen ist überall" und schreibt: "Vier Monate war die Leverkusener Rheinbrücke gesperrt und wurde zum Symbol für den schlechten Zustand von Deutschlands Straßen und Brücken. Immer mehr und immer schwerere Fahrzeuge führen allerorts zu starkem Verschleiß - auch die Bahnschienen rosten. Im Vorwahlkampf wird nun mehr Geld für deutsche Verkehrswege gefordert." Mehr hier. Eine eindrucksvolle Zahl aus dem Beitrag belegt die haarsträubenden Zustände: In Deutschland gibt es 1.400 Bahnbrücken, die akut reparaturbedürftig sind. 

Vier Wochen nach Detroit meldet die WELT für Deutschland Vergleichbares: "Viele deutsche Kommunen stehen vor dem Nichts". Die Erklärung: "Die Bertelsmann-Stiftung schlägt Alarm: Die Finanzlage vieler Kommunen und Kreise hat sich dramatisch zugespitzt. Zehn Millionen Deutsche leben in Städten, die kaum noch handlungsfähig sind." Mehr hier. DEUTSCHE-WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN.DE meldet dramatisch "Deutsche Kommunen stehen vor dem Kollaps" und schreibt: "Die Landkreise und Kommunen stehen schon seit Jahren kurz vor der Pleite. Nun droht der Kollaps in vielen Regionen. Über zehn Millionen Menschen leben in Städten, die nahezu handlungsunfähig sind. Der Steuerzahler wird zur Kasse gebeten." Mehr hier. Der FOCUS erklärt offen: "Bis zum Hals im Schuldensumpf: So pumpen sich die Kommunen mit Giftkrediten voll": "Seit Jahren halten sich viele deutsche Städte und Gemeinden mit einer Art Dispo über Wasser. Was nur als Zwischenfinanzierung gedacht ist, ist für klamme Kommunen längst zur Standard-Geldquelle geworden – und könnte ihnen das Genick brechen." Mehr hier. Für das HANDELSBLATT ist die Sache klar, die Finanznot der Kommunen führt "Sehenden Auges in die Pleite". Dietmar Neuerer, der vier Wochen vorher noch Entwarnung gegeben hat ("Kein deutsches Detroit in Sicht", hier), erklärt jetzt: "Die Zahlen sind alarmierend, aber nicht überraschend: Dass viele Kommunen immer tiefer in den Schuldenstrudel geraten, hätten die Länder sehen müssen, sagen Experten. Im Fall der Fälle muss der Steuerzahler bluten." Mehr hier. Was für eine Wendung, jetzt kann auch er es nicht mehr leugnen. Die SÜDDEUTSCHE findet Deutschlands Kommunen in der Schuldenfalle "De facto bankrott". Der Beitrag nimmt Bezug auf eine andere Studie: "Arm trotz Geld: Die Steuereinnahmen der deutschen Städte und Gemeinden sind deutlich gestiegen, die Überschüsse haben sich mehr als verdoppelt. Trotzdem werden viele Kommunen ihre Schulden laut einer Studie von Ernst & Young niemals zurückzahlen können." Mehr hier. Noch einmal der FOCUS. Der orakelt "In Deutschlands Kommunen geht bald das Licht aus" und schreibt zusammenfassend: "Fast 60 Prozent der Kommunen rechnen 2013 mit einem Haushaltsdefizit. Einer Umfrage zufolge will der Großteil von ihnen Steuern erhöhen und Leistungen kürzen – unter anderem in der Jugend- oder Seniorenhilfe und bei der Straßenbeleuchtung." Mehr hier. HEISE/TELEPOLIS beschäftigt sich ebenfalls mit der Bertelsmann-Studie. Kritik übt der Beitrag "Wie die Kommunen finanziell ausgeblutet werden" an dem in der Studie angebotenen Lösungsvorschlag einer Schuldenbremse (hier). Sogar im benachbarten Ausland nimmt man Notiz von der Entwicklung. Österreichs FORMAT titelt vielsagend "Finanzen der Kommunen – Der Letzte macht das Licht aus" und schreibt in der Einleitung: "Auf die Bürger kommt wegen der finanziellen Schieflage in immer mehr deutschen Städten und Gemeinden eine neue Welle von Steuererhöhungen und Leistungskürzungen zu. Nach einer am Mittwoch von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) veröffentlichten Umfrage wollen drei Viertel der Kommunen ihre Steuern und Gebühren weiter erhöhen. 37 Prozent wollten ihre freiwilligen Leistungen weiter reduzieren, etwa bei der Straßenbeleuchtung oder der Kinder- und Seniorenbetreuung. Der Schuldenfalle werden viele trotzdem nicht entkommen." Mehr hier. Die "sanfte Enteignung" tritt in eine neue Phase. Beispiel Nordrhein-Westfalen: "78 Prozent der NRW-Kommunen planen höhere Steuern und Gebühren". Es ist eine ganze Palette: "Hundesteuern, Friedhofsgebühren, Straßenlaternen - kaum etwas ist tabu im Streichkonzert der notleidenden Kommunen. Im bundesweiten Vergleich bleibt die Lage in NRW besonders angespannt. Die Bürger müssen sich auf weitere Einschränkungen einstellen." Mehr hier. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Schulden. Augenfällig der Anstieg seit der Finanzkrise und der Vergleich mit Detroit: 


Quelle: welt.de

Erstaunlich die hohe Verschuldung Hamburgs. Die zweitgrößte Stadt in Deutschland rangiert nach London, Luxemburg und Brüssel auf Rang 4 der europäischen Regionen mit dem höchsten BIP je Einwohner (hier). 

Unser Fazit: Vor dem Hintergrund der Bertelsmann-Studie (hier, Pressemitteilung hier) und der Studie von Ernst & Young (die bisher leider nicht frei zugänglich ist) gibt es keinen Grund, über Detroit schadenfroh die Nase zu rümpfen. Eher das Gegenteil. Detroit hat nämlich den Tiefpunkt bereits hinter sich gelassen, den die deutschen Kommunen noch vor sich haben. Die Insolvenz markiert bereits den Anfang eines neuen Aufschwungs. Der ist sicherlich in den kommenden Jahren aus der Ferne nur schwer auszumachen, trotzdem findet er statt. Sinnbildlich steht dafür die folgende Karikatur: 


Quelle: economist.com

Viele halten uns für verrückt, aber wir bleiben weiter unserer Ansicht treu, die wir schon seit Monaten offensiv vertreten: Aufgrund der jüngsten Entwicklung in den Schwellenländern, die alle Zutaten für eine neue Krise in sich trägt, und der andauernden Krise in Europa, die sich noch verschärfen wird, erlebt Detroit aus Sicht der Investoren schon bald eine Götterdämmerung. Mit ein bisschen Geduld und den richtigen Investments bietet die Stadt in den kommenden Jahren, außergewöhnlich viel Potential, um den weltweiten Krisenherden höchst erfolgreich Paroli zu bieten. Dort ist nichts unmöglich. Weil die Amerikaner selbst fest an sich glauben: "25 Reasons Why Detroit Is On The Verge Of An Epic Comeback" (Quelle: BUSINESS INSIDER, hier).


Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln. 

Dienstag, 27. August 2013

Standpunkt 739 - Nachrichten-Ticker, 26.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Marc Faber – Deutsche Maschinenbauer schwach – Schweden vs. Banken – Finanzmärkte robust? – Weidmann zur Krise in Europa – US-Ökonom kritisiert Banken und Politik – USA in Rezession


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Marc Faber warnt: Banken sind nicht sicher – Gold kann konfisziert werden
(finanzen100.de) Dr. Marc Faber hält die Finanzkrise noch bei weitem nicht für ausgestanden. Stattdessen sieht der Börsenexperte heute neue Risiken, die die Anleger demnächst viel Geld kosten können. Mehr...

Kommentar: Wie üblich bezieht Marc Faber klar Position. In diesem Beitrag erinnert er erneut an die Umstände der Zypern-Hilfe und ihre Folgen: "In Banken sei das Geld der Sparer nicht mehr sicher." Außerdem hält er ein "Goldverbot" für möglich. Ein kleiner Vorgeschmack auf unser angekündigtes Update zum Thema Enteignung. 


Maschinenbauer müssen Exporte drosseln
(manager-magazin.de) Ohne seine Maschinenbauer wäre Deutschland kaum Exportweltmeister. Doch die schwache Weltkonjunktur setzt der Vorzeigebranche zu: Im ersten Halbjahr sank die Ausfuhr von Maschinen und Anlagen um 3,2 Prozent. Im zweiten Halbjahr soll die Nachfrage aber wieder steigen. Mehr...

Kommentar: Es macht sich halt doch bemerkbar, wenn sich die ganze Welt in einer Rezession befindet, mittlerweile sind auch die Schwellenländer dazu gestoßen. Einkaufsmanagerindex und Ifo-Geschäftsklimaindex können diese Tatsache nur bedingt kompensieren. 


Schweden will Banken strenger regulieren
(derstandard.at) Die Schweden sind auf dem besten Weg, ihren Banken eine härtere Gangart angedeihen zu lassen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll Finanzmarktminister Peter Norman neue Maßnahmen zur Stärkung der schwedischen Bankindustrie vorgeschlagen haben. Demnach soll die Aufsichtsbehörde mehr Befugnisse erhalten. Mehr...

Kommentar: Einmal mehr sind die Schweden der EU voraus. Genauso bei der Abschaffung des Bargeldes. Während sonst nur hinter vorgehaltener Hand über dieses Thema diskutiert wird, bevorzugt innerhalb der EZB, macht Schweden Nägel mit Köpfen (hier). 


Finanzmärkte sind jetzt deutlich robuster
(derstandard.at) Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln bescheinigt in einer Bilanz den Regulierern Erfolge, sieht aber auch noch Baustellen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Das ist ein Fake, ein Angriff auf die Intelligenz, eine glatte Lüge, was das IW Köln gerade verbreitet. Und, wie die Meldung zeigt, auch so verbreitet wird. Die neue Eigenkapitalrichtlinie gegenüber der Öffentlichkeit als Regulierung zu verkaufen, ist der blanke Hohn. Die Behauptung von IW-Direktor Michael Hüther"durch die neuen Regeln ist das Geld der Steuerzahler bei Bankenkrisen besser geschützt als bisher", ist reine Propaganda. Hüther verspottet alle, die demnächst vollkommen wehrlos für die jahrelangen Fehler der Politik büßen müssen. Die Krise in Europa steht immer noch am Anfang, das Ende ist noch lange nicht in Sicht. Alle Maßnahmen, die bisher ergriffen worden sind um die Krise angeblich zu beenden, verschärfen sie nur und verlängern das Leiden. Die kommenden Wochen und Monate werden unsere Aussage belegen. Wer will, der findet hier die Pressemitteilung aus Köln.

Der FOCUS kommt zu einer anderen Einschätzung. Er titelt zum gleichen Thema "Lasche Vorschriften, Aufsichts-Chaos - Fünf Jahre nach Lehman hat sich kaum etwas geändert" und schreibt im Vorspann: "Vor rund fünf Jahren eskalierte die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite. Haben Politik und Aufsichtsbehörden daraus gelernt oder könnte das Desaster sich wiederholen? Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt zu teils beunruhigenden Ergebnissen." Mehr hier. Der FOCUS hat die Studie offensichtlich gründlicher gelesen als der österreichische STANDARD. Und hat eine Stelle gefunden und zitiert, die den Lügen des IW Köln die Krone aufsetzt: "Die Finanzmärkte in Europa seien bereits 'kräftig umgekrempelt und weitere Maßnahmen eingeleitet worden'." 


"Die Krise ist nicht vorbei"
(handelsblatt.com) Griechenland und den anderen Krisenstaaten dürfen aus Sicht des Bundesbank-Chefs keine Schulden mehr erlassen werden. Jens Weidmann plädiert für ein anderes Krisenkonzept. Griechenland geht seinen eigenen Weg. Mehr...

Kommentar: Weidmanns Erkenntnis ist uns an sich keine Erwähnung wert. Darauf, dass die Krise nicht vorbei ist, weisen wir sowieso immer hin. Uns hat sein "anderes Krisenkonzept" interessiert. Nichts davon haben wir in dem Beitrag gefunden. Die Forderung nach Reformen in Griechenland ist nicht neu und so lange nutzlos, wie sich dahinter nur, nicht erfüllbare Spardiktate verbergen. Die haben die Wirtschaftsleistung in den Keller und die Staatsschulden nach oben gedrückt. Eine logische Folge wenn man bedenkt, dass die vielen Milliardenhilfen durch das Land hindurch geflossen sind, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Wir haben diese Tatsache vor einiger Zeit mit Hilfe der folgenden Karikatur begreiflich gemacht:


Quelle: crisiscartoon


Jens Weidmann findet, "Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell sollten nicht mit öffentlichem Geld am Leben gehalten werden". Er möchte diese Institute abwickeln. Schon nicht mehr neu, wie an dem Modell der zyprischen Banken-Rettung abzulesen ist. Ein schlüssiges Konzept hat er nicht zu bieten, lieber gibt er den Greenspan und versteckt sich hinter Floskeln, wo klare Aussagen dringend nötig wären. Macherqualitäten sind nicht sein Ding. Ginge es ihm wirklich um "Banken ohne tragfähiges Geschäftsmodell", dann könnte er direkt vor der Haustür der Bundesbank in Frankfurt sehr schnell fündig werden. Oder bei den Landesbanken. Oder bei der HRE, entstanden als Bad Bank der früheren HypoVereinsbank, deren nutzloser Rettung er tatenlos zugesehen hat. Damals nicht als Bundesbankpräsident, aber in unmittelbarer Nähe der Kanzlerin, als Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik im Bundeskanzleramt. Die Bundesbank sieht sich als oberster Sachwalter der Interessen deutscher Banken. Deshalb geht es ihm zuallererst darum, für den Schaden aus deren verpfuschten Geschäftsmodellen in den europäischen Krisenstaaten andere verantwortlich zu machen. Was das heißt, ist längst klar: Zugriff auf die Sparguthaben in Zypern, demnächst in Griechenland, Spanien, Italien, usw. In Irland, Portugal und Frankreich haben die Menschen schon mit Teilen ihrer Pensionsansprüche dafür bezahlt. Irgendwann ist bei den Nachbarn nichts mehr zu holen, dann sind die Deutschen dran. Garantiert. Das ist das Weidmann'sche Konzept. 


US-Ökonom: "Banken und Politik tragen Schuld"
(diepresse.com) Der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs über die neue Armut, die mangelnde Weitsicht von Politikern und seine Enttäuschung über Barack Obama. Mehr...

Kommentar: Ein lesenswertes Interview. Sachs redet auf den Punkt. Das gefällt uns. 


The Recession That Never Ended: 2008 -2013 (And Counting)
(zerohedge.com) The reality is that the recession never ended for 95% of U.S. households, and by many metrics the recession has deepened. Read more...

Kommentar: Der Beitrag lebt von seinen Grafiken. Die sind eindrucksvoll und leicht verständlich. Die Geldpolitik der Fed bleibt wirkungslos. Trotzdem glauben wir nicht an ein schnelles Ende. Irgendwie muss die US-Notenbank weitermachen. Zusätzlich zu ihrer anstehenden Aufgabe, demnächst die chinesischen Banken retten zu müssen. 


Quelle: toonpool.com



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.