Donnerstag, 1. August 2013

Standpunkt 713 - Nachrichten-Ticker, 31.07.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Sommermärchen Konsum  – NL-Immobilienblase – Europas Krise – US-BIP und Geldpolitik (2 Beiträge) – Abenomics – China: Top oder Flop? (7)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Deutschland: Konsumboom, Sommerkauflaune oder gar Tristesse?
(querschuesse.de) Nachdem gestern die Mainstreammedien unisono die Konsumlaune (Gfk-Konsumklimaindex) der Deutschen feierten, wird heute diese mittlerweile lächerliche monatliche Propaganda erneut durch harte belastbare Daten zu den Einzelhandelsumsätzen entlarvt. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sanken im Juni 2013 die Einzelhandelsumsätze bei den unbereinigten nominalen Originaldaten um -1,0% zum Vorjahresmonat und die unbereinigten realen Umsätze sanken um -2,8% zum Vorjahresmonat. Der Juni 2013 hatte mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag weniger als der Juni 2012. Aber auch wenn man die Saison- und Kalendereffekte berücksichtigt, sanken nominal die Einzelhandelsumsätze um -1,2%, im Vergleich zum Vormonat und real ging es ebenfalls abwärts, um -1,5% zum Vormonat! Abseits der Lügen von einem Konsumboom dokumentieren diese Daten für Deutschland eine langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,6% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau von 2000 und um -1,8% unter dem Niveau von 1994, dem Beginn der bei Destatis verfügbaren Datenreihe! Mehr... 

Kommentar: Steffen Bogs enttarnt das Gfk-Konsumklimaindex-Märchen als eine einzige, anhaltende Lüge. Das haben wir erwartet. Es wird wohl noch viele Jahre und einige bittere Erfahrungen lang dauern bis eine winzige Chance besteht, dass aus den Deutschen echte Konsum-Junkies werden. Bisher bleiben sie, was sie schon seit Jahrzehnten sind: Sture Sparfüchse. Die folgenden Grafiken und die Erklärungen stammen aus dem Beitrag und zeigen das wahre Ausmaß deutscher Kauflaune.  

"Die Entwicklung der Saison- und kalenderbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (ohne KFZ-Handel) seit Januar 1994 bis Juni 2013 im Chart:"

 


"Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze seit Januar 1955 bis Juni 2013 (Index 2010=100) im Chart. Bis Dezember 1990 für die alten Bundesländer, ab Januar 1991 für ganz Deutschland. Seit über zwei Jahrzehnten geht es nicht mehr aufwärts, während in der alten Bundesrepublik die realen Einzelhandelsumsätze über Jahrzehnte dynamisch anstiegen, ist im wiedervereinigten Deutschland und als Mitglied der Eurozone nur die plumpe Propaganda von einem Konsumboom übriggeblieben:"




"Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen (Originaldaten/unbereinigt) seit Januar 1963 bis Juni 2013 im Chart. Im Juni 2013 sanken die PKW-Neuzulassungen um -4,7% zum Vorjahresmonat, auf 282’913 Einheiten. Seit über 20 Jahren geht es bestenfalls seitwärts, tendenziell sogar leicht abwärts, ein ähnliches Bild wie bei den realen Einzelhandelsumsätzen:" 


 


Steffen Bogs' Fazit: "Solange Deutschlands Eliten und Medien nicht in der Lage sind Wirtschaftsdaten kritisch zu reflektieren und realistisch aufzuzeigen, besteht wenig Hoffnung auf eine nur ansatzweise Änderung des schiefen deutschen Geschäftsmodells, welches 'glänzt' durch einseitige Exportorientierung, einer Nichtteilhabe der Arbeitnehmer an Produktivitätsfortschritten und Exporterfolgen, was sich letztlich in einer schlappen seit 20 Jahren dümpelnden Nachfrage der deutschen privaten Haushalte manifestiert."


Niederlande: Die Immobilien-Blase platzt 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der freie Fall der niederländischen Immobilien setzt sich fort. Seit 2008 sind die Preise für Häuser um fast 18 Prozent gesunken. Potenzielle Käufer sind verunsichert. Die Zahl der Immobilienkäufe hat sich binnen weniger Jahre halbiert. Die Krise wird noch bis ins nächste Jahr andauern. Mehr...

Kommentar: Warum die holländische Krise nur bis "ins nächste Jahr" andauert, erschließt sich uns nicht. Den Banken haben die Niederländer bereits mit Milliarden Euro Steuergeldern unter die Arme gegriffen. Einzig die Rabobank ist nach unserer Kenntnis bis heute ohne Hilfen ausgekommen. Sobald die Immobilienblase geplatzt ist, wird sich der Druck auf die Banken massiv verstärken. Wir befürchten, dass die holländischen Steuerzahler mit neuen Rettungsmaßnahmen für die heimischen Banken schnell überfordert sind. Die niederländische Wirtschaft steckt bereits in einer veritablen Rezession. Sehr wahrscheinlich, dass die Verschärfung der Immobilienkrise eine Depression zur Folge haben wird. Für uns gibt es keinen Zweifel: Holland ist in Not. 


Euro-Krise ungelöst
(konicz.info) Wahltermin in Deutschland und "Sommerloch" sorgen für Erregungspause. Die Fakten indes zeigen Scheitern der verordneten Austeritätspolitik. Mehr...

Kommentar: Eine nützliche Zusammenfassung der krisenverschärfenden europäischen Rettungspolitik. Sie geschieht unter deutscher Führung, was der Kanzlerin und ihrem Gefolge ein mieses Zeugnis ausstellt. An ihrer Wiederwahl in wenigen Wochen wird das nichts ändern, es fehlt leider an brauchbaren Alternativen. Trotzdem gibt es eine Wahl, die wir unseren LeserInnen dringend empfehlen: Die Sicherung der Ersparnisse noch vor der Wahl. Danach könnte es schon zu spät sein...


Steigendes BIP könnte lockere Geldpolitik beenden
(welt.de) Die jüngsten Wirtschaftsdaten der USA sind überraschend positiv, so
dass die Notenbank Fed den Anleihenkauf früher als erwartet reduzieren könnte. Ein Teil des Wachstums ist jedoch neu errechnet. Mehr...


Kommentar/Ergänzung: Ein Trugschluss, Amerikas Probleme sitzen sehr viel tiefer. Denen ist mit Zahlenkosmetik nicht beizukommen. Da helfen nur Fakten. Gerade wegen der Beispiele zur Neuberechnung des BIP ist der Beitrag aber eine kurzweilige Lektüre. An anderer Stelle berichtet die WELT "Neue Armut der Weißen alarmiert US-Politiker" und schreibt dazu: "Der amerikanische Traum erscheint US-Bürgern zunehmend unerreichbar – und das gilt heute überraschend oft für weiße Bürger. 80 Prozent von ihnen sind irgendwann in ihrem Leben mit Armut konfrontiert." Mehr dazu hier. Diese Entwicklung hat schon 2007, dem Beginn der Finanzkrise in den USA, begonnen und zerstört die Basis Amerikas, die Mittelklasse. Die beiden nächsten Grafiken zeigen zwei Ursachen:


Es fehlen gut bezahlte Arbeitsplätze...


Quelle: wsj.com

und Einkommen! Deshalb müssen die Amerikaner sparen - überall: 




Daran wird sich auf absehbare Zeit - auf jeden Fall während der Präsidentschaft von Barack Obama - nichts ändern. Es fehlt eine Vision. Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank löst keines der Probleme, sie dient lediglich den Reichen dazu noch reicher zu werden. 

Was in den USA schiefläuft, beschreibt sehr schön eine schon ältere, aber immer noch zeitgemäße Karikatur von Victor Juhasz für den US-amerikanischen ROLLING STONE:

 

Viel Vergnügen! 


Der Chart des Tages: Abenomics funktioniert
(fuw.ch) Es gibt erste Zeichen, dass Japan es dank der Politik von Shinzo Abe (Abenomics) in eine positive Spirale aus Wachstum und Vertrauen geschafft hat. Mehr...

Kommentar: Offensichtlich eine gegensätzliche Auffassung zu uns. Wir behalten unsere Zweifel, wie wir sie in den vergangenen Wochen immer wieder geäußert haben. Warten wir gemeinsam ab, wer sich am Ende mit seiner Meinung durchsetzen wird. Für den Augenblick signalisiert der folgende Chart aus dem Beitrag Erfolg für die japanische Politik, wenigstens für den Einzelhandel: 



Chinas Neuorientierung wird falsch ausgelegt
(fuw.ch) Zweifler im Westen haben die Lebenszeichen der chinesischen Wirtschaft wieder einmal falsch verstanden – sie ist weit davon entfernt zusammenzubrechen und befindet sich vielmehr an einem wichtigen Wendpunkt. Die Räder der Neuorientierung drehen sich. Ein Kommentar von Stephen S. Roach. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Auf Roach ist Verlass, er findet immer noch das Gute in Chinas Entwicklung, selbst wenn alle Zeichen auf kräftige Gewitter und Sturm stehen. Nachdem wir jüngst mit den vorgestellten Beiträgen und unseren Kommentaren sehr viel Kritik an Finanzmarkt und Wirtschaft in China geübt haben, kommt heute bei uns ein Optimist zu Wort.

Schon vor zwei Jahren hat Roach einen bemerkenswerten Beitrag geschrieben: "10 Gründe, warum China anders ist". Schon damals waren seine Aussagen krisenfest, wie die Einleitung zeigt: "Die China-Zweifler sind zurück. Aber im Reich der Mitte vollzieht sich nach wie vor das beeindruckendste Entwicklungswunder der modernen Zeit. Und dies dürfte sich fortsetzen." Mehr dazu hier. Zu dieser Zeit haben wir unser kritisches Dossier zu China verfasst (hier). 

Stephen S. Roach schreibt am Ende des aktuellen Beitrags: "Langsam, aber sicher entstehen die Konturen des neuen Chinas. Zweifler im Westen haben die Lebenszeichen der chinesischen Wirtschaft wieder einmal falsch verstanden." Wir gehören zweifellos dazu. 


China’s Housing: Living in a Bubble
(thediplomat.com) Despite government measures, housing is increasingly out of reach for ordinary Chinese. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Wir "Zweifler im Westen" haben dafür gute Gründe. Die liefern uns Berichte aus dem Reich der Mitte, nicht der westliche Mainstream. Dessen Medien halten sich regelmäßig mit ihren Informationen an die wohlgefällige offizielle Linie. Danach hat die chinesische Führung alles im Griff. 

Im Land selbst sucht Christopher Dillon die Antwort auf die Frage "Is there a Chinese housing bubble?" (hier). BUSINESSWEEK schreibt im Februar 2013 über »China's Legions of 'Housing Slaves'« (hier). Und schon im Dezember 2011 titelt THE DIPLOMAT zum Thema "If China’s Property Bubble Bursts" (hier). Alle Beiträge mit weiterführenden Links. Alles sehr empfehlenswert. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.