Freitag, 2. August 2013

Standpunkt 714 - Nachrichten-Ticker, 01.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Derivate (2 Beiträge)  – Schwellenländer (3) – Europa – Schweden – Griechenland (2)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


The Coming Derivatives Panic That Will Destroy Global Financial Markets
(theeconomiccollapseblog.com) When financial markets in the United States crash, so does the U.S. economy. Just remember what happened back in 2008. The financial markets crashed, the credit markets froze up, and suddenly the economy went into cardiac arrest. Well, there are very few things that could cause the financial markets to crash harder or farther than a derivatives panic. Sadly, most Americans don't even understand what derivatives are. Unlike stocks and bonds, a derivative is not an investment in anything real. Rather, a derivative is a legal bet on the future value or performance of something else. Just like you can go to Las Vegas and bet on who will win the football games this weekend, bankers on Wall Street make trillions of dollars of bets about how interest rates will perform in the future and about what credit instruments are likely to default. Wall Street has been transformed into a gigantic casino where people are betting on just about anything that you can imagine. This works fine as long as there are not any wild swings in the economy and risk is managed with strict discipline, but as we have seen, there have been times when derivatives have caused massive problems in recent years. For example, do you know why the largest insurance company in the world, AIG, crashed back in 2008 and required a government bailout? It was because of derivatives. Bad derivatives trades also caused the failure of MF Global, and the 6 billion dollar loss that JPMorgan Chase recently suffered because of derivatives made headlines all over the globe. But all of those incidents were just warm up acts for the coming derivatives panic that will destroy global financial markets. The largest casino in the history of the world is going to go "bust" and the economic fallout from the financial crash that will happen as a result will be absolutely horrific. There is a reason why Warren Buffett once referred to derivatives as "financial weapons of mass destruction". Nobody really knows the total value of all the derivatives that are floating around out there, but estimates place the notional value of the global derivatives market anywhere from 600 trillion dollars all the way up to 1.5 quadrillion dollars. Keep in mind that global GDP is somewhere around 70 trillion dollars for an entire year. So we are talking about an amount of money that is absolutely mind blowing. Read more...

Kommentar/Ergänzung: Das Thema lässt uns nicht los. Primär deshalb, weil es in den deutschsprachigen Medien kategorisch totgeschwiegen wird. Wenigstens unseren LeserInnen wollen wir über diese ultimative, weltweite "Massenvernichtungswaffe" der Finanzindustrie ausreichend Informationen zur Verfügung stellen, um sich über die Wirkung ein Bild machen zu können. 

Dieser Beitrag stammt aus dem Dezember 2012 und beschreibt an Hand der fünf größten US-Banken die Risiken des Derivatehandels und die Folgen eines Zusammenbruchs. Selbst wenn die Zahlen schon einige Monate alt sind hat sich an den Gefahren nichts geändert. Schon die offiziellen rund 600 Billionen USD Volumen im Derivatehandel sind nicht zu beherrschen, auch nicht mit Hilfe der Steuerzahler. Inoffizielle US-Schätzungen gehen jedoch von gigantischen 1.500 Billionen USD (1,5 Billiarden, 1.500.000.000.000.000 USD) Volumen aus, die fintenreich in den Schattenbanken versteckt werden. Mehr als das 20fache der Weltjahreswirtschaftsleistung von rund 70 Billionen USD. Eine hervorragende grafische Darstellung dieser Perversität gibt es hier.

Der Handel wird kontrolliert von den beteiligten Banken selbst. Höchst konspirativ, wie die NEW YORK TIMES schon zwei Jahre vorher, am 12.12.2010, in dem Artikel "A Secretive Banking Elite Rules Trading in Derivatives" eindrucksvoll beschrieben hat: "On the third Wednesday of every month, the nine members of an elite Wall Street society gather in Midtown Manhattan. The men share a common goal: to protect the interests of big banks in the vast market for derivatives, one of the most profitable — and controversial — fields in finance. They also share a common secret: The details of their meetings, even their identities, have been strictly confidential. Drawn from giants like JPMorgan Chase , Goldman Sachs and Morgan Stanley , the bankers form a powerful committee that helps oversee trading in derivatives, instruments which, like insurance, are used to hedge risk. In theory, this group exists to safeguard the integrity of the multitrillion-dollar market. In practice, it also defends the dominance of the big banks. The banks in this group, which is affiliated with a new derivatives clearinghouse, have fought to block other banks from entering the market, and they are also trying to thwart efforts to make full information on prices and fees freely available." Mehr dazu hier

In dem Beitrag gibt es noch weitere interessante Links, denen es sich lohnt zu folgen. 

Wir sind davon überzeugt, dass sich dieses Ungetüm nicht (mehr) stoppen lässt, sondern irgendwann das weltweite Finanzsystem einfach unter sich begraben wird. Die Folge: Völliger Vermögensverlust für 99% der Menschheit, angeführt von den Industrienationen. Die von den G20-Staaten versprochene, tiefgreifende Finanzreform ist vor diesem Hintergrund unmöglich und wird deshalb von den Regierungen der betroffenen Ländern erst gar nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Selbst die längst verschollenen US-Pläne rund um den Dodd-Frank Act und die Volcker Rule bieten dafür keine Lösungen an. Von den wenigen europäischen Ideen ganz zu schweigen. 

Statt dessen versuchen die Regierungen, gemeinsam mit den Schuldigen aus der Finanzindustrie, das finale Ereignis so lange wie möglich hinauszuzögern. Entweder durch hemmungsloses Gelddrucken (USA, GB, Japan), durch unbegrenzte Kreditvergaben (China) oder durch zahllose Rettungspakete in Europa. Die Einen unter dem Vorwand, so die Wirtschaft wieder anzuschieben, in China um die Wirtschaftsleistung auf hohem Niveau zu stabilisieren, die Anderen wollen den Euro retten, obwohl der überhaupt nicht das Problem ist, verlangen als Gegenleistung für die Hilfen die Einhaltung strengster Spardiktate und bewirken damit nur eine Verschärfung der Krise: In den betroffenen Ländern kollabiert die Wirtschaft, es entsteht Massenarbeitslosigkeit, die Wirtschaftsleistung bricht massiv ein, als Folge davon steigt die Staatsschuldenquote weiter an und die vermeintlichen Retter fordern als Reaktion darauf neue Sparanstrengungen. Eine völlige Idiotie. 

Wer dieser Entwicklung weiter tatenlos zusieht, ohne für sich persönlich die richtigen Schlüsse zu ziehen, handelt naiv und höchst fahrlässig. Es gibt eine Lösung!


Crash-Gefahr: Kommt der Schwarze Schwan aus den Schwellenländern?
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Schwellenländer rutschen in die Krise und könnten einen weltweiten Crash auslösen. Die europäischen Banken haben über Kredite und Staatsanleihen aus diesen Ländern ein Risiko von 3,4 Billionen US-Dollar. Nun geht es in den meisten dieser Staaten bergab. Die Deutsche Bank ist sehr nervös und stößt Risiko-Papiere ab. Goldman Sachs empfiehlt auf einmal, in europäischen Unternehmen zu investieren. Das sind ganz schlechte Zeichen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: INVESTORWISSEN24 erklärt den Begriff so: "Die Schwarzer Schwan-Theorie verweist auf ein Ereignis, das eine große Belastung darstellt, 'schwierig vorauszusagen' und selten ist, und zwar über den Bereich normaler Erwartungen hinaus. Hintergrund: Die Theorie wurde von Nassim Nicholas Taleb beschrieben in seinem Buch von 2007 The Black Swan. Taleb betrachtet viele wissenschaftliche Entdeckungen als schwarze Schwäne - "ungesteuert" und unvorhergesagt. Er nennt den Aufstieg des Internets, des Personalcomputers, den Ersten Weltkrieg sowie die Angriffe am 11. September 2001 als Beispiele von Schwarzer Schwan-Ereignissen. Für Taleb müssen drei Dinge erfüllt sein, damit man bei einem Ereignis von einem Schwarzen Schwan sprechen kann: Erstens muss es außerhalb der gängigen Vorstellungskraft liegen. Zweitens muss ein solches Ereignis extreme Auswirkungen haben und drittens wird es in der Rückschau dann aber erklärbar." Mehr dazu hier. Außerdem haben wir noch zwei weitere Beiträge zur Ergänzung:  "Kommt jetzt der „Schwarze Schwan“? – Die Theorie von den fahrenden Zügen", erschienen am 28.01.2013 bei WALLSTREET ONLINE (hier), und Wirtschaftsführer fürchten den "schwarzen Schwan", vom 29.01.2011, auf "welt.de" (hier). 

Der "Black Swan" könnte in diesen Tagen in jeder Ecke der Welt auftauchen. Unabhängig davon sind die Schwellenländer nie resistent gegen die Krise, auch wenn die deutsche Exportwirtschaft das immer gerne behauptet hat. Sie sind 100%ig abhängig von den Industrienationen, auch miteinander sind sie sich nicht genug.


Europa ist besser als sein Ruf
(format.at) Das Wirtschaftsmodell China verliert zunehmend an Glanz. Der Weg Deutschlands, Skandinaviens und Österreichs wird erfolgreich sein. Mehr...

Kommentar: In einem Vergleich mit China erklärt Christian Kern, Bahnchef in Österreich, den Unterschied. Wir teilen seine Sicht auf China, nicht aber die Zuversicht für Europa. Deutschland und Österreich haben das Schlimmste erst noch vor sich, in Skandinavien ist die Krise bereits angekommen (Dänemark, Finnland, Schweden, teilweise auch in Norwegen) und entwickelt sich weiter. 


Wirtschaft schrumpft: Musterland Schweden von der Krise erfasst
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft Schwedens leicht geschrumpft. Die schwache Nachfrage in Europa zieht Schweden in die Krise. Die Regierung will mit Geldspritzen und Steuergeschenken gegensteuern. Mehr...

Kommentar: Natürlich gerät Schweden in Not: "Wie die meisten Staaten in Europa ist auch Schweden stark vom europäischen Binnenmarkt abhängig. Einem Bericht des IWF zufolge wird sich die Lage weiter verschlimmern." Wir haben uns bereits früh, im Juli 2011, in dem Beitrag "Deutsche Journalisten im DM-Wolkenkuckucksheim?" kritisch zu Schweden geäußert (hier). Sogar das Triple-A-Rating haben wir schon im September 2011 in dem Beitrag "Die Triple A Märchen" infrage gestellt (hier). Nach unserer Ansicht war Schweden damals schon in bester Gesellschaft. Seitdem kommentieren wir regelmäßig kritisch die verbreitete, positive Einschätzung Schwedens im Umgang mit der Krise. 


Griechenland: Milliarden-Desaster noch vor der Bundestags-Wahl
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der IWF hat Griechenland ein neues Milliarden-Loch bescheinigt. Keine guten Nachrichten für die deutsche Bundesregierung. Schließlich fordert der IWF schon seit Langem einen weiteren Schuldenschnitt für das Land. Und der Druck von den BRIC-Staaten auf den IWF wird größer. Sie wollen nicht mehr für das reiche Europa zahlen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Quatsch, vor der Bundestagswahl passiert nichts. Was für eine gespielte Überraschung. So wie Europa das macht, ist Griechenland nicht zu retten (vgl. die Grafik am Ende des Abs.). Darum geht es Berlin und Brüssel auch nicht, das Land dient lediglich Europas Rettern als Versuchslabor. Schon im Mai 2011 haben wir geschrieben: Griechenland – Umschuldung oder was? Oder: "Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr." (hier). An dieser Einschätzung halten wir fest. In diesem Zusammenhang unbedingt lesen: "Krisenmythos Griechenland", ein Beitrag, der am 04.10.2010 bei HEISE/TELEPOLIS erschienen ist (hier). Unser "Beitrag" dazu steht hier. Gemeinsam macht es den Kopf frei für das Wesentliche. 

Quelle: wsj.com

"IWF verpasst Deutschland eine Ohrfeige", so beschreibt die WELT, wie gerade über neue Maßnahmen für Griechenland diskutiert wird: "Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem Schuldenerlass für Athen. Die Euro-Geberländer müssten dabei auf Teile ihrer Hilfskredite verzichten. Für die Bundesregierung ist das ein Affront." Mehr dazu hier. Viel Lärm um Nichts. Was der IWF fordert, ist bereits hinlänglich bekannt und wird auch kommen, lediglich über den "richtigen" Zeitpunkt wird noch gestritten. Und bereits an dem "Zypern-Modell" für Griechenland gearbeitet.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.