Samstag, 3. August 2013

Standpunkt 715 - Nachrichten-Ticker, 02.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland (8 Beiträge)  – Angela Merkel – Bundesbank-Gold (3) – James Galbraith – EU-Arbeitslosenquote (2) – Zypern


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Deutschland – ein Wundermärchen
(fes.de) Deutschland gilt als die Wirtschaftslokomotive Europas mit geringer Arbeitslosigkeit, gesunden Staatsfinanzen und robustem Wachstum. Aber der Glanz entsteht mehr durch den düstern europäischen Hintergrund als durch eigenen Fortschritt. Tatsächlich ist das Wachstum kaum höher als vor zehn Jahren, als man es den kranken Mann Europas nannte. Kein Wunder: Weder der Arbeitsinput noch die Arbeitsproduktivität haben nachhaltig und/oder schneller zugenommen als der langfristige Trend. Die stolzen Exportüberschüsse zeugen von verschenktem Konsum und unterlassenen Investitionen in Deutschland, die als Grundlagen künftigen Wachstums fehlen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine lohnende Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die einmal mehr eine alte Volksweisheit bestätigt: "Es ist nicht alles Gold was glänzt". 

Zeitgleich erscheint bei WELT und WALL STREET JOURNAL der Beitrag "Die Schattenseiten der deutschen Erfolgsgeschichte". Dort heißt es im Vorspann: "In weniger als zehn Jahren hat sich Deutschland vom 'kranken Mann' zur Lokomotive Europas entwickelt. Das Ausland sucht nach dem Geheimnis des Erfolgs. Doch der steht auf einem wackeligen Fundament." Mehr dazu hier. Dieser Beitrag setzt sich ebenfalls einigermaßen kritisch mit den Verhältnissen in Deutschland auseinander. 

Verwunderlich finden wir auf jeden Fall, Deutschland als "Wirtschaftslokomotive Europas" zu bezeichnen. Europa hat nichts vom deutschen Erfolg, seine Situation ist sehr bescheiden und seine Aussichten können kaum noch schlechter sein. Deutschland ist egoistisch und selbstgefällig, keine guten Voraussetzungen, um als Lokomotive die europäische Wirtschaft aus ihrer Depression zu ziehen. "Jeder ist sich selbst der Nächste", nach diesem Motto handelt Deutschland. Treibt mittlerweile Handel mit nahezu jedem korrupten, menschenverachtenden Regime und verschafft sich gegenüber seinen europäischen Nachbarn handfeste Wettbewerbsvorteile durch die Einführung einer jahrelangen Schuldenknechtschaft unter dem Deckmantel einer Staatsschuldenkrise. Auf Dauer wird das nicht funktionieren. 

Vorläufig überwiegen noch die guten Nachrichten. "Schwellenländer helfen Audi durch Autokrise in Europa" meldet aktuell DWN: "Hohe Absatz-Zahlen in Asien verhelfen dem Audi-Konzern zu einer leichten Steigerung des Umsatzes. Längst ist China der wichtigste Markt. Dort werden schon fast doppelt so viele Autos verkauft wie in Deutschland." Und behauptet: "Das Wachstumspotential kennt kaum Grenzen". Mehr dazu hier. Die F.A.Z. sieht die Dinge deutlich differenzierter und meldet: "Deutschlands Autoindustrie - Von Pekings Gnaden". Dort heißt es einleitend: "Deutschlands Autoindustrie glänzt dank der Absatzrekorde in China mit Milliardengewinnen. Doch Volkswagen, Daimler und BMW hängen am Gängelband der Pekinger Regierung - die Schikanen nehmen stetig zu." Mehr dazu hier. Der Beitrag beschreibt, wie trickreich die Chinesen alle deutschen Hersteller unter Druck setzen, sogar von einem Strafzoll ist die Rede. Das sind keine rosigen Aussichten für den Markt, auf dem die deutsche Autoindustrie ihre Zukunft sieht. Schon seit Jahren setzen die deutschen Hersteller auf die chinesische Karte. Nachzulesen in dem Beitrag "China, das Auto-Export-Land" erschienen am 30.11.2004 bei SPIEGEL ONLINE: "Deutsche Autohersteller investieren nicht Milliardensummen in China, um den Chinesen möglichst viele Autos zu verkaufen. Sie investieren, um von China aus künftig den Rest der Welt zu beliefern." Mehr dazu hier. VW, Audi und Daimler produzieren in China Autos für den deutschen Markt - eine merkwürdige Vorstellung, nicht nur für die Beschäftigten in den heimischen Werken. Der Preis dafür wird hoch sein. Die SZ titelt im Januar  "Autoboom in China - Der Staat fährt mit" und schreibt dazu im Vorspann: "Fünf Millionen Autos verstopfen schon jetzt die Straßen Pekings - doch der Automarkt in China wächst weiter. Vor allem westliche Firmen wie VW profitieren davon. Chinas Regierung will das ändern: Sie setzt auf die Verflechtung mit westlichen Firmen - und auf deren Kontrolle." Mehr dazu hier. Vor einem knappen Jahr meldete das MANAGER MAGAZIN "China bereitet deutschen Autobauern Sorgen". Damals wurden schon Befürchtungen laut: "China war lange das gelobte Land der deutschen Automobilindustrie. Vor allem den Premiumanbietern bescherte es auch während der Krise in Europa noch sattes Wachstum. Doch die Zeiten ändern sich, wie Zahlen des chinesischen Automobilverbandes zeigen." Mehr dazu hier. Damals schon prophezeite der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wegen enormer Kapazitäten der Autobauer eine Rabattschlacht in China. Nach seiner Meinung ist "die Preisschlacht auch in China bereits in vollem Gange". Erst vor wenigen Monaten erschien im Asien-Blog der F.A.Z. ein Beitrag mit der Warnung "Deutsche Autobauer setzen zu sehr auf China". Dort heißt es: "Noch brummt das Geschäft der deutschen Autobauer in China, ihrem wichtigsten Markt. Aber wie lange noch? Gegen VW, Audi, BMW und Mercedes läuft eine zweifelhafte Verbraucherschutzkampagne. Wie gefährlich das werden kann, zeigen die Boykottaufrufe gegen die Japaner. Deren Markt in China ist zeitweilig zusammengebrochen." Mehr dazu hier

Zur Erinnerung: Der deutsche Erfolg steht auf einem "wackeligen Fundament" meinen WELT und WALL STREET JOURNAL. Wie recht sie doch haben. Das zu stabilisieren, dazu fehlt die Zeit - und die politische Führung... 


Scheinriesin im Reich der Zwerge
(spiegel.de) Eine Nullpolitikerin regiert Deutschland: Angela Merkel herrscht nach den Gesetzen des technokratischen Zeitalters, ihre Sprache ist steril - wie die der gesamten politischen Klasse. Das ist nicht mehr auszuhalten. Mehr...

Kommentar: Solche Beiträge sind es, die uns für einen langen Moment, die schlechte Qualität des heutigen SPIEGEL vergessen lassen. Was Georg Diez in dieser Kolumne abliefert ist allererste Sahne. Ohne Abstriche. Danke dafür. Wie wäre es, gleich auch die Bundestagswahl ausfallen zu lassen? Mit Demokratie hat diese Veranstaltung sowieso nichts mehr zu tun. 


Investor Marc Faber: Das Gold der Deutschen Bundesbank ist weg
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Wenn die Federal Reserve das Gold der Deutschen Bundesbank noch hätte, dann würde es nicht acht Jahre dauern, bis es nach Deutschland gebracht wird, sagt der Schweizer Investor Marc Faber. Er warnt außerdem vor einem Goldverbot, wenn sich die Wirtschaftskrise verschärfen sollte. Mehr...

Kommentar: Ein Nachtrag zu unserem Standpunkt 703, vom 22. Juli 2013, mit dem Beitrag "Hedgefonds-Manager: Das Gold der Bundesbank ist weg", hier. Marc Faber bringt es auf den Punkt. Übrigens, schon im November 2011 haben wir "Die Mär vom deutschen Goldschatz" beschrieben (hier). 


James Galbraith im Gespräch
(nachdenkseiten.de) Roger Strassburg hatte die Gelegenheit, sich in Berlin mit James Galbraith zu unterhalten. Galbraith war kurz zuvor in Griechenland und traf sich dort mit Yanis Varoufakis und Alexis Tsipras. Seine Erfahrungen in Griechenland, die Gefahren für die Eurozone und transatlantische Missverständnisse sind Thema des Gesprächs. Wir hatten Ihnen bereits am Mittwoch die englischsprachige Originalversion des Interviews vorgestellt. Heute folgt die deutsche Version. Für die Übersetzung bedanken wir uns herzlich bei Sabine Tober. Mehr...

Kommentar: James Galbraith ist ein Sohn von John Kenneth Galbraith, dem bekannten US-Ökonomen. Beachtlich, was Galbraith in diesem sehr ausführlichen Interview von sich gibt. Eine kleine Kostprobe: "Ich denke mal, wäre Keynes heute hier, würde er die Schwierigkeiten ganz klar erkennen und eine strategische und langfristige Herangehensweise an den Tag legen, um so die institutionellen Veränderungen zu erreichen, die meiner Meinung nach notwendig sind. Da wäre als erstes die Regelung des Schuldenproblems, dann eine Umwandlung und Umstrukturierung des Bankensektors, neue Einrichtungen zur Arbeitsbeschaffung für die, die das brauchen, und ein gestärktes System umfassender Sozialversicherung. All dies war Teil des New Deal und ist ungemein wichtig, und zwar nicht, um Wachstum und Vollbeschäftigung wiederherzustellen, sondern um sich dem viel brennenderen Problem zu stellen, unmittelbare Katastrophen abzuwenden." 


Arbeitslosigkeit in der Eurozone fällt erstmals seit zwei Jahren
(tagesanzeiger.ch) Neue Anzeichen für eine Konjunkturbelebung: In der Eurozone sind zwar immer noch 19,26 Millionen Menschen ohne Job – das sind aber 24'000 weniger als im Vormonat. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Sogar für Griechenland wird demnächst ein Aufschwung erwartet. In Spanien wird ebenfalls schon Entwarnung gegeben: "Arbeitslosigkeit in Spanien geht weiter zurück" schreibt die WELT: "Dank des boomenden Tourismus im Sommer sinkt die Zahl der Arbeitslosen in Spanien um 1,4 Prozent auf 4,7 Millionen. Auch zeichnet sich ein Ende der Rezession im krisengeplagten Land ab." Mehr dazu hier. Eine lächerliche, einfältige Einschätzung. 


Zypern stürzt ins Bodenlose
(konicz.info) Während die Industrieproduktion schrumpft und die Investitionstätigkeit einbricht, steigt die Arbeitslosigkeit Die Troika meint: Zypern ist trotz Rezession auf einem guten Weg. Doch die wirtschaftlichen Daten sprechen eine andere Sprache.
Bis zur Bundestagswahl werden wir immer wieder mit Berichten von der europäischen Krisenfront behelligt werden, die Züge einer bitterbösen Realsatire tragen. Die neuesten Durchhalteparolen publizierte die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) am Mittwoch: »Unsere allgemeine Einschätzung ist, dass Zypern mit seinem Programm auf dem richtigen Weg ist«, hieß es in einer auf der Webpräsenz der EZB publizierten Einschätzung der brutalen Krisenmaßnahmen, die dem Inselstaat insbesondere auf Drängen Berlins oktroyiert wurden. Die mit der Umsetzung des Spardiktats und der Teilenteignung beauftragte Troika attestierte Nikosia eine »bessere Leistung« als erwartet, wie es eine Sprecherin des IWF formulierte. Zypern habe erheblich gespart und nur vorsichtig Geld ausgegeben, hieß es weiter.
Stattdessen schätzen selbst wirtschaftsliberale Zeitungen wie die britische »Financial Times« inzwischen, dass »Dauer und Intensität des ökonomischen und sozialen Kollapses« in Zypern »unermesslich« seien. Selbst von einer Reduzierung der Schuldenberge kann keine Rede sein: Die Nettoauslandsverschuldung des Inselstaates steigt rasant auf inzwischen 20,8 Milliarden Euro im ersten Quartal 2013, nachdem sie im Vorquartal 15,6 Milliarden Euro betrug. Laut Berechnungen des Wirtschaftsblogs »Querschüsse« summieren sich die Auslandsverbindlichkeiten Zyperns inzwischen auf 126,9 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der 880 000 Einwohner zählenden Volkswirtschaft. Mehr...


Kommentar: In diesem Beitrag steht alles, was man über die angebliche Rettung Zyperns wissen muss. Die Maßnahmen sind dabei, das Land auf Jahre hinaus zu zerstören. Es wird dauerhaft auf Hilfen angewiesen sein. Idiotisch, was Berlin und Brüssel dort veranstaltet haben. Und es ist noch nicht zu Ende. 

Quelle: toonpool.com




"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.