Sonntag, 4. August 2013

Standpunkt 716 - Nachrichten-Ticker, 03.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Rückblick auf 2013 – Bankenaufsicht – Niederlande (5 Beiträge) – China – BIP: auf ein Neues – US-Arbeitsmarkt (4) – US-Poverty – US-Factory


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.

Die Eurokrise in der Sommerpause, Quelle: politicalcartoons.com


Rückblick: Zehn Wetten für 2013
(blog.zeit.de/herdentrieb) Drei Tage vor Silvester war es wieder so weit: Die Wahrsager-Hirten Zeise, Wermuth und Heusinger trafen sich, die Glaskugel auf dem Tisch. So dauerte es ein bisschen, bis wir uns soweit in gemeinsame Schwingungen geredet hatten, dass es mit der Wahrsagerei losgehen konnte. Und erst als wir unsere Schulterklopferei wegen der Wetten für das abgelaufene Jahr (hier) hinter uns gebracht hatten, brach sich der notwendige Übermut Bahn. Mehr...

Kommentar: Das Jahr steckt im Sommerloch. Eine günstige Gelegenheit für einen Blick zurück nach vorn. Heute mit den Journalisten Lucas Zeise, Dieter Wermuth und Robert von Heusinger. Die haben sich mit den drängenden Problemen und Entwicklungen für 2013 beschäftigt und am Ende daraus zehn Wetten zum Wirtschaftswachstum in Deutschland, der Lebensdauer des Euro, dem Zusammenbruch einer systemrelevanten europäischen Bank, zu der Entwicklung des EZB-Leitzins, zu der Stärke des Euro gegenüber dem Dollar, zu der Entwicklung der Rohstoffpreise, zur Inflation in Europa/Deutschland, zu den Renditen der Staatsanleihen und den Aktienmärkten, formuliert. Bisher liegen die Herren mit ihren Wetten gar nicht so schlecht, es fehlt vor allen Dingen aber noch der Zusammenbruch einer der europäischen TBTF-Banken. US-Experten rechnen mit einem Übernacht-Zusammenbruch, dafür ist nach der Bundestagswahl am 22. September immer noch ausreichend Zeit. Auch sonst kann sich noch eine Menge entwickeln. Zeise & Co. bauen aber auf ihren früher "ziemlich guten Trackrekord". Warten wir ab, wie sich die Zwischenbilanz weiter entwickelt. 


Die Bankenaufsicht liess Betrüger jahrelang gewähren
(tagesanzeiger.ch) Der Devisenhändler Ipco hat seine Kunden um 125 Millionen Franken betrogen. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) ignorierte Hinweise auf den riesigen Betrugsskandal. Mehr...

Kommentar: Den Beitrag haben wir aufgenommen, um an einem Beispiel die Versäumnisse der Aufsichtsbehörden zu zeigen. Das ist keine Schweizer Spezialität. Ganz im Gegenteil, die Aufsicht der Eidgenossen gilt weltweit als vorbildlich. Von der deutschen, US-amerikanischen oder der britischen Bankenaufsicht, ist man längst an erhebliche Versäumnisse gewöhnt. Jetzt auch die Schweizer. Es zeigt, dass ohne eine gründliche, tiefgreifende Finanzreform dem Problem einfach nicht mehr beizukommen ist. Die Versäumnisse sind quasi fester Bestandteil des weiter geltenden Systems. Es ist bezeichnend, dass trotz Kenntnis der Betrügereien offensichtlich jahrelang nichts unternommen worden ist. Verfall der Sitten auch bei den Kontrolleuren, daran gibt es für uns schon lange keine Zweifel mehr.


Oranje im Niedergang
(konicz.info) Immobilienblase, Stagnation, hohe Arbeitslosigkeit, Überschuldung: Die Systemkrise erfaßt mit den Niederlanden das erste Kernland der Euro-Zone.
Die niederländische Rechtsregierung gilt als einer der letzten europäischen Verbündeten Berlins. Das Kabinett um Premier Mark Rutte stützte bisher vorbehaltlos dessen Spardiktat in der Euro-Zone, während es zugleich selbst immer neue Kürzungsprogramme auflegte, um die EU-Haushaltsauflagen zu erfüllen. So sollen nach der Sommerpause erneut Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von rund sechs Milliarden Euro wirksam werden. Der »Spareifer« in Den Haag kann kaum darüber hinwegtäuschen, daß sich die Niederlande mit einer ausgewachsenen Schuldenkrise konfrontiert sehen, deren Dimension sogar die Südeuropas in den Schatten stellt. Damit scheint das erste Kernland der Euro-Zone vor ähnlichen Verwerfungen zu stehen, wie jenen, die bislang Südeuropa verheerten.  
Deutschlands westlicher Nachbar weist die höchste private Verschuldungsrate Europas auf, die inzwischen bei 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt. Zum Vergleich: Die Verbindlichkeiten der Privathaushalte in Spanien haben nie den Wert von 125 Prozent des BIP überschritten. Ein großer Teil dieses Schuldenberges ist auf die Hypotheken zurückzuführen, die während des lang anhaltenden Immobilienbooms im Oranje-Staat abgeschlossen wurden. Das Volumen ausstehender Hypothekenkredite stieg von 140 Milliarden Euro 1995 (das waren 46 Prozent des BIP) auf 640 Milliarden im vergangenen Jahr, was etwa 105 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Eine erste kleinere Bankenrettung (zehn Milliarden Euro) mußte der Staat bereits Anfang 2013 wegen der Bankengruppe SNS Reaal schultern. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ausgenommen die genossenschaftliche Rabobank sind alle niederländischen Banken bereits auf erhebliche staatliche Hilfen angewiesen. SNS Reaal wurde vom Staat komplett übernommen (hier). Es ist immerhin die viertgrößte Bank des Landes. Für deutsche Sparer ist die Entwicklung im Nachbarland nicht ohne Brisanz, da von ihnen erhebliche Beträge bei den niederländischen Banken angelegt worden sind. Da besteht trotz Einlagensicherung höchstes Gefahrenpotential. 

Die Niederlande werden die Krise alleine nicht meistern können. Trotz maximaler Sparanstrengungen, die sogar vor den Streitkräften nicht halt machen: "Im April 2011 beschloss die niederländische Regierung aufgrund fehlender finanzieller Mittel eine umfassende Umorganisation und Personalreduzierung für die Streitkräfte. So soll die Anzahl der Beschäftigten um effektiv 10.000 Personen sinken. Neben dem völligen Verzicht auf die Leopard-2-Kampfpanzer und die Eurocopter-Cougar-Transporthubschrauber werden unter anderem auch die F-16-Mehrzweckkampfflugzeuge in vier Staffeln zusammengefasst und von 87 auf 58 Maschinen reduziert. Als Kampftruppe sollen langfristig nur noch drei luftmobile, in der 11 Luchtmobiele Brigade und vier mechanisierte Infanteriebataillone des Heeres (Koninklijke Landmacht) (...) und zwei Verbände Marineinfanterie (Korps Mariniers) zur Verfügung stehen." Quelle: Wikipedia, 03.08.2013, hier. Weitere Einzelheiten in der Zusammenfassung "Eine kleinere Armee in Zeiten knappen Geldes – Neueste Planungen bei den niederländischen Nachbarn", vom 08.04.2011, hier.     

Klar ist auch, dass die Niederländer als Partner eines, besonders von Hans-Olaf Henkel seit 2010 gerne empfohlenen, Nord-Euro nicht mehr infrage kommen. Eine Tatsache, auf die wir immer wieder hingewiesen haben.

Die Sparmaßnahmen werden immer rabiater. Im Mai meldet "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de" (DWN) beispielsweise "Niederlande beginnen mit Kürzungen der Renten" (hier). 30 Milliarden Euro Fehlbetrag hinterlassen Spuren. Jetzt soll die Altersversorgung auch noch angezapft werden, wie in einem anderen Beitrag von DWN zu lesen ist: "Niederlande in der Schulden-Falle: Kein Geld mehr für Investitionen". In der Einleitung heißt es dazu: "Die niederländische Regierung verhandelt seit mehr als einem Jahr mit Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen und Banken über Investitionen für die kränkelnde Wirtschaft. Damit will sie eine zusätzliche Verschuldung durch staatliche Ausgaben umgehen. Doch die niederländischen Banken sind selbst angeschlagen." Mehr dazu hier. Vor Beginn der Sommerferien meldet DIE PRESSE in Österreich "Niederlande: Steuersünder dürfen nicht fliegen" und schreibt im Vorspann: "Wer dem Staat Steuern schuldet oder einen Strafzettel nicht bezahlt hat, darf nicht ins Flugzeug einsteigen und darf damit seinen Urlaub streichen." Mehr dazu hier. Nur damit das klar ist: Die Niederlande haben eine stramme Rechtsregierung, keine aus dem politisch linken Lager. 


Der chinesische Drache steht wieder auf 
(wirtschaftsblatt.at) Nach der Industrie gewinnt nun auch der Dienstleistungssektor im Reich der Mitte wieder an Schwung. Die Zahlen prophezeien einen guten Start ins zweite Halbjahr. Mehr...

Kommentar: Es soll schon wieder aufwärtsgehen, bei den Chinesen. Jetzt ist es die Dienstleistungsbranche, die bei der Kehrtwende mithelfen soll. Unsere Meinung zu der Situation in China ist hinlänglich bekannt. Die werden wir aufgrund dieser Meldung nicht ändern. Das ist bestenfalls eine Verlangsamung des Niedergangs. Wir halten es mit Keynes: "Wenn meine Informationen sich ändern, ändere ich meine Meinung." So weit ist es noch nicht. Unsere LeserInnen sollen selbst entscheiden. 


Wir steigern das Brutto-Gaga-Produkt
(handelszeitung.ch) Die USA geben heute neue Wirtschaftsdaten bekannt: Dank einer neuen Berechnung erhöht sich das Bruttoinlandprodukt auf einen Schlag um Milliarden. Europa und die Schweiz ziehen nach. Mehr...

Kommentar: Wir haben schon kürzlich darüber berichtet (hier). Eine neue Stufe der Zahlenmanipulationen rund um das BIP und die Staatsschuldenquote (= Verhältnis der Staatsschulden zum BIP). Dieser Verlockung können auch andere Volkswirtschaften einfach nicht widerstehen. Im September 2014 ist es so weit, Europa und die Schweiz folgen. Natürlich wird die Sache als Reform unter die Leute gebracht, als Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Uns stört es nicht, wir haben andere Quellen und lassen uns kein X für ein U vormachen.


US-Arbeitslose: Niedrigster Stand seit 2008
(wirtschaftsblatt.at) Die Arbeitslosenquote fiel im Juli auf 7,4 Prozent nach 7,6 Prozent im Juni - das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2008. Außerdem steigen die Konsumausgaben. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Nur soviel: Dieser Beitrag ist einer Wirtschaftszeitung unwürdig. Es wird auch nicht dadurch besser, dass alle deutschsprachigen Medien ungefähr das Gleiche schreiben. Ein bisschen mehr Mühe genügt, um hinter die Wirklichkeit zu kommen. Beispielsweise hier, bei "Alternate Unemployment Charts" von "John Williams' Shadow Government Statistics" (hier). Anders als bei der offiziellen Statistik, fallen bei John Williams für die Berechnung der US-Arbeitslosenquote nicht 90 Millionen erwerbsfähige US-Amerikaner mit der Begründung aus der Wertung, sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Der aktuelle Chart sieht bei Williams deshalb so aus: 

 

Interessant auch zu untersuchen, wo die Jobs entstanden sind. Schließlich wird schon seit Wochen behauptet, der Häusermarkt erholt sich wegen der neuen Bauaufträge. Dazu stellt ZERO HEDGE fest: "Where The Jobs Are (Retail) And Aren't (Construction)" (hier). Die Grafik aus dem Beitrag zeigt die Entwicklung:  


Das US-Konsumklima gibt ebenfalls wenig Anlass für Optimismus. JC Penney oder Wal Mart können ein Lied davon singen. 

ZERO HEDGE bietet die Gelegenheit, den Job-Plänen des US-Präsidenten Barack Obama die tatsächlichen Erfolge gegenüberzustellen: "Obamacare Full Frontal: Of 953,000 Jobs Created In 2013, 77%, Or 731,000 Are Part-Time". Das erinnert sehr stark an deutsche Verhältnisse: "When the payroll report was released last month, the world finally noticed what we had been saying for nearly three years: that the US was slowly being converted to a part-time worker society. This slow conversion accelerated drastically in the last few months, and especially in June, when part time jobs exploded higher by 360K while full time jobs dropped by 240K. In July we are sad to report that America's conversation to a part-time worker society is not "tapering": according to the Household Survey, of the 266K jobs created (note this number differs from the establishment survey), only 35% of jobs, or 92K, were full time. The rest were... not. Read more here. Erst die Grafik über die Qualität der Juli-Jobs: 



Jetzt der Chart für das gesamte bisherige Jahr 2013: 



Auf der Strecke bleiben außerdem die Jungen. Wieder ZERO HEDGE: "Record Jobs For Old Workers; For Others - Not So Much" (hier). Die beiden Grafiken aus dem Beitrag sind selbsterklärend: 




 
Das erinnert sehr stark an die Verhältnisse in Südeuropa, oder nicht? Dann bitte weiterlesen...


4 Out of 5 Americans Face Joblessness, Poverty
(washingtonsblog.com) Rampant Inequality – Which Destroys Economies – Skyrockets to the Highest Levels In History. Read more...

Kommentar: Ein Beitrag, randvoll mit Fakten und den entsprechenden Links dazu. Da sollten, für alle, die sich über die Situation in den USA ein eigenes Bild machen wollen, keine Wünsche offen bleiben. Außerdem gibt es reichlich Charts, angeblich wichtiger als 1000 Worte. Eine davon zeigen wir vorab. Sie zeigt, dass seit 1979 auch der US-Mittelstand auf der Strecke bleibt:  



US Factory Orders Miss (Again); Biggest 4-Month Drop In A Year
(zerohedge.com) For the third month in the last four, US Factory Order growth missed expectations. In fact the last four months have seen the biggest plunge in a year. Adding to the disappointment for the 'manufacturing renaissance' hopes (despite proof in the payrolls data that it does not exist) is the fact that New Orders (ex-transports) dropped 0.4% (its worst in 3 months) with non-durable shipments down 0.6%. Read more...

Kommentar: Ohne Worte. Wir zeigen statt dessen zwei von drei Charts aus dem Beitrag: 



 

Ein Aufschwung sieht für uns auf jeden Fall anders aus. Was auch die folgende Grafik eindrucksvoll bestätigt: 



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.