Dienstag, 6. August 2013

Standpunkt 718 - Nachrichten-Ticker, 05.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Fed vs. Deutschland (2 Beiträge) – Letta zu Europa (4) – Experiment Spanien – Roubini zu den Schwellenländern


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon eine Weile hier, daß wir ein neues Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten mit Hochdruck an einem neue Update. Ursprünglich wollten wir längst damit fertig sein. Daraus ist leider nichts geworden, ständig kommen neue Informationen dazu, die wir unbedingt noch verarbeiten wollen. Wir bitten um Verständnis und Geduld, das Warten lohnt sich! Wir beschäftigen uns ausführlich mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, mit der virtuellen Währung Bitcoin, mit dem Zypern-Modell, den Plänen der EU zur Bankenrettung, mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot, oder den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus. Außerdem natürlich mit den in Deutschland schon lange bekannten zahllosen Methoden der Enteignung.


Fed: Deutsche sollen Inflation ertragen
(diepresse.com) Ein Bericht der US-Notenbank sorgt dieser Tage für Aufregung. Die Fed fordert die Europäische Zentralbank auf, mehr Geld zu drucken und in Ländern wie Deutschland höhere Inflationsraten zuzulassen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Robert Hetzel von der Federal Reserve Bank of Richmond unterstreicht in seinem Working Paper (hier) noch einmal die Ansichten der US-Notenbanker über, die aus ihrer Sicht richtigen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung: Gelddrucken. Der Rest, so meinen sie, kommt dann von ganz alleine. Hetzel ignoriert dabei aber völlig, dass die Liquidität der Fed bisher weder für ausreichend neue Jobs, noch für nennenswertes Wirtschaftswachstum in den USA gesorgt haben. Lediglich die Spekulation wurde angeheizt. Die Grafik am Schluss unserer gestrigen Ausgabe (hier) ist eindeutig. Auf die bescheidene Entwicklung des US-Arbeitsmarkt sind wir in jüngster Zeit ausführlich eingegangen, beispielsweise hier. Bitte dort noch einmal nachlesen. Positive Daten liefern schon seit Monaten nur die offiziellen Statistiken, deren Qualität ist mangelhaft. 

In Deutschland nehmen die Leitmedien Hetzel's Ideen nicht zur Kenntnis. Lediglich Mark Schieritz hat sich im Herdentrieb-Blog der ZEIT in einem kleinen Beitrag damit beschäftigt: "Die Amis attackieren die EZB" (hier). 

Geld drucken, um damit Staatsanleihen zu kaufen, ist keine Lösung. Das nützt nur der Finanzindustrie und den Spekulanten. Eine höhere Inflation als Folge eines Wirtschaftsaufschwungs ist in Ordnung. Als Folge nutzloser Liquidität nicht. Das Problem ist jedoch die mangelhafte Qualität und fehlende Vergleichbarkeit der Inflationsrate. Sehr schön darstellbar an Hand der US-Daten. John Williams vergleicht regelmäßig "seine" Inflationsrate mit der offiziellen (hier). Bemerkenswert, wie die Werte seit 1983 auseinandergehen. Mittlerweile ist der Unterschied erheblich. 


 

Ein neues Modell für Europa
(project-syndicate.org)  Es wird immer offensichtlicher, dass business as usual nicht ausreichen wird, damit Europa die aktuelle Krise überwindet. Wir brauchen ein konkreteres Europa, weniger rhetorisch und besser angepasst an die globale Wirtschaft. Wir dürfen uns nicht nur auf die spezifischen Maßnahmen der EU konzentrieren, sondern müssen auch darüber nachdenken, wie wir ihre Politik ändern – eine Veränderung, bei welcher Wirtschaftswachstum an oberster Stelle steht. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Ein Beitrag des italienischen Regierungschefs Enrico Letta, der damit begonnen hat, die Sparpakete seines Vorgängers Mario Monti teilweise wieder aufzuschnüren. Die Medien haben darüber berichtet: "Italien rückt von Sparversprechen ab" (hier), "Italien wird Immobiliensteuer abschaffen" (hier), "Letta setzt Wachstumspaket für Italien durch" (hier). Letta beschreibt eine Reihe guter Ansätze, die aber alle an der einen wichtigen Sache kranken: sie lösen die Krise in Europa nicht. Dafür kommen diese Ideen viel zu spät. Die Menschen in Europa werden keinen Schritt in Richtung Veränderung mitgehen, so lange nicht die Krise gelöst ist. Das ist aktuell die wichtigste Aufgabe der politischen Elite in Europa, der sie sich bisher jedoch verweigert. Die europäische Krise ist eine Bankenkrise, sonst nichts. Die Finanzindustrie ist für die Politik der mächtigste Gegner, gleichzeitig Freund und Feind. Erfolgreich verhindert sie politische Entscheidungen für eine tiefgreifende Finanzreform. Die Regierungen zeigen sich handlungsunfähig, allen voran die deutsche Kanzlerin. Schon vor einem Jahr haben wir aus unserer Sicht die Frage "Was macht Regierungen handlungsunfähig?" beantwortet (hier). Aufgeworfen hatten diese Frage damals der US-Ökonom Michael Spence und der Politikwissenschaftler David Brady


Das spanische Experiment gibt Deutschland Recht
(welt.de) In Spanien wird derzeit ein einmaliges Experiment durchgeführt – ein Programm aus Sparmaßnahmen und Strukturreformen. Für die Euro-Zone geht es um alles. Wenn es gelingt, triumphiert auch Deutschland. Mehr...

Kommentar: Die deutsche Wahlpropagandamaschine kommt auf Touren. Die Bundesregierung will um jeden Preis Erfolge melden, möglichst aus allen Krisenländern Europas. Weil Spanien das Wasser bis "Oberkante Unterlippe" steht wird flux erklärt, das Land habe sich "zu einem riesigen Labor für ein Experiment entwickelt, das noch in keiner modernen Demokratie probiert wurde". Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel, da darf dann auch gelogen werden: "Seitdem die Regierung im Dezember 2011 gewählt wurde, hat sie den Bankensektor, das Arbeitsrecht und die Sozialsysteme reformiert." Die Exporte befinden sich "auf dem Niveau von Deutschland" und "aus dem Handelsbilanzdefizit ist ein Überschuss geworden" (logisch, wenn die Importe massiv einbrechen, weil es im Land an Kaufkraft fehlt). 


"Spanien gestern und heute" (Quelle: toonpool.com)


In Wahrheit steht Spanien noch am Anfang der Krise. In den Medien wird sie in den kommenden Wochen klein geschrieben. Das größte Problem, die Bankenkrise, wird bis nach der Bundestagswahl vertagt. Die 34 Milliarden Euro zur Rettung der spanischen Banken waren nur der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein". Selbst die ursprünglich kalkulierten 100 Milliarden Euro reichen nicht aus. Europas bisherige Rettungstaten für Spanien bringt die folgende Karikatur auf den Punkt: 


Quelle: toonpool.com

Übrigens, wie viel Propaganda die WELT in diesen Artikel gepackt hat, lässt sich schon an der Überschrift ablesen. Das WALL STREET JOURNAL, von dem der Beitrag ursprünglich stammt, titelt nur "Das spanische Experiment könnte gelingen". Die Einleitung fällt ebenfalls sehr viel sachlicher aus: "Steht die spanische Wirtschaft tatsächlich vor einer Erholung? Das ist eine wichtige Frage, die weit über die krisengeplagten südeuropäischen Volkswirtschaften hinausgeht." Mehr dazu hier.
   

Ärger im Schwellenlandparadies
(capital.de) Der große Boom in den BRICS-Staaten ist vorbei. In den kommenden Jahren droht ihnen ein langsameres Wachstum - und dafür ist nicht nur die schlappe Weltkonjunktur verantwortlich. Von Nouriel Roubini. Mehr...

Kommentar: Roubini setzt sich, für uns nicht unerwartet, kritisch mit der Entwicklung in den Schwellenländern auseinander. Er begründet seinen Standpunkt nachvollziehbar. Ein Diskussionsbeitrag, der rund um China oder Brasilien, die Aufmerksamkeit unserer LeserInnen verdient.  


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.