Freitag, 9. August 2013

Standpunkt 721 - Nachrichten-Ticker, 08.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Kampf um Wasser – EU-Wachstumsprognosen – Schwellenländer vs. deutsche Exporte – Merkels Milliarden-Hypothek – Dänische Sorgen – Österreich – China


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Der Kampf um das Wasser
(project-syndicate.org) Aufgrund des sich verschärfenden geopolitischen Wettbewerbs um natürliche Ressourcen entwickeln sich manche strategischen Ressourcen zu treibenden Kräften in Machtkämpfen. Grenzübergreifende Wasserressourcen stellen ein besonders starkes Motiv für Konkurrenz und Konflikt dar, was zu einem Wettrennen bei der Errichtung von Dämmen führt und Aufgrund des sich verschärfenden geopolitischen Wettbewerbs um natürliche Ressourcen entwickeln sich manche strategischen Ressourcen zu treibenden Kräften in Machtkämpfen. Grenzübergreifende Wasserressourcen stellen ein besonders starkes Motiv für Konkurrenz und Konflikt dar, was zu einem Wettrennen bei der Errichtung von Dämmen führt und die Vereinten Nationen veranlasst, vermehrt Forderungen nach Anerkennung des Wassers als wichtiges Sicherheitsproblem zu stellen. Mehr...

Kommentar: Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem Thema, das nach unserer Einschätzung für die Zukunft höchste Aufmerksamkeit verdient. Wer sich von uns beraten lässt, der weiß: Wasser halten wir  für wichtiger als Gold oder Silber. Das Eigentum an einem Wasserreservoir wird, neben Ackerland, in wenigen Jahren ein kostbares Gut. Leicht möglich, dass Trinkwasser hoher Qualität irgendwann unbezahlbar wird. Nur logisch, dass sich die Finanzindustrie bereits große Stücke vom Kuchen dauerhaft sichert. Wasser wird schon bald Öl den Rang als wichtigste Ressource ablaufen, dieser Entwicklung muss jeder bei seiner Zukunftsplanung Rechnung tragen. Der Autor, Brahma Chellaney, gilt als ausgewiesener Experte. Er schildert die Schwierigkeiten einer ausreichenden Wasserversorgung und kommt am Ende zu einem knappen, aber eindeutigen Fazit: "(...) wir müssen uns auf die Lösung unserer Wasserversorgungsprobleme so konzentrieren, als ob unser Leben davon abhinge. Das tut es ja eigentlich auch." 


Experten senken Wachstumsprognosen
(derstandard.at) Der Konjunkturpessimismus unter europäischen Finanzexperten wächst: die Krise dauert an und hält sich länger. Mehr...

Kommentar: Während das deutsche Ifo-Institut findet, das "Wirtschaftsklima im Euroraum hellt sich auf", wir haben gestern darüber berichtet und kommentiert (hier), senken in einer Umfrage der EZB 51 Ökonomen die Prognose für das Wirtschaftswachstum um weitere 0,2% auf minus 0,6%. "Auch für die kommenden beiden Jahre korrigierten die Experten ihre Prognosen leicht nach unten", schreibt DER STANDARD. Der Beitrag behandelt außerdem die Stimmung unter den jungen Unternehmern in Österreich und ihre Forderungen an die Politik zur Lösung der Krise. Neues haben wir nicht entdeckt, es sind die üblichen neoliberalen Ideen, die längst gescheiterten (zur Begriffserklärung hier, hier und hier). 


Krise in den Schwellenländern schwächt deutsche Exporte
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Export-Industrie ist das Zugpferd der deutschen Wirtschaft und ein guter Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Erneut sind die Exporte nun zurückgegangen: Im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent. Vor allem die Krise in den Schwellenländern macht sich zunehmend bemerkbar. Aber auch die anhaltende Rezession in der Eurozone wird ebenfalls zum Problem. Mehr...

Kommentar: Vorsicht vor den propagandistischen Freudensprüngen in den kommenden Wochen bis zur Bundestagswahl. Wer es mit Immanuel Kant hält ("Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"), der sollte auf der Hut sein. Die deutsche Export-Industrie steckt schon in der Bredouille, das darf nur noch niemand wissen. 

 
Merkels Milliardenhypothek – das falsche Spiel mit Griechenlands Schulden
(nachdenkseiten.de) Angela Merkels Ablehnung eines weiteren Schuldenschnitts für Griechenland wird von Monat zu Monat unhaltbarer. Nun mahnt sogar schon der IWF „Schuldenerleichterungen“ für den griechischen Staat an. Dass es so weit kommen musste, ist eine direkte Folge von Merkels Krisenpolitik. Deutschland wird schon bald die Rechnung für die marktkonforme Politik seiner Kanzlerin serviert bekommen. Denn Angela Merkel hat alles in ihrer Macht stehende getan, um die privaten Gläubiger Griechenlands herauszuboxen und die Risiken dem Steuerzahler aufzuladen. Wen wundert es da, dass die Kanzlerin ihre guten Umfragewerte über die Zeit retten und momentan nichts von einem Schuldenschnitt wissen will? Von Jens Berger. Mehr...

Kommentar: Eine ausgezeichnete Analyse, der wir nichts hinzufügen. Was Berger über Ursache und Wirkung schreibt, ist nicht gerade das, was die deutschen Euro-Gegner hören, bzw. lesen wollen. Es ist nämlich nicht der Euro, der Schuld an dieser unsäglichen Entwicklung trägt, sondern einzig und allein die deutsche Krisenpolitik der Eisernen Lady Kanzlerin Angela Merkel. Deren Spardiktate sind völliger Schrott und gehören unverzüglich entsorgt. Leider wird es dazu nicht kommen. Angela Merkel wird, nicht zuletzt mangels Alternativen, am 22. September mit einem überwältigenden Ergebnis wieder gewählt. Ihre Politik dadurch bestätigt. Womit die Deutschen treu und brav ihrem Schicksal folgen, das Winston Churchill einmal so beschrieben hat: "Das ist der größte Vorwurf an die Deutschen: Daß sie trotz ihrer Intelligenz und trotz ihres Mutes immer die Macht anhimmeln." (...selbst wenn sie den allergrößten Mist baut, Anm. d. Verf.). Ganz zum Schluss zahlen die Deutschen die Zeche für die von ihnen verantwortete Politik, das ist nur logisch. Das beschränkt sich dann nicht mehr nur auf die 27% Anteil an den Rettungspaketen. Bezahlt werden muss auch noch für die Maßnahmen zur Rettung der heimischen Banken. Dafür können leicht 90% der Ersparnisse, bzw. Vermögen draufgehen. Oder wer soll am Ende für den pleiten Primus Deutsche Bank eintreten, wenn die europäischen Nachbarn ihre Milch bereits gegeben haben? 

Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag und zeigt die Sünden der Merkel'schen Krisenpolitik für Griechenland: 




Noch ein Blick auf die Folgen im Land selbst. Die Jugendarbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen beträgt aktuell 64,9%, eine neue Rekordmarke: 


Quelle: zerohedge.com


Für diese und alle anderen Sünden in Europa wird Merkel am 22. September belohnt - unfassbar. 


Danish Sorrows
(acting-man.com) We had to read the headline of a recent Bloomberg article twice to grasp its meaning. See if you can do better: "New Crisis Lurks in Cure for Old as Danish Probe Shows Risks".
Say what? What they mean is that a previous credit crisis was somehow 'cured' and that now said 'cure' threatens to create a new crisis. 'Danish probe' is not some unmentionable medical procedure, but is meant to indicate that all of this is happening in Denmark, home to both a recently expired housing bubble and the biggest mortgage credit market per capita in the world. As one might imagine, not exactly a very comforting combination. A government committee is involved in the 'probing'. So what was the magic cure?
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Kommentar: Dänemark gehört zu den Ländern, die nach Meinung des Chef-Lobbyisten der Bank of America in Deutschland, Hans-Olaf Henkel, in der Krise sehr viel besser dastehen, weil sie nicht der Eurozone angehören. Das Land gehört zu seinen Auserwählten für die Gründung des Nord-Euros, wie immer wieder von ihm zu hören und zu lesen ist. 

In Wahrheit befindet sich Dänemark in einem höchst bedrohlichen Zustand. Ohne Hilfe der EZB(!), die mit Milliardenkrediten(!) eingesprungen ist, hätte das Land längst eine kapitale Bankenkrise. Durch diese Hilfen wurde die Entwicklung zwar verlangsamt, die Ursachen aber nicht behoben. Mittlerweile kommt noch eine ausgewachsene Rezession hinzu. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann neue Hilfen nötig werden. Jedenfalls ist das beliebte dänische Modell nicht mehr vorzeigbar. 


Treichl: "Wirklich gutes Geschäft" für den Steuerzahler
(diepresse.com) Die Erste zahlte die Staatshilfe von 1,22 Milliarden Euro zurück. Der Steuerzahler erhielt dafür eine Dividende von 448 Millionen Euro. Mehr...

Kommentar: Unsere Meinung zu den österreichischen Banken ist hinlänglich bekannt. Sie kollidiert mit den Aussagen in diesem Beitrag. Wir stellen nicht in Abrede, dass sich die Situation für die Erste Bank entspannt haben mag. Nur ist die Krise noch lange nicht zu Ende und die Schwierigkeiten der Raiffeisen Bank International zeigen, dass die Risiken in Osteuropa noch gar nicht so richtig auf dem Tisch liegen. Außerdem: Warum sollen es die Banker in Österreich mit ihren Kunden und den Steuerzahlern ehrlicher meinen als anderswo? Darauf haben wir keine Antwort gefunden. 


Lang lebe Chinas Boom
(project-syndicate.org) Nachdem China dreißig Jahre lang ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Höhe von 9,8% erzielt hat, ist seit nunmehr 13 aufeinanderfolgenden Quartalen eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu verzeichnen – der erste längere Zeitraum seit Beginn der "Reform- und Öffnungspolitik" im Jahr 1979, in dem eine derartige Verlangsamung stattfindet. Auf Jahresbasis umgerechnet ist das reale BIP im zweiten Quartal dieses Jahres um nur 7,5% gewachsen (entsprechend dem Ziel, das sich die chinesische Regierung tatsächlich Anfang des Jahres gesetzt hatte). Viele Indikatoren deuten auf eine weitere Abschwächung des Wirtschaftswachstums hin, und Investoren zeigen sich zunehmend pessimistisch über die Aussichten für China. Wird Chinas Wirtschaft einbrechen? Mehr...

Kommentar: Die Antwort nimmt die Überschrift schon vorweg. Der Autor, Justin Yifu Lin, ist ein chinesischer Ökonom und Vizepräsident der Weltbank. Außerdem gilt er als Experte für Entwicklungspolitik. Das zusammen verleiht seiner Meinung Gewicht. Er glaubt daran, dass es China gelingen wird bis 2028 eine jährliche Wachstumsrate von 8% zu erreichen. Dazu "muss China vor allem seine marktorientierten Reformen vertiefen, diverse Strukturprobleme angehen und seine Volkswirtschaft entsprechend seiner komparativen Vorteile entwickeln", so Justin Yifu Lin weiter. Ein ambitioniertes Ziel, dem nach unserer Einschätzung eine Menge Probleme entgegenstehen. Die kann China nur mit einer funktionierenden Weltwirtschaft lösen - die gibt es aber für lange Zeit nicht. Drei Charts, die einen kleinen Teil der chinesischen Probleme verständlich machen: 



Quelle: zerohedge.com

Quelle: zerohedge.com

Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de



"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.