Montag, 12. August 2013

Standpunkt 724 - Nachrichten-Ticker, 11.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bundestagswahlkampf – Grundrecht Wahlboykott – Deutsche Banken in Angst – Hollands AAA – Griechenland  – Schweizer erwarten „Hypotheken-Falle“ – Fed hilft ausländischen Banken


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Wahlkampf: Merkels Gift wirkt
(sueddeutsche.de) Tabuthema Europa: Im Wahlkampf scheint die existenzielle Gefahr der großen europäischen Krise wie weggeblasen. Das liegt vor allem daran, dass Kanzlerin Merkel das Thema vergiftet - und Sentiments schürt, die kaum noch zu erschüttern sind. Mehr...

Kommentar: Eine hervorragende Analyse des Merkel'schen Bundestagswahlkampf 2013. Für den die Deutschen dankbar sind, wie die Umfragewerte eindrucksvoll zeigen. Natürlich liegt dieser blutleere Wahlkampf auch daran, dass Peer Steinbrück kein beinharter Gegner für die Kanzlerin ist, sondern nur ein Ziel verfolgt: Partner zu sein in einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Ein Kalkül, das voraussichtlich nicht aufgehen wird. 


Wahlboykott ist Ignoranz
(zeit.de) In Deutschland macht sich Wahlfrust breit. Dabei ist die Entscheidung für eine Partei dieses Mal so einfach wie selten, kommentiert Zacharias Zacharakis. Mehr...

Kommentar: Wir haben es unseren LeserInnen prophezeit: Wer nicht zur Wahl geht, der wird unter Druck gesetzt. Diese Keilerei wird bis zum 22. September noch an Schärfe zunehmen. Niemand darf sich von solchen Phrasendreschern wie Zacharakis von seinem Vorsatz abbringen lassen, die Wahl am 22. September einfach zu ignorieren. Das ist auch Teil der Demokratie. Es gibt gute Gründe dafür, dass in Deutschland statt einer Wahlpflicht, wie in Luxemburg, Italien oder der Schweiz, ein Wahlrecht besteht. 

Das Grundgesetz (GG) schreibt vor, in welcher Form und unter welchen Bedingungen Wahlen durchzuführen sind. Art. 38,1 GG bestimmt: "Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Anträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen." 

In "Grundwissen Wahlen: Das verfassungsrechtliche Fundament der Wahl" (hier) heißt es u. a.: "Freie Wahl bedeutet vor allem, dass der Wähler sein Wahlrecht ohne Zwang oder sonstige unzulässige Beeinflussung von außen ausüben kann. Durch die Wahlfreiheit soll eine freie, umfassende Wahlbetätigung vor und nach der Wahl geschützt werden. Dieser Grundsatz fordert aber nicht nur, dass der Akt der Stimmabgabe frei von Zwang und unzulässigem Druck bleibt, sondern ebenso sehr, dass die Wähler ihr Urteil in einem freien, offenen Meinungsbildungsprozess gewinnen und fällen können. Natürlich besteht damit auch die Freiheit, nicht zu wählen." Es ist eindeutig ein Grundrecht, das zu verteufeln niemandem zusteht. Unsere deutschen LeserInnen können davon ohne Gewissensbisse am 22. September Gebrauch machen.

 
Deutsche Banken zittern vor Kapitalanforderungen
(wirtschaftsblatt.at)  Große Banken brauchen wegen neuer Vorschriften für den Umgang mit Großkrediten in Deutschland bald womöglich deutlich mehr Kapital. Mehr...

Kommentar: Die betroffenen Landesbanken werden sich schwertun bei der Kapitalbeschaffung. Den Eigentümern, Sparkassen und Bundesländern, wird das nämlich nicht gefallen. Davon abgesehen: Ein paar % mehr Eigenkapital lösen die Probleme mit der Entsorgung des Giftmülls in den Bilanzen nicht. Das Siechtum wird nur verlängert. 


Negativer Ausblick für Hollands AAA
(cash.ch) Die Mitgliedschaft im exklusiven Klub der Länder mit AAA-Rating nützt den Niederlanden nicht mehr viel. Unsichere ökonomische und politische Aussichten lassen die Anleiherenditen stetig ansteigen. Mehr...

Kommentar: Die Ratingagenturen können nicht viel länger die Augen vor der holländischen Not verschließen. Schon im September 2011 haben wir geschrieben: "Viele der von den Ratingagenturen noch mit gesicherter Triple-A-Bewertung  geführten Länder erfüllen die Voraussetzungen nicht mehr. Australien, Dänemark, Kanada, Niederlande, Schweden und Schweiz gehören längst herabgestuft." Die Begründung ist hier unter "No Triple-A" nachzulesen. Obwohl es viel zu lange schon gutgeht: die aufgeführten Länder kommen alle noch an die Reihe.


Griechenland-Rettung: Bundesbank widerspricht Optimisten
(n-tv.de) Kommt Griechenland bei der Sanierung seines Haushalts voran? Die Bundesbank ist einem Medienbericht zufolge skeptisch. Etwaiger Reform-Optimismus sei "politischen Zwängen" geschuldet, nach der Bundestagswahl könnte das wieder anders aussehen. Das feuert die Diskussionen um einen neuen Schuldenschnitt an, und Athen zündelt mit. Mehr...

Kommentar: Ein ehrliches Statement der Bundesbank, das so gar nicht in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs passt. Sie widerspricht damit der offiziellen Linie der Bundesregierung, von der die Notwendigkeit eines Schuldenschnitts für Griechenland bisher vehement bestritten wird. Leider hat n-tv den ursprünglichen Beitrag, der online nicht mehr zur Verfügung steht, durch die Aussage "Athen zündelt mit" und die Ergänzung um den letzten Absatz, in seiner Deutlichkeit abgeschwächt. 


Schweiz: SNB-Vize warnt vor "Hypotheken-Falle"
(tagesanzeiger.ch) Bei 40 Prozent der neuen Hypotheken wird die Vorsichtsregel nicht eingehalten, sagt SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine. Er rechnet bei einem Zinsanstieg mit vielen Zahlungsausfällen. Mehr...

Kommentar: Die Schweizer sind schon sehr viel weiter mit ihrer selbstkritischen Einschätzung der Gefahren des heimischen Immobilienmarkts. In Deutschland sind Makler und Banken immer noch damit beschäftigt, eine vergleichbare Krise kleinzureden, um ihre Geschäfte weiter am Laufen zu halten. Natürlich, bis zu einem Zinsanstieg wird es noch dauern, aber er kommt so sicher wie das sprichwörtliche "Amen in der Kirche". Dann wird sich rächen, dass die deutschen Banken bei der Vergabe von Hypothekendarlehen keinen Deut besser sind als die Schweizer. Die Folge: Ein Blutbad.

In der Schweiz ist die freizügige Vergabe von Hypotheken übrigens schon länger ein Thema. Der TAGES-ANZEIGER meldete bereits im vergangenen Mai "Der Schweiz droht ein Hypothekendesaster" und in der Einleitung war Folgendes zu lesen: "40 Prozent der neuen Hypotheken gehen an Kunden, die gemäss einer Nationalbank-Studie einen starken Zinsanstieg nicht verkraften. Für UBS-Chef Sergio Ermotti ist das Risiko für einen solchen Zinsschub hoch." Mehr dazu hier


Where The Fed's Excess Reserves Are Going: 51% Foreign Banks; 49% Domestic
(zerohedge.com) (...) there is a direct correlation between the excess reserves created by the Fed, and the cash holdings of domestic and foreign banks (operating in the US) disclosed by the Fed's weekly H.8 statement. So with the Fed's reserves reaching new all time highs with every week courtesy of the $85 billion in monthly flow injected by the Fed some wonder where is this cash ending up. The answer: in the week ended July 31, a record $1,157 billion was parked with foreign banks in the US, while "just" $1,112 of the Fed's created reserves was allocated to US banks. Or, in short, the Fed's QE-created reserves have gone to: Foreign banks: 51%, Large-domestic banks: 36%, Small domestic banks: 13%. Read more...

Kommentar: Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, was da passiert. Die folgende Grafik stammt aus dem Beitrag und zeigt die Entwicklung seit der Krise 2008: 


   
Es hat den Anschein, als hält vor allen Dingen die Fed das internationale Finanzsystem, inklusive der beteiligten europäischen Banken, für stabil. Die Fed wird ihre guten Gründe dafür haben. Der Part der EZB erscheint demgegenüber lächerlich gering und die öffentliche Erregung in Deutschland daran unangebracht und die Kritik der Wortführer in Karlsruhe reichlich blasiert. 

Noch klarer wird es bei ZERO HEDGE im vergangenen Februar formuliert: "How The Fed's Latest QE Is Just Another European Bailout". Der Beitrag lässt keine Zweifel zu: "Back in June 2011 Zero Hedge broke a very troubling story: virtually all the reserves that had been created as a result of the Fed's QE2, some $600 billion (which two years ago seemed like a lot of money) which was supposed to force banks to create loans and stimulate the US (not European) economy, ended up becoming cash at what the Fed classifies as "foreign-related institutions in the US" (or "foreign banks" as used in this article) on its weekly update of commercial banks operating in the US, or said simply, European banks." Read more here. Der Beitrag ist randvoll mit Grafiken, von denen wir eine an dieser Stelle zeigen: 




Die "troubling story" verdient ebenfalls ungeteilte Aufmerksamkeit: "Exclusive: The Fed's $600 Billion Stealth Bailout Of Foreign Banks Continues At The Expense Of The Domestic Economy, Or Explaining Where All The QE2 Money Went" (here). 

Einer der Nutznießer, die so am Leben erhalten werden, ist die Deutsche Bank. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.