Dienstag, 13. August 2013

Standpunkt 725 - Nachrichten-Ticker, 12.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutsche Bank und die Libor-Affäre (2 Beiträge) – Europa-Krise im Wahlkampf (4) – Staatshaushalt Deutschland – Dänemark – Italien  – Japan


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre
(manager-magazin.de) In der Libor-Affäre rügt die Finanzaufsicht die Deutsche Bank wegen zu lascher Kontrollen. Sie hat offenbar einfachste Regeln missachtet. Ein kriminelles Versagen des Vorstands kann die Behörde aber nicht erkennen. Mehr...

Kommentar: Ein vorhersehbares Ergebnis. In den USA und Großbritannien wurde wenigstens gegen die beteiligten Banken Klage erhoben. Hierzulande gilt unverdrossen, was der US-Journalist Matt Taibbi für die US-Ausgabe des ROLLING STONE so beschreiben hat: "Gangster Bankers: Too Big to Jail" (hier). Die BaFin war, ist und bleibt ein zahnloser Tiger. 


DIW rät Merkel: Vor Wahl nicht über nächste Griechenland-Rettung sprechen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Das zu einem signifikanten Teil aus Steuergeldern finanzierte Institut für Wirtschaftsforschung rät der Bundesregierung, den unausweichlichen Schuldenschnitt für Griechenland nicht mehr vor der Bundestagswahl zu thematisieren. Die Botschaft ist jedoch klar: Die Griechen haben die Auflagen der Troika nicht erfüllt, also ist jetzt der deutsche Steuerzahler in der Pflicht. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Es ist purer Schwachsinn so zu tun, als gehe es um die Rettung Griechenlands. Die Griechen sind Berlin, der EU und dem IWF, völlig egal. Es geht in Wahrheit nur darum, eine Verschärfung der Bankenkrise in Europa so lange wie möglich zu verhindern. Das dient vor allen Dingen den deutschen Steuerzahlern, weil sich dadurch die billionenschwere Pleite heimischer Banken weiter verzögert. Die nicht erfüllten Auflagen der Troika sind schmückendes Beiwerk dieser groß angelegten Show. Das ist der Knochen, auf den sich die deutsche Entrüstung konzentrieren soll. Und es funktioniert prima. Berlin, EU und IWF, legen gerade noch einmal nach: "Troika fordert Beschlagnahmung griechischer Häuser" melden aktuell ebenfalls die "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de". In der Einleitung dazu heißt es: "Viele Griechen können aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Lage im Land ihre Hypotheken nicht mehr abzahlen. Die Troika fordert daher, dass es den Banken wieder erlaubt wird, die Häuser der säumigen Griechen zu beschlagnahmen." Mehr dazu hier. Der Beifall an den deutschen Stammtischen ist dieser Maßnahme sicher. 

Den LeserInnen, die sich noch einmal mit den Hintergründen der griechischen Krise beschäftigen möchten, empfehlen wir den Beitrag "Krisenmythos Griechenland" von Tomasz Konicz, erschienen am 04.05.2010 bei HEISE/TELEPOLIS, hier. Eine hervorragende Analyse, die außerdem viel Wissenswertes über die schwelende Finanzkrise und ihre Ursachen vermittelt.


Europe’s bail-out programmes: What Angela isn’t saying
(economist.com) Euro-zone rescues have left sovereign debt too high to be sustainable. Read more...

Kommentar: Lesen. Es lohnt sich. Europa wird unter den Maßnahmen zur Rettung der Banken zusammenbrechen. 


Deutsche Finanzen in Schieflage
(blog.fuw.ch) Der österreichische Wirtschaftsoziologe Rudolf Goldscheid (1870-1931) schrieb einmal: "Das Budget ist das aller täuschenden Ideologien rücksichtslos entkleidete Gerippe des Staates." Der Satz ist nach wie vor gültig. Wer sich schnell einen Überblick über die politische und wirtschaftliche Geschichte eines Landes verschaffen möchte, braucht nur die Entwicklung der öffentlichen Finanzen anzuschauen. (...) Deutschland gilt als Fels in der Brandung, aber bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass seine finanzpolitischen Möglichkeiten beschränkt sind. Es ist klar, dass die Eurozone nicht um eine Rekapitalisierung der Banken und einen grossen Staatsschuldenschnitt herumkommen wird. Nach wie vor ist unklar, wer das bezahlen soll. Mehr...

Kommentar: Ein interessanter Beitrag, dessen Fazit jedoch an der Wirklichkeit weit vorbei geht und deshalb am Ende nicht auf den Punkt kommt. Weder genügt die Rekapitalisierung der Banken, noch hilft ein Staatsschuldenschnitt. Völlig illusorisch auch die Beschränkung der Maßnahmen auf die Eurozone. Ohne eine weltweit koordinierte Finanzreform, eine Entlastung der Staatsschulden um die Rettungspakete für die Banken und einen New Deal 2.0 in den Industriestaaten, zahlen am Ende deren Bürger die Zeche. Weil die Politik zu solchen tiefgreifenden Maßnahmen nicht fähig ist kommt es zum Kollaps, dem finanziellen Super-GAU. 


Dänemark plant EU-Referendum
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die dänische Regierung möchte die nächsten Wahlen nutzen, um weitere Souveränitätsrechte an Brüssel abzugeben. Doch die Wähler könnten der Politik einen Strich durch die Rechnung machen: 62 Prozent der Dänen sind gegen den Euro. Mehr...

Kommentar: Klar doch, Dänemark steht vor einer bedrohlichen Bankenkrise, da wäre eine Mitgliedschaft in der Eurozone eine vernünftige Sache. Nur dort gibt es viele Milliarden zur Rettung der dänischen Banken. Die hängen längst schon am Tropf der heimischen Zentralbank und die Danske Bank, Dänemarks No. 1, bedient sich kurzfristiger Hilfen der EZB (hier). Fakt ist: Die Ablehnung des Euro können sich die Dänen nicht länger leisten.


Italiens Banken brauchen Geld 
(n-tv.de) Die härteste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg hält Italien im Würgegriff. Eines der Probleme dabei: Der Anteil fauler Kredite in den Bank-Bilanzen steigt deutlich, er hat sich seit 2007 auf 249 Mrd. Euro fast verdreifacht. Kein Wunder, dass erste Stimmen laut werden, die mit neuen Staatshilfen für den Sektor rechnen. Mehr...

Kommentar: Logisch brauchen die Geld. Die offizielle Summe fauler Kredite hat außerdem wenig mit der rauhen Wirklichkeit zu tun. Sehr viel mehr wird kunstvoll versteckt. 


Japans Wirtschaft schwächer als erwartet
(derstandard.at) Regierungsberater wollen die Mehrwertsteuer-Erhöhung verschieben, Firmen investieren das sechste Quartal in Folge weniger. Mehr...

Kommentar: Nur zur Information. Augenblicklich gibt es keine guten Nachrichten aus Japan. Die Abenomics stecken fest. 


Quelle: chinadaily.com


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.