Mittwoch, 14. August 2013

Standpunkt 726 - Nachrichten-Ticker, 13.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Eurozone: Rezessionsende? (3 Beiträge) – China-Krise (3)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Ökonomen sehen Ende der Rezession in der Eurozone
(derstandard.at) Vor allem die gute Entwicklung Deutschlands bringt der Währungsunion wieder Wachstum. Neue Jobs gibt es aber zu wenig. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Erst wenige Tage ist es her, da meldete DER STANDARD "Experten senken Wachstumsprognosen". In der Einleitung heißt es dazu: "Der Konjunkturpessimismus unter europäischen Finanzexperten wächst: die Krise dauert an und hält sich länger." Mehr hier. Scheinbar war der Zeitung diese Meldung zu missmutig ausgefallen. Deshalb formuliert man heute forsch: "Die Eurozone lässt die Krise hinter sich." Gemeint sind damit das Nichts von 0,2% Wachstum. Bemerkenswert einfältig außerdem die durchweg positiven Beurteilungen zu den südeuropäischen Krisenstaaten. Die Grafik zum Beitrag unterstreicht den vermeintlichen deutschen Führungsanspruch: 




Die Erklärung ist vergleichsweise simpel: Deutschland unterhält einen riesigen Niedriglohnsektor und die Wirtschaft zahlt an ihre Beschäftigten insgesamt Löhne und Gehälter auf dem Niveau von 1998. Skrupellos werden dafür Gesetze (Beispiel: "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft", hier) und europäische Vereinbarungen gebrochen oder das Tarifrecht umgangen (Beispiel Daimler, hier). Deutschland verschafft sich so einseitig Wettbewerbsvorteile. Damit lässt sich prima gegen die europäischen Nachbarn und den Rest der Welt konkurrieren. Als Vorbild taugt das aber nicht. 

Die Schönschreibung der europäischen Verhältnisse nimmt aber gerade erst Fahrt auf. "Europe growing again means euro bloc stimulating global economy" titelt die griechische Zeitung EKATHIMERINI. Der Beitrag stammt von BLOOMBERG ("Europe Growing Again Means Boost for Global Economy", hier). Es ist phantastisch: "The euro area is turning into more of a help than a hindrance for the world economy. (...) 'We’re not expecting a boom in Europe, but there is a momentum shift, and you’re going to feel it in markets and the world economy,' said Joseph Lupton, a senior global economist at JPMorgan Chase in New York who also has worked at the Federal Reserve." Mehr von diesen sagenhaften Neuigkeiten gibt es hier.   

Beide Beiträge dienen bestens als Wahlkampfhilfe für Angela Merkel. Mehr nicht. In Wahrheit wird es einen heißen Herbst 2013 in Europa geben - in vielerlei Hinsicht. 


China Pushes Ahead With Financial Reform… Cautiously
(thediplomat.com) Chinese leaders are crossing the river by feeling the stones, but the river is proving to be wider than expected. Read more...

Kommentar: China steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten. Denen ist mit den bekannten Rezepten nicht beizukommen. Deshalb teilen wir nicht die positive Stimmung über die chinesische Entwicklung in den deutschsprachigen Medien. 


China's $1 Trillion GDP Lie
(zerohedge.com) From goal-seeked GDP, manipulated inflation, liquidity-flow-exaggerated trade data, and hidden (and divergent) PMI details, the question of the unreliability of Chinese data is not a new one. However, anecdotes aside, a new study from Peking University finds, conservatively, correcting for housing price inflation in the Chinese CPI data adds approximately 1% to annual consumer price inflation in China, reducing real GDP by 8-12% or more than $1 trillion. Read more...

Kommentar/Ergänzung: "Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken" (Dieses Zital wird Bejamin Disraeli zugeschrieben, Mitte des 19. Jahrhunderts britischer Premierminister). In diesem Tagen gängige Praxis und Grundlage der Politik. Zeigt sich gerade auch wieder in den USA: "Studie deckt auf: USA haben verdeckte Schulden von 70 Billionen Dollar" meldet "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de". Nicht schlecht: "Die USA haben einen Schuldenberg von über 70 Billionen Dollar angehäuft, fast sechs Mal so hoch wie die offizielle Zahl der Regierung. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von James Hamilton, Wirtschaftsprofessor der University of California in San Diego." Vielleicht ist das aber noch nicht alles: "Einigen Regierungskritikern geht die Rechnung Hamiltons noch nicht weit genug. Laurence J. Kotlikoff, ehemaliger Wirtschaftsberater im Kabinett Reagan, hält das US-Defizit noch für viel größer: „Wenn man sämtliche Zahlungsverpflichtungen zusammenzählt und die zu erwartenden Steuereinnahmen davon abzieht, ergibt sich eine Differenz von 211 Billionen Dollar“, sagte Kotlikoff in einem Radio Interview." Mehr hier. Die Studie dazu steht hier. Die Studie der Peking University gibt es hier


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.