Freitag, 16. August 2013

Standpunkt 728 - Nachrichten-Ticker, 15.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Frau Merkel und ihr Volk – IWF vs. Europa – Armenhaus Großbritannien – Zypern – USA (4 Beiträge) – Weltmacht Banken – Bad Banks


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Rhetorikanalyse: Für wie dumm hält Frau Merkel ihr Volk?
(stern.de) Die Worte der Kanzlerin sind linkisch, hilflos und fahrlässig - der Sprachkritiker Fritz J. Raddatz über die, nun ja, Redekunst der deutschen Regierungschefin Angela Merkel. Mehr...

Kommentar: Ein wichtiger Beitrag: Raddatz erklärt den Deutschen ihre Kanzlerin. Mehr ist nicht da, nur diese Rhetorik. Der Rest ist vollkommene Leere. Sie betreibt Politik mit Nichts, die sie mit ihrer Redekunst erfolgreich an die deutsche Frau und den deutschen Mann bringt. Dafür lieben sie ihre Landsleute und daraus speisen sich Monat für Monat die gleichbleibend hohen Umfragewerte für die Kanzlerin. Geschickt  hält sich Angela Merkel an das, womit ein weltbekannter Österreicher einmal sehr erfolgreich die Menschen für sich eingenommen hat: "Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Wort das Gewollte sich vorzustellen vermag." Das Volk wird ihr am 22. September wieder auf dem Leim gehen, soviel scheint sicher. 


The IMF's European Growth Expectations
(zerohedge.com) Assuming that Europe is still clinging together in 2016, we present the IMF's dreams of the future.. 
Perhaps most intriguingly: Germany will grow at an annual rate of 1.1 percent between 2011 and 2060, according to the OECD. The OECD says Germany has brought in fewer pro-growth reforms than any other member country since 2007. Read more...

Kommentar: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: 


Ein Albtraum. Der IWF traut sich was. Griechenland auf dem 1., Deutschland auf dem letzten Platz. Dazwischen liegen Welten. Das ist Wasser auf die Mühlen der Euro-Kritiker und Austrittsphantasten. Für belastbar halten wir die Prognose nicht: Woher sollen beispielsweise für Luxemburg die über 2% Wachstum kommen? Das Land ist, von Resten der ursprünglichen Stahlindustrie abgesehen, vollständig deindustrialisiert. Die Wirtschaftsleistung ist abhängig von den ansässigen ausländischen Banken und dem auf der Kippe stehenden Bankgeheimnis. An dieser Abhängigkeit wird sich bis 2016, und darüber hinaus, so schnell nichts ändern. Und birgt erhebliche Gefahren, wie die folgende Grafik zeigt: 

Klumpenrisiko; Quelle: fuw.ch


Großbritannien auf dem Weg zum Armenhaus der EU
(welt.de) Die Löhne der Briten sind seit 2010 so stark gesunken wie kaum irgendwo in Europa. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die nur noch bezahlt werden, wenn überhaupt mal Arbeit da ist. Mehr...

Kommentar: Unsere Meinung schon seit 2011. Damals schon prophezeite die Bank of England den Rückgang des britischen Lebensstandards auf das Niveau der 1920er Jahre. Großbritannien ist schwach und benötigt demnächst die Hilfe seiner Partner in der EU. Sollte Schottland mit seiner Separation Ernst machen, wovon wir ausgehen, wird sich die Entwicklung weiter verschärfen: Die Öleinnahmen brechen weg. Triple-A (S&P), die dicken Backen der Engländer wegen eines EU-Austritts: Alles Kokolores. Großbritannien wird noch der verhassten Eurozone beitreten müssen, darauf würden wir wetten.


Größere Finanzhilfen notwendig: Zyperns Wirtschaft mit massivem Einbruch
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die tatsächliche Wirkung des Bailouts für Zypern ist schon nach wenigen Monaten äußerst fragwürdig. Ähnlich wie in Griechenland führen die harten Maßnahmen zu einem deutlichen Schrumpfen der Wirtschaft. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Wirtschaft des Landes um 5,2 Prozent zurück. Die Kapitalverkehrskontrollen hemmen die Wirtschaft ebenfalls. Mehr...

Kommentar: Diese Entwicklung ist nur für Träumer eine Überraschung. Leider ist das Ende noch nicht in Sicht. "Zyperns Wirtschaft wird um 13 Prozent schrumpfen" erklärte erst kürzlich der IWF (hier). Bitte noch einmal den Beitrag "Zypern stürzt ins Bodenlose" von Tomasz Konicz lesen, den wir hier vorstellen und kommentiert haben.


Leitkultur USA
(handelsblatt.com) Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Amerika der Leitwolf für die Staaten des Westens. Warum die Europäer der starken Amerikanisierungstendenz wenig entgegen zu setzen haben. Mehr...

Kommentar: Die Gemeinschaftswährung sollte ursprünglich die Position Europas gegenüber den USA stärken. Deshalb hatten die Amerikaner auch alles unternommen, um die ursprünglich gemeinsam mit der Gründung der EWU (eigentlich EWWU= Europäische Wirtschafts- und Währungsunion) geplante wirtschafts- und finanzpolitische Integration der EU zu verhindern. Erfolgreich, wie wir mittlerweile wissen. Trotzdem hat es der Euro international zu Ansehen gebracht: "Angesichts des gefühlten permanenten Niedergangs der Euro-Zone dürfte es für viele Kritiker überraschend sein, dass die Einheitswährung seit ihrer Einführung gegenüber dem US-Dollar deutlich aufgewertet hat", heißt es dazu in diesem Beitrag. Europa hatte von Anfang an hochfliegende Pläne mit der Gemeinschaftswährung: "Der Euro: treibende Kraft in einem globalisierten Finanzsystem" ist eine Rede, die das damalige EZB-Direktionsmitglied, der Spanier Eugenio Domingo Solans, vor der  Offiziellen Spanisch-Schweizerischen Handelskammer in Zürich gehalten hat. Die Abschrift ist immer noch bei der EZB hinterlegt (hier). Lesenswert.


Ökonomen sehen verebben der US-Geldflut
(derstandard.at) Volkswirte setzen auf den baldigen Anfang vom Ende der großen Fed-Geldflut, Daten über die Robustheit der Wirtschaft gibt es heute. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Unglaublich, so viele werden sich irren: "Die meisten Ökonomen setzen auf ein baldiges Abebben der großen Geldflut der US-Notenbank. In einer am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Umfrage erwarten knapp drei Viertel der Volkswirte, dass die Federal Reserve im September den Fuß vom Gas nimmt. Die Experten gehen davon aus, dass die Notenbank in einem ersten Schritt das Volumen der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapiere um 15 Milliarden Dollar verringern wird. Derzeit kauft sie noch Papiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen." Das ist viel Lärm um Nichts. Es sei denn, die Fed will ein Blutbad anrichten. Selbst wenn der STANDARD versucht, halbwegs gute Nachrichten zu verbreiten und gleichzeitig meldet: "Licht am US-Arbeitsmarkt, Schatten in der Industrie". Im Vorspann heißt es dazu: "Überraschend positive Nachrichten vom Jobmarkt könnten die US-Notenbank darin bestärken, ihre Geldflut zu drosseln". Mehr hier. Wegen der US-Arbeitsmarktdaten, insbesondere der in Wahrheit 23% Arbeitslosenquote, verweisen wir auf die aktuelle Übersicht bei SHADOWSTATS (hier). Zur Entwicklung in der US-Industrie haben wir zwei aktuelle Charts von ZERO HEDGE







Der Konsum ist unterirdisch. Gradmesser ist Wal-Mart, der weltgrößte Kaufladen. Das ist sogar hierzulande angekommen. n-tv meldet "Wal-Mart verspürt Konsumflaute" und schreibt: "Zurückhaltende Verbraucher bremsen die Geschäfte des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart. Das Unternehmen verdient zwar immer noch ordentlich, das Management will aber auf die Kostenbremse treten." Mehr hier. Eindeutig auf den Punkt bringt es wieder ZERO HEDGE: "As Goes Wal-Mart; So Goes America...?". Desillusioniert geht es weiter: "While the 'people of Wal-Mart' may reflect the people of America, we hope - based on the chart below - that the growth in Wal-Mart does not reflect the growth of America..." Read here.


Es kommt einfach kein Geld an in der US-Wirtschaft, so lange nur die Banken von der Fed versorgt werden. Gut bezahlte Jobs sind Mangelware. Die Konsumenten plagen andere Sorgen: "US Consumer Bankruptcies Jump By Most In Three Years; Third-Party Collections At All Time High" meldet ZERO HEDGE außerdem. Read here.

Der angeblich wieder gut entwickelte Häusermarkt entspricht wohl eher der folgenden Karikatur: 




Sie leben im Wolkenkuckucksheim, die Ökonomen. Weit weg von der rauhen Wirklichkeit. 


Lallemand: "Banken werden zur Manipulation angestiftet"
(diepresse.com) Banken manipulieren Preise, Zinssätze, Benchmarks - und Politiker. Strafen dafür sind zu niedrig, sagt Benoît Lallemand von Finance-Watch im Gespräch mit der "Presse". Mehr...

Kommentar: Ein verdammt gutes Interview. Der Mann redet Klartext. Und bestätigt noch einmal eindrucksvoll, was Ex-Bundespräsident Johannes Rau zu seiner Zeit als NRW-Ministerpräsident ehrlich und offen so formuliert hat: "Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken." Die Wähler wollen das einfach nicht wahrhaben und deshalb wird sich auch nach dem 22. September nichts daran ändern. Ihr Pflichtbewusstsein siegt über die Vernunft, sonst würden sie die Wahl einfach boykottieren. 


Warum die Bad Banks unverzichtbar sind
(welt.de) Bad Banks sind aus dem Finanzalltag nicht wegzudenken. Sieben deutsche Banken haben Papiere von mehr als 500 Milliarden Euro ausgelagert. Das zeigt: Längst nicht alles ist Schrott. Mehr...

Kommentar: Wieder einmal wird Sch..ße zu Gold verklärt. Bad Banks haben, wenn überhaupt, nur eine Daseinsberechtigung am Ende einer Finanzreform. Vorher kaschieren sie nur Pleiten, Pech und Pannen unfähiger, macht- und geldgeiler Banker, bzw. Politiker. Außerdem das komplette Versagen der Aufsichtsbehörden. Leidtragender ist der Steuerzahler. 


Quelle: cartooncommerz.de


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.