Mittwoch, 21. August 2013

Standpunkt 733 - Nachrichten-Ticker, 20.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Austeritätspolitik (2 Beiträge) – Europa: Aus der Krise gelernt? – Wohlstand ohne Wachstum – Obama will Finanzreform – China (2)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die kläglichen Fundamente der Austeritätspolitik
(nachdenkseiten.de) Wenngleich große Teile der deutschen Medien in der letzten Woche die Nachricht feierten, dass das BIP im Euroraum im zweiten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gestiegen ist ("Es geht wieder bergauf"; "Ende der Rezession: Europa berappelt sich" etc.), bleibt die wirtschaftliche Lage in den Euro-Krisenländern (Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Irland, Zypern) trostlos, wie ein Blick auf die neuen, von Eurostat veröffentlichten Daten zeigt (Eurostat 2013a). So fiel in Spanien, Italien und Zypern das BIP im zweiten Quartal 2013 abermals gegenüber dem Vorquartal, wenn auch in geringerem Maße als noch zu Beginn des Jahres (für Griechenland und Irland liegen noch keine Daten für einen solchen Vorquartals-Vergleich vor). Damit ist die Wirtschaftsleistung in Spanien seit nunmehr sieben Quartalen, in Zypern und Italien gar seit acht Quartalen in Folge geschrumpft. Von den Krisenländern verzeichnet allein Portugal im zweiten Quartal 2013 einen Anstieg des BIP gegenüber dem Vorquartal (von 1,1 Prozent), wobei aber zu berücksichtigen ist, dass die portugiesische Wirtschaft zuvor zehn Quartale hintereinander geschrumpft war. Mehr...

Kommentar: Ein blitzsauberer Beitrag. Eine feine Analyse der gescheiterten europäischen Krisenpolitik unter deutscher Führung. An der Spitze dieser Schande eine völlig überforderte Eiserne Lady Kanzlerin Angela Merkel, die für ihre finanz- und wirtschaftspolitische Unfähigkeit am 22. September sogar belohnt werden wird. Das findet, wie andere beschämende Ereignisse auch, als Brandmal Eingang in die deutsche Geschichte. 

Nicht schlüssig ist für uns das Fazit des Autors. Einzig seine Forderung nach einer sofortigen Beendigung der Austeritätspolitik und eine fundamentale Änderung der Wirtschaftspolitik passt. Bezüglich der Banken verwechselt er Ursache mit Wirkung. Nur eine tiefgreifende Finanzreform schafft die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und nachhaltige Lösung der Krise in Europa. Dazu haben wir schon so häufig Stellung bezogen, dass wir heute darauf verzichten. Die Idee einer Auflösung der Eurozone ist, auch das haben wir erst gestern dargestellt (hier), in ihren finanziellen und wirtschaftlichen Folgen unkalkulierbar. Dem ist mit grauer Theorie nicht beizukommen. Der Autor vertritt die Linie von Heiner Flassbeck, der schon im vergangenen Jahr einer "Scheidung der Euro-Partner" das Wort geredet hat (hier). Europa braucht ein Vorbild. Erst wenn die USA ihre Politik ändern, d. h. eine ernsthafte Finanzreform beginnen und einen neuen New Deal kreieren, traut sich auch Europa was. Davon sind wir überzeugt. 


Beendet die Austerität jetzt 
(project-syndicate.org) In den jüngsten Wochen gab es zunehmend Gerede über das Einsetzen eines zarten Konjunkturaufschwungs in der Eurozone, und wichtige Kennzahlen deuten auf ein Wachstum in den Kernländern hin. Viele zitieren diese Daten als Beleg dafür, dass die Austerität endlich funktioniert. Erste US-Geldmarktfonds sind (wenn auch vorsichtig) dabei, die Finanzierung der europäischen Bankschulden wieder aufzunehmen. Selbst Goldman Sachs investiert derzeit optimistisch in großem Umfang in europäische Aktien. Aber ist wirklich eine Konjunkturerholung im Gange?
Zyniker erinnern daran, dass sich eine europäische Erholung angeblich schon im vierten Quartal 2010 verfestigen sollte und dass seitdem jede einzelne Prognose des Internationalen Währungsfonds einen Aufschwung "bis Jahresende" vorhergesagt hat. Stattdessen ist das BIP eingebrochen; die spanische und die italienische Volkswirtschaft sollen in diesem Jahr um fast 2% schrumpfen. Portugals Wirtschaft dürfte um über 2% zurückgehen, und Griechenlands Produktionsleistung wird um mehr als 4% sinken.
Zudem ist die Arbeitslosigkeit in der Eurozone steil angestiegen und beträgt inzwischen durchschnittlich rund 12%, wobei über 50% Jugendarbeitslosigkeit in den Peripherieländern einen langfristigen Talentverlust und eine Erosion der Steuerbasis andeuten. Und trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit ist das Produktivitätswachstum in der Eurozone eindeutig negativ.
Wichtiger noch: Während des vergangenen Jahres ist die öffentliche Schuldenquote in Italien um 7%, in Irland um 11% und in Portugal und Spanien um 15% gestiegen. 

(...) Tatsächlich ist jedes Gerede über einen Aufschwung verfrüht, bevor nicht die durch die Austerität angefallenen Verluste wieder wettgemacht sind. Wie es derzeit aussieht, hat bisher jedes Land, das ein Austeritätsprogramm umgesetzt hat, ohne die privaten Gläubiger an den Verlusten zu beteiligen, heute mehr Schulden als bei Programmbeginn. So hat sich laut offiziellen Schätzungen die Staatsverschuldung Spaniens, die sich zu Beginn der Krise auf nur etwa 36% vom BIP belief, beinahe verdreifacht – und die tatsächliche Zahl könnte sehr viel höher sein. Vielsagender ist, dass die Länder, die ihre Ausgaben am stärksten kürzten, die größten Anstiege bei den Anleiherenditen und das deutlichste Schuldenwachstum erlebten. Mehr...

Kommentar: Noch ein Aufruf zu mehr Weitsicht in den Köpfen der europäischen Politiker und Technokraten. Ein mutiger Vorstoß, der aber ohne Wirkung bleibt. Es fehlt an der nötigen Einsicht. Der Autor,  Mark Blyth, kommt jedenfalls zu einem eindeutigen Fazit: "Die Führungen der Eurozone müssen erkennen, dass Ausgabesenkungen nicht zu einer Bilanzstabilisierung der Banken der Kernländer, die sich zu stark in Staatspapieren der Peripherieländer engagiert haben, beitragen. Solange Europa die Austerität nicht zugunsten eines wachstumsorientierten Ansatzes aufgibt, werden sich alle Anzeichen eines Aufschwungs als illusorisch erweisen."   


Hypotheken-Vergabe in Europa: Aus der Krise gelernt?
(boerse-online.de) Die EU-Staaten haben aus der Finanzkrise unterschiedlich viel gelernt. Von einem harmonisierten Finanzsystem ist die Gemeinschaft noch weit entfernt - wie man an der Vergabe von Immobilienkrediten sehen kann. Einige Beispiele. Mehr...

Kommentar: Leider nicht dabei: Dänemark und Schweden. Was der Beitrag auch nicht beschreibt, ist die Praxis bei der Kreditvergabe durch die Banken. Etwas, auf das kürzlich in der Schweiz hingewiesen worden ist (hier). Wir halten es nicht für möglich, dass sich nur die Schweizer Banken dem dort beschriebenen Geschäftsmodell bedienen.  


Wohlstand ohne Wachstum
(format.at) Wie Wohlstand ohne Wachstum sichern? Wissenschafter und Unternehmer entwickeln neue Modelle.
Die Wirtschaftsaussichten sind düster. Doch abseits von Krisengipfeln arbeiten Forscher, Unternehmer und Konsumenten an einer besseren Zukunft: Weniger Stress, weniger Arbeit, weniger Umweltzerstörung. Offen ist, wie massentauglich das ist. Mehr...


Kommentar: Ein weiter Blick in die Zukunft, wenn die Ökonomen die uralten Zöpfe ihrer Lehren endlich abgeschnitten haben: "Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum könne endlos weiter gehen, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom" (Kenneth Boulding, Ökonom, 1910 - 1993). Das Thema wird in den westlichen Industrienationen starke Beachtung finden müssen, je früher um so besser. Der Beitrag klärt auf. 


Obama fordert Tempo bei US-Finanzmarkt-Reform
(derstandard.at)  US-Präsident Barack Obama hat die Regulierungsbehörden seines Landes aufgefordert, die nur zäh vorankommende Finanzmarkt-Reform zügig voranzubringen. Die Reform soll eine Antwort der Regierung auf die schwere Finanzkrise 2007/2008 sein und unter anderem die Macht von Großbanken beschneiden. Allerdings sind sich die die beteiligten US-Behörden bei den Details nicht immer einig. Zudem versucht die Bankenlobby, das Vorhaben zu ihren Gunsten beeinflussen. Mehr...

Kommentar: Er ist und bleibt ein begnadeter Selbstdarsteller, der US-Präsident. Wir glauben jedenfalls nicht mehr daran, dass während seiner Amtszeit noch wesentliche Dinge in Richtung einer US-Finanzreform passieren. Dodd-Frank Act und Volcker Rule verstauben weiter in irgendeiner Schublade - schon seit 2010.

 
Ideologiepapier der chinesischen Regierung: Sieben Schüsse gegen den Westen
(sueddeutsche.de) Chinas politische Führung fürchtet, die Kontrolle über das Land zu verlieren. Doch statt sich zu öffnen, identifiziert die Parteispitze einen äußeren Feind: den Westen. In einem ideologiegetränkten Dokument warnen die Kommunisten vor Einflüssen aus dem Ausland. Das zeigt bereits Wirkung. Mehr...

Kommentar: Chinas Führung teilt aus, weil ihr im eigenen Land die wirtschaftliche Entwicklung mächtig viel Ärger macht. Es ist keinesfalls so, wie hierzulande bevorzugt kommuniziert wird, dass sich die Probleme mit wenigen Handgriffen aus der Trickkiste der Ökonomen beheben lassen. Wir sehen durch diesen Beitrag unsere Vorbehalte gegenüber diesen Beschönigungen bestätigt. 


Gefahr für Chinas Banken-Viererbande
(manager-magazin.de) Chinas vier große Staatsbanken dominieren den Markt - sie leihen Geld an Staatsunternehmen, für die der Staat garantiert. Leidtragende sind private Unternehmen und kleine Sparer, die nun zu den Schattenbanken flüchten. Das System gerät ins Wanken. Mehr...

Kommentar: Eine der vielen chinesischen Baustellen. Dieses System zu reparieren, kostet nach unserer Schätzung mindestens 1/3 der Währungsreserven des Landes, 1.000 Milliarden $. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.