Samstag, 24. August 2013

Standpunkt 736 - Nachrichten-Ticker, 23.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Bundestagswahl und Europa II (3 Beiträge) – Europa-Krise – Deutsche Autohersteller und China – Bank of Cyprus – Türkei – US-Häusermarkt – China (2)


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die Bundestagswahl und Europa II: Die wirtschaftsprogrammatische Krise der Parteien
(querschuesse.de) Der Aufsatz "Die Bundestagswahl und Europa: Die Wählerkrise" ist angeregt diskutiert worden und mein Eindruck ist, dass dieses Thema von mir noch nicht abgeschlossen behandelt wurde, jedenfalls nicht im Sinne einer Orientierung kurz vor der Bundestagswahl. Ich möchte den Aufsatz deswegen fortsetzen und greife dafür zwei aufeinander bezogene Kommentare zum angesprochenen Aufsatz auf Querschuesse von "Markt" und "Holly01" auf, weil die sich meines Erachtens dafür anbieten. Ich hoffe, die beiden haben nichts dagegen. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Auf den ersten Beitrag von SLE haben wir vor zwei Tagen hingewiesen und ihn mit Hilfe einer Karikatur kommentiert (hier). Logisch, dass wir die Fortsetzung vorstellen und besonders unseren deutschen LeserInnen empfehlen. Wir haben aber keine Ahnung woher SLE die Hoffnung nimmt, dass aus "Potenzial für eine neue politische Konstellation in der Bundesregierung" sich auch "Veränderungen im politischen Kurs" ergeben können. Schließlich beschreibt er selbst "die wirtschaftsprogrammatische Krise der Parteien"

Dazu passt ein Interview im MANAGER MAGAZIN über die Europa-Strategie der SPD: "Ich weiß, das klingt utopisch". Einleitend heißt es: "Europa brauche eine Vision, um die Euro-Krise lösen zu können, sagt Christiane Krajewski, Wirtschaftsfachfrau im Kompetenzteam von SPD-Kandidat Peer Steinbrücks. Ein Gespräch über unbequeme Wahrheiten und weiträumige Entwürfe." Mehr hier. Da ist nichts Brauchbares dabei, um die Krise in Europa zu lösen. Von einer Vision ganz zu schweigen.

Vor dem Hintergrund dieser verbreiteten Ratlosigkeit in den Parteien, kann nicht mehr verwundern, wenn die FRANKFURTER RUNDSCHAU findet "40 Prozent Nichtwähler sprechen Bände" und im Vorspann dazu schreibt: "Nichtwähler sind nicht notwendigerweise demokratiemüde. Sie sind der Alternativlosigkeit müde – und wählen dennoch nicht extrem. Nichtwähler erkennen das bemühte Fabrizieren von Lagern in Wahlkämpfen der Alt-Parteien als unglaubwürdige Inszenierung." Mehr hier

Wir haben es hier geschrieben: "Es bleibt nur, diese Wahl zu boykottieren. Nur dann hat man die Gewissheit, die Schlächter nicht auch noch gewählt zu haben, die später mithelfen, dem ganzen Volk für die 'alternativlose' Rettung 'seiner' Banken, das Fell über die Ohren zu ziehen." 


Weshalb die Eurokrise noch lange nicht vorbei ist
(blog.fuw.ch) "Whatever it takes." Das waren die Worte, mit denen EZB-Chef Mario Draghi vor knapp dreizehn Monaten die Eurokrise entschärfte und die Finanzmärkte beruhigte. Wer allerdings glaubt, die seither verzeichnete relative Ruhe an den Finanzmärkten bedeute den Anfang vom Ende der Eurokrise, täuscht sich. Der irische Ökonom Kevin O’Rourke hat zusammen mit Alan Taylor von der University of California (Davis) im aktuellen Journal of Economic Perspectives einen brillanten Aufsatz zu den grundlegenden, nach wie vor ungelösten Problemen der Eurozone geschrieben. Wer ihn liest, muss zum Schluss kommen, dass wohl erst das Ende des Anfangs der Krise hinter uns liegt. Hier der Link zum Originaldokument. Die Lektüre lohnt sich, das Papier ist in dichter, verständlicher Sprache geschrieben und bringt auf gut zwanzig Seiten die wichtigsten Probleme auf den Punkt. Auf zwei Argumente gehen wir im Nachfolgenden etwas genauer ein. Mehr...

Kommentar: Bitte alles lesen. Die ideale Wochenendlektüre. Am Schluss muss jeder für sich die Frage beantworten, ob den europäischen Spitzenpolitikern überhaupt die Lösung der beschriebenen Probleme zugetraut werden kann? Unser Vorschlag: Nein.


Deutsche Autohersteller: Der gefährliche Kunde China
(zeit.de) Die deutschen Autohersteller glänzen in China, 40 Prozent aller verkauften VW gehen an chinesische Kunden. Doch die Abhängigkeit von Fernost birgt ein großes Risiko. Mehr...

Kommentar: Winterkorn's Ziel ist es, mit Hilfe des chinesischen Marktes VW zum weltgrößten Autokonzern aufzubauen. Dafür lässt sich der Konzern sehr weit auf die Wünsche Chinas ein. 40 Fabriken sollen im Land entstehen und einige Zehntausend Arbeitsplätze. Geplant sind bisher 35.000. Alle müssen/werden nachziehen. Selbst Porsche. Angeblich produzieren Chinas Universitäten sehr gut ausgebildete Ingenieure, etc. Die suchen gut bezahlte Jobs - nicht am Fließband sondern in den Entwicklungsabteilungen westlicher Konzerne im Land. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann hierzulande diese Arbeitsplätze verschwinden. Längerfristig geht es den deutschen Arbeitsplätzen insgesamt an den Kragen. Liest man die Kommentare zu dem Artikel, dann ist diese vorhersehbare Entwicklung nicht allen klar. 


Russen schlagen zurück und übernehmen Bank of Cyprus
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Russen übernehmen die zypriotische Problem-Bank Bank of Cyprus und sagen ganz offen, dass es sich um eine Retourkutsche gegen die Deutschen handelt. Deutschland wollte mit dem Zypern-Crash die Russen vertreiben - und merkt nun, dass das gar nicht so einfach ist. Mehr...

Kommentar: Der Beitrag ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig es in den Medien mittlerweile um eine objektive Berichterstattung geht, sondern nur um Meinungsmache. Was so sehr aufgebauscht wird, ist nur die logische Folge der Rettungsmaßnahmen für Zypern durch Berlin, Frankfurt und Brüssel. Zu behaupten, es wäre Deutschland darum gegangen, die Russen zu vertreiben, ist pure Propaganda. Für die deutsche Kanzlerin und ihren Finanzminister ist es wichtig gewesen, die russischen Kunden der betroffenen Banken so weit wie möglich an der Rettung zu beteiligen. Das ist gelungen. Dabei war von Anfang an klar, dass es im Gegenzug eine Beteiligung an der Bank of Cyprus geben wird (hier). Die fällt entsprechend hoch aus, da die Betroffenen kräftig bluten müssen (hier). Die Insel kontrollieren sie deshalb noch lange nicht. Das zu behaupten, ist reine Wichtigtuerei eines Anwalts. 


"Wirtschaftswunderland" Türkei stürzt in die Krise
(welt.de) Das einstige Modellland Türkei rutscht in die Krise: Besonders in den Städten wächst die Not – und damit der Protest. Die Regierung Erdogan zieht es vor, Schuldige statt Gründe zu suchen. Mehr...

Kommentar: Eine absehbare Entwicklung, die wir schon erwartet haben. Zuletzt beschrieben in unserem Standpunkt 707, vom 25.07.2013, hier. Schon sehr viel früher, im September 2012, haben wir geschrieben, der türkische Erfolg ist "eine Luftnummer, weil kreditblasenfinanziert" (hier). Ein sehr großer Teil davon, 75% der ausländischen Direktinvestitionen, stammt aus EU-Ländern. Die wären in Ländern wie Portugal oder Griechenland sicherlich besser zu gebrauchen gewesen. Die privaten Haushalte sind längst hoch verschuldet und haben 70% der türkischen Wirtschaftsleistung erreicht. Die tatsächliche Arbeitslosenquote liegt bei mehr als 17%, während offiziell unter 10% angegeben wird. Die Türkei war nur oberflächlich betrachtet ein Erfolgsmodell. 


US-Bürger kaufen deutlich weniger neue Häuser
(spiegel.de) Die US-Wirtschaft scheint auf gutem Kurs, doch jetzt trübt sich ein wichtiger Indikator ein: Im Juli wurden weit weniger neue Wohnhäuser verkauft als noch im Juni. Ein Grund dafür könnte das erwartete Ende der Niedrigzinsen sein. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Eine erstaunlich ehrliche Meldung, wenn man bedenkt, dass der SPIEGEL grundsätzlich ein hohes Lied auf die Entwicklung der US-Wirtschaft singt. Die Einzelheiten dazu liefert ZERO HEDGE: "New Home Sales Crater To Lowest Since October; Biggest Drop Since May 2010; Median Home Price At 6 Month Low" (hier). Wir zeigen dazu drei Grafiken aus diesem und einem früheren Beitrag: 










Eine nachhaltige Erholung sieht anders aus...


Chinas neue Wachstumsordnung
(project-syndicate.org)  Zwischen 1978 und 2012 wuchs Chinas BIP mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 10% – von 341 Milliarden auf 8,3 Billionen Dollar (in Preisen von 2012) – und befreite dabei mehr als 500 Millionen Chinesen aus der Armut. Die war großenteils durch eine exportorientierte Industrialisierungs- und Urbanisierungsstrategie bedingt, durch die sich in den rasch wachsenden Städten, wo Arbeitskräfte, Kapital, Technologie und Infrastruktur zusammenkamen, um Lieferkapazitäten für globale Märke zu bilden, neue Chancen eröffneten. Laut dem McKinsey Global Institute werden bis 2025 29 der 75 dynamischsten Städte der Welt in China liegen. Doch schuf dieses stadtgestützte, exportorientierte Wachstumsmodell zugleich mehr Herausforderungen, als es heute bewältigen kann: Immobilienblasen, Verkehrsstaus, Umweltverschmutzung, eine nicht aufrecht zu erhaltende kommunale Verschuldung, landbezogene Korruption und soziale Unruhen, die mit dem ungleichen Zugang zu sozialen Leistungen in Verbindung stehen. Infolgedessen steht ein Wandel hin zu einem neuen, konsumorientierten Wachstumsmodell, das Stabilität, die Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen und Nachhaltigkeit betont, ganz oben auf der chinesischen Agenda. China ist auf der Suche nach einer neuen "Wachstumsordnung" für seine rastlos expandierenden Städte. Mehr...

Kommentar: China steht vor einer Herkulesaufgabe, deren Umfang von den beiden Autoren in diesem Beitrag verständlich beschrieben wird. Weil die deutsche Exportindustrie in eine zunehmende Abhängigkeit von China gerät, darf uns und unseren LeserInnen die Entwicklung dort nicht gleichgültig sein. Dieser Aufsatz kann die eine oder andere Informationslücke schließen. 


China's Unprecedented Demographic Problem Takes Shape
(zerohedge.com) Chinese society is on the verge of a structural transformation even more profound than the long and painful project of economic rebalancing, which the Communist Party is anxiously beginning to undertake. As we recently discussed, Stratfor warns China's population is aging more rapidly than it is getting rich, giving rise to a great demographic imbalance with important implications for the Party's efforts to transform the Chinese economy and preserve its own power in the coming decade. In fact, as BofAML notes, China's working-age population peaked last year (3 years ahead of demographers' schedule) representing a major turning  point for the world's economy. Read more...

Kommentar: Ein weiteres Problem, dem China gegenübersteht. Die Grafiken aus dem Beitrag zeigen die absehbare Entwicklung:












"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.