Montag, 26. August 2013

Standpunkt 738 - Nachrichten-Ticker, 25.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir bemühen uns darum, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 

Fragen, Anregungen und Kritik einfach an der-oekonomiker@email.de schicken.

Für "Neuankömmlinge" und "Auffrischer" haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die "Gastbeiträge" gibt es hier.


Tagesthemen: Deutschland in der Welt – Gemeinschaftswährung – Gold – US-Staatshilfe 


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon viele Monate her, daß wir ein Update zu diesem wichtigen Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Wir arbeiten an einem Upgrade. Neben den zahllosen Methoden der Enteignung aus der deutschen Geschichte beschäftigen wir uns mit den Vorschlägen von DIW und Boston Consulting Group zur Lösung der Krise in Europa, der virtuellen Währung Bitcoin, dem Zypern-Modell, den Plänne der EU zur Bankenrettung, außerdem mit Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Goldverbot und den Folgen der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus.


Die Banalität des Guten
(heise/telepolis.de) "Irgendein Klugscheißer hat mal den Spruch von der ‚Banalität des Bösen’ erfunden", knurrt John Cusack in Zimmer 1408, einem Horrorfilm nach Stephen King aus dem Jahr 2007.
Nach Margarethe von Trottas Hannah Arendt-Film, der letztes Jahr das Zitat eindeutig verortete, war abzusehen, dass das Pendant dazu nicht lange auf sich warten lassen würde.
"Die Banalität des Guten" ist die Kennmarke, die der britische Historiker-Journalist Timothy Garton Ash jetzt, im Vorfeld der Bundestagswahl, der Ära Merkel ins Gesicht drückt. Sein Artikel erschien im New York Review of Books und wie in diesem Blatt üblich wird er begleitet von einer Vignette, einem kleinen Portrait der Hauptperson. Das ist ein Stil, der über Jahrzehnte für den Review prägend war: Die mit spitzem Strich dahin gekratzten Zeichnungen seines 2010 verstorbenen Hauskünstlers David Levine erlangten Weltruhm.
Der gegenwärtige Amtsinhaber, James Ferguson, zeichnet die deutsche Kanzlerin mit Beatle-Frisur und stierem Martin-Luther-Blick samt bärbeißiger Kinnlade mit Mehrfach-Hautsäcken; dazu hält sie, quasi als Zepter und Reichsapfel, in der einen Hand einen Apfel und in der anderen - eine Orange? Der Symbolismus dieser Frucht ist mir unerfindlich (und bleibt auch im Artikel unerklärt). Eine "Banane" wäre klarer gewesen. Immerhin trägt la Merkel unter dem himmelblauen Power-Suit ein schwarz-rot-goldenes Trikot. Sie ist also eine Deutsche.
Der Autor, Ash, ist dagegen Brite und bekleidet zudem eine dieser nach einem Mäzen benannten Professuren an der Universität Oxford. Nebenher (oder auch nicht so nebenher) betreibt er eine kleine Schreibfabrik. Er gilt in Deutschland als der Brite, der sich in Sachen Deutschland auskennt - und ähnliches gilt auch für die USA und das UK, obwohl man dort natürlich am ausgestreckten Arm verhungern müsste, wollte man nur über Good Ol’ Germany schreiben. Entsprechend sieht seine Publikationsliste beim NYRB auch aus: Sie reicht Jahrzehnte zurück und deckt alle möglichen Themen ab. Mehr...

Kommentar: Vorab eine kleine Korrektur: David Levine ist ein Jahr früher als im Beitrag angegeben, in 2009, gestorben. Der Autor, Tom Appleton, ist Amerikaner und übersetzt beherzt den Artikel von Ash. Der zieht alle Register, um seinen Landsleuten in Großbritannien und der Verwandtschaft in Amerika Land, Leute und Kanzlerin verständlich zu machen. Eine Kostprobe: "Dreiundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist die vergrößerte Bundesrepublik Deutschland so ungefähr die solideste bürgerliche liberale Demokratie, die man irgendwo auf der Erde finden könnte", zitiert Appleton. Noch eine: "Dieses Land ist zivilisiert, frei, wohlhabend, gesetzestreu, gemäßigt und behutsam. Seine zahlreichen Tugenden können zusammengefasst werden unter der Formel der 'Banalität des Guten'." Ein wenig Kritik an Deutschland und seinen Politikern kommt auch vor. Alles in allem aber eine Sicht auf Europas verkappte Hegemonialmacht, mit der die Kanzlerin und ihr Wahlvolk ganz gut leben können. Der Rest wird sich die Augen reiben und den Kopf schütteln. Oder den Beitrag als Satire abtun. Abschließend noch die beschriebene Karikatur der Kanzlerin: 




The euro and the global crises: Finding the balance between short-term stabilisation and forward-looking reforms
(voxeu.org) The Eurozone crisis poses the single greatest downside risk to the global economic outlook. Were the founders of the euro hopelessly optimistic? This column argues that such crises present an opportunity for institutions to be put in place that prevent short-sightedness and increase the stability of the monetary union. Read more...

Kommentar: Dieser Beitrag von Joshua Aizenman, Professor für Ökonomie an der University of California, hat schon einige Zeit auf dem Buckel, er stammt aus dem Juni 2012. Gleichwohl enthält er einige Ideen und Argumente, die in der Diskussion um eine mögliche Lösung der Krise in Europa, nicht die schlechteste Figur machen würden. Bei hiesigen Ökonomen ist da leider nichts zu holen. Besonders bemerkenswert finden wir zwei Dinge in Aizenman's Aufsatz. Erstens: Er hat am Beispiel der USA seine Ideen zur Stabilisierung der Währungsunion entwickelt. Also genau die Maßnahmen sollen zum Zuge kommen, die hierzulande kategorisch in Abrede gestellt werden (u. a. von Hans-Olaf Henkel, der immer wieder behauptet, das US-Modell sei für die Eurozone nicht machbar). Zweitens: Es kommt nirgends das Wort "Austerity" (=Austerität) vor. Der Beitrag verdient Aufmerksamkeit. 


"Gold ist der Todfeind der modernen Wirtschafts- und Finanzwelt"
(format.at)  Gregor Hochreiter, Vorstand und Gründer von "Oekonomika", über den Zustand des Finanzsystems, Gold als Geldstoff und das Ende des Geldes als Sinnersatz. Mehr...

Kommentar: Der Autor vertritt die Österreichische Schule, angereichert mit viel "christlich-abendländischer Philosophie". Zu viel, wie wir finden. Diesen Beitrag schulden wir der Meinungsvielfalt und überlassen seine Bewertung unseren LeserInnen. 


Was aus der US-Staatshilfe wurde…
(format.at) War da eigentliche jemals etwas? US-Finanzkrise? US-Bankenkrise? US-Versicherungskrise? US-Autokrise? Doch, ja. Dunkel, nicht wahr?
Unternehmen wie GM, AIG oder Bank of America, haben die Finanzkrise im schlimmsten Fall verursacht, im besten Fall nur verschärft. Inzwischen notieren sie wieder im S&P 500 und erwirtschaften Gewinne in Milliarden-Höhe. Hedgefonds machen über ihre Investitionen in die Krisen-Mütter Fannie Mae und Freddie Mac gewaltige Profite. Alles wie gehabt, also? Nicht ganz. Mehr...

Kommentar: Die US-amerikanischen Steuerzahler haben über diverse Programme insgesamt mehr als 16 Billionen Dollar für Bailouts bereitgestellt, wie die Grafik am Ende zeigt. Davon sind viele Hundert Milliarden an europäische Banken geflossen, um die zu stabilisieren. Davon haben die Amerikaner bis heute keinen Cent wiedergesehen. Jetzt stehen die chinesischen Banken an, um mit dem Geld der US-Steuerzahler gerettet zu werden. Die Gewinne der US-Großbanken stammen aus höchst risikoreichen Geschäften und kreativen Bilanztricks, solide erwirtschaftet ist da nichts. Der Informationsgehalt des Beitrags geht gegen Null - ein Lückenfüller.  


Quelle: washingtonsblog.com


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen."
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern. 

Die Finanzkrise von 2008 geht weiter. Die Krise in Europa auch. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wir erwarten einen Kollaps des weltweiten Finanzsystems, der nicht beherrscht werden kann. 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Die Fassade bröckelt, zeigt schon tiefe Risse, hält aber bis zur Bundestagswahl. Die Bundesregierung hat sich, mit deutscher Gründlichkeit, auf die Zeit danach bestens vorbereitet. Ihre Planungen für die Enteignung der Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv) sind abgeschlossen. Wer sich vor diesen Maßnahmen erfolgreich in Sicherheit bringen will, muss jetzt handeln.